Aufrüttelnde Streifschüsse von heute

Als am 1. September 2020 der circa 22 bis 49 Meter große Asteroid 2011 ES4 etwa 122.880 Kilometer entfernt bzw. mit einem Drittel der Monddistanz die Erde streifte, bemerkte Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: „Dennoch, der nächste Impakt kann jederzeit geschehen.“ In den drei Jahrzehnten bis 2018 passierten unter anderem die folgenden kosmischen Objekte in einer relativ geringen Entfernung:

☼ Der ungefähr 300 Meter durchmessende Asteroid 4581 Asclepius flog am 22. März 1989 circa 640.000 Kilometer entfernt vorbei, was dem 1,7-fachen Mondabstand entspricht. Mit einer Geschwindigkeit von 70.000 Stundenkilometern und der zeitlichen Differenz von sechs Stunden kreuzte er die Erdbahn. Entdeckt wurde er neun Tage danach. Bei einem Treffer hätte er die Zerstörungskraft von etwa 600 Megatonnen TNT freigesetzt. Ein Vergleich: Die über Hiroshima gezündete Atombombe hatte die Sprengkraft von circa 13 Kilotonnen TNT. Bei der Explosion einer 10-Megatonnen-Atombombe entsteht ein Feuerball mit einem Durchmesser von etwa fünf Kilometern. Die Auswirkungen würden das Ausmaß der Zerstörung Hiroshimas um ein Vielfaches übertreffen.
In den antiken Mythen der Griechen und Römer wird Asclepius als der Gott der Heilkunst porträtiert. Zeus schleuderte ihn mit einem Blitz in die Unterwelt, da er Wunderheilungen an Toten versuchte. In Anbetracht des Streifschusses des gleichnamigen Eindringlings sollte die Impaktgefährdung der Erde nicht länger ignoriert oder verdrängt werden. Der Astronom Clark Chapman vom Southwest Research Institute in Boulder bemerkte nach dem Vorbeiflug: „Eines Tages wird uns einer dieser Brocken treffen.“

☼ Etwa alle vier Jahre nähert sich der nach einem gallischen Stammesgott benannte, circa 1,9 mal 2,4 mal 4,6 Kilometer große Asteroid 4179 Toutatis der Erde. Bei einem Einschlag würde er jegliche Zivilisation auslöschen, kommentierte die Nachrichtenagentur Interfax die Passage von 1996 unter Berufung auf den Astronomen Viktor Sokolow von der Russischen Akademie der Wissenschaften. 2004 raste Toutatis mit etwa 4-fachem Mondabstand vorbei. 2008 erinnerte der Berliner Astrophysiker Gerhard Neukum daran, dass Toutatis das Potential zum Einschlag hat, auch wenn das Eintreffen des Ereignisses noch Jahrmillionen dauern kann.

☼ Am 19. Mai 1996 flog der etwa 200 Meter große Felsbrocken 1996 JA1 circa 450.000 Kilometer entfernt vorbei. Erstmals registriert wurde der mit 90.000 Stundenkilometern rasende Asteroid vier Tage vorher. Hätte er sich um wenige Stunden verspätet, wäre er eingeschlagen. Der US-Astronom Eugene Shoemaker veranschaulichte den Crash: „Das ist so, als ob Sie alle amerikanischen und russischen Atomraketen auf einen Haufen packen und zünden.“

☼ Im Mai 2001 passierte der maximal 1,5 Kilometer große Asteroid 1999 KW4 mit einem bis zu 658 Meter großen Mond in einem Abstand von fünf Millionen Kilometern. Für die Eigenrotation benötigt er etwa drei Stunden. Sollte die Geschwindigkeit durch die Erwärmung der Sonne im Laufe der Zeit geringfügig zunehmen, könnte der Gesteinsbrocken auseinanderbrechen und zur Gefahr für die Erde werden, berichteten Forscher um Steven Ostro von der Nasa und Daniel Scheeres von der University of Michigan. Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung bestätigte, dass bei einem Auseinanderbrechen die Kollisionswahrscheinlichkeit steigen würde. Nun könnten Bruchstücke ihre Umlaufbahn verlassen. Der Doppel-Asteroid wird daher genauer unter die Lupe genommen.

☼ Im Jahr 2002 kam es zu vier bemerkenswerten Annäherungen. Am 7. Januar verfehlte der 300 Meter große Steinasteroid 2001 YB5 die Erde mit knapp doppeltem Mondabstand. Entdeckt wurde der die Erdbahn kreuzende Brocken erst wenige Tage vorher. Bei einem Impakt entspräche die freigesetzte Energie der Zerstörungskraft von mehreren hundert Atombomben. Würde ein Kernkraftwerk oder eine große Chemieanlage getroffen, wäre die Gefahr immens größer. Bei einem Einschlag im Meer entstünden verheerende Flutwellen, bemerkte Christian Gritzner von der Technischen Universität Dresden. Der Asteroid 2002 EM7 raste am 8. März 460.000 Kilometer entfernt vorbei. Der schätzungsweise 50 bis 100 Meter große Brocken näherte sich aus Richtung der Sonne und wurde erst nach dem Vorbeiflug bemerkt. Mit einem Drittel der Monddistanz überraschte am 14. Juni der 50 bis 120 Meter große Asteroid 2002 MN. Wäre er sieben Stunden zuvor eingetroffen, hätte er die Erde getroffen. Gesichtet wurde er nach dem Vorbeiflug. Der 400 bis 800 Meter große Asteroid 2002 NY40 passierte am 18. August mit 1,3-fachem Mondabstand. Zukünftig wird er sich aus verschiedenen Richtungen nähern.

☼ Wie beim „Katz-und-Maus-Spiel“ kam im Januar 2003 der circa 60 Meter große Felsbrocken 2002 AA29 bis zu sechs Millionen Kilometer der Erde nahe. Mit der Periode von 95 Jahren bewegt er sich annäherungsweise auf der gleichen Umlaufbahn. Dies werde sich wohl noch Jahrhunderte wiederholen, bemerkte sein Entdecker Paul Chodas von der Nasa.

☼ Am 18. März 2004 passierte das Objekt 2004 FH mit einem Abstand von 43.000 Kilometern über dem südlichen Atlantik. Demnach befand es sich ungefähr 7.000 Kilometer über der Umlaufbahn geostationärer Satelliten. Dem Münsteraner Planetologen Addi Bischoff zufolge wäre bei einem Treffer ein etwa 300 Meter großer Krater entstanden. Laut Walter Flury vom Esa-Kontrollzentrum Esoc würde der circa 30 Meter große Brocken beim Aufprall die Sprengkraft mehrerer Hiroshima-Bomben entfalten. Entdeckt wurde er nach dem Vorbeiflug.

☼ Mit 1,1-fachem Mondabstand überflog am 3. Juli 2006 der Asteroid 2004 XP14 die amerikanische Westküste. Das bis zu 800 Meter große Objekt zählt zu den vom Minor Planet Center aufgelisteten potenziell gefährlichen Objekten.

☼ 537.500 Kilometer näherte sich der 250 Meter durchmessende Asteroid 2007 TU24 am 29. Januar 2008. Angesichts experimenteller Crashtests am Ernst-Mach-Institut in Freiburg würde der Brocken bei einem Impakt einen zwölf Kilometer durchmessenden und vier Kilometer tiefen Krater erzeugen.

☼ Der Doppel-Asteroid 2008 BT18 passierte am 14. Juli 2008 mit knapp 6-facher Monddistanz. Die beiden Brocken könnten 600 und circa 200 Meter groß sein. Die Nasa schätzt, dass jeder sechste sich nähernde Asteroid einen Begleiter hat. Vor 458 Millionen Jahren könnte ein Doppel-Asteroid den etwa 7,5 Kilometer großen Lockne-Krater und in einer Entfernung von 16 Kilometern den Malingen-Krater mit einem Durchmesser von 700 Metern bei der schwedischen Stadt Östersund gebildet haben.

☼ Einen Abstand von 70.000 Kilometern erreichte der 21 mal 47 Meter große Brocken 2009 DD45 am 2. März 2009. Drei Tage zuvor wurde er entdeckt. Das Objekt entstand vermutlich bei einer Kollision im Asteroidengürtel. Besteht es aus Metall, könnte es den Erdboden erreichen. Ist es aus Gestein zusammengesetzt, würde es wahrscheinlich explodieren. Die Druckwelle würde zu Schäden wie bei der Umweltkatastrophe am 30. Juni 1908 in Sibirien führen.
Damals erhellte frühmorgens ein greller Lichtblitz den Himmel über der Region des Flusses Steinige Tunguska. Eine heftige Schockwelle knickte 60 bis 80 Millionen Bäume in der Taiga wie Streichhölzer um. Ein Gebiet mit knapp der Fläche des Saarlandes wurde verwüstet. Bis 60 Kilometer entfernt zersprangen Fensterscheiben, fielen Teller zu Boden und wurden große Tiere umgeworfen oder durch die Luft geschleudert. Ein etwa 50 Kilometer entfernter Mann, der sich draußen aufhielt, flog ungefähr zehn Meter durch die Luft. Seine Kleidung brannte und sein Bewusstsein erlosch. In Sibirien fiel ein schwarzer Regen. In Teilen Asiens und Europas ging die Sonne tief rosa unter. Wäre der Impaktor fünf Stunden später eingetroffen, hätte er die Zerstörungskraft von 1.000 Hiroshima-Bomben bzw. einer massiven Wasserstoffbombe über der damaligen Hauptstadt der Sowjetunion freigesetzt. Leningrad, das heutige St. Petersburg, hätte in Schutt und Asche gelegen. Offen ist noch, ob ein Komet mit hohem Eisanteil eindrang, ein etwa 30 bis 80 Meter großer Steinasteroid explodierte oder ein ungefähr 200 Meter messender Eisenasteroid in über zehn Kilometer Höhe durch starke Luftkompression aus der Atmosphäre geschleudert wurde und auf eine sonnennahe Umlaufbahn gelangte.

☼ Der 400 Meter große Steinasteroid 2005 YU55 schrammte am 8. November 2011 mit einem Abstand von 324.000 Kilometern. Bei einer Kollision hätte er die Zerstörungskraft Tausender Hiroshima-Bomben freigesetzt.

☼ 2013 wurden drei Vorbeiflüge medial beachtet. Bis auf 27.800 Kilometer näherte sich der 40 bis 50 Meter große Asteroid 2012 DA14 am 15. Februar. Der Mond ist 14 Mal weiter entfernt. Mit 2,5-fachem Mondabstand passierte am 9. März der circa 100 Meter große Brocken 2013 ET. Mit Begleiter zeigte sich der drei Kilometer durchmessende Asteroid 1998 QE2 am 31. Mai in 15-facher Mondentfernung.

☼ Drei Annäherungen fanden auch 2014 Beachtung. Am 18. Februar passierte der bis zu 270 Meter große Steinasteroid 2000 EM26. Nur zwei Tage danach wurde der 44 bis 98 Meter große Asteroid 2014 BR57 mit 4,4-facher Monddistanz registriert. Am 9. Juni flog das etwa 370 Meter große Objekt 2014 HQ124 mit 3-fachem Mondabstand vorbei.

☼ 2015 kam es zu vier erwähnenswerten Streifschüssen. „Der Einschlag eines solchen Asteroiden könnte ein Land wie Deutschland komplett zerstören“, kommentierte Alan Harris vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Annäherung des etwa 330 Meter großen Asteroiden 2004 BL86 am 26. Januar. Mit einem 70 Meter großen Mond näherte er sich mit 3-fachem Mondabstand. Mit 8-facher Monddistanz passierte am 16. Juni der ein Kilometer große Asteroid (1566) Icarus. Das Objekt 2015 TB145 mit bis zu 620 Metern Durchmesser raste am 31. Oktober in 1,3-facher Entfernung zum Mond vorbei. Der an einen Totenschädel erinnernde „Halloween-Asteroid“ war zunächst ein Komet, der bei den Sonnenumrundungen das Eis komplett verloren haben könnte. Am 20. November wurde der Vorbeiflug des 200 bis 300 Meter großen Asteroiden 2005 UL5 mit 6-facher Monddistanz beobachtet. Entdeckt wurde er knapp zwei Wochen zuvor.

☼ 2016 überraschten zwei Kometen direkt nacheinander. Am 21. März passierte der 230 Meter große Komet 252P/LINEAR mit 13,5-facher Monddistanz. Einen Tag danach näherte sich der ein Kilometer große Komet P/2016 BA14 in 9-facher Mondentfernung. In der Nacht zum 28. August hatte der etwa 55 Meter große Asteroid 2016 QA2 eine Distanz von circa 84.000 Kilometern.

☼  Elf Tage nach der Entdeckung flog der 200 Meter große Asteroid 2017 BQ6 am 6. Februar 2017 mit 6,5-facher Monddistanz vorbei. Der 650-Meter-Asteroid 2014 JO25 passierte am 19. April in 4,6-facher Mondentfernung. Am 1. September näherte sich der ungefähr 4,5 Kilometer große Asteroid (3122) Florence mit 18-fachem Mondabstand. Zwei je 100 bis 300 Meter große Monde begleiteten ihn. 42.000 Kilometer betrug der Abstand des 15 bis 30 Meter großen Geschosses 2012 TC4, das am 12. Oktober passierte. Auf Kollisionskurs wäre es vermutlich in der Luft explodiert. Bruchstücke hätten den Boden erreicht. In einem bewohnten Gebiet hätte die Druckwelle Scheiben zerstört und Menschen verletzt.

☼  Der gleichgroße Asteroid 2018 CC näherte sich der Erde am 6. Februar 2018 mit halbem Mondabstand. Drei Tage danach kam der kurz zuvor entdeckte Brocken 2018 CB etwa 64.000 Kilometer nahe. Wäre er über einer Großstadt explodiert, hätte das bis zu 40 Meter große Objekt Tausende Gebäude beschädigt und Hunderte Menschen verletzt. Einen Tag nach der Entdeckung passierte der circa 48 bis 110 Meter große Asteroid 2018 GE3 am 15. April in einer Entfernung von 193.000 Kilometern. Bei einem Treffer wären regionale Schäden entstanden. Einen Monat später wurde der 50 bis 120 Meter große Asteroid 2010 WC9 etwa 200.000 Kilometer entfernt gesichtet. In der Nacht zum 9. September näherte sich der etwa 31 bis 72 Meter große Asteroid 2018 RC bis auf zwei Drittel der Monddistanz. Er umrundet die Sonne zum Teil innerhalb der Erdbahn und zählt zu den potenziell gefährlichen Objekten.

Bei den vorgestellten Vorbeiflügen handelt es sich aus astronomischer Sicht um Streifschüsse. Sie verweisen auf ein Zerstörungspotenzial, das in Filmen wie Armageddon, Deep Impact und Meteor sowie Romanen wie Luzifers Hammer eindringlich präsentiert wird, aber noch zu wenig erforscht ist und dessen Ausmaß kontrovers diskutiert wird. „Einige halten es schlicht für undenkbar, dass in absehbarer Zeit ein Planetoid oder Komet auf die Erde stürzen könnte. Andere wiederum halten das Risiko, durch den Einschlag eines solchen Himmelskörpers ums Leben zu kommen, für größer als das, mit einem Flugzeug abzustürzen“, charakterisierte Tom Gehrels von der Universität von Arizona in Tucson 1996 die Bandbreite der Positionen.
Dokumente in einer alten osmanisch-türkischen Sprache berichten, dass am 22. August 1888 ein Mann im Ort Sulaymaniyah in der irakischen Region Kurdistan von einem Meteoriten getötet wurde. Ein anderer wurde gelähmt. Ein von Rauch begleitetes Licht näherte sich der Ortschaft. Fast zehn Minuten fielen Meteoriten zu Boden. Auf der Wiese grasende Enten wurden von einer Art Feuerball mit Druckwelle verletzt. Einige Meteoriten wurden danach auf einem Hügel gefunden. Die Texte lagern bei der Generaldirektion der Staatsarchive der Präsidentschaft der Republik Türkei. Am 30. November 1954 durchdrang ein Meteorit in Sylacauga in Alabama das Dach eines Hauses und verletzte eine auf dem Sofa liegende Frau an der Hüfte.

Aus statistischer Sicht trifft ein 20 Meter großer Brocken etwa alle 50 bis 60 Jahre die Erde. Ein Team um Timothy Barrows von der University of Portsmouth nahm 2019 an, dass seit der Entstehung des Wolfe-Creek-Kraters in Australien vor circa 120.000 Jahren mindestens alle 180 Jahre ein etwa 30 Meter großer Meteorit auf der Erde einschlug. Mit dem Impakt eines ungefähr 50 Meter großen Stein- oder Eisenasteroiden hat die Menschheit schätzungsweise alle 1.000 Jahre zu rechnen. Trifft er eine Großstadt wie Berlin, könnten Hunderttausende durch die heftige Schockwelle und enorme Hitze sterben. Ein 60-Meter-Impaktor schlägt laut einem Team um Clemens Rumpf von der Universität Southampton im Schnitt etwa alle 1.500 Jahre ein. Alan Harris teilte beim Asteroidentag 2020 mit, dass die Trefferwahrscheinlichkeit eines circa 100 Meter großen Objektes, das eine Großstadt oder Teile Deutschlands zerstören könnte, ungefähr ein Prozent in 100 Jahren beträgt.
Ein Gebiet mit der Größe Dänemarks würde Henrik Stub zufolge ein 100 bis 200 Meter großes Geschoss ruinieren. Schlägt ein 200-Meter-Asteroid im Meer in Küstennähe ein, könnte er bis zu 200 Meter hohe Tsunamis erzeugen. Über die exakte Höhe wird noch debattiert. Zusammen mit der heftigen Druckwelle und Gluthitze könnten sie eine Großstadt zerstören. Der Impakt eines 300 Meter großen Objektes findet David Morrison vom Ames Research Center zufolge etwa alle 20.000 bis 30.000 Jahre statt. Ein 400 Meter großer Asteroid trifft laut Kalkulationen eines Teams um Clemens Rumpf durchschnittlich alle 100.000 Jahre die Erde. Besonders gefährlich bei Brocken ab dieser Größe sind die Tornados, die Gebäude zerstören und Lebewesen durch die Luft schleudern. Ein 450 Meter großer, poröser Asteroid würde gemäß Earth Impact Effects Progam die Sprengkraft von circa 166.000 Hiroshima-Bomben freisetzen. Bei doppelter Größe wäre die Sprengkraft fast verzehnfacht. Der Impakt eines 500 Meter großen Asteroiden würde ein Gebiet mit der Größe Europas größtenteils zerstören.
Mindestens ein Kilometer große Brocken verursachen globale Schäden, betonen Experten um den Planetologen Lance Benner vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa und Forscher vom National Space Science Centre im englischen Leicester. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Geschoss in den nächsten 100 Jahren die Erde trifft, schwankt laut Alan Harris zwischen 1:4000 und 1:8600. Mindestens 1,5 Kilometer große Asteroiden schlagen Stefan Deiters vom deutschsprachigen Online-Dienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt zufolge ungefähr alle 100.000 bis 1.000.000 Jahre ein. Ein Zehn-Kilometer-Asteroid hat gemäß Joachim Schüring das Potenzial, die Lebenswelt größtenteils auszulöschen. Statistisch sei einmal in 500.000 bis zehn Millionen Jahren damit zu rechnen. Clemens Rumpf und Alexander Stirn halten das Inferno ungefähr alle 100 Millionen Jahre für möglich. Bei einem Einschlag in einem Meer entsteht ein Riesentsunami mit vermutlich bis zu drei Kilometer Höhe, der weiträumige Überflutungsschäden im Landesinneren anrichtet.
Es ist anzumerken, dass die Statistiken über Einschlag-Wahrscheinlichkeiten auf Vorgaben zur Anzahl von Impakten basieren, die durch weitere Entdeckungen ergänzt werden. Die Einschläge im Meer, zwei von drei, und die in tieferen Bodenschichten liegenden Einschlagkrater sind erst vage bekannt. Zudem gehen Impaktbelege im Laufe der Zeit verloren.

Auch weniger als 50 Meter große Geschosse wie etwa der circa 30 Meter große Asteroid 2013 TX68 oder der Brocken 2008 HJ mit einem Durchmesser von 24 Metern bergen ein Gefahrenpotenzial. Er flog 2008 mit 3-facher Monddistanz vorbei. Bei der Explosion hätte er die Sprengkraft von Millionen Tonnen TNT durch Druck und Hitze freigesetzt. Der Kernwaffen-Experte Mark Boslough von den Sandia National Laboratories in Albuquerque meinte 2007: „In besiedeltem Gebiet kann das eine Million Menschen das Leben kosten.“
Am 15. September 2007 erzeugte ein nur zwei Meter großer Meteorit nahe der Ortschaft Carancas in Peru einen zwei Meter tiefen und circa 14 Meter breiten Krater. Völlig überraschend für die Fachpersonen durchdrang er die Atmosphäre und verursachte gesundheitliche Schäden. Hunderte hatten Atembeschwerden, Brechreiz, Schwindel und Kopfschmerzen. Ein Stier auf der Weide wurde getötet. Vermutlich entwichen Dämpfe mit Arsen und Schwefel aus dem moorigen Hochgebirgsboden. Ein Team aus Südamerika, Kanada, Frankreich und den USA gestand 2008, dadurch sei die gängige Meteoritenlehre relativiert worden: „Ganz anders als man eigentlich erwarten sollte, hat sich ein wenige Tonnen schwerer Steinmeteorit beim Durchgang durch die Atmosphäre nicht zerlegt, sondern hat stattdessen den Boden mit einer Geschwindigkeit erreicht, die hoch genug war, um einen Impaktkrater zu erzeugen.“
In der Nähe von Tscheljabinsk im Ural explodierte ein ungefähr 19 Meter großer Brocken am 15. Februar 2013. Tausende sahen morgens einen grellen Blitz und hörten kurz danach einen lauten Donner. Bis 200 Kilometer entfernt war die fast halbminütige Rauchspur des flachwinkelig über den Himmel rasenden Geschosses zu sehen. Glühende Partikel regneten herab. Etwa 1.500 Menschen wurden vor allem von Splittern zerstörter Fensterscheiben verletzt. Fast 7.000 Gebäude beschädigte die Druckwelle. Bei der durch Reibung und Kompression in der Luft entstandenen Explosion wurde die Sprengkraft von 30 bis 40 Hiroshima-Bomben freigesetzt. Wäre ein 10 Meter größerer Asteroid wie etwa 2013 TX68 explodiert, hätte die Zerstörungskraft das doppelte Ausmaß gehabt.
Am 18. Dezember 2018 explodierte ein ungefähr zehn Meter großer und 1.400 Tonnen wiegender Brocken kurz vor Mitternacht über der Beringsee. Er setzte bei der Explosion in 25,6 Kilometer Höhe die Sprengkraft von circa zehn Hiroshima-Bomben frei. Das sechs Meter große Objekt 2004 FU162 streifte am 31. März 2004 etwa 6.500 Kilometer entfernt. Bis auf 14.000 Kilometer näherte sich das sieben Meter große Geschoss 2009 VA am 6. November 2009. In 38.000 Kilometer Höhe raste der zehn Meter große Asteroid 2016 RB1 am 7. September 2016 vorbei. Der drei Meter große Brocken 2017 EA passierte am 2. März 2017 mit einem Abstand von 14.500 Kilometern. Der 57 bis 130 Meter große Asteroid 2019 OK raste am 25. Juli 2019 mit 71.806 Kilometer Abstand und einer Geschwindigkeit von 88.200 Stundenkilometern vorbei. Bei einem Einschlag auf dem Festland hätte er die Zerstörungskraft von mindestens 30 Hiroshima-Bomben freigesetzt. Die Schockwelle hätte ein über 80 Kilometer sich erstreckendes Gebiet verwüstet. Von der Nasa wurde der Eindringling 24 Stunden vor dem Vorbeiflug entdeckt. Danach bemerkte ein Experte, das Objekt sei durch eine ganze Reihe der Nasa-Fangnetze gerutscht. Laut Esa demonstrieren solche Passagen, wie eng es für Erdlinge und gefährlich für Satelliten werden kann. Von 2000 bis 2014 registrierte das globale Netz überwachender Atomtest-Sensoren der Stiftung B612 über zwei dutzend explodierende Meteoriten, die eine Sprengkraft von bis zu 600.000 Tonnen TNT freisetzten. Bei nur einem Meteoriten wurde der Anflug vorher bemerkt.
Die korrekte Vorhersage der hohen Wahrscheinlichkeit eines Treffers gelang am 2. Juni 2018 zum zweiten Mal und des Eintritts eines Brockens in die Atmosphäre zum dritten Mal. Einige Stunden vor der Explosion über Botswana war der Kollisionskurs des zwei Meter großen Objektes 2018 LA bekannt, so dass die helle Feuerkugel mit Sensoren zur Überwachung verbotener Kernwaffentests verfolgt werden konnte.

Niemand kennt die Geschosse, die zukünftig auf der Erde einschlagen werden. Eine lückenlose und korrekte Vorhersage existiert noch nicht. Die Nasa teilte im Oktober 2016 mit, etwa 30 Near Earth Objects (NEOs) würden wöchentlich aufgespürt. Es sei in Relation zum August 2013 eine Zunahme von 50 Prozent. Bei NEOs handelt es sich um jene Brocken, die der Erde näher als der 1,3-fache Erdbahnradius kommen können. Anfangs 2017 kannte die Nasa 874 NEOs mit mindestens einem Kilometer Durchmesser. Dabei könnte es sich um 90 bis 95 Prozent der Brocken mit dieser Größe handeln. Von den mindestens 140 Meter großen NEOs waren maximal 30 Prozent, von den kleineren Erdbahnkreuzern etwa zehn Prozent entdeckt. Im März 2018 waren beim Center for Near Earth Object Studies der Nasa über 2.500 erdnahe Objekte mit einem Durchmesser von mindestens 500 Metern registriert. Drei Monate später waren von über 18.200 NEOs aller Größen 8.174 bekannt, die eine Größe von mindestens 140 Metern besaßen. 893 Erdbahnkreuzer waren ein Kilometer und mehr groß. Im Mai 2019 hatte die Nasa circa 20.000 Asteroiden und über 100 Kometen mit einem zukünftigen Impaktpotenzial katalogisiert. Bei den Asteroiden waren knapp 9.000 Objekte mindestens 140 Meter groß. Vier Monate später teilte die Esa mit, dass 878 Geschosse verschiedener Größe in den nächsten 100 Jahren die Erde treffen könnten. Je nach Einschlagstelle seien die Schäden anders.

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