Kosmische Warnschüsse von heute

Erdnahe Vorbeiflüge von Asteroiden und Kometen, circa 190 bisher auf der Erde nachgewiesene Einschlagskrater, Abertausende von Impaktkratern auf anderen Planeten und Monden, auf dem Festland gefundene Meteoriten wie der über 50 Tonnen schwere Brocken in Namibia und das über 30 Tonnen schwere Geschoss in Argentinien, das grelle Leuchten und plötzliche Donnern von eingedrungenen Himmelskörpern und explodierende kosmische Objekte, die Fenstergläser durch Druckwellen zertrümmert und Menschen und Tiere verletzt haben, belegen ein kosmisches Gefahrenpotenzial, dem die Erde seit ihrer Entstehung fortwährend ausgesetzt ist. Seit 1989 sind unter anderem die folgenden erdnahen Vorbeiflüge festgestellt worden:
☼ Der Asteroid 4581 Asclepius mit einem mittleren Durchmesser von 300 Metern passierte die Erde am 22. März 1989 in einer Entfernung von 640.000 Kilometern. Dies entspricht etwa der 1,7-fachen Distanz zwischen Erde und Mond. Mit 70.000 Stundenkilometern und der zeitlichen Differenz von nur sechs Stunden kreuzte der Brocken die Erdbahn. Bei einem Einschlag wäre die Sprengkraft einer Bombe mit 600 Megatonnen TNT freigesetzt worden. Zum Vergleich: Bei der Explosion einer 10-Megatonnen-Atombombe entsteht ein fünf Kilometer großer Feuerball. Ein Gebiet im Umkreis von bis zu 17 Kilometern wird verwüstet und bis etwa 30 Kilometer vom Epizentrum entfernt verbrennen die Menschen. Die in Hiroshima gezündete Atombombe erreichte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT. Der Asteroid 4581 Asclepius wurde erst neun Tage nach dem Vorbeiflug entdeckt. Der Astronom Clark Chapman vom Southwest Research Institute in Boulder meinte: „Eines Tages wird uns einer dieser Brocken treffen.“ Der Asteroid Asclepius trägt den Namen des Gottes der Heilkunst in antiken Mythen der Griechen und Römer. Zeus schleuderte ihn mit einem Blitz in die Unterwelt, weil er Wunderheilungen an Toten versuchte. Die Impaktgefährdung der Erde sollte nicht länger unter den Tisch gekehrt und so ins kollektive Unterbewusstsein verdrängt werden.
☼ Etwa alle vier Jahre fliegt der nach einem gallischen Stammesgott benannte, circa 1,9 mal 2,4 mal 4,6 Kilometer große Asteroid 4179 Toutatis in Richtung Erde. Bei einem Einschlag würde er jegliche Zivilisation auslöschen, kommentierte die Nachrichtenagentur Interfax den Vorbeiflug im Jahr 1996 unter Berufung auf den Astronomen Viktor Sokolow von der Russischen Akademie der Wissenschaften. 2004 rauschte Toutatis in 1.549.000 Kilometer Entfernung an der Erde vorbei. Es entspricht etwa dem 4-fachen Mondabstand. 2008 rief der Berliner Astrophysiker Gerhard Neukum beim Vorbeiflug in Erinnerung, dass Toutatis das Potential hat, irgendwann einzuschlagen, auch wenn das Eintreffen dieses Ereignisses noch Jahrmillionen dauern wird.
☼ Am 19. Mai 1996 schrammte der etwa 200 Meter große Felsbrocken 1996 JA1 mit dem Abstand von 450.000 Kilometern an der Erde vorbei. Erstmals gesichtet wurde der mit 90.000 Stundenkilometern rasende Asteroid vier Tage zuvor. Hätte er sich um wenige Stunden verspätet, wäre er auf der Erde eingeschlagen. Der amerikanische Astronom Eugene Shoemaker charakterisierte den Crash: „Das ist so, als ob Sie alle amerikanischen und russischen Atomraketen auf einen Haufen packen und zünden.“
☼ Im Mai 2001 passierte der maximal 1,5 Kilometer große Asteroid 1999 KW4 mit einem maximal 658 Meter großen Mond die Erde in fünf Millionen Kilometer Entfernung. Der Asteroid dreht sich etwa alle drei Stunden einmal um sich selbst. Falls die Rotationsgeschwindigkeit zukünftig durch die Erwärmung der Sonne geringfügig zunimmt, könnte der Gesteinsbrocken auseinander brechen und zu einer potentiellen Gefahr für die Erde werden, berichteten Forscher um Steven Ostro von der Nasa und Daniel Scheeres von der University of Michigan. Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung bestätigte, dass bei einem Auseinanderbrechen die Kollisionswahrscheinlichkeit steigen würde. In diesem Fall könnten Bruchstücke die Umlaufbahn verlassen. Der Doppel-Asteroid sollte daher weiter erforscht werden.
☼ Am 7. Januar 2002 verfehlte der 300 Meter große Steinasteroid 2001 YB5 die Erde mit knapp dem doppelten Mondabstand. Entdeckt wurde er wenige Tage vorher. Beim Umrunden der Sonne kreuzt der Brocken die Bahnen von Merkur, Venus, Erde und Mars. Bei einem Impakt auf dem Festland entstünden schwere Schäden bis zu 800 Kilometer weit. Die freigesetzte Energie entspräche mehreren hundert Atombomben. Würde ein Kernkraftwerk oder eine große Chemieanlage getroffen, wäre die Gefahr für die Zivilisation ungleich größer. Bei einem Impakt im Meer entstünden verheerende Flutwellen, bemerkte Christian Gritzner von der Technischen Universität Dresden.
☼ Etwa 460.000 Kilometer entfernt raste der Asteroid 2002 EM7 am 8. März 2002 an der Erde vorbei. Das 50 bis 100 Meter große Objekt kam aus Richtung Sonne und ist erst nach dem Vorbeiflug bemerkt worden.
☼ Bis auf 120.000 Kilometer – der Mond ist dreimal weiter entfernt – näherte sich am 14. Juni 2002 der 50 bis 120 Meter große Asteroid 2002 MN der Erde. Wäre er sieben Stunden zuvor eingetroffen, hätte er die Erde getroffen und gravierende lokale Schäden angerichtet. Erstmals gesichtet wurde er nach dem Vorbeiflug.
☼ Der 400 bis 800 Meter große Asteroid 2002 NY40 passierte am 18. August 2002 die Erde in etwa 1,3-facher Mondentfernung. Zukünftig wird er sich der Erde aus verschiedenen Richtungen nähern.
☼ Wie in einem „Katz-und-Maus-Spiel“ flog im Januar 2003 der circa 60 Meter große Felsbrocken 2002 AA29 bis sechs Millionen Kilometer entfernt an der Erde vorbei. Mit einer Periode von 95 Jahren bewegt er sich fast auf der gleichen Bahn um die Sonne wie die Erde, mal vor ihr, mal hinter ihr. Dies wird sich wohl noch Jahrhunderte wiederholen, meinte sein Entdecker Paul Chodas von der Nasa.
☼ Am 18. März 2004 passierte das Objekt 2004 FH mit 43.000 Kilometer Abstand kurz vor Mitternacht über dem südlichen Atlantik die Erde. Demnach befand es sich etwa 7.000 Kilometer oberhalb der Umlaufbahn geostationärer Satelliten. Ein Einschlag hätte bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern beträchtliche Schäden angerichtet. Der Münsteraner Planetologe Addi Bischoff wies darauf hin, dass in diesem Fall ein etwa 300 Meter großer Krater entstanden wäre. Gemäß Walter Flury vom Esa-Kontrollzentrum Esoc könnte der 30 Meter große Gesteinsbrocken bei einem Impakt eine Sprengkraft mehrerer Hiroshima-Atombomben entfalten. Entdeckt wurde er nach dem Vorbeiflug.
☼ Am 3. Juli 2006 raste der Asteroid 2004 XP14 mit 1,1-fachem Mondabstand über der amerikanischen Westküste an der Erde vorbei. Das maximal 800 Meter große Objekt gehört zu den vom Minor Planet Center aufgelisteten gefährlichen Asteroiden.
☼ Mit 537.500 km Abstand bzw. in 1,4-facher Monddistanz flog der Asteroid 2007 TU24 mit einem Durchmesser von 250 Metern am 29. Januar 2008 an der Erde vorbei. In Anlehnung an experimentelle Befunde bei Crashtests am Ernst-Mach-Institut in Freiburg könnte der kosmische Brocken bei einem Einschlag auf der Erde einen zwölf Kilometer großen und vier Kilometer tiefen Krater erzeugen. Darin würde zum Beispiel eine Stadt mit der Größe von Münster komplett verschwinden.
☼ Der Doppel-Asteroid 2008 BT18 näherte sich am 14. Juli 2008 mit 45.000 Stundenkilometern in knapp 6-facher Mondentfernung der Erde. Der größere Brocken dürfte 600 Meter, der kleinere circa 200 Meter groß sein. Die Nasa geht davon aus, dass statistisch jeder sechste der Erde sich nähernde Eindringling ein Doppel-Asteroid ist. Vor etwa 458 Millionen Jahren könnten zwei Asteroiden den 7,5 Kilometer großen Lockne-Krater und den 16 Kilometer entfernten Malingen-Krater mit 700 Meter Durchmesser nahe der nordschwedischen Stadt Östersund gebildet haben. Der größere Asteroid hatte einen Durchmesser von 600 Metern und der kleinere war mindestens 200 Meter groß. Ein anderer Doppelkrater sind die etwa 290 Millionen Jahre alten Clearwater Lakes in Kanada.
☼ Mit 70.000 km Distanz raste der 21 mal 47 Meter große Brocken 2009 DD45 am 2. März 2009 an der Erde vorbei. Drei Tage vorher wurde er entdeckt. Sollte das Objekt, das bei einer Kollision im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entstand, aus Metall bestehen, könnte es die Erdatmosphäre durchdringen und einschlagen. Ist es aus Gestein zusammengesetzt, würde es explodieren. Bei der Explosion würde die Sprengkraft einer Atombombe freigesetzt. Die Schäden der Schockwellen hätten ein größeres Ausmaß als die bei der Umweltkatastrophe am 30. Juni 1908 in Sibirien.
Damals erhellte frühmorgens ein greller Lichtblitz den Himmel über der Region des Flusses Steinige Tunguska. Eine starke Druckwelle knickte etwa 60 Millionen Bäume wie Streichhölzer um. 2.000 Quadratkilometer Wald wurde zerstört. Bei der Explosion eines 30 bis 80 Meter großen Geschosses in fünf bis zehn Kilometer Höhe, das sich schrägwinkelig mit bis 70.000 Stundenkilometern näherte, wurde ein Gebiet mit knapp der Fläche des Saarlandes bzw. der doppelten Größe von Berlin verwüstet. Bis 60 Kilometer entfernt zersprangen Fensterscheiben, fielen Teller zu Boden und wurden Menschen und große Tiere umgeworfen oder durch die Luft geschleudert. In Sibirien fiel ein schwarzer Regen. Über Europa und zum Teil in Asiens ging die Sonne tief rosa unter. Wäre das Objekt fünf Stunden später eingetroffen, hätte St. Petersburg in Schutt und Asche gelegen.
☼ Mit 324.000 Kilometer Abstand schrammte der 400 Meter große Brocken 2005 YU55 am 8. November 2011 an der Erde vorbei. Bei einem Einschlag würde der Steinasteroid eine Sprengkraft Tausender Hiroshima-Atombomben freisetzen.
☼ 2013 wurden drei Vorbeiflüge medial beachtet. Bis 27.800 Kilometer näherte sich der 40 Meter große Asteroid (367943) Duende am 15. Februar der Erde. Mit 2,5-facher Monddistanz passierte der 100 Meter große Brocken 2013 ET am 9. März die Erde. Der drei Kilometer durchmessende Asteroid 1998 QE2 sauste mit Mond am 31. Mai in 15-facher Mondentfernung vorbei.
☼ Drei Erdannäherungen ereigneten sich auch 2014. Am 18. Februar passierte der bis 270 Meter große Steinasteroid 2000 EM26 mit 44.300 Stundenkilometern die Erde. Zwei Tage danach näherte sich der 44 bis 98 Meter große Asteroid 2014 BR57 in 4,4-facher Mondentfernung. Am 9. Juni schrammte das etwa 370 Meter große Objekt 2014 HQ124 mit 3-fachem Mondabstand die Erde.
☼ 2015 wurde auf vier erdnahe Vorbeiflüge medial verwiesen. „Der Einschlag eines solchen Asteroiden könnte ein Land wie Deutschland komplett zerstören“, kommentierte Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Passieren des etwa 330 Meter großen Asteroiden 2004 BL86 am 26. Januar. Mit seinem 70 Meter großen Mond kam er der Erde mit etwa 3-fachem Mondabstand nahe. Mit 8-facher Monddistanz näherte sich am 16. Juni der ein Kilometer große und seit 1949 bekannte Asteroid (1566) Icarus der Erde. Das Objekt 2015 TB145 mit bis 620 Meter Durchmesser und einer Geschwindigkeit von 35 Kilometer pro Sekunde raste am 31. Oktober mit 1,3-fachem Mondabstand an der Erde vorbei. Der „Halloween-Asteroid“ wurde drei Wochen zuvor erstmals gesichtet. Der 200 bis 300 Meter durchmessende Asteroid 2005 UL5 kam am 20. November der Erde mit 6-facher Mondentfernung nahe. Gelegentlich kreuzt er beim Umrunden der Sonne die Umlaufbahn der Erde.
☼ Auf die jüngeren Passagen soll nur kurz eingegangen werden. 2016 näherten sich zunächst zwei Kometen kurz nacheinander der Erde. Am 21. März passierte der 230 Meter große Komet 252P/LINEAR mit 13,5-facher Monddistanz die Erde. Einen Tag danach streifte der ein Kilometer große Komet P/2016 BA14 die Erde mit neun Mondentfernungen. Der maximal 55 Meter durchmessende Asteroid 2016 QA2 rauschte in der Nacht vom 27. auf 28. August 2016 mit einem Abstand von 84.000 Kilometern an der Erde vorbei. Entdeckt wurde er wenige Stunden zuvor. Elf Tage nach seiner Entdeckung flog der etwa 200 Meter große Asteroid 2017 BQ6 am 6. Februar 2017 mit 6,5-facher Monddistanz vorbei. Der 650-Meter-Asteroid 2014 JO25 raste am 19. April 2017 mit 4,6-facher Mondentfernung an der Erde vorbei.

Bei den erwähnten Vorbeiflügen handelt es sich aus astronomischer Sicht um Streifschüsse. Sie verweisen auf ein Faktum, welches in Romanen wie Luzifers Hammer von den Autoren Larry Niven und Jerry Pournelle sowie in Filmen wie Armageddon, Deep Impact und Meteor atemberaubend präsentiert wurde, aber wissenschaftlich erst ansatzweise erforscht ist und dessen exaktes Ausmaß unter den Experten noch hoch kontrovers diskutiert wird. „Einige halten es schlicht für undenkbar, dass in absehbarer Zeit ein Planetoid oder Komet auf die Erde stürzen könnte. Andere wiederum halten das Risiko, durch den Einschlag eines solchen Himmelskörpers ums Leben zu kommen, für größer als das, mit einem Flugzeug abzustürzen“, charakterisierte Tom Gehrels von der Universität von Arizona in Tucson 1996 die Bandbreite der Positionen.

Aus statistischer Sicht trifft ein etwa 20 Meter großer Brocken alle 50 Jahre die Erde. Bei größeren Objekten bieten die Kalkulationen der Experten verschiedene Wahrscheinlichkeiten. So könnte die Menschheit etwa alle 100 bis 2.000 Jahre mit dem Impakt eines 50 Meter großen Stein- oder Eisenasteroiden rechnen. Würde er über einer Großstadt wie Berlin explodieren, könnten auf Grund der heftigen Hitze und orkanartigen Winde mehr als eine Million Menschen sterben. Bei der Tunguska-Katastrophe wurde ein Mann, der sich 50 Kilometer entfernt vom Ort der Explosion draußen aufhielt, etwa 10 Meter weit durch die Luft geschleudert. Seine Kleidung brannte, das Bewusstsein erlosch. Gemäß Eberhard Faust (2008) von der Münchener Rückversicherung könnte der Einschlag eines bis 100 Meter großen Geschosses mehr als tausend Quadratkilometer verwüsten. Laut Henrik Stub (1996) sind Geschosse von 100 bis 200 Meter Größe in der Lage, ein Gebiet mit der Größe von Dänemark zu ruinieren. Ein 200 Meter großer in einen Ozean einschlagender Asteroid erzeugt Monsterwellen, über deren Höhe die Experten noch uneins sind. Bei einem küstennahen Impakt entstehen eventuell bis zu 200 Meter hohe Tsunamis. Zusammen mit den Druckwellen und der aufkommenden Hitze können sie eine Großstadt zerstören. Der Impakt eines 300 Meter großen Geschosses findet David Morrison vom Ames Research Center zufolge etwa alle 20.000 bis 30.000 Jahre statt.
Mindestens ein Kilometer große Objekte verursachen globale Schäden, betonen Experten um den Planetologen Lance Benner vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa und Forscher vom National Space Science Centre im englischen Leicester. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Geschoss in den nächsten 100 Jahren die Erde trifft, schwankt laut Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zwischen 1:4000 und 1:8600. Mindestens 1,5 Kilometer große Asteroiden schlagen laut Stefan Deiters vom deutschsprachigen Online-Dienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt statistisch etwa alle 100.000 bis 1.000.000 Jahre ein. Joachim Schüring geht davon aus, dass ein Zehn-Kilometer-Asteroid die Lebenswelt größtenteils vernichtet. Mit statistischer Wahrscheinlichkeit ist damit einmal in 500.000 bis 10.000.000 Jahren zu rechnen. Alexander Stirn hält den Impakt eines mindestens zehn Kilometer großen Geschosses im Durchschnitt etwa alle 100 Millionen Jahre für möglich. Die Impaktoren stürzen häufiger ins Meer, da die Erdoberfläche mehr als Zweidrittel mit Wasser bedeckt ist.

Auch kleine Objekte aus dem All bergen ein Gefahrenpotenzial. Zu ihnen zählen etwa der circa 30 Meter durchmessende Asteroid 2013 TX68 und der 24 Meter große Brocken 2008 HJ, der 2008 mit 3-facher Monddistanz vorbei flog. Wenn sie in der Luft explodieren, erreicht eine Energie mit der Sprengkraft von Millionen Tonnen TNT in Form von Schock- und Hitzewellen den Boden. „In besiedeltem Gebiet kann das eine Million Menschen das Leben kosten“, bemerkte 2007 der Kernwaffen-Experte Mark Boslough von den Sandia National Laboratories in Albuquerque.
Am 15. Februar 2013 durchdrang ein circa 19 Meter großer Meteorit mit 50.000 Stundenkilometern die Atmosphäre und explodierte nahe der russischen Stadt Tscheljabinsk im Ural. Abertausende sahen morgens ein grelles Aufglühen, das heller als die Sonne war, und hörten zeitlich verzögert einen lauten Donner. Bis 200 Kilometer entfernt wurde die fast halbminütige Rauchspur des flachwinkelig über den Himmel rasenden Meteoriten registriert. Von der Druckwelle wurden etwa 7.000 Gebäude beschädigt. Der Meteorit, der völlig überraschend eintraf, explodierte mit einer Sprengkraft von 30 bis 40 Hiroshima-Atombomben. Dabei fielen glühend heiße Bruchstücke vom Himmel. Mahr als 1.200 Personen wurden insbesondere von Glassplittern zerplatzter Fensterscheiben verletzt.
Ein maximal zwei Meter großer Meteorit schlug am 15. September 2007 nahe der peruanischen Ortschaft Carancas ein und riss einen zwei Meter tiefen und circa 14 Meter breiten Krater in den Boden. Überraschend war, dass ein Steinmeteorit dieser Größe die Atmosphäre durchdringen konnte und der Impakt sich auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirkte. Hunderte Personen klagten über Beschwerden beim Atmen, Brechreiz, Schwindel und Kopfschmerzen. Ein Stier starb auf der Weide und andere Nutztiere verweigerten die Nahrungsaufnahme. Vermutlich wurden giftige Dämpfe aus Arsen, Schwefel und anderen Gasen bei dem Einschlag in den moorigen Hochgebirgsboden freigesetzt.
Ein internationales Expertenteam aus Südamerika, Kanada, Frankreich und den USA räumte 2008 ein, dass dadurch die gängige Lehre über Meteoriten teilweise in Frage gestellt wurde. Es bemerkte: „Ganz anders als man eigentlich erwarten sollte, hat sich ein wenige Tonnen schwerer Steinmeteorit beim Durchgang durch die Atmosphäre nicht zerlegt, sondern hat stattdessen den Boden mit einer Geschwindigkeit erreicht, die hoch genug war, um einen Impaktkrater zu erzeugen.“ In Anbetracht dessen müsse die Anwesenheit kleiner Krater auf der Erde und dem Mars neu überdacht werden.
Laut Esa bekunden die Vorbeiflüge von kleinen Objekten wie den folgenden, wie gefährlich es für geostationäre Satelliten und ‚eng’ es für Erdlinge werden kann. Das ca. sechs Meter große Objekt 2004 FU162 streifte am 31. März 2004 mit einem Abstand von 6.500 Kilometern die Erde. Bis auf 14.000 Kilometer näherte sich das sieben Meter große Geschoss 2009 VA am 6. November 2009 der Erde. In 38.000 Kilometer Höhe raste der zehn Meter große Asteroid 2016 RB1 am 7. September 2016 an der Erde vorbei. Der fast drei Meter große Asteroid 2017 EA passierte am 2. März 2017 mit 14.500 Kilometer Abstand die Erde. Demnach kam er der Erde über 25 Mal näher als der Mond. Zwischen 2000 und 2014 wurden vom globalen Netz überwachender Atomtest-Sensoren der Stiftung B612 mehr als zwei dutzend Explosionen von Meteoriten registriert, bei denen eine Sprengkraft von 1.000 bis 600.000 Tonnen TNT freigesetzt wurde. Bis auf eine Ausnahme wurde der Anflug der Eindringlinge vorher nicht bemerkt.

Niemand kennt die zukünftig auf der Erde einschlagenden Geschosse. Es handelt sich um Ereignisse, deren zeitliches Eintreffen noch unbekannt ist. Alan Harris vermutete 2008, dass jeder Siebte erdnahe Brocken einmal gefährlich werden könnte. 2009 bestand Space.com zufolge bei circa 20.000 Objekten verschiedener Größe die Gefahr, dass zukünftig ein Einschlag stattfinden könnte. Zu Beginn des Jahres 2017 waren der Nasa 874 erdnahe Asteroiden (NEAs) bekannt, die größer als ein Kilometer sind.  Sie könnten 90 bis 95 Prozent der über einen Kilometer großen Asteroiden mit potenzieller Bedrohung entsprechen. Von den NEAs mit über 140 Meter Durchmesser waren erst zwischen 25 und 30 Prozent aufgespürt. Gemäß Nasa-Definition handelt es sich bei erdnahen Asteroiden um jene, die der Sonne beim Umlauf näher als der 1,3-fache Erdbahnradius kommen können. Von den noch kleineren Erdbahnkreuzern waren etwa zehn Prozent bekannt. Am 27. Oktober 2016 teilte die Nasa mit, dass der 16 bis 36 Meter große Asteroid 2016 TB57 das 15.000. Exemplar im Katalog erdnaher Asteroiden sei und der Erde sich vier Tage später mit 5-fachem Mondbahnradius nähern werde. Pro Woche sei es möglich, etwa 30 NEAs aufzuspüren. Dies sei im Vergleich zum August 2013 eine Zunahme von 50 Prozent. Im Frühjahr 2017 waren 16.000 NEAs identifiziert.

Den aktuellen Kenntnisstand über erdnahe Objekte veröffentlicht die Nasa auf der Seite http://neo.jpl.nasa.gov/. So wurde im Sommer 2010 auf die zukünftigen Vorbeiflüge des 130 Meter großen Asteroiden 2007 VK184 und des 560 Meter durchmessenden Asteroiden 1999 RQ36 hingewiesen. 2007 VK184 besaß auf der Torino-Skala mit Gefahrenwerten von 0 (minimal) bis 10 (maximal) zwischen 2048 und 2057 die Stufe 1. Ein Team um Andrea Milani errechnete 2010 beim Asteroiden 1999 RQ36, dass von ihm in den nächsten Jahren keine Gefahr ausgeht, von 2060 bis 2080 die potenzielle Impaktgefahr sich vervierfacht und fürs Jahr 2182 die Wahrscheinlichkeit einer Kollision von 1:1000 besteht. Im Frühjahr 2012 wurde dem 130 bis 290 Meter durchmessenden Objekt 2011 AG5 die Einschlagswahrscheinlichkeit von 1:625 zugeordnet, dass es am 5. Februar 2040 einschlagen könnte. 2013 wurde ergänzt, dass es sich auch im Jahr 2045 auf Kollisionskurs befinden könnte. Die Esa stufte 2015 den Asteroiden 2009 FD als den gefährlichsten mit einem Einschlagsrisiko von 1:369 für das Jahr 2185 ein. Das Objekt 2009 JF1 hatte für das Jahr 2022 die potenzielle Impaktgefahr von 1:3000. Der Planetenwissenschaftler Dante Lauretta von der Arizona University wies am 31. Juli 2016 darauf hin, dass der Asteroid (101955) Bennu im Jahr 2135 der Erde näher kommen werde als der Mond. Dabei könnte die Flugbahn des ungefähr 500 Meter großen Geschosses durch die Anziehungskraft der Erde so verändert werden, dass er bei einem weiteren Vorbeiflug im 22. Jahrhundert mit der Erde kollidieren wird. Bennu durchquert die Umlaufbahn der Erde alle sechs Jahre. Am 7. August 2027 wird der erdnahe Asteroid (137108) 1999 AN10 mit 800 Meter Durchmesser knapp 390.000 Kilometer von der Erde entfernt mit Abstand des Mondes vorbeirasen.

Die kosmische Bedrohung der Erde stößt gelegentlich auf reges Interesse der Medien. Michael Odenwald berichtete am 19. September 2007 bei FOCUS Online, dass der Asteroid VD17 die aktuelle Gefährderliste anführt. Er schrieb: „Nach Berechnungen von Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa könnte er mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1600 im Jahr 2102 auf unseren Heimatplaneten stürzen. Mit einem geschätzten Durchmesser von 580 Metern könnte er einen zehn Kilometer großen Krater schlagen – genug, um eine Großstadt auszulöschen. Allerdings will die Nasa im Verein mit anderen Organisationen die Erde und ihre Bewohner vor solchen Katastrophen schützen: Bis 2008, dies trug ihr der US-Kongress auf, soll sie 90 Prozent der erdnahen Asteroiden von über einem Kilometer Größe identifiziert haben. Auch an Maßnahmen, diese Geschosse rechtzeitig abzufangen, wird in vielen Forschungsinstituten weltweit emsig gebastelt.“
SPIEGEL Online wies am 14. Dezember 2006 bei der Veröffentlichung eines Preisausschreibens darauf hin: „Die Beinahe-Katastrophe wird an einem Freitag dem Dreizehnten geschehen: Am 13. April 2029 um 4.36 Uhr deutscher Zeit, so bisherige Berechnungen, rauscht der Asteroid ‚99942 Apophis’ atemberaubend knapp an der Erde vorbei. Das 25 Millionen Tonnen schwere und rund 300 Meter große Geschoss wird die Erde um etwa 30.000 Kilometer verfehlen. Für einen kurzen Moment wird es dem Planeten näher sein als die Fernsehsatelliten im geostationären Orbit. Träfe der Brocken die Erde, würde er dank seiner Geschwindigkeit von etwa 45.000 Kilometern pro Stunde die Sprengkraft von 65.000 Hiroshima-Atombomben entwickeln. Doch ‚Apophis’ wird seinem Namen – dem des ägyptischen Gottes der Finsternis und Zerstörung – nach bisherigen Berechnungen nicht gerecht werden, zumindest nicht im Jahr 2029. Allerdings besteht eine Chance, dass ‚Apophis’ bei seinem Vorbeiflug durch ein kleines, nur 600 Meter breites ‚Schlüsselloch’ fliegt, wie Wissenschaftler der Nasa glauben. In diesem Fall würde die Anziehungskraft der Erde die Bahn des Asteroiden so verändern, dass er auf den Tag genau sieben Jahre später – am 13. April 2036 – mit der Erde kollidiert.“
Auf das gleiche Ereignis bezog sich Richard Weitz am 08. Februar 2010 bei WELT Online. Er kommentierte das zukünftige Flugverhalten von Apophis: „Es ist ein Ereignis, das über die Existenz der Menschheit entscheiden könnte: Der Asteroid Apophis wird ab 2029 die Bahn der Erde mehrmals kreuzen. Er ist zwölfmal größer als das Objekt, das im Juni 1908 weite Teile Sibiriens in ein Inferno verwandelt hat. Forschern zufolge wird es Zeit, der Gefahr ins Auge zu sehen.“
Bei der Auswertung weiterer Messdaten wurde deutlich, dass der 270 Meter große und über 20 Millionen Tonnen schwere Asteroid 99942 Apophis bis 2105 keine Gefahr für die Erdbewohner darstellt. Zu Beginn des Jahres 2013 war die Kollisionswahrscheinlichkeit für den 13. April 2036 auf 1:7200000 gesunken.

Bei der geologischen, geophysikalischen und mineralogischen Untersuchung von Impaktkratern sowie der chemischen Analyse von Kometenstaub, der von der Nasa-Sonde Stardust zur Erde gebracht wurde, und der Auswertung von Daten anderer Erkundungsmissionen wurde klar, dass die vagabundierenden Objekte erst ansatzweise erforscht sind. Das vorhandene Wissen über die Entstehung, Zusammensetzung, Verteilung und Kollisionswahrscheinlichkeit von Asteroiden und Kometen bedarf der permanenten Erweiterung und Vertiefung. Dabei stoßen die Experten immer wieder auf Befunde, mit denen zuvor niemand gerechnet hat. In der Astronomie findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt, bei dem die Lehrbücher ständig überarbeitet und ergänzt werden.
Zu den überraschenden Erkenntnissen zählen etwa die folgenden Entdeckungen: Bisweilen ereignen sich auch erdnahe Passagen von Kometen. Der Komet D/1770 L1 rauschte im Jahr 1770 mit 6-fachem Mondabstand an der Erde vorbei. Für die Betrachter war er fünf Mal größer als der Vollmond.
Potenzielle Geschosse sind sogar zwischen der Erde und Sonne unterwegs. Da sie von der Erde aus nur schwer zu entdecken sind, wurden erst wenige aufgespürt. Am Rand des Asteroidengürtels halten sich auffallend dunkle Asteroiden wie das 260 Kilometer große Objekt Euphrosyne auf. Manche Mitglieder dieser Familie wurden vom Saturn aus ihrer Umlaufbahn geworfen. Ein solches Objekt kann zukünftig durchaus auf Kollisionskurs mit der Erde geraten.
Die Entdeckung einer dünnen Reifschicht auf dem 200 großen Asteroiden Themis führte zur Relativierung der gängigen Lehrmeinung über die Zusammensetzung von Asteroiden. Zwei Forschergruppen bemerkten unabhängig voneinander die Eisschicht auf dem Asteroiden. Demnach könnte vergasendes Wasser sich unter der Oberfläche verbergen (Emery et al. 2010; Rivkin et al. 2010). Der Asteroid Elst-Pizzarro erhielt durch den Besitz von Eis eine zweite Benennung als Komet. Wie Eiskometen zieht er einen Schweif aus Staub und Gas hinter sich her. Beim Asteroiden P/2013 wurden im November 2013 sogar sechs Schweife entdeckt, die speichenartig nach außen verlaufen. Vermutlich rotiert er so schnell, dass er an sechs Stellen Material verliert. Der Asteroid (2060) Chiron mit gasförmiger Hülle kann dreifach benannt werden. Er hält sich im äußeren Sonnensystem auf und kann als Planetoid, Asteroid und Komet bezeichnet werden.
Die inhomogene Zusammensetzung, die variable Rotation und der Drehmoment des Asteroiden Itokawa weisen nach Ansicht eines Teams um Stephen Lowry (2014) von der University of Kent darauf hin, dass das erdnussförmige Objekt bei der Kollision zweier Gesteinsbrocken verschiedener Dichte entstanden ist. Dabei erhielt der Asteroid relativ kompaktes und eher sandiges Material. Die torkelnde Drehbewegung des kartoffelförmigen Asteroiden 4179 Toutatis legt nahe, dass er aus mehr als zwei Objekten zusammengesetzt sein könnte. Stellenweise ist er 30-fach dichter als anderswo.
Die Form und der Aufbau des Kometen Hartley 2 ähneln gemäß Thomas Müller (2010) vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garchingen dem Asteroiden Itokawa. Beim Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko wurde etwas Ähnliches festgestellt. Nach der im Jahr 2014 gelungenen Landung des mit einem Minilabor ausgestatteten Forschungsroboters Philae der Raumsonde Rosetta auf dem über 500 Millionen Kilometer entfernten Kometen äußerte der Projektleiter Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt angesichts der erhaltenen Funkdaten, dass Kometen andere Eigenschaften zu haben scheinen als zuvor gedacht wurde. Auch bei maximaler Hammerleistung war es nicht möglich, die Thermalsonde im etwa minus 170 Grad Celsius kalten Kometen zu verankern.
Durch die Analysen des Massenspektrometers Rosina an Bord von Rosetta wurde deutlich, dass das Wasser auf der Erde offenbar nicht von diesem Kometentyp stammt. Das Kometenwasser von 67P/Churyumov-Gerasimenko hat ein anderes Verhältnis von Wasserstoffisotopen als das irdische Wasser. Im Wasserdampf des Kometen wurde eine dreifach höhere Menge an Deuterium nachgewiesen. Auch das Vorhandensein des Edelgases Argon signalisiert, dass Kometen der Jupiter Familie kaum noch als die Haupt-Wasserlieferanten der Erde in Frage kommen. Daher wird nun diskutiert, ob wasserhaltige Asteroiden das Wasser auf die Erde gebracht haben könnten.
Der Komet C/2014 S3 zeigt mehr Ähnlichkeit mit den Steinasteroiden im inneren Asteroidengürtel als mit den typischen Kometen am Rand des Sonnensystems. Er umrundet die Sonne auf einer stark elliptischen Bahn wie Kometen, bildet jedoch fast keinen Schweif aus. Vermutlich handelt es sich um einen Asteroiden, der in die Oortsche Wolke geschleudert wurde.
Die britischen Astronomen Bill Napier und Janaki Wickramasinghe von der Universität Cardiff sowie David Asher vom nordirischen Armagh-Observatorium warnen vor ungefähr 3.000 Dunklen Kometen in den frostigen Außenbereichen des Sonnensystems, die mit der doppelten Geschwindigkeit von Asteroiden herumschwirren. Bei einer Kollision könnte ein Exemplar in Erdrichtung gelenkt werden. Wird es beim Anflug von einem Planeten oder Mond nicht eingefangen oder abgelenkt, würde es auf der Erde einschlagen. Dunkle Kometen lassen sich mit Teleskopen nur sehr schwer nachweisen und überwachen, weil sie die das Sonnenlicht reflektierenden oberen Eisschichten verloren haben.
Neptun wird vermutlich von Zehntausenden von Asteroiden begleitet, die ihm voraus und hinterher eilen. Jenseits seiner Bahn wurden über 50.000 mehrere hundert Kilometer große Brocken entdeckt. Laut Modellrechnungen könnten über eine Milliarde größere Transneptunische Objekte existieren. Werden auch die bis 100 Meter großen Brocken berücksichtigt, könnten eine Billiarde Objekte im Kuiper-Gürtel und in der Oortschen Wolke am Rand des Sonnensystems beheimatet sein (Chang et al. 2006).

Bei der Entwicklung, Erprobung und Umsetzung technischer Maßnahmen gegen kosmische Geschosse ist es erschwerend, dass sie in der Regel keine idealtypische Zusammensetzung haben. Lance Benner betonte 2006: „Die Radarbeobachtungen zeigen, dass jeder Asteroid anders ist. Manche drehen sich schnell, andere ganz langsam. Manche sind fast kugelförmig, andere ganz lang gestreckt, manche haben einen Mond, andere nicht. Obwohl wir bisher schon fast 200 Asteroiden beobachtet haben, entdecken wir immer noch etwas Neues.“ Eine erfolgreiche Impaktabwehr verlangt hinreichende Kenntnisse über Größe, Form, Material, Drehbewegung, Umlaufbahn, Entfernung und Geschwindigkeit des Objektes.
Zu den bisher etwa 190 auf der Erde nachgewiesenen Impaktkratern kommen jene hinzu, deren Spuren durch Erosion im Laufe der Zeit verschwunden sind. In der Regel ist ein Einschlagskrater umso leichter zu identifizieren, je jünger und größer er ist. Laut einer 2015 publizierten Wahrscheinlichkeitsrechnung der Geologen Stefan Hergarten und Thomas Kenkmann von der Universität Freiburg gab es auf der Erde vermutlich etwa 340 weitere Einschläge, bei denen Krater mit ein bis sechs Kilometer Durchmesser entstanden, durch Erosion im Laufe der Zeit aber verschwunden sind, sowie Impakte mit größeren Kratern, die tief unter Bodenschichten liegen und daher nur schwer auffindbar sind.
Um die Impaktwahrscheinlichkeit an Hand der bekannten Krater statistisch zu ermitteln, untersuchte Coryn Bailer-Jones (2011) vom Max-Planck-Institut für Astronomie die zeitliche Verteilung und Häufigkeit der in den vergangenen 400 Millionen Jahre entstandenen Impaktkrater mit mindestens 35 Kilometer Durchmesser. Dabei zeigte sich, dass die Anzahl der Impakte entweder weitgehend konstant blieb oder in den zurückliegenden 250 Millionen Jahren geringfügig zunahm. Periodische Schwankungen wurden nicht festgestellt.
Insgesamt könnte jeder dritte größere Impakt auf der Erde durch einen Kometen erfolgt sein. Davon geht die Mehrheit der Experten aus. Das Sudbury-Becken in Kanada gilt derzeit als der zweitgrößte Impaktkrater auf der Erde. Es ist vor etwa 1,8 Milliarden Jahren beim Einschlag eines circa 15 Kilometer großen Kometen entstanden. Ein Teil der Trümmer flog vermutlich über 160.000 Kilometer weit. Ein Eiskomet hinterlässt keinen typischen Impaktkrater mit zentraler Erhebung. Beim Abbremsen durch die Luftreibung wird er so stark überhitzt, dass er über dem Boden explodiert. Dadurch schlagen nur Bruchstücke auf der Erde ein.
Vor 28 Millionen Jahren explodierte ein Komet über der Wüste im südwestlichen Ägypten. Die dabei entstandene Hitze und Druckwelle waren so gewaltig, dass unzählige gelbliche Silikatglaspartikel aus geschmolzenem Wüstensand und Kometenbestandteilen sowie schwarze Gesteinsbröckchen mit Minidiamanten und anderem kohlenstoffhaltigem Material gebildet wurden. Experten um Jan Kramers von der University of Johannesburg stellten 2013 beim Vergleich mit dem Staub des Kometen Wild 2 fest, dass die Wüsten-Proben mehr dem Staub des Kometen als den bekannten Asteroiden und irdischen Gesteinen ähneln. Die chemischen Analysen von Edelgasen und Kohlenstoffisotopen verweisen auf eine kometare Herkunft. Bei der Explosion wurde der Wüstenboden vermutlich bis zu 2.000 Grad Celsius aufgeheizt. Die chemisch-mineralogische Beschaffenheit des circa 6.000 Quadratkilometer großen Streufelds zeigt die typischen Eigenschaften eines Kometenimpakts.

Mit dem Earth Impact Effects Program der Universität von Arizona kann die bei einem Aufprall freigesetzte Energie errechnet werden. Würde etwa ein poröser Asteroid mit einem Durchmesser von 450 Metern die Erde treffen, entspräche die bei der Explosion freigesetzte Energie etwa 2.160 Megatonnen TNT bzw. 166.000 Hiroshima-Atombomben. Bei doppelter Größe des Asteroiden ist die Sprengkraft nahezu verzehnfacht.
Benny Peiser von der John Moores Universität in Liverpool setzte sich mit den Auswirkungen von Impakten und technischen Maßnahmen zu ihrer Vermeidung näher auseinander. Er ist Mitglied der Royal Astronomical Society, der britischen Spaceguardvereinigung und Namensgeber des zehn Kilometer großen Asteroiden Minor Planet (7107) Peiser. Auf Basis der Einschlagsrate in den zurückliegenden zehn Jahrtausenden prognostizierte Benny Peiser 2001 für die nächsten 10.000 Jahre mindestens 300 Einschläge vom Tunguska-Typ sowie vier massive Impakte von größeren Geschossen auf dem Festland und zwölf Impakte im Meer. Dabei könnten bis zu 20 Millionen Menschen sterben. Schlägt ein 100 bis 250 Meter großer Asteroid im Meer ein, verdampfen hunderte Megatonnen Wasser und können bis in die Stratosphäre gelangen. Verbleiben sie dort Monate oder Jahre, sind die Erdbewohner einem lebenswidrigen Treibhausklima ausgesetzt.

In Anbetracht der vorliegenden naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse zur Impaktgefährdung der Erde sollte die Thematik nicht länger vernachlässigt und/oder verharmlost werden. Alan Harris erinnerte 2008 daran: „Wir wissen, dass es in der Vergangenheit passiert ist. Und wir wissen, dass es wieder passieren wird.“ Der kanadische Astronom David Levi äußerte sich in gleicher Weise: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde irgendwann von einem Asteroiden oder Ko­me­ten getroffen wird, liegt bei 100 Prozent.“
Wissenschaftler der Association of Space Explorers appellierten 2008, möglichst bald ein Forschungs-, Informations- und Abwehrnetz unter der Führung der UN einzurichten. Laut Michael Khan von der Esa dürfte oft eine Vorwarnzeit von 10 bis 20 Jahren genügen, um eine erfolgreiche Abwehrmission durchzuführen. In der Regel kann ein gefährliches Objekt in großer Entfernung eher von seinem Kurs abgelenkt werden als in Erdnähe. Bei rechtzeitiger Entdeckung genügt ein relativ kleiner Eingriff, um die Kollision verhindern.
Zu Beginn des Jahres 2015 starteten Wissenschaftler, Astronauten, Künstler und Interessenten die globale Kampagne Asteroid-Day, um die Menschheit auf die reale Gefahr von Impakten hinzuweisen. Auf der Website wurde betont: „Es gibt eine Million Asteroiden in unserem Sonnensystem, die das Potenzial haben, auf der Erde einzuschlagen und eine Stadt zu zerstören. Bisher wurden weniger als 10.000 entdeckt, was etwa einem Prozent entspricht. Die Technologie bietet die Möglichkeit, diese Situation zu ändern.“ Per Deklaration wurde gefordert, pro Jahr 100.000 Asteroiden in den kommenden zehn Jahren zu entdecken und ihre Bahnen zu verfolgen. Zu den Erstunterzeichnern der Erklärung gehörten unter anderem Richard Dawkins, Alan Eustace, Chris Hadfield, Tom Jones, Harry Kroto, Jim Lovell, Ed Lu, Brian May, Bill Nye, Martin Rees, Rusty Schweickart, Carolyn Shoemaker und Kip Thorne.
Eine Zukunft ohne Impaktkatastrophe sollte jedem am Herzen liegen. Was die Experten aus Wissenschaft und Technik anzubieten haben, sollte beachtet und realisiert werden. Aus dem Wissen um die Impaktgefährdung der Erde sollte die moralische Forderung abgeleitet werden, die zum Überleben der Menschheit erforderlichen Maßnahmen zu entwickeln und bei Bedarf einzusetzen. Wer die Thematik unvoreingenommen reflektiert, kann klar und deutlich erkennen, dass die Abwehr von Impaktoren relevanter ist, als wie 2015 schätzungsweise 1.676 Milliarden Dollar für militärische Zwecke zum Töten und Zerstören auszugeben sowie danach weitere Milliardenbeträge in den Wiederaufbau zu investieren. Die Ursachen des heutigen Massenexodus aus Ländern Afrikas sowie des Mittleren und Nahen Ostens können nur beseitigt werden, wenn dafür finanzielle Mittel und personale Kapazitäten des Militärs verwendet werden sowie die Vorhaben durch freiwillige Investitionen von Wohlhabenden unterstützt werden.