Heilung und Frieden in bedrängter Zeit

Eine religiöse Betrachtung mit wissenschaftlichen Vertiefungen und der Bitte an Gott, sein heilsgeschichtliches Wirken um der Glaubwürdigkeit der Evangelien willen heute deutlicher zu zeigen

Inhalt

1. Eine defizitäre und bedrohte Lebenswelt
2. Die Aktivitäten des Mörders von Anfang an
3. Das erhellende Licht der Wahrheit durch Jesus
4. „Ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen“
5. Der Heilige Geist führt behutsam in die ganze Wahrheit
6. Die von Gott erwählte Wegbegleiterin und Fürsprecherin
7. Eine eindringliche Bestürmung des Allerhöchsten im Himmel

Naturwissenschaftliches Erklären und religiöses Reflektieren sind zwei eigenständige Formen des Erkennens. In den auf Beobachtung basierenden Konzepten der Wissenschaft dürfen religiöse Aussagen nicht enthalten sein. Bei religiösen Betrachtungen kann es hilfreich sein, naturwissenschaftliche Erkenntnisse einzubinden.

1. Eine defizitäre und bedrohte Lebenswelt
Die Schreiber biblischer Texte verfassten religiöse Unterweisungen vor dem Wissensstand ihrer Zeit. Deshalb sind Beschreibungen wie die Katastrophe von Sodom und Gomorra und die Sintflut nicht wörtlich zu nehmen. Es können ihnen aber reale Ereignisse zu Grunde liegen.
Laut biblischer Textvorlage wurden die Städte Sodom und Gomorra durch ein kosmisches Ereignis vernichtet, da Bürger mit zwei Engeln sexuell verkehren wollten, die Lot besuchten. Er fühlte sich von ihnen so stark bedroht, dass er ihnen seine zwei Töchter anbot. Da wurden die Männer noch aggressiver und wollten die Tür des Hauses aufbrechen. Die Engel streckten die Hand aus, zogen Lot in sein Haus und sperrten die Tür zu. Die Männer erblindeten und fanden den Eingang nicht mehr. Am Morgen floh Lot mit seiner Frau und den Töchtern auf Geheiß der Engel ins sichere Zoar. Die Region von Sodom und Gomorra wurde mit allem auf den Feldern von Grund auf vernichtet. Als Lots Frau zurückblickte, erstarrte sie zu einer Salzsäule (vgl. Gen 19,1ff). Vor der Katastrophe war die bewässerte Jordangegend fruchtbar „wie das Land Ägypten“ (vgl. Gen 13,10).
Zum biblischen Text veröffentlichten 21 Fachpersonen am 20. September 2021 in Nature den vorläufigen Stand einer seit 2005 in der antiken Stadt Tall el-Hammam im südlichen Jordantal nordöstlich des Toten Meeres durchgeführten archäologischen Ausgrabung. Demnach gab es dort um 1.650 v. Chr. ein Zerstörungsszenario, dessen wahrscheinlichste Ursache ein im Anflug explodierendes Geschoss aus dem All war. Die bei der Luftdetonation freigesetzte Energiemenge könnte die vom Tunguska-Ereignis in Sibirien übertroffen haben. Am 30. Juni 1908 erhellte frühmorgens ein greller Lichtblitz den Himmel. Eine heftige Druckwelle knickte 60 bis 80 Millionen Bäume in der Region des Flusses Steinige Tunguska. Ein Gebiet mit fast der Fläche des Saarlandes wurde verwüstet. Wäre das kosmische Objekt fünf Stunden später eingetroffen, hätte Leningrad, damalige Hauptstadt der Sowjetunion, das heutige St. Petersburg, durch die Zerstörungskraft von zirka tausend Hiroshima-Atombomben in Schutt und Asche gelegen.
In der Metropole Tall el-Hammam mit über 50.000 Einwohnern zerstörte die Druckwelle des Airbursts über dem Toten Meer mehr als zwölf Meter eines vier- oder fünfstöckigen Palastes und einen vier Meter messenden Lehmziegelwall. Weitere Indizien für eine Extremdruck- und Hochtemperaturzerstörung sind nach Nordosten geworfene schwere Gegenstände, eine zirka 1,5 Meter dicke Schicht mit Asche, bei fünf bis zehn Gigapascal geschockter Quarz, zerstörte Zirkon-Kristallstrukturen, diamantartiger Kohlenstoff, geschmolzener Gips-Putz, Gold, Silber, Platin, Nickel und Chromit, geschmolzene und verglaste Töpferwaren und Lehmziegelreste, geschmolzene Speere und Schwerter aus Metall und zerschmetterte Skelettteile von Menschen. Ihre Kleidung und Körper verbrannten unmittelbar, da die Schmelztemperatur von Chromit 2.140 Grad Celsius beträgt. Von der Schockwelle und Feuersbrunst wurden zirka 15 Städte sowie über 100 Dörfer und Gehöfte einer blühenden Zivilisation ausgelöscht. Teilweise regnete das durch die enorme Hitze verdampfte Salzwasser auf das südliche Jordantal herab und verhinderte 300 bis 600 Jahre die landwirtschaftliche Nutzung der Böden. Am 24. April 2025 wurde die Studie von den Redakteuren gelöscht.
Informationen über die Ausgrabungen in Tall el-Hammam: https://tallelhammam.com/
Eine inhaltlich mit der biblischen Sintflut-Erzählung - der Ausdruck „sint-vluot“ bedeutet im Mittelhochdeutschen eine große allgemeine Flut - weitgehend übereinstimmende Überflutung wird im älteren Gilgamesch-Epos geschildert. Zudem wird in Überlieferungen aus Australien, Indien, Island und Griechenland von einer verheerenden Flut erzählt.
Laut Bibel ereignete sich die Sintflut, nachdem das Sinnen und Trachten der Menschen „immer nur böse war“ (vgl. Gen 6,5). Gott war mit ihrem Reden und Handeln nicht einverstanden, da sie die Erde mit anderen „Wesen aus Fleisch“ zu einem lebenswidrigen Aufenthaltsort machten (vgl. Gen 6,12). So tötete Kain seinen Bruder Abel (vgl. Gen 4,8). Sodann brachen „alle Quellen der gewaltigen Urflut auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich“ (vgl. Gen 7,11).
Entsprechungen in der Realität könnten die Überschwemmungen von Euphrat und Tigris oder die immensen Wassermassen von tauenden Gletschern der späten Eiszeit sein, die den Spiegel des Mittelmeerwassers anstiegen ließen, sich am Bosporus in einen tiefer gelegenen Süßwassersee ergossen und das Schwarze Meer schufen. Insgesamt könnte das Meerwasser eine ungefähr 100.000 Quadratkilometer umfassende Fläche überflutet haben. Archäologische Funde deuten eine dichte jungsteinzeitliche Besiedlung der Uferregion und ein ziemlich rasches Verlassen der Unterkünfte an.
Vergleichbares könnte in anderen Regionen passiert sein. So wurden in Nordamerika vermutlich durch Ausbrüche von Eisstauseen die Channeled Scablands im Bundesstaat Washington überflutet. Damals könnte eine Wassermenge mit mehrfachem Volumen des Bodensees sich über das Columbia-Plateau ergossen und beim Abfließen tiefe Schluchten erzeugt haben. In mehreren Gebieten gab es Überflutungen, etwa wenn Eisdämme oder Endmoränen brachen.
Was die „aufgebrochenen Quellen der gewaltigen Urflut“ (vgl. Gen 6,11) in der Realität sein könnten, ist ungewiss. Für die Annahme, dass es das extrem heiße Wasser in der Übergangszone vom oberen zum unteren Erdmantel sein könnte, liegt noch kein Beleg vor. Ein dortiges Wasserreservoir mit 6-facher Menge des Meerwassers legt der Fund von zwei an der Grenze zum unteren Erdmantel entstandenen Diamanten mit den an Wasser gebundenen Mineralen Ringwoodit und Brucit nahe.
Hier können sich Fragen wie diese ergeben: Gab es während der Erdgeschichte eine friedliche Ära ohne Blutvergießen? Ab wann ist das gewaltsame Sterben fossil überliefert? Werden eine Überflutungskatastrophe und ein kosmisches Zerstörungsszenario erneut stattfinden?
Eine sintflutähnliche Katastrophe wird laut Bibel nicht mehr stattfinden. Gott versprach nach der Sintflut Noach, seiner Familie und seinen Nachkommen: „Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben“ (Gen 9,11). Demnach sezte Gott den zerstörerischen Überflutungen eine Grenze, die sie nicht mehr überschreiten dürfen (vgl. Ps 114,9; Jes 54,9).
Eine fossile Lebenswelt ohne gewaltsames Sterben waren die ältesten Ediacara-Arten im späten Präkambrium, die ab vor ungefähr 574 Millionen Jahren den „friedlichen Garten von Ediacara“ bewohnten. Über Ableger bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung bildeten einzelne Individuen mit anderen ein Jahrmillionen währendes „Klon-Paradies“. Auch schwächere Arten überlebten bei kaum vorhandenem Auslesedruck. Verletzungen wurden noch nicht entdeckt. Räuber-Beute-Beziehungen sind paläontologisch erst später dokumentiert.
Die biblische Vorstellung, Leid und Tod seien durch die Sünde des Menschen in die Welt ge-kommen (vgl. Gen 3; Röm 5,12), trifft sachlich nicht zu. Im vor 540 Millionen Jahren begonnenen Kambrium packte Anomalocaris die Beute mit dornigen Mundwerkzeugen und zerkleinerte sie im Mund mit mehreren Zahnreihen wie mit einem Nussknacker. Langhalsige Tanystropheus-Dinosaurier wurden vor 240 Millionen Jahren enthauptet, worauf Bissspuren an abgetrennten Hälsen verweisen. Andere Dinosaurier litten unter Parasiten. Ein Beleg, dass damals Menschen lebten, liegt noch nicht vor. Die ältesten heute bekannten Fossilen der Gattung Homo sind etwa zwei Millionen Jahre alt. Und heute:
Braunbären und Löwen töten Jungtiere anderer Väter, um das eigene Erbgut durch die Beendigung des Stillens einer Fortpflanzungspartnerin zu vermehren; umherschweifende Junglöwen-Rudel töten Harem-Anführer und verspeisen sie bisweilen; männliche Löwen töten ihre Schwester beim Streit um Nahrung; Stummelaffen, Mäuse und Schleimfische töten gelegentlich den Nachwuchs; männliche Breitfuß-Beutelmäuse können nach bis zu 14-stündigem Sexualkontakt wegen hohem Kortison-Spiegel tot umfallen und Artgenossen konsumieren die Leiche; Panda-Mütter säugen den stärkeren Jungbären und lassen den anderen sterben; weibliche Erdhörnchen töten männliche Nachkommen, Tanten töten Nichten; Präriehündinnen töten die Jungtiere von kleineren Erdhörnchenarten; Schafe verstoßen Lämmer; das stärkste Steinadlerküken wirft die schwächeren Geschwister aus dem Nest; ältere Wiedehopf-Küken fressen jüngere Geschwister und gelegentlich unterstützt die Mutter das kannibalische Verhalten; etwa jedes dritte halbwaise Küken des Grünbürzel-Sperlingspapageis wird vom neuen Partner des verbleibenden Elternteils oder von kinderlosen Paaren getötet, die brütende Paare aus der Höhle vertreiben; junge Gottesanbeterinnen fressen Geschwister und später verspeisen Weibchen bisweilen den Fortpflanzungspartner; Wolfsspinnenmännchen fressen nach der Begattung manchmal das Weibchen; Bienenköniginnen töten Schwestern, Arbeiterinnen werfen ihre Brüder aus dem Stock zum Verhungern oder töten sie mit einem Stich; Arbeiterinnen von Honigtopfameisen zerstückeln schwächere Königinnen zurm Verzehr und rotten fremde Nester aus; Wüstenameisen konsumieren Eier, Larven und Arbeiterinnen in Nestern schwächerer Artgenossen, foltern und zerstückeln deren Königinnen vor dem Verzehr; Kegelrobben, Komodowarane, Kaulquappen von Baumsteigerfröschen und der australischen Aga-Köte sowie Taufliegenlarven verzehren ihresgleichen; der kräftigste Tigerhaifötus verspeist im Uterus die schwächeren; junge Ohrwürmer verleiben sich die tote Mutter ein; Jungtiere mancher Spinnenarten fressen die Mutter, Tanten und extra für sie gelegte Eier von Geschwistern; die Schwarze Witwe und Vogelspinne töten kleine Schlangen und fressen an ihnen; Totenschädelameisen setzen größere Schnappkieferameisen mit Säureeinsatz außer Gefecht, enthaupten sie, sammeln die Köpfe im Bau und schleppen die Leichen zu ihrem Volk zum Zerlegen und Verzehr; Panama-Kapuzineraffen entführen Babys von Brüllaffen, bis sie sterben; weibliche Paviane und Schimpansen töten Jungtiere von Konkurrentinnen; Schimpansenhorden greifen Gorillas an, entreißen Jungtiere der Mutter und töten sie; Pflanzen beseitigen Konkurrenten am Standort durch Chemikalien in Wurzeln und Blättern oder locken den Feind der sie fressenden Raupen durch Duftstoffe zum Verzehr an; Abwehrstoffe angeknabberter Tomaten machen hungrige Raupen des Eulenfalters zu Kannibalen; der schmarotzende Teufelszwirn zapft die Leitungsbahnen verschiedener Wirtspflanzen an, um Nährstoffe und Wasser zu stehlen sowie durch Verabreichen spezieller microRNAs die Aktivität von Genen zur Verteidigung der Geschädigten zu blockieren; Würgefeigen umschlingen andere Bäume im tropischen Regenwald und schnüren deren Leitgefäße so lange ab, bis sie absterben, verrotten und ihre Standorte zur Verfügung stellen; Menschen essen andere Lebewesen oder Teile von ihnen; manche töten Embryonen, Föten, Kinder und/oder Erwachsene; Hunderttausende Menschen werden jährlich auf der Erde von Mücken getötet, die Tropenkrankheiten übertragen.
Hier ergeben sich zumindest zwei Fragen: Ist Gott, der „alle Arten von Pflanzen, gefiederten Vögeln und Tieren des Feldes sowie Menschen machte“ (vgl. Gen 1,11ff), für das in der Lebenswelt allgegenwärtige Töten verantwortlich? Wie ist das Töten mit seiner in der Bibel oft erwähnten Liebe und Vollkommenheit (vgl. etwa Mk 5,48) in Einklang zu bringen?

2. Die Aktivitäten des Mörders von Anfang an
In den Evangelien werden „der Teufel und seine Engel“ (vgl. Mt 25,41) oft genannt. Nach 40-tägigem Fasten in der Wüste versucht der Teufel Jesus mit einem Bibelzitat, was ein raffiniertes, eloquentes und scheinheiliges Vorgehen zeigt. Doch Jesus befiehlt ihm: „Weg mit dir, Satan!“ (Mt 4,10). Wiederholt wird Jesus bei seiner irdischen Mission vom Satan attackiert, lässt sich von ihm aber nicht blenden und von seinem Vorhaben abhalten. Für Jesus sind der Teufel und seine Engel, die oft „Dämonen“ genannt werden, real existierende, personale Geistwesen einer für irdische Menschen in der Regel nicht wahrnehmbaren Wirklichkeit mit Fähigkeiten zum Verführen, Verwirren und Schädigen.
Jesus zufolge ist der Teufel „ein Mörder von Anfang an, der nicht in der Wahrheit steht, da sie nicht in ihm ist. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (vgl. Joh 8,44). In einer Gleichnisdeutung nennt Jesus ihn den „Feind, der auf dem Acker der Welt das Unkraut sät“. Er deutet es: „Das Unkraut sind die Söhne des Bösen“ (vgl. Mt 13,38f). Demnach gibt es Menschen, die mit Absicht im Interesse des Bösen reden und handeln. Das Walten des „Herrschers dieser Welt“ (vgl. Joh 16,11) verlangt Wachsamkeit und entlarvende Klugheit. Als Durcheinanderwerfer („diabolos“) versucht der Teufel, den klaren Blick einzutrüben, so dass Wahres als falsch, Falsches als wahr, Gutes als schlecht und Schlechtes als gut erscheint.
Ob bei Erkrankungen des Körpers, der Psyche und/oder des Geistes ein dämonischer Einfluss vorliegt, können Menschen nicht ohne weiteres erkennen. Menschen richten den Blick bei einer Krankheit auf die natürlichen Prozesse und das die Krankheit begünstigende oder verursachende Verhalten. Jesus sah auch neurologische Erkrankungen wie die Epilepsie eines taubstummen Jungen, der unkontrolliert zu Boden fiel, als dämonische Übel an. Eine Frau mit verkrümmtem Rücken, die „von einem Dämon geplagt wurde“ bzw. „die der Satan seit 18 Jahren gefesselt hielt“, heilte er durch Auflegung der Hände. Die an einem Sabbat in einer Synagoge Anwesenden waren darüber erfreut. Den empörten Synagogenvorsteher nannte Jesus einen Heuchler. Sieben Dämonen verließen Maria Magdalene. Sie begleitete mit anderen Frauen Jesus, die er geheilt und von bösen Geistern befreit hatte, von Dorf zu Dorf (vgl. Lk, 8,1f).
Eine dämonische Besessenheit, mit der Jesus direkt konfrontiert wurde, war ein in Grabhöhlen hausender Mann, der unaufhörlich bei Tag und Nacht schrie und sich mit Steinen schlug. Keiner bezwang ihn, auch nicht mit Ketten und Fesseln. Jesus befreite den Kranken von seinem Leiden mit göttlicher Kraft und Vollmacht, indem er befahl: „Verlass diesen Mann, du unreiner Geist!“ Sofort verließ eine Legion Dämonen den Mann und fuhr mit Einverständnis Jesu in eine Schweineherde, so dass etwa 2.000 Tiere einen Abhang hinabstürzten und in einem See ertranken (vgl. Mk 5,1ff). Aussage Jesu zufolge hat auch das Gift von Schlangen und Skorpionen einen dämonischen Ursprung (vgl. Mk 9,14ff; Lk 13,10ff; 10,19).
Bei der Befreiung Besessener fielen manche unter lautem Geschrei auf den Boden, ohne sich zu verletzen. Bisweilen teilten die Dämonen beim Verlassen mit der Stimme des Befreiten zu Jesus mit: „Du bist der Sohn Gottes!“ (Lk 4,41). Jesus befahl ihnen dann zu schweigen, da die Menschen selbst erkennen sollten, ob er es ist.
Der Ausdruck „Sohn Gottes“ wurde in vorchristlicher Zeit besonders für Pharaonen in Ägypten und für Könige im Orient verwendet. Im Alten Testament ist der leibliche Sohn von David und Nachfolger seines könglichen Vaters „Sohn für den Herrn“ (vgl. 2 Sam 7,14). Auch ein vorbildlicher Mensch ist für Gott „sein Sohn“ (vgl. Sir 4,10). Dabei handelt es sich um Menschen. Nur Jesus ist hingegen der vom Vater vor aller Zeit gezeugte „Sohn Gottes“ mit göttlicher Wesensgleichheit. Die Menschen sind von Gott geschaffene „Kinder Gottes“, menschliche Söhne und Töchter Gottes, menschliche Brüder und Schwestern Jesu. Wohin die göttliche Verehrung eines Menschen führt, zeigt die blutige Weltherrschaft („imperium sine fine“) von Kaiser Augustus als Sohn des Göttlichen („Caesar divi filius“) vor dem Hintergrund des römischen Götter-Glaubens.
Jesus ist der einzige Sohn Gottes und Messias. Er bejahte die Frage des Hohenpriesters beim Verhör vor dem Hohen Rat, ob er der Messias, der Sohn Gottes sei: „Du hast es gesagt“ (Mt 26,64) bzw. „Ihr sagt es – ich bin es“ (Lk 22,70). Auch einer Wasser schöpfenden Samariterin am Jakobsbrunnen gestand er, nachdem sie zu ihm gesagt hatte, sie wisse vom Kommen des Messias, der Christus heißt und ihnen alles verkünden werde: „Ich bin es, der mit dir spricht“ (vgl. Joh 4,25f).
Jesus heilte oder befreite jede und jeden sofort und vollständig, wenn er vom Betroffenen oder stellvertretend einem anderen darum gebeten wurde, etwa Kranke mit Aussatz, Epilepsie, Lähmung, Skelettdeformation, Blindheit und Taubstummheit (vgl. Mt 15,30f et al.). Es genügte den Saum seines Gewandes zu berühren (vgl. Mk 6,56). Das einzige Hindernis bei einer Heilung war die Ablehnung seiner Glaubensunterweisung (vgl. Mt 13,58).
Der Teufel und die Dämonen handeln einfallsreich, durchtrieben und wirkmächtig. Als Jesus den Jüngern weissagte, er werde in Jerusalem vieles erleiden und getötet werden, bevor er am dritten Tag auferweckt werde, sagte Petrus, Gott möge es verhindern. Aus menschlicher Sicht ist die Aussage nachvollziehbar. Jesus akzeptierte sie aber nicht und befahl: „Weg mit dir, Satan! Geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen. Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Alternativ übersetzt: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Hier versuchte der Teufel durch Eingebung eines Gedankens bei einem engen Begleiter Jesu, seine irdische Mission umzulenken.
Einige Aussagen Jesu in den Evangelien zeigen in eine andere Richtung als die meisten anderen. So nannte Jesus den Apostel Judas, der ihn dem jüdischen Klerus auslieferte, einen Teufel: „Und doch ist einer von euch ein Teufel“ (Joh 6,70). Ein Mensch ist aber kein Teufel. Ob Jesus die Aussage so formulierte, ist offen. Auch ob er bei der Ermordung aller Propheten, deren Blut „seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist“, von Rache sprach, da er äußerte, „ja, das sage ich euch: an dieser Generation wird es gerächt werden“, ist ungewiss (vgl. Lk 11,50f). Ungereimtheiten und Widersprüche der Evangelien können auch von den Schreibern stammen.
Die Evangelien enthalten keinen Beleg, dass Jesus eine Krankheit, ein Sterben, eine Katastrophe oder ein anderes Leid herbeiführte. Als er auf dem Weg nach Jerusalem von Bewohnern eines samaritischen Dorfes nicht aufgenommen wurde, waren zwei Apostel so entsetzt, dass sie ihn fragten: „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“ Unmissverständlich wies Jesus die beiden zur Rache Neigenden zurecht und stellte sich ihrem Ansinnen entschieden entgegen (vgl. Lk 9,51ff). Er respektierte die Abweisung und lehnte eine zerstörerische Machtdemonstration ab. Manche Textüberlieferungen fügten der Aussage Jesu hinzu: „Ihr wisst nicht, was für ein Geist aus euch spricht.“
Jesus lehrte und lebte einen Glauben ohne Hass, Gewalt, Zerstörung und Zwang vor. Er redete und handelte teilweise anders die Propheten im Alten Bund und viele Christen. Elija sagte zu einem Hauptmann von 50 Leuten, die im Auftrag des Königs Ahasja von Samaria zu ihm mit Aufforderung gesandt wurden, vom Gipfel eines Berges zum König herabzukommen: „Wenn ich ein Mann Gottes bin, so falle Feuer vom Himmel und verzehre dich und deine Fünfzig.“ So geschah es: 51 Personen starben (vgl. 2 Kön 1,9f). Elija sagte zu König Ahab: „Weil du dich hergabst, das zu tun, was dem Herrn missfällt, werde ich Unheil über dich bringen. Ich werde dich entfernen und von Ahabs Geschlecht alles, was männlich ist, ob unmündig oder mündig, in Israel ausrotten“ (1 Kön 21,20f). Die Aussagen gefallen vor allem dem Teufel. Sie stimmen mit der Lehre Jesu von Gott nicht überein.
Paulus erinnerte im Ersten Korintherbrief daran, dass die Väter unter der Wolke durchs Meer zogen und auf Mose getauft wurden. Als sie sich von der Gier beherrschen ließen, habe Gott an den meisten keinen Gefallen mehr gehabt und sie in der Wüste sterben lassen. Einige habe der Verderber umgebracht, weil sie murrten (vgl. 1 Kor 10,1ff). Laut Zweitem Korintherbrief tarnt Satan sich als „Engel des Lichts“ (vgl. 2 Kor 11,14). Paulus bezeugt, ein Bote Satans habe ihn verletzt, um demütig zu bleiben: „Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.“ Er gesteht, die Leiden Jesu seien ihm „überreich“ zuteil geworden (2 Kor 12,5.7). Jesus habe ihn gebeten, die Völker „von der Macht des Satans“ durch Bekehrung zu Gott zu befreien (vgl. Apg 26,18). Vor seiner eigenen Bekehrung lästerte er über Jesus, verfolgte und verhöhnte ihn. Als „nach dem Gesetz der Väter“ ausgebildeter Jude und Eiferer für Gott fesselte er Anhänger der Lehre Jesu und lieferte sie in die Gefängnisse ein (vgl. Apg 22,3f; 1 Tim 1,13).
Dem Ersten Johannesbrief zufolge „steht die ganze Welt unter der Macht des Bösen“ (vgl. 1 Joh 5,19). Laut Brief des Judas stritt der Teufel mit dem Erzengel Michael um den Leichnam des Mose (vgl. Jud 9). In der Offenbarung des Johannes wird Satan „der große Drache, die alte Schlange“ genannt. Er lebte zunächst im Himmel und wurde mit seinen Mitstreitern bei einem Konflikt von Michael und anderen Engeln auf die Erde gestürzt. Dort verführen sie die Menschen und bringen ihre Vergehen bei Tag und bei Nacht vor Gott (vgl. Offb 12,7ff).
Die Existenz des Teufels und der Dämonen gehört zum christlichen Glauben. Ein außerbiblischer Hinweis auf das dämonische Wirken findet sich bei Johannes Vianney, dem Pfarrer von Ars und Patron der katholischen Priester. Er erfuhr nächtliche Störungen wie im Zimmer herumgerückte Stühle, sah abgerissene Gardinen, wackelnde Möbel und ein auf dem Boden herumgeschleiftes Bett. Der Pfarrer erkannte, dass die Attacken einem Ereignis im Interesse Gottes vorausgingen und ertrug sie mit Geduld. Auch andere Personen berichten bisweilen von einem Erlebnis mit dem Teufel.
Jesus beauftragte die Apostel, in seinem Namen Dämonen auszutreiben (vgl. Mk 16,17), wie auch er es getan hat (vgl. Lk 13,32). Der Vorgabe entsprechend gibt es den 2014 vom Vatikan offiziell anerkannten Weltverband der Exorzisten mit 900 Exorzisten und 130 Hilfsexorzisten, die Gott bitten, einen ihre Hilfe in Anspruch nehmenden Menschen von der Macht des Bösen zu befreien. Beim 1999 vom Vatikan etablierten „Großen Exorzismus“ tragen zwei katholische Priester Gott ein einstündiges Gebet vor.
In vorchristlichen biblischen Texten ist ebenfalls vom Teufel bzw. Satan, was im Hebräischen „Widerstand leisten“ bedeutet, als Widersacher Gottes und Urheber des Bösen die Rede. Im Mythos vom Garten Eden gibt Gott die Erde den Menschen und Tieren als einen Aufenthaltsort mit Pflanzen und Früchten der Samenpflanzen zur Ernährung (vgl. Gen 1,29f). Den Verzehr von „allem Lebendigen, das sich regt“, außer von „Fleisch, in dem noch Blut ist“ erlaubt Gott erst nach der Sintflut (vgl. Gen 9,3f). Das mit Mühsal, Leid und Sterben verbundene Erdendasein des Menschen kam dem Mythos zufolge durch Verführung einer hinterlistigen und lügenden Schlange zu Stande. Sie gaukelte der Frau vor, durch den von Gott verbotenen Verzehr der „Früchte des Baumes in der Mitte des Gartens“ würden ihr und ihrem Gefährten die Augen aufgehen. Sie belügt sie: „Ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ Nun nimmt die Frau von den Früchten des wie eine Augenweide wirkenden Baumes, gibt sie auch ihrem Mann und beide essen sie. Daraufhin erkennen sie ihre Nacktheit, fürchten sich vor Gott und verstecken sich vor ihm. Damit sie die Hände nicht auch noch nach dem „Baum des Lebens“ ausstrecken und davon essen, müssen sie den Garten verlassen (vgl. Gen 3).
Der Mythos veranschaulicht, dass menschliches Versagen durch Verführung des Teufels weitreichende Folgen haben kann. Ein Werden-wie-Gott erlaubt Gott dem Menschen nicht. Der Mensch verletzt die Freundschaft mit Gott, wenn er sich vom Teufel verführen lässt und sich in seinem Interesse verhält. Gott weiß über die moralischen Verfehlungen der Menschen Bescheid.
Ob die ersten Menschen einen Garten mit allerlei Früchten tragenden Bäumen bewohnten und mit Gott reden konnten, ist ungewiss. Mythische Erzählungen sind keine Berichte oder Protokolle. Sie verlangen eine Deutung. Falls die evolutionsbiologische Lehre zutrifft, gingen die ersten Menschen aus tierischen Vorfahren hervor. Dabei gab es keinen Zeitpunkt mit erstmals Menschen und letztmals Tieren als Eltern.
Die Katholische Kirche stufte Adam und Eva als Heilige mit Gedenktag am 24. Dezember vor dem Geburtsfest Jesu ein. Hinweis: Zur Vereinfachung wird im Text „katholisch“ für „römisch-katholisch“ verwendet. Der Name „Adam“ bedeutet im Hebräischen „Erdling“. Der Mensch wird laut Mythos aus Erdboden („adamah“) geformt, was auf den materiellen Körper verweist. Erst bei der Vertreibung aus dem Garten Eden nennt Adam seine Frau Eva, was Leben („chawwa“) bedeutet. Äpfel als verlockende Früchte werden im Text nicht erwähnt. Dass sie auf nicht wenigen Gemälden zu sehen sind, könnte damit zusammenhängen, dass „malum“ im Lateinischen „das Böse“ und „der Apfel“ bedeutet. Der Garten Eden ist nicht das Paradies bzw. der Himmel, da der Mensch ihn bebauen und hüten soll (vgl. Gen 2,15).
Offensichtlich bedürfen die seit dem Mittelalter vorgenommenen Heiligsprechungen heute einer Revision, da kein Kleriker, sondern allein Gott die Gedanken und Absichten der Verstorbenen kennt. Sie müssen mit dem Reden und Handeln nicht übereinstimmen. Die Aussage Jesu zu den Jüngern, „alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein“, bezieht sich laut Kontext auf zwischenmenschliche Konfliktlösungen: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt“ (vgl. Mt 18,15.18). Und mit der Aussage, der Apostel Petrus werde „die Schlüssel des Himmelreichs“ erhalten, brachte Jesus zum Ausdruck, er soll in seinem Sinne klar und deutlich sagen, welcher Weg auf Erden zum Himmel führt (vgl. Mt 16,19). Eine Heiligsprechung von Verstorbenen nahm Petrus nicht vor. Jesus gebot: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt 7,1; Lk 6,37). Es bezieht sich auf Vergehen und damit indirekt auch auf die Festlegung von Personen, die direkt nach dem Sterben in den Himmel aufgenommen werden.
Eine weitere Kuriosität im offiziellen Heiligenkalender: Am 6. Januar und 24. Juli gedenkt die Katholische Kirche der Heiligen Kaspar, Melchior und Balthasar. Im griechischen und lateinischen Text ist von Magiern bzw. Sterndeutern aus dem Osten („magi ab oriente“) die Rede, die einem Stern nach Betlehem folgen, in das Haus mit dem Kind und seiner Mutter gehen, niederfallen, dem Kind huldigen und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben darbringen (vgl. Mt 2,1ff). Die Anzahl und Namen werden nicht genannt.
Doch im Kölner Dom befinden sich angeblich die Gebeine der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar in einem kostbaren Gold-Email-Schrein. Sie kamen als Kriegsbeute von Kaiser Friedrich Barbarossa 1164 von Mailand nach Köln, das daraufhin zu einer Wallfahrtsstätte wurde. Dabei entstand die Idee, um die Gebeine ihre Königskathedrale zu errichten. Ihrem Königtum könnte zu Grunde liegen: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Seba und Saba kommen mit Gaben“ (Ps 72,10).
Die Vorstellung, dass der Mensch zunächst nicht starb und durch den Teufel die Unsterblichkeit verlor, enthält auch das Buch der Weisheit. Demnach hat „Gott den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild des eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.“ Erneut heißt es: „Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen“ (Weish 2,24; 1,13f). Die Korrektheit der Aussagen kann nicht überprüft werden. Abgeschwächt könnten sie unter anderem für das vorzeitige Sterben durch Unfall, Krieg, Gewalt, Dominanz, Eifersucht, Habgier, Naturkatastrophen, tödliche Krankheitserreger und das auf 120 Jahre begrenzte Erdendasein (vgl. Gen 6,3) zutreffen. Außerdem verliert der Mensch das ewige Weiterleben bei Gott, wenn er es will und dementsprechend schlecht denkt, redet und handelt.
Von einem Sterben, das ein Dämon verursachte, wird im Buch Tobit erzählt. Demnach liebte ein Dämon die schöne und kluge Sara. Männer, die das Mädchen heirateten, wurden von dem Dämon umgebracht. Saras Vater gestand: „Ich habe meine Tochter schon sieben Männern zur Frau gegeben; doch jeder, der zu ihr ins Brautgemach ging, ist noch in derselben Nacht gestorben.“ Als jedoch Tobias Sara mit Hilfe des Engels Rafael heiratete und Gott um Barmherzigkeit flehte, starb er nicht (vgl. Tob 6; 7; 8).
Gemäß Buch Ijob gehörte Satan ursprünglich zu den „Gottessöhnen“, sah den Herrn von Angesicht zu Angesicht, durchstreifte die Erde, trat zusammen mit den Seinen vor den Herrn und berichtete ihm vom frommen und rechtschaffenen Verhalten des Ijob. Er sagte, Ijob fürchte Gott nur, da er ihn beschütze und das Tun seiner Hände segne. Falls er aber seine Hand gegen Ijob ausstrecke und Ijob seinen weit im Land ausgebreiteten Besitz verliere, würde er ihm ins Angesicht fluchen. Hier will Satan einen Frommen von Gott distanzieren. Beim Wüten Satans gegen Ijob schlägt „Feuer Gottes“ vom Himmel in Ijobs Schafe und Knechte ein und verzehrt sie (vgl. Ijob 1,16). Ijob bleibt Gott aber treu. Als er seine Söhne, Töchter, Knechte, Rinder, Kamele, Esel, Schafe, Haus und die übrigen Besitztümer verloren hatte, fiel er zu Boden, betete Gott an und sagte nichts Ungehöriges gegen ihn. Er akzeptierte sogar, dass Satan ihn „mit bösartigem Geschwür von der Fußsohle bis zum Scheitel schlug“ (vgl. Ijob1; 2).
Als drei Freunde Ijob besuchten und sieben Tage lang bei seinem Anblick kein Wort mit ihm reden konnten, verfluchte Ijob jedoch sein Erdendasein und wünschte wegen der erschöpften Kraft im Grab zu liegen. Er gestand: „Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen.“ Und weiter: „Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich?“ (Ijob 3,3.11). Er fragte sich, warum Gott Menschen wie ihm das Leben schenkt, sie aber den Tod mehr als verborgene Schätze suchen und „unter dem Hügel frohlocken würden“ (vgl. Ijob 3,20-22). Offenbar kann beim Leiden die Grenze des Verkraftbaren überschritten werden, was Gott tatenlos zulässt und bei den Betroffenen zu Verbitterung führt.
Den ursprünglichen Aufenthalt Satans bei Gott deutet der Name „Luzifer“ („Lichtträger“) an. Einen Ankläger der Menschen vor dem Herrn nennt ihn das Buch Sacharja (vgl. Sach 3,1). Im Ersten Buch der Chronik tritt er bei einer Gelegenheit gegen Israel auf und reizt David zu einer Volkszählung (vgl. 1 Chr 21,1).
Wenn die biblischen Aussagen über den Teufel einen religiösen Wahrheitsgehalt haben, agiert er auf der Erde „von Anfang an“.

3. Das erhellende Licht der Wahrheit durch Jesus
Mose teilte den Israeliten im Auftrag Gottes mit: „Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst“ (Dtn 4,39). Der Weisheitslehrer Jesus Sirach betete zu Gott, seine Herrlichkeit allen anderen Völkern zu zeigen: „Wie du dich an uns vor ihren Augen als heilig bezeugt hast, so verherrliche dich an ihnen vor unseren Augen, damit sie erkennen, wie wir es erkannten: Es gibt keinen Gott außer dir“ (Sir 36,4f).
Gott ist der Urheber und Eigentümer der Welt. Er liebt, was er ins Dasein rief und schont seine Werke (vgl. Sir 42,15ff; Weish 11,24ff). An Zerstörung und Leid hat er kein Gefallen. Besonders liebt er die Menschen mit ihren Schwächen, deren irdische Existenz er wollte. Wird das sensible und liebende Herz Gottes aber zutiefst verletzt, handelt er selbst oder gebietet er dem Teufel keinen Einhalt, damit das Fehlverhalten erkannt, beendet und gegebenenfalls der Schaden wiedergutgemacht wird. In diesem Zusammenhang erwähnte Jesus gelegentlich den „Zorn Gottes“ (vgl. Lk 21,23). Im Alten Testament wird er häufig genannt (vgl. Jes 45,7; Joël 2,13; Am 3,6). Dem Psalmisten zufolge genügt nur wenig, um den Zorn des Höchsten zu entfachen. Doch sein Zorn dauert nur „einen Augenblick“ (vgl. Ps 2,12; 30,6).
Der vollkommene, unbeirrbar treue, gerechte, barmherzige, langmütige und gütige Gott (vgl. Dtn 32,4; Ps 145,8f; Joël 2,13) vergibt und vergisst jedes Vergehen, wenn er aufrichtig darum gebeten wird und die Bemühung um zukünftiges Unterlassen sieht. Niemand liebt jede und jeden mehr als der Vater im Himmel, der den Menschen nahe ist. Er ist kein tyrannischer Gebieter oder schreckenerregender Alter mit pompöser Tiara, wie Künstler ihn porträtiert und Päpste ihn imitiert haben. Der Vater wird in Jesus gesehen, da beide eine untrennbare Einheit sind (vgl. Joh 14,9f). Jesus ging vor aller Zeit und Existenz des Geschaffenen „aus dem Vater hervor“ - ein göttliches Geheimnis, das der Gott untergeordnete Mensch nicht verstehen kann. Ein technisches Produkt versteht auch das Wesen des Menschen nicht, der es erzeugt hat.
Die Wesensgleichheit von Gott Vater und Jesus findet sich bis zum Humor. Jahwe nannte das erwählte Volk „du armer Wurm Jakob, du Würmlein Israel“ (vgl. Jes 41,14), Jesus den Tetrarchen Herodes Antipas einen „Fuchs“ (vgl. Lk 13,32) und die Brüder Jakobus und Johannes „Donnersöhne“ (vgl. Mk 3,17). Der 100-jährige Abraham gab dem vom Herrn versprochenen Sohn, den seine 90-jährige Frau Sara gebar, den Namen „Isaak“, was „Gott hat gelacht“ oder „Gott hat zum Lachen gebracht“ bedeuten kann. Sara gestand: „Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mit mir lachen“ (vgl. Gen 17,16ff; 18,10ff; 21,6).
Menschenfreundlichkeit zeigte Jesus bei der Hochzeit zu Kana (vgl. Joh 2,1ff), beim Mahl mit dem Zöllner Matthäus und vielen anderen Zöllnern und Sündern (vgl. Mt 9,9ff) oder beim Besuch der Geschwister Maria, Marta und Lazarus in Betanien (vgl. Joh 12,1ff). Er hatte keine Berührungsängste. Einen Mann, der die Gebote befolgte und von Jesus wissen wollte, was er noch zum Erhalt des ewigen Lebens tun müsse, umarmte Jesus und empfahl ihm: „Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10,17ff). Der Vater und Jesus sorgen sich um die Menschen wie ein Hirt um seine Schafe (vgl. Jer 31,10; Joh 10,1ff).
In den vorchristlichen Bibeltexten wird aber auch ein Gott präsentiert, der angeblich einen nächtlichen Ringkampf mit Jakob verliert und dann so heftig auf dessen Hüftgelenkt schlägt, dass es sich ausrenkt, der als Herr der Heere Kriege führt, den Israeliten bei der Inbesitznahme von Kanaan sieben mächtigere Völker zur Vernichtung ausliefert, auf vor seinem Wort Zitterende blickt, auf Abfall mit Unheil reagiert, zermürbende Leiden auferlegt und Todesurteile erlaubt (vgl. Gen 32,25ff; Dtn 7,1f; 32,39; Psalmen, Jes 54,5; 66,2; Bar 4,28f; Jona 3,10; Mal 1,11). Gott entfacht ein loderndes Feuer, sendet die Schwindsucht feisten Männern und einen Engel zum Erschlagen von 185.000 Feinden im Lager der Assyrer (vgl. Jes 10,16; 2 Kön 19,35). Über Zefanja kündigt er an, in Juda die Fische, Vögel und das Vieh wegzuraffen und die Menschen auszurotten, die Bewohner Kanaans zu Grunde zu richten, Assur zu vernichten und Niniwe zur Öde zu machen (vgl. Zef 1,1-4; 2,5.13).
Mose beauftragte der Herr, Rache an den Midianiten für die Israeliten zu nehmen, so dass alle Männer und fünf Könige erschlagen, die Frauen und kleinen Kinder gefangen genommen, der Besitz und das ganze Vieh erbeutet sowie die Städte und Zeltdörfer der Midianiten niedergebrannt wurden. Als Mose sah, dass die für den Glaubensabfall der Israeliten verantwortlichen Frauen noch lebten, befahl er, alle Knaben und Frauen, die mit einem israelitischen Mann sexuellen Kontakt hatten, umzubringen. Die Mädchen und Frauen ohne sexuellen Kontakt ließ er für die Israeliten noch leben (vgl. Num 31,1-18). In Psalm 101 bekennt David: „Morgen für Morgen spreche ich das Urteil über die Frevler im Land, um in der Stadt des Herrn alle auszurotten, die Unrecht tun“ (V. 8). Die Wunden kriegerischer Gewalt wie vom Schwert Durchbohrte, vom Hunger Gequälte und verschleppte Propheten und Priester werden als Folgen von Unrecht, Schuld der Väter und Sünden gegenüber Gott aufgezeigt (vgl. Jer 17ff).
Zudem enthält die Bibel einen Gott, der jeden Erstgeborenen bei Mensch und Vieh in Ägypten erschlägt, als Krieger vor Zorn schnaubend den Wagen des Pharaos und seine Streitmacht ins Meer wirft, Menschen durch die Pest dem Tod ausliefert, die Frevler und Unrecht Praktizierenden verlacht und für immer vernichtet, auch Menschen zum Zerstören erschafft, abtrünnige Könige verspottet, viele Völker niederschlägt und mächtige Könige tötet, die Gewalttätigen und die Gewalttat Rechtfertigenden aus tiefer Seele hasst, Feinde zerschmettert, Bedrängern die Glieder zerschlägt, jede Blutschuld rächt, schonungslos alle Fluren Jakobs vernichtet, im Grimm die Bollwerke der Tochter Juda niederreißt, zum Propheten Hosea sagt, eine Kultdirne zur Frau zu nehmen und mit ihr Kinder zu zeugen, den Weg zornentbrannt in den Abgrund führt, als siegreicher Held zur Schlacht ruft, sein Volk wie Schlachtvieh preisgibt, für ein Spottgeld verkauft und zum Schimpf für die Nachbarn und zum Spottlied der Völker macht, für den alle Völker wertlos und nichtig sind, der die Ausrottung von Völkern befiehlt, sie mit eiserner Keule zerschlagen und wie Tonkrüge zertrümmern lässt sowie von den Großen und Gebietern der Erde verlangt, ihm in Furcht zu dienen und mit Beben die Füße zu küssen, damit er nicht zürnt (vgl. etwa Ex 12,12f, 15,3ff; Dtn 10,17; 1 Kön 13,34; Jes 35,4, 40,17; 54,16; Ps 2, 6, 9, 11, 44, 53, 76, 78, 89, 92, 106, 110, 135; Spr 22,23; Sir 5,6f; Klgl 2,2; Hos 1,2; Jona 3,9; Mi 7,18).
Der Vater handelte so, wenn Menschen ihn als ihren Urheber vergaßen, ihren schlechten Vorhaben freien Lauf ließen oder Götzen verehrten. Über Jesaja gestand er: „Den ganzen Tag streckte ich meine Hände aus nach einem abtrünnigen Volk, das einen Weg ging, der nicht gut war, nach seinen eigenen Plänen, nach einem Volk, das in seinem Trotz mich ständig ärgert“ (Jes 65,2f). Salomo wandte sich vom Herrn ab, der ihm zuvor zweimal erschienen war, und diente fremden Göttern, was Gott ihm verboten hatte (vgl. 1 Kön 11,9f). Zeitweise dienten die Israeliten den Baalen und anderen Göttern; 450 Propheten des Baals und 400 Propheten der Aschera gab es in Israel (vgl. Ri 10,6; 1 Kön 18,19). Der tapfere Gileaditer Jiftach brachte seine Tochter, das einzige Kind, dem Herrn als Brandopfer dar, da er sich nach einer gewonnenen Schlacht durch ein Gelübde dazu gebunden fühlte (vgl. 2 Kön 3,27). Sogar Kinder wurden Baal geopfert. Im Tal Ben-Hinnom bauten Israeliten die Kulthöhe des Tofet und brachten ihre Söhne und Töchter als Brandopfer dar (vgl. Jer 7,30f; 19,4f; 32,35). Jerusalem sündigte schwer und wurde zum Abscheu (vgl Klgl 1,8). Die Verehrung namenloser Götzenbilder ist „aller Übel Anfang, Ursache und Höhepunkt“ (vgl. Weish 14,27).
Mose nannte das vom Herrn abgefallene Israel „ein falsches, verdrehtes Geschlecht, Verkrüppelte, die nicht mehr seine Söhne sind, ein dummes, verblendetes Volk“ (vgl. Dtn 32,5f). Gott drohte daher über Mose, bei weiterem Nichtbefolgen der Gebote und Missachten seiner Satzungen werde er Züchtigungen wie Schwindsucht und das Augenlicht zum Verlöschen bringendes und den Atem erstickendes Fieber, schlagende Feinde und niedertretende Gegner, Ernteausfälle, wilde das Land entvölkernde und das Vieh vernichtende Tiere, Rache mit Schwert, Pest, Auslieferung in Feindesland und Entziehen des Brotvorrates senden (vgl. Lev 26,14ff). Elija gestand in tiefer Verzweiflung, die Israeliten hätten den Bund des Herrn verlassen, seine Altäre zerstört und seine Propheten mit dem Schwert getötet. Er allein sei übriggeblieben, und nun trachteten sie auch ihm nach dem Leben (vgl. 1 Kön 19,14).
In solchen Situationen sprach der Gott Israels: „Denn wie ein Feind schlägt, habe ich dich ge-schlagen mit harter Züchtigung wegen deiner vielfachen Schuld und deiner zahlreichen Sünden“ (Jer 30,9). Gott wollte die ihn zutiefst Verletzenden durch Leid zur Einsicht führen, das ihm missfallende Verhalten zu beenden. Wenn Menschen nicht existierende Götter anbeteten und ihnen Brandopfer darbrachten, sich für den Tod und nicht für das Leben entschieden, regte Gott sie mit spürbarer Ernsthaftigkeit zum Nachdenken und Korrigieren des Verhaltens an, denn der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist ein eifersüchtiger Gott (vgl. Ex 20,5; 34,14; Jos 24,19). Er will, dass der falsche Weg erkannt und die Richtung geändert wird. Bei seinem Handeln berücksichtigt er den soziokulturellen Entwicklungsstand.
Eventuell war das Gott in vorchristlichen Schriften zugewiesene Reden und Handeln wie der nächtliche Ringkampf mit der gewaltsamen Verletzung von Jakobs Hüftgelenk und der Umbenennung in „Israel“, was „Gott streitet“ oder „Gott möge streiten“ bedeutet, teilweise eine dämonische Attacke oder eine Erfindung des Schreibers. Ein alter Prophet in Bet-El gab eine Falschaussage als Mitteilung Gottes aus (vgl. 1 Kön 13,18). Jahwe sagte zum Propheten Ezechiel, „ich nehme dir die Freude deiner Augen durch einen jähen Tod“, und dessen Frau starb am Abend (vgl. Ez 24,16.18). Oder auch: „Wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück“ (Ez 33,8).
Jahrhunderte später bedurfte es einer Korrektur, die Jesus im Auftrag seines Vaters vornahm. Wie ein menschlicher Vater sich gegenüber seinem Kind bei dessen weiterer Entwicklung liebevoller als zuvor verhalten kann, so richtete der Vater im Himmel seinen Umgang mit den Menschen neu aus. Dazu sandte er seinen Sohn als „Licht der Völker, damit sein Heil bis an das Ende der Erde reicht“ (vgl. Jes 49,6).

4. „Ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen“
Jesus ruht als einziger göttlicher Sohn am Herzen des Vaters (vgl. Joh 1,14.18). Er redete und handelte gemäß dem Auftrag seines Vaters (vgl. Joh 14,31). Wer an ihn glaubt, glaubt auch an den Vater, der Jesus auf die Erde sandte, um in ihm gesehen zu werden. Was Jesus lehrte, waren Worte des Vaters. Er gestand: „Ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll. Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat“ (Joh 12,49). Pointiert lautet das moralische Grundprinzip Jesu: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12). Kants kategorischer Imperativ findet sich hier in Kurzform.
Mose gab das Gesetz mit zahlreichen Geboten und Verboten. Zu ihm, Aaron und Samuel sprach der Herr aus einer Wolkensäule (vgl. Ps 99,6f). Bei der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor leuchtete sein Gesicht wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Dabei erscholl eine Stimme aus einer leuchtenden Wolke, die zu den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ Beim Hören warfen sie sich aus Furcht mit dem Gesicht zu Boden (vgl. Mt 17,1ff). Das „Leuchten wie das Licht der Sonne“ ist ein Attribut Gottes (vgl. Hab 3,4). Demnach verkündete Jesus als Gott und Mensch die religiöse Wahrheit.
Petrus bezeugte, andere und er hätten die Stimme vom Himmel gehört. Jesus habe beim Hören „der Stimme der erhabenen Herrlichkeit“ von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen (vgl. 2 Petr 1,17f). Unter König Salomo erfüllte die Wolke das Haus mit der Bundeslade und den zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, mit der „Herrlichkeit des Herrn“. Der Herr sagte, er werde „im Wolkendunkel wohnen“ (vgl. 1 Kön 8,9ff).
In Jesus erfüllte sich, worum die Israeliten Jahwe am Horeb baten: einen Propheten wie Mose als Erfüllung von allem erstehen zu lassen. Mose prophezeite ihnen: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“ (Dtn 18,15). Demnach offenbarte der Vater sich in Jesus authentisch den Menschen, da Jesus und der Vater untrennbar miteinander verbunden sind. Jesus betonte: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Beim irdischen Aufenthalt Jesu bestand eine Rede- und Handlungseinheit zwischen ihm und dem Vater: „Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn“ (Joh 5,19). Jesus lehrte als vom Vater beauftragter „Exeget des mosaischen Gesetzes“. Paulus zufolge „hob er das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei (Juden und Heiden) in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen“ (vgl. Eph 2,15).
Für die Christen ist vom Alten Testament gültig, was mit der Verkündigung und dem Handeln Jesu übereinstimmt. Lebenswidrige Überlieferungen wie die Steinigung einer Frau bei Ehebruch übernahm Jesus nicht. Die Steinigung wurde so oft angewandt, dass Mose und Aaron zeitweise fürchteten, gesteinigt zu werden (vgl. Ex 17,4; Num 14,10). Jesus stellte das Liebesgebot über Gesetze und Vorschriften: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Für die Christen soll die Liebe das Erkennungszeichen sein (vgl. Joh 15,12; 13,35). Der Kontrast zeigt sich im Verhalten zweier Männer: Secharja, der Sohn des Priesters Jojada, rief bei seiner Steinigung aus: „Der Herr möge es sehen und vergelten“ (2 Chr 24,22). Stephanus, ein früher Christ, sank bei der Steinigung in die Knie und schrie laut: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60).
Jesus relativierte die Gültigkeit der Überlieferung. Er lehrte beispielsweise nicht die Existenz von Göttern, die sich in Psalm 82 findet: „Gott steht auf in der Versammlung der Götter, im Kreis der Götter hält er Gericht.“ Als Kritiker ihn steinigen wollten, da er gesagt hatte, der Vater und er seien eins, und er sich so selbst zu Gott machte, hielt er ihnen entgegen: „Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“ (vgl. Joh 10,30-34). Hier spricht Jesus von „eurem Gesetz“.
Jesus verurteilte die auf frischer Tat beim Ehebruch ertappte Frau nicht. Stattdessen bat er sie, es nicht mehr zu tun. Er stellte keine Schuldfrage, sondern widmete sich den Anklägern der Frau: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Die Frau erhielt somit eine neue Chance (vgl. Joh 8,1ff). Hat ein Christ in spätantiker Zeit einen Ehebruch gebeichtet, machte der Bischof die richterliche Vollmacht auf der Kathedra sitzend kenntlich und schloss ihn/sie während der Zeit der „kanonischen Buße“ von der eucharistischen Gemeinschaft aus. Lange wurde zwischen ehelicher Untreue und Trennung mit Eingehen einer neuen Ehe zu wenig unterschieden. Besonders gegenüber Frauen verhielten Christen sich anders als Jesus, da Kleriker es von der Kanzel predigten. Dass zu den vier im Stammbaum Jesu genannten weiblichen Vorfahren eine Ehebrecherin und eine Dirne zählten (vgl. Mt 1,1ff) und Juda „Unzucht mit seiner Schwiegertochter trieb“, die dadurch Zwillinge gebar (vgl. Gen 38,6ff), wurde ausgeblendet.
Gelegentlich findet sich in den Evangelien eine bevorzugte Behandlung der Frau. Als der Engel Gabriel die Geburt des Täufers Johannes ankündigte, stellte sein Vater Zacharias in Anbetracht der Unfruchtbarkeit und des Alters seiner Frau die durchaus berechtigte Frage: „Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin ein alter Mann und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter.“ Der Engel sah dies als Unglaube gegenüber seiner frohen Botschaft an und ließ Zacharias bis zur Geburt von Johannes stumm werden. Anders reagierte der Engel bei der Ankündigung der Geburt Jesu. Dabei fragte die Mutter Jesu ihn in einer vergleichbaren Situation: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Nun erklärte ihr der Engel, der Heilige Geist werde über sie kommen und die Kraft des Höchsten werde sie überschatten (vgl. Lk 1,1ff.26ff). Nach dem Sterben erschien Jesus zuerst Maria von Magdala und beauftragte sie, den Jüngern seine Auferstehung mitzuteilen. Jesus machte eine Frau zur Erstzeugin seiner Auferstehung (vgl. Joh 20,14ff). Von daher gilt für die Christen die „Herrschaft des Mannes über die Frau“ (vgl. Gen 3,16) nicht mehr.
Anders als Mose erlaubte Jesus nicht die Trennung eines Ehepaares. Seine Begründung: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mk 10,9). Er stellte klar: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet“ (Mk 10,11f). Doch Jesus erlaubte, die Frau und die Kinder um „des Reiches Gottes willen“ zu verlassen: „Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben“ (vgl. Lk 18,29). Zudem deutete Jesus an, bei „Unzucht“ könne eine Ausnahme vorliegen: „Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch“ (Mt 5,32).
Generell hielt Jesus an der Unauflösbarkeit der Ehe fest. Als ein junger Mann ihn fragte, welche Gebote er zum Erhalt des ewigen Lebens befolgen soll, nannte Jesus auch das Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen“ (Mt 19,18). Die Jünger waren darüber so verunsichert, dass sie gestanden: „Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten“ (Mt 19,10). Den konfliktreichen Umgang mit dem Gebot zeigen viele Fälle. Ein Beispiel aus dem 19. Jahrhundert:
Die jüngste Schwester Sophie der meistens unkonventionell denkenden und handelnden österreichischen Kaiserin Elisabeth wollte ihren Ehegatten, mit dem sie zwei Kinder hatte, verlassen. Sodann wurde ein Treffen Sophies mit dem Liebhaber vom Gatten und einem Bruder beendet, Sophie durch Gutachten von vier Ärzten für geistig und moralisch verwirrt erklärt und von einem Psychiater in einem Sanatorium behandelt. Dazu dichtete Sisi in ihrem poetischen Tagebuch:
„Du bist im Irrenhaus, du bist gefangen,
Ein Opfer deiner tollen Leidenschaft;
Es bricht mein Herz, denk’ ich der wilden, bangen
Verzweiflung, die dich packt in deiner Haft.
Du wolltest Mann und Kinder schnöd’ verlassen,
Mit dem Verführer in die Weite zieh’n;
Doch muss dein sündhaft Hoffen nun erblassen,
Wo du jetzt weilst, gelingt kein Entflieh’n!
Fürwahr es kennt dein Unglück keine Grenzen,
Und namenlos sind deine Schmach und Schand;
Entsetzt hat sich vor deinen vierzig Lenzen
Auch selbst die Poesie dir abgewandt.“
Zehn Jahre danach starb Sophie mit über 120 weiteren Personen beim Brand eines von ihr organisierten Wohltätigkeitsbazars für die Ärmsten in Paris. Ihre Nichte Marie Valérie, Elisabeths jüngste Tochter, schrieb in ihr Tagebuch: „Tante Sophie scheint in heroischer Selbstlosigkeit den Tod gefunden zu haben, bemüht, andre zu retten, ehe sie an die eigene Rettung dachte.“ Aus Sicht des Mädchens war Sophies Handeln ein Akt hingebender Nächstenliebe.
Wer die neue Ehe eines Herrschers wie Heinrichs VIII. öffentlich anprangerte, ging bisweilen ein hohes Risiko ein. John Fisher und Thomas Morus wurden eingekerkert, wegen Hochverrats angeklagt und 1535 enthauptet. Zurzeit Jesu wurde der Täufer Johonnes von König Herodes Antipas ins Gefängnis geworfen und enthauptet, da er dessen zweite Heirat der Frau seines Bruders kritisierte (vgl. Mt 14,3ff; Mk 6,17ff).
Das Beichten von ehelicher Untreue war lange eine Tortur, bei der auf die Privatsphäre keine Rücksicht genommen wurde. Die Beichtenden wurden vom Priester mit Fragen zur Sexualität überhäuft. Dabei knieten sie nach dem Konzil von Trient auf einer harten, schmalen Latte in einem Beichtstuhl mit Sicht- und Hörschutz für andere durch Wände und eine Trennwand mit Gitter zwischen Priester und Beichtendem zum Verhindern von unsittlichem Verhalten. Beim Beichten war dem Priester das sexuelle Verhalten mitzuteilen. Jugendliche wurden mit Fragen zur Selbstbefriedigung konfrontiert. Verheiratete mussten den Priester über die Häufigkeit der sexuellen Kontakte und die Einstellung zu Kindern informieren. Beichten war eine verletzende Tortur. Als etwa ein Pfarrer im 20. Jahrhundert von einer Mutter von drei Söhnen auf Befragung erfuhr, dass sie aus gesundheitlichen Gründen kein weiteres Kind haben wollte, gab er ihr nicht die Lossprechung, da das nächste Kind ja ein zukünftiger Diakon, Pastor, Bischof, Kardinal oder Papst sein könnte.
Der Psalmist vergleicht den irdischen Aufenthalt eines Menschen mit dem Gras, das morgens grünt und blüht und abends geschnitten wird und welkt. Er begründet die Endlichkeit des Daseins: „Denn wir vergehen durch deinen Zorn, werden vernichtet durch deinen Grimm.“ Hier und an anderer Stelle entfaltet der Zorn Gottes eine furchterregende und lebenswidrige Kraft: „Denn unsere Tage gehen hin unter deinem Zorn.“ Und: „Wer kennt die Gewalt deines Zornes und und fürchtet sich vor deinem Grimm?“ (vgl. Ps 90,7.9.11). Jesus nennt den Zorn Gottes als Reaktion auf die Ablehnung seiner das ewige Leben anbietenden Worte Gottes: „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm“ (vgl. Joh 3,34.36).
Das Reden und Tun herausragender Personen des Alten Testaments hat für Christen teilweise keine Vorbildfunktion. So bat König David unmittelbar vor dem Sterben seinen Sohn Salomo, Schimi wegen eines bösen Fluchs gegen ihn zu bestrafen: „Schick sein graues Haupt blutig in die Unterwelt!“ (1 Kön 2,9). Der Gottesmann Elischa wünschte seinem Diener Gerasi wegen dessen Habsucht, der Aussatz soll an ihm und seinen Nachkommen immer haften. Sofort war Gehasi vom Aussatz weiß wie Schnee befallen (vgl. 2 Kön 5,27). Nach der Lesung biblischer Texte wie diesen im Gottesdienst „Dank sei Gott“ zu sagen, ist eine unchristliche Vorgabe.
Jesus relativierte die alttestamentliche Überlieferung des strafenden und vergeltenden Gottes. Eine Beziehung zwischen moralischem Versagen und Erfahrung von Leid ließ er gelten, als er einem Geheilten emphahl: „Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt!“ Joh 5,14). Allerdings darf der Mensch keine kausale Beziehung zwischen Leid und Versagen einer oder mehrerer Personen herstellen. Vor der Heilung eines seit der Geburt blinden Mannes teilte Jesus den Jüngern mit, weder er noch seine Eltern hätten gesündigt und dadurch die Krankheit hervorgerufen. Diese Blindheit bestünde, um an dem Mann durch die Heilung „die Werke Gottes“ sichtbar werden zu lassen (vgl. Joh 9,1ff). Demnach verkündete Jesus keinen bei jedem Versagen strafenden Gott, er schloss auch nicht aus, dass Gott eine Strafe verhängt, sondern betonte, dass Gott besonders gegenüber Menschen mit schwerwiegendem Fehlverhalten barmherzig ist und die Schuld verzeiht, wenn sie ihn darum bitten. Dabei gilt das Prinzip: Je größer das moralische Versagen eines Menschen war, desto tiefgreifender ist die Barmherzigkeit Gottes. Wer dagegen meint, bei jedem Leid läge ein direktes oder indirektes Verschulden vor und alle Leiden seien eine Strafe Gottes, der befindet sich Jesus zufolge in der Finsternis, ist ein Blinder. Bei dem Mann bewirkte der Erhalt des Sehens eine innere Öffnung für das heilende Handeln Gottes.
Während Jesaja den die Wahrheit sprechenden Herrn bei sich selbst schwören und weissagen lässt, „jede Zunge wird bei mir schwören“ (vgl. Jes 45,23), gebot Jesus, auf das Schwören zu verzichten: „Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.“ Für Christen gilt: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen“ (Mt 5,34f.37).
Im Alten Bund „verfluchte“ der Herr jene, die auf Menschen vertrauen und sich von ihm abwenden (vgl. Jer 17,5). Der Psalmist äußerte: „Verflucht sei, wer abirrt von deinen Geboten“. Er saß nicht bei falschen Menschen, hatte mit Heuchlern keinen Umgang, hasste die Schar derer, die Unrecht tun, saß nicht bei den Frevlern und wusch seine Hände in Unschuld (vgl. Ps 119,21; 26,4-6). Doch Jesus aß bei einem Zöllner zusammen mit vielen anderen Zöllnern und Sündern (vgl. Mt 9,10). Er stellte die guten Werke über die Gebote und Forderungen, die mit seinem Liebesgebot nicht übereinstimmten (vgl. Eph 2,10.15). Von einer Sünderin ließ er sich die Füße mit wohlriechendem Öl salben, unaufhörlich küssen, Tränen über seine Füße gießen und mit ihren Haaren abtrocknen. Er vergab ihr wegen der geschenkten Liebe die Sünden und ließ sie in Frieden gehen (vgl. Lk 7,36ff).
Der Psalmist bedankt sich beim Herrn, dass er ihn den Krieg gelehrt hat: „Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, der meine Hände den Kampf gelehrt hat, meine Finger den Krieg.“ Er bittet Jahwe: „Schleudre Blitze und zerstreue die Feinde, schieß deine Pfeile ab und jag sie dahin!“ (Ps 144,1.6). Jesus richtete den Blick auf die Liebe, das Verzeihen, die Versöhnung, das friedliche Miteinander und den Verzicht aufs Richten anderer. Er nahm zwölf Legionen Engel, die ihn vor der Gefangennahme bewahrt hätten, nicht in Anspruch. Als ein Begleiter einem Diener des Hohenpriesters mit dem Schwert ein Ohr abschlug, heilte Jesus das Ohr und befahl: „Steck dein Schwert in die Scheide!“ Er ergänzte: „Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Mt 26,52). Es erinnert an den Pharao, der die neugeborenen Knaben der Israeliten in den Nil werfen ließ und selbst im Wasser des Meeres ertrank (vgl. Ex 1; 14).
Viele alttestamentliche Stellen entsprechen der Lehre Jesu. Bei den Kriegszügen der Israeliten gegen die Philister wuchsen Gebirge von Gefallenen gespenstisch in die Höhe. Sogar die Bundeslade verhinderte keine Niederlage. Ihr Anblick heizte die Kampfbereitschaft und Tapferkeit der Philister erst richtig an. Hier führte das Einbinden Gottes durch die Bundeslade dazu, dass sie erbeutet wurde sowie 30.000 Mann Fußvolk und die Elis-Söhne Hofni und Pinhas starben (vgl. 1 Sam 4,1-11). Zur Menschenliebe Gottes gehören Eigenschaften wie das Spenden von Trost und das Kümmern um seine Kinder (vgl. Jes 49,15; 66,13). Das Gebot der Nächstenliebe findet sich in zwei Versionen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Lev 19,18). Und: „Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu!“ (Tob 4,15a).
Jesus erlaubte nicht das Töten von Menschen. Die von ihm verkündete Feindesliebe (vgl. Mt 5,44; Lk 6,27), das Böse durch das Gute zu besiegen (vgl. Röm 12,21), fordert den Verzicht auf Freund-Feind-Ideologien und die Beendigung der Kriegs-Spirale. Den Krieg gutheißende oder einsetzende Christen praktizieren ein Verhalten, das der Lehre Jesu total im Wege steht. Anstatt eine Meinungsverschiedenheit gewaltfrei zu klären, lassen sie unbekannte Kinder, Jugendliche und Erwachsene töten sowie Infrastrukturen und Lebensräume der Gott gehörenden Erde (vgl. Ex 19,5) mit Drohnen, Raketen, Bomben und Minen zu zerstören. Allein vor der deutschen Ostseeküste lagern 300.000 Tonnen an Brandbomben, Granaten und Kriegstorpedos, die teilweise Krebs auslösende und das Erbgut schädigende Chemikalien freisetzen. Fast jedes fünfte Kind lebte 2025 in einer Konfliktregion mit aggressiver Gewalt, Hunger, Krankheit und unzureichender Grundversorgung. Jeden Tag wurden auf der Erde im Durchschnitt 31 Kinder getötet oder verstümmelt.
Der Krieg zählt zu den größten Verbrechen. Die Vergrößerung des Staates durch gewaltsame Aneignung fremden Territoriums mit Blutvergießen ist ein primitives Bedürfnis von machthungrigen Herrschern mit größtenteils männlichem Geschlecht. Dabei ist auf moralischer Betrachtungsebene streng zu unterscheiden zwischen dem kriegerischen Zerstören und Töten des Angreifers und den legitimen militärischen Operationen des Verteidigers.
Der Apostel Petrus lehrte öffentlich, Gott habe den Frieden durch Jesus verkündet (vgl. Apg 10,36). Eindringlich warnte Paulus vor denjenigen, die ein verfälschtes Evangelium verkünden (vgl. Gal 1,6ff). Den Christen in Korinth sagte er: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr“ (1 Kor 3,16f).
Wer einen Menschen nicht aus Notwehr tötet, dazu den Befehl erteilt oder es als moralisch erlaubt deklariert, handelt wider das göttliche Gebot „Du sollst nicht morden!“ (Ex 20,13; Dtn 5,17). Dem Psalmisten zufolge sind Mörder dem Herrn ein Gräuel (vgl. Ps 5,7). Laut Jesus ist der Mord etwas Böses aus dem Herzen, das den Menschen unrein macht (vgl. Mk 7,21.23). Vor Christen in Kirche und Staat, die das Töten von Menschen mit klugen Einfällen erlauben, warnte Jesus: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch in Schafskleidern, im Inneren aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Und: „Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgebauen und ins Feuer geworfen“ (vgl. Mt 7,15ff).
Jenen, die gewaltlos leben, nach Gerechtigkeit hungern, barmherzig sind und den Frieden suchen, gehört laut Jesus das Himmelreich (vgl. Mt 5,5ff). Bei der Aussendung grüßte er die Jünger zweimal: „Friede sei mit euch!“ Sodann hauchte er sie an, erfüllte sie mit dem Heiligen Geist und beautragte sie, die Sünden zu erlassen (Joh 20,19ff). Wer einen Menschen tötet oder ihm auch „nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ (vgl. Mt 5,21f). Jesus wirkte auf der Erde als Friedenstifter.
Die Katholische Kirche hielt sich im Verlauf der Jahrhunderte aber nicht strikt an die Vorgabe Jesu. Aus pseudo-christlichen Motiven wurden „gerechte Kriege“ wie die Osmanen- und Kolonialkriege sowie die Kreuzzüge gebilligt, unterstützt oder geführt. Ein Papst zog wie Julius Caesar als Feldherr in den Krieg, um Staatsgebiete für Verwandte zu erobern. 1512 kämpfte die vom Papst gebildete „Heilige Liga“ bei Pavia und 1513 bei Novara gegen Frankreich um das Herzogtum Mailand. Der Glaube, von göttlicher Vorsehung zum Papst bestimmt zu sein, führte bei einem Clan zu Gewalt und Terror, wenn die eigene Souveränität oder die kirchliche Lehrmeinung angetastet wurde. Papst Gregor XIII. ließ nach der Ermordung von Tausenden Hugenotten, Anhänger Calvins, 1572 in der Bartholomäusnacht als Dank ein „Te Deum“ singen und eine Gedenkmünze mit Schwert tragenden Engeln und niedergemachten Protestanten prägen. Um den Kirchenstaat, der bei der größten Ausdehnung von der West- bis zur Ostküste Italiens und im Norden bis nach Parma, Modena und Ferrara reichte, zu verteidigen und weitere Gebiete zu erobern, beschäftigten Päpste der Renaissance Södner und Heerführer und saßen auch selbst hoch zu Ross.
Der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg führte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Inquisitionsverfahren gegen Theologen durch, von denen etliche als Ketzer im Rhein ertränkt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Als im 15. Jahrhundert die Bevölkerung unter Hungersnöten, der Pest und dem Hundertjährigen Krieg litt, verdammten der Papst und Kirchentheoretiker die Hexerei als Ketzerei und bezeichneten Hexen als „Dienerinnen des Teufels“, wodurch vor allem Frauen zur Jagd freigegeben waren und zu Zehntausenden  hingerichtet wurden. Der Kosmologe und Mönch Giordano Bruno wurde nach 7-jähriger Einkerkerung 1600 in Rom verbrannt, weil er die kirchliche Lehre der Alleinexistenz von Sonne, Erde und Mensch heftig kritisierte.
Der um das Jahr 1190 während des Dritten Kreuzzugs mit den Johannitern und Templern entstandene und 1198 zum geistlichen Ritterorden erhobene „Ordo Theutonicorum“ (Orden der Deutschen) hatte außer religiösen und karitativen Aufgaben auch eine militärische Funktion. Er beteiligte sich 1225 beim Kampf des polnischen Herzogs Konrad von Masowien gegen die „heidnischen Preußen“, errichtete den Ordensstaat Preußen und erlitt schwere Niederlagen mit mehreren Tausend Toten am Ende des 14. Jahrhunderts bei den Schlachten gegen die verbündeten Polen und Litauen. Die Ordenstracht ist ein schwarzes Kreuz auf weißem Gewand. Der Zisterziensermönch Christian von Oliva nahm 1209 an einem von Papst Innozenz III. genehmigten Kreuzzug gegen die Preußen teil, um missionarisch zu wirken. Danach gelangten bei Kreuzzügen eroberte Gebiete wiederholt in kirchliche Hand.
Die Christen sollten auf militante Zeichen mit dem Kreuz Jesu und Namen wie „Kreuz-Ritter, Krieger Gottes, Legionär Christi, Gemeinschaft von Ritterbrüdern“ verzichten. Sie führen zu Missverstädnissen und entsprechen nicht der Lehre Jesu in den Evangelien. Das Gleiche gilt für die über 1000-jährige Entgleisung des Papsttums, die dem Nachfolger Petri die ranghöchste Herrschaft iund Privilegien im westlichen Europa verlieh. Jesus lebte dienend und sein Leben hingebend auf der Erde (vgl. Mk 10,45). Es war ein oft begangenes Versagen, dass Päpste wie Gregor VII. die Vorrangstellung der kirchlichen gegenüber der staatlichen Macht forderten und staatliche Herrscher kirchliche Ämter verliehen. Es führte im 11. Jahrhundert zur Belagerung der Engelsburg und Flucht des Papstes nach Salerno, wo er ein Jahr später starb, und zu einem von König Heinrich IV. eingesetzten Gegenpapst, der ihn zum Kaiser krönte. Zuvor exkommunizierte der Papst zweimal den König. Exkommuniziert wurde auch Martin Luther, dem die Anprangerung des Ablass-Missbrauchs, der Druck der Bibel in deutscher Übersetzung und 1525 die erste Feier der Messe in deutscher Sprache zu verdanken sind.
Bevor die seit 756 bestehende, staatliche Herrschaft der Päpste endete, die zuletzt unter Papst Pius IX. immer absulotistischer wurde und bei der „Irrtümer“ wie Demokratie, Liberalismus, Sozialismus, Meinungs- und Pressefreiheit verurteilt wurden, kam es 1848 zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit der Ermordung des päpstlichen Innenministers und der Flucht des Papstes nach Gaeta. Als die Römische Republik ausgerufen und der sich über weite Teile Mittelitaliens erstreckende Kirchenstaat eingegliedert wurde, marschierten kurz danach französische Truppen in Rom ein und stellten den Kirchenstaat wieder her. In einer Sitzungspause des Ersten Vatikanischen Konzils annektierten jedoch italienische Soldaten den Kirchenstaat und entzogen dem Papst 1870 die politische Macht. Dieser sah sich als „Gefangener im Vatikan“ an und lebte quasi in einer feindschaftlichen Beziehung zum König.
Jesus bat die Jünger, allen Menschen seine Botschaft mitzuteilen und sie „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen (vgl. Mt 28,19). Die Taufe ist eine „Bitte an Gott um ein reines Gewissen auf Grund der Auferstehung Jesu Christi“ (vgl. 1 Petr 3,21f). Bei der Taufe wird Jesus „als Gewand angelegt“, so dass die Trennung von Juden und Griechen, Sklaven und Freien, Mann und Frau für Gott aufgehoben ist (vgl. Gal 3,27f). Laut Zeugnis des Täufers Johannes taufte Jesus mit dem Heiligen Geist (vgl. Joh 1,33) bzw. taufte er mit dem Heiligen Geist und mit Feuer (vgl. Lk 3,15f). Durch den vom Vater und Jesus gesandten Heiligen Geist findet eine innere Reinigung und Stärkung im „Bad der Wiedergeburt“ statt. Demnach ist die christliche Taufe ein spiritueller Akt, bei dem das dabei benutzte Wasser die reinigende und erneuernde Wirkung visuell zum Ausdruck bringt.
Bei der Taufe Jesu im Jordan öffnete sich der Himmel, und beim Gebet sah er den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (vgl. Lk 3,21f). Doch warum ließ Jesus, der nicht sündigte (vgl. Hebr 4,15), sich zusammen mit dem ganzen Volk von Johannes taufen? Eventuell wollte er durch das Zeugnis des Täufers in Israel bekannt werden (vgl. Joh 1,31), vor dem öffentlichen Auftreten von seinem Vater die Zustimmung zum Beginn erhalten, sein Herz für das Kommende weit öffnen lassen und mit göttlicher Kraft darauf zugehen.
Zur heutigen Taufe der Katholischen Kirche ist anzumerken, dass Säuglinge und Kleinkinder sich für den Glauben an den Dreieinen Gott noch nicht bewusst entscheiden können. Ein Baby bedarf auch nicht einer „Abwaschung jeder Sünde“. Schätzungsweise 1.000 bis 2.000 Täufer der ab den 1520er Jahren existierenden Täuferbewegung wurden im 16. und 17. Jahrhundert harten Repressalien ausgesetzt, hingerichtet, ertränkt, enthauptet oder verbrannt, da sie nur die Bekenntnistaufe mündiger Erwachsener zuließen. Nach ihrer Überzeugung durfte die Taufe nur vollzogen werden, wenn jemand aus freier Entscheidung zum Glauben fand, was Säuglinge und Kleinkinder nicht vermögen. Sie können kein persönliches Glaubensbekenntnis ablegen. Das kirchliche Vorgehen war moralisch skandalös. Eine Konfliktlösung bei einer solchen Einstellungsverschiedenheit sollte im gewaltfreien Dialog angestrebt werden.
Dass der Papst noch heute als klerikaler Monarch den eigenständigen Staat Vatikanstadt mit mehr als 2.000 Angestellten leitet, als Staatsoberhaupt die legislative, exekutive und judikative Gewalt ausübt, von einem Kardinalstaatssekretär in der Leitung vertreten wird und dass der Kirchenstaat international unter Autorität des souveränen Heiligen Stuhls steht und der Vatikan über 4.200 Immobilien besitzt, ist ein gravierender Fehltritt. Kann jemand sich vorstellen, Jesus hätte sich in einer festlich verzierten Prunkkutsche in Jerusalem inszeniert, wie Papst Leo XII. sie in Auftrag gab und Papst Gregor XVI. sie ausschmücken ließ, oder eine frühchristliche Gemeinde hätte dem Apostel Petrus für seine Kunstsammlung eine mit Elfenbein, Bronze und Glas verzierte Sänfte in Form eines Schiffes als Symbol für die Kirche Jesu geschenkt, die Papst Leo XIII. vom Erzbistum Neapel geschenkt wurde? Nur wenn die Katholische Kirche zur frühchristlichen Einfachheit zurückkehrt und auf staatliche Machtstrukturen, Garde, Banken, Anhäufung von materiellem Besitz und Prunkvolles wie mit Baldachinen überspannte Bischofssitze verzichtet und den Verkündigungs- und Heilungsauftrag Jesu in den Mittelpunkt stellt, schenkt der Heilige Geist ihr die Gaben in Fülle. Eine Verpflichtung der Erneuerung unterzeichneten 40 Bischöfe verschiedener Länder am 16. November 1965 in den Domitilla-Katakomben; doch was ist daraus geworden!
Klerikale Angst vor Machtverlust spielte beim Entschluss der Hohepriester und Pharisäer, Jesus zu töten, eine ausschlaggebende Rolle. Sie sagten: „Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen“ (Joh 11,48). Ein glaubwürdiger Jünger Jesu „folgt ihm nach und verzichtet auf Besitz“ (vgl. Lk 14,27.33). Reden und Handeln müssen übereinstimmen (vgl. Tit 1,7-9).
Die Katholische Kirche sollte nicht an Umgangsformen aus Zeiten festhalten, in denen blinder Gehorsam und rigorose Unterwürfigkeit verlangt waren. So empfiehlt das vatikanische Protokoll den Besuchern des Papstes, einen Kniefall zu machen und die Anrede „Eure Heiligkeit“ zu verwenden. Es erinnert an das Jahrhunderte alte Spanische Zeremoniell, an dem aristokratische Herrscherhäuser festhielten, um die angeschlagene Stellung durch unterwürfige Umgangsformen zu festigen. Kein Mensch muss vor einem anderen einen Kniefall machen, auch nicht vor dem Papst. Zu einem Hauptmann, der sich Petrus ehrfürchtig zu Füßen warf, sagte der Apostel: „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch“ (Apg 10,25f). Ehrfurcht gebührt allein Gott. Jesus wies nach 40-tägigem Fasten den Teufel, der ihm alle Reiche der Erde übergeben hätte, wenn er sich vor ihm niedergeworfen und ihn angebetet hätte, mit dem Hinweis zurecht, in der Schrift heiße es, vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen (vgl. Lk 4,8).
Die verlangten Unterwürfigkeitsgesten und verherrlichenden Auszeichnungen von Klerikern wie „Der Große“ oder „Doctor Seraphicus“ sind historische Relikte. Titel wie „Pontifex Maximus, Staatssekretär seiner Heiligkeit, Kardinaldekan, Kardinaldiakon, Kardinalpriester, Kardinalbischof, Kurienkardinal, Päpstlicher Thronassistent, Metropolit, Titular- und Auxiliarbischof, General-, Bischofs- und Gerichtsvikar, Regens, Spiritual, Dompropst, Domdechant, Apostolischer Administrator, Diözesanadministrator, Subsidiar, Primas, Großerzbischof und Generalsuperior“ sowie vom Papst verliehene Ehrentitel wie „Kaplan seiner Heiligkeit, Päpstlicher Ehrenprälat und Apostolischer Protonotar“ sowie Anreden wie „Eure Heiligkeit, Eure Eminenz, Eure Exzellenz, Monsignore, Ehrwürdiger und Hochwürden“ sind missverständliche Überheblichkeitsbezeichnungen, die wie trennende Zäune zwischen Klerikern und Laien wirken. Mit Jesus, der „von Herzen demütig ist“ (vgl. Mt 25,29), haben sie nichts gemeinsam.
Der Papst ist nicht der „Heilige Vater“, sondern der irdische Nachfolger des Apostels Petrus. Auch Patres/Padres und Äbte (von „Abbas“) nennen sich „Vater“, was mit der Weisung Jesu nicht übereinstimmt (vgl. Mt 23,9). Jesus nannte seinen göttlichen Vater „Heiliger Vater“ (vgl. Joh 17,11) und verlangte von seinen Jüngern, niemanden auf Erden ihren „Vater“ zu nennen. Die Menschen sind aus göttlicher Sicht Geschwister. Die Kritik Jesu am öffentlichen Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten (vgl. Mt 23,1ff) findet sich teilweise bis heute bei Würdenträgern der Katholischen Kirche. Sie bezeichnen sich öffentlich gern als „Diener“, verhalten sich aber anders, nicht zuletzt weil Bewunderungswillige es von ihnen erwarten.
Die ein reines Herz haben, leben als Heilige im Himmel weiter: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Jede und jeder Erdenbewohner kann jederzeit schlecht denken, reden und handeln. So beschuldigten konservative Kreise zu Unrecht den 222 verstorbenen Papst Kallistus, einen ehemaligen Sklaven, der Laxheit und Irrlehren und wählten Hyppolyt zum Gegenpapst. Der Trierer Bischof Paulinus, der als einziger Bischof auf der Synode von Arles 353 Athanasius von Alexandria nicht verurteilte, wurde seines Amtes enthoben und nach Phrygien verbannt, wo er enttäuscht und wegen der immensen Entbehrungen entkräftet starb. Als Papst Damasus I. und von einer Minderheit Papst Ursinus 366 gewählt waren, folgten eine mit Waffengewalt ausgetragene Auseinandersetzung und die Verbannung von Ursinus aus Rom. Papst Stephan VI. ließ gegen Ende des 9. Jahrhunderts die Leiche des Vorvorgängers Formosus im Petersdom exhumieren, mit päpstlichen Gewändern ausstatten, auf den Papstthron setzen, per gerichtlichem Prozess der Insignien berauben und von der Kathedra schubsen, um die Amtshandlungen des Verstorbenen posthum für ungültig zu erklären. Den beim Schwören verwendeten Finger ließ er abhacken und anschließend die Leiche in den Tiber werfen. Ungebunden wurde er nun Papst. Sein Nachfolger hob den Beschluss auf, ließ die Leiche wieder aus dem Tiber bergen und im Petersdom erneut bestatten.
Päpste des 10. Jahrhunderts waren die Spielbälle römischer Adelsfamilien. Sogar Minderjährige wurden als Papst auserkoren, dann ausgetauscht oder umgebracht. Ein Papst hat den Tod zweier Vorgänger zu verantworten. Während die Gemeinde im Spätmittelalter beim Gottesdienst stand oder kniete, hatten Könige und Adlige im Kirchenschiff ein eigenes Gestühl zum Sitzen und später erhöhte Logen. Päpste der Renaissance wie Sixtus IV. begünstigten insbesondere die eigene Familie. Mit Bestechungsgeldern wurden Stimmen der Kardinäle bei der Papstwahl gekauft. Ein Papst hatte vier Kinder, ernannte einen Sohn zum Kardinal, widmete sich der Affäre mit einer jungen Geliebten und ließ verschwenderische Trinkgelage mit nackten Tänzerinnen veranstalten. Anstatt den Hunger und Durst armer Familien zu stillen, ließen Päpste den Petersdom mit einem bombastischen Altar-Baldachin aus Gold, Bronze, Marmor und Holz mit der Größe eines 10-stöckigen Hauses ausstatten. Bis heute dürfen nur Päpste, Kardinäle und Diözesanbischöfe in einer Kirchengruft bestattet werden, da nach traditioneller Vorstellung die Leiche in der Nähe eines Altars mit häufigem Gottesdienst und einer Reliquie eines Märtyrers die Aufnahme in den Himmel begünstigt.
Das Fatale mancher Kriege ist, dass psychopathische Herrscher, denen in der Kindheit zu wenig Liebe geschenkt wurde und die als Erwachsene der Selbstverherrlichung huldigten, das Töten befahlen. Das Raffinierte im Interesse des Bösen beim Rechtfertigen von Kriegen und anderen Tötungsformen von Menschen besteht darin, dass moralisch Schlechtes unter dem Deckmantel des gesetzlich Erlaubten und religiös Guten gerechtfertigt und praktiziert wird. Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin von 1905, charakterisierte das Irrationale der Kriege: „Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.“
Die Absurdität des Kriegs zeigt die folgende Episode zu Beginn des Jahres 2017. Der US-Außenminister John Kerry traf sich damals mit dem Vietnamesen Vo Ban Tam, der 1969 als Vietcong den Auftrag hatte, die in einen Hinterhalt geratene Crew des Leutnants Kerry zu töten. Das Vorhaben misslang. Dabei erschoss Kerry einen vietnamesischen Kämpfer. Er verabschiedete sich vom vorherigen Gegner: „Ich bin froh, dass wir beide am Leben sind.“
Alle Menschen sind aus der Sicht Gottes seine Kinder und insofern miteinander verwandt. Sie sollten sich wie sich liebende Geschwister verhalten. Daher bat Papst Johannes Paul II. am 6. Mai 2001 in der Umayyaden-Moschee in Damaskus die Muslime um Vergebung für die durch Christen erlittenen Leiden und betonte: „Gewalt zerstört das Bild des Schöpfers in seinen Geschöpfen.“ Der Großmufti von Syrien und der Papst appellierten, Gewaltanwendung nicht im Namen der Religion zu rechtfertigen. Demnach sollen Juden, Christen, Muslime, Anders- und Nichtgläubige kooperativ und friedlich miteinander umgehen.
Der Vater hat seine Vollmacht, Gericht zu halten, auf Jesus übertragen: „Auch richtet der Vater niemand, sondern er hat das Gericht ganz dem Sohn übertragen, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“, sagte Jesus (Joh 5,22). Alle werden „vor dem Richterstuhl Gottes stehen“ und „zum Leben auferstehen“, wenn sie sich um das Gute bemüht haben, oder „zum Gericht“ bei nicht bereutem, gegenteiligem Reden und Handeln. „Also wird jeder von uns vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen“ (vgl. Röm 14,10.12). Dabei werden die Privilegierten ihr Reden und Handeln besonders genau prüfen (vgl. Weish 6,1ff). Wer sofort nach dem Sterben ohne Gericht zum ewigen Leben bei Gott hinübergehen will, soll der Lehre Jesu folgen und dem glauben, der ihn gesandt hat (vgl. Joh 5, 24). Wer aber in böser Absicht mordet oder das Töten von Menschen anordnet und es zu irdischer Lebzeit nicht bereut und möglich wiedergutmacht, verliert das ewige Leben bei Gott (vgl. 1 Joh 3,11ff). Zwar „triumphiert Barmherzigkeit über das Gericht; es ist aber erbarmungslos gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat“ (vgl. 1 Jak 2,13).
Laut Jesus ist Herrschaft mit Unterdrückungs- und Macht mit Missbrauchpotenzial verbunden (vgl. Mt 20,25). Beim Blick in die Geschichte und Gegenwart bekundet sich politischer, wirtschaftlicher und religiöser Machtmissbrauch in vielerlei Formen. So bedienen Mächtige sich der Macht, um Verwandten, Freunden, Sympathisanten und sich selbst Vorteile und Vermögen zu verschaffen. Darüber werden sie „am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen“ (vgl. Mt 12,36).
Ausschlaggebend ist nicht, ob ein Mensch bestimmte Handlungen religiöser Praxis pro forma vollzogen hat, sondern ob die innere Bemühung vorlag, im Interesse Gottes zu reden und zu handeln. Jesus wies klar und deutlich darauf hin, dass das Weiterleben im Himmel nur möglich ist, wenn der Wille seines Vaters verwirklicht wurde: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ Viele werden dann sagen: „Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?“ Jesus wird ihnen antworten: „Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“ (Mt 7,21-23).
Daher werden nicht der äußere Schein, Titel und Ehrenbezeichnungen, der soziale Status und die berufliche Wahl beurteilt, sondern die Bemühung, dem Willen Gottes in der Liebe zu entsprechen. Reden ohne Tat genügt Gott nicht. Nur wer die Worte Jesu („das vollkommene Gesetz der Freiheit“) hört, sie vertieft, an ihnen festhält und danach handelt, wird durch sein Tun „selig“ sein (vgl. Jak 1,22-25). Urteile von Menschen, die etwa einen Mächtigen einen Wohltäter nennen, fließen in die Schau auf das eigene Leben im Lichte Gottes nicht ein (vgl. Lk 22,25). Gott ignoriert das Image und nimmt eine Bestechung nicht an (vgl. Dtn 10,17).
Bei einer christlichen Beerdigung sollte es keine lamentierenden Ansprachen und/oder deprimierenden Gebete geben, womit „die Toten ihre Toten begraben“ (vgl. Mt 8,22). Denn der/die Verstorbene hat die materielle Welt verlassen, lebt ohne den materiellen Körper weiter und ist glücklicher als auf der Erde, wenn er/sie bei Gott im Himmel ist. Jesus beschrieb den Himmel als „Haus seines Vaters mit vielen Wohnungen“ (vgl. Joh 14,2). Den individuellen Besonderheiten der Menschen entsprechend besteht der Himmel aus einer unermesslichen Anzahl unterschiedlicher „Wohnungen“. Die schätzungsweise 70 Trilliarden (70.000000000000000000000) Sterne im Universum könnten die Anzahl der „himmlischen Wohnungen“ vage andeuten. Jede und jeder wird „in der Wohnung“ glückselig weiterleben, die den persönlichen Interessen, Bedürfnissen und Erwartungen voll und ganz entspricht.
Jesus betonte, dass für Gott alle Menschen lebendig sind. Er stellte klar, dass Verstorbene wie Abraham, Isaak und Jakob lebendig sind (vgl. Lk 20,27ff). Bei der Verklärung Jesu auf einem Berg erschienen Mose und Elija in strahlendem Licht und redeten mit ihm über das Sterben in Jerusalem (vgl. Lk 9,30f). Dem Verbrecher, der neben Jesus am Kreuz hing und seine Untaten bereute, versprach Jesus, er werde „noch heute im Paradies sein“ (vgl. Lk 23,43). Daher hatte er keine Wartezeit bis zur Auferstehung, sondern lebte nach dem Sterben im Himmel weiter. Bei einer christlichen Beerdigung sollten die Gedanken nicht auf den Sarg mit dem toten Leib oder die Urne mit der Asche gerichtet werden. Jesus sollte um einen gütigen Blick auf die Lebensführung der bzw. des Verstorbenen gebeten werden, wenn er bzw. sie „Anteil am Los der Heiligen im Licht“ erhalten wollte (vgl. Kol 1,12).
Gott benötigt für das Weiterleben Verstorbener keine materiellen Überreste wie Knochen und Asche. Sonst könnte ein von Haien vollständig konsumierter Schiffbrüchiger nicht bei ihm im Himmel weiterleben. Doch nicht wenige Katholiken verehren Knochenteile, Haare und Kleidungspartikel von Verstorbenen, welche die Katholische Kirche als Selige oder Heilige eingestuft hat. Auch die Asche verbrannter Glaubenszeugen und die mutmaßliche Milch der Mutter Jesu beim Stillen sind Bestandteile des Reliquien-Fundus. Im Mittelalter wurden Knochenreliquien vervielfältigt, indem etwa ein Unterschenkel eines Heiligen neben den einer anderen Leiche gelegt wurde. Heute befinden sich angeblich 18 Beine des Apostels Petrus in Mailand. Teile des Schädels des Evangelisten Lukas sollen über Konstantinopel und Padua zum Veitsdom in Prag und Panteleimon-Kloster auf dem Athos gelangt sein. Dass Leichen verstorbener Päpste wie Benedikt XVI. in drei Särge gelegt wurden, nämlich einen Holzsarg mit Medaillen und Münzen der Zeit des Pontifikats, einen Zink- und Holzsarg, kann der gesunde Menschenverstand nicht verstehen.
Auf das Weiterleben Verstorbener und die persönliche Verantwortung vor Gott wird auch im Alten Testament hingewiesen. Eine vage Andeutung enthält die Genesis, wenn beim Sterben von Jakob gesagt wird: „Dann verschied er und wurde mit seinen Vorfahren vereint“ (Gen 49,33). Demnach haben die Vorfahren noch existiert. Der Psalmist schreibt: „Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, ja, er nimmt mich auf“ (Ps 49,16). Und: „Denn du wirst jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen“ (Ps 62,13). Im Buch Kohelet wird empfohlen, die Gebote Gottes zu achten: „Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, sei es gut oder böse“ (Koh 12,14). Laut Buch Maleachi wird der Herr am „Tag göttlicher Gerechtigkeit“ zu den Gerechten „gut wie zu seinem ihm dienenden Sohn“ sein und das ihn auf die Probe stellende Treiben der Überheblichen und Frevler beenden. Es wird dazu gesagt: „Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu, und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen.“ Für die Gott Dienenden wird „die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen“ (vgl. Mal 3,13ff).
Jede und jeder legt durch die gewählte Lebensführung fest, ob er bzw. sie nach dem Sterben ins unermessliche Licht des Himmels aufgenommen wird, wo er bzw. sie mit einem dem verherrlichten Leib des auferstandenen Jesus nachgebildeten Leib weiterlebt (vgl. Röm 8,29), oder den Anspruch auf die himmlische Glückseligkeit verliert. Im Himmel leben die Menschen mit einem immateriellen Leib (vgl. 1 Kor 15,44ff) ewig bei Gott, den Engeln und anderen Menschen weiter. Jesus verwandelt „den armseligen Leib in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann, in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (vgl. Phil 3,20f).
Die Vorstellung vom Himmel ist individuell verschieden. So lautet eine Antiphon zum Benedictus beim Gottesdienst der Katholischen Kirche am 11. November, dem Gedenktag des heiligen Martin von Tours, der als Bischof auf die Privilegien seines Amtes verzichtete, in einer armseligen Holzhütte vor der Stadt wohnte und laut einer Legende als junger Mann einem frierenden Bettler die Hälfte seines Umhangs gab: „O seliger Mann, du hast die Freude des Paradieses erlangt! Jubelnd begrüßen dich Engel und Heilige, und die Jungfrauen heißen dich willkommen. Der Himmel sei deine Stätte in Ewigkeit.“
Martin nahm Jesus zum Vorbild, der auf Besitz und Geld keinen Wert legte und seine Jünger lehrte: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mamon.“ Habgierige nannte Jesus „Narren“, die nicht bedenken, dass sie jederzeit sterben können und dann das Angehäufte zurücklassen müssen. Anwesende forderte er auf: „Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt“ (Lk 12, 15.20). Sehr am Geld hängende, über ihn lachende Pharisäer wies Jesus zurecht: „Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel“ (Lk 16,15). Dass Gott auf das Herz blickt, betonte auch Jahwe bei der Erwählung Davids zum König: „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7). Mit dem Ausdruck „Herz“ wird in der Bibel das „innere Zentrum“ der Emotionen, des Wollens und des Denkens bezeichnet. Allein in den Psalmen kommt „Herz“ 137 Mal vor.
Wer zu irdischer Lebzeit bewusst im Interesse des Bösen redet und handelt, aus überheblichem Stolz das Liebesgebot ablehnt, den Teufel und die Dämonen mit rituellen Praktiken verehrt oder Kinder als Selbstmordattentäter einsetzt und das Gott missfallende Reden und Handeln nicht bereut und möglich wiedergutmacht, entscheidet sich selbst gegen den Aufenthalt bei Gott.
Die endgültige und unwiderrufliche Trennung von Gott bezeichnete Jesus als „Hölle“. Sie betrifft jene, die bewusst und konsequent keine Achtung und Liebe Gott und den Mitmenschen entgegengebracht, ihre schlechten Taten nicht bereut und die Barmherzigkeit Gottes abgelehnt haben. Jede und jeder psychisch und mental gesunde Mensch kann die Lebensweise so gestalten, dass er bzw. sie sich dem Guten widersetzt. Der Zustand nach dem Sterben entspricht bei ihm bzw. ihr demjenigen davor (vgl. 2 Kor 11,15).
Gott kniet quasi vor der autonomen Entscheidung jeder Person. Er beugt nicht den Willen eines Menschen und zwingt niemanden, ihn, sich selbst und die anderen zu lieben. Gott möchte, dass jede und jeder seinen Willen erfüllt, drängt sich aber niemandem auf. Die Entscheidung, nach der Lehre Jesu in den Evangelien zu leben oder sie abzulehnen, obliegt nicht Gott, sondern jedem und jeder Einzelnen. Jesus verdeutlichte es an Hand von fünf Hausbewohnern, von denen drei gegen zwei und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter stehen können (vgl. Lk 12,52f). Daraus resultiert, dass niemand nach dem Sterben bei Gott im Himmel leben muss. Wer sich bewusst für das Böse entscheidet und entsprechend redet und handelt, wird die Früchte nach dem irdischen Aufenthalt weiter kosten. Dass die „Hölle“ existiert, ist eine zentrale Aussage Jesu in den Evangelien.
Eine eindeutige Beschreibung der „Hölle“ bieten die Evangelien nicht. Sie deuten zwei unterschiedliche Vorstellungen der „Hölle“ an, die Jesus auch „Unterwelt“ nannte. So würden die Bewohner Karfanaums, die sich trotz vieler Wunder nicht bekehrten, „am Tag des Gerichts in die Unterwelt hinabgeworfen“ (vgl. Mt 11,20ff; Lk 10,13ff).
Zum einen bedeutet „Hölle“ den Verlust des ewigen Lebens. Jesus zufolge haben jene Anteil an „der Auferstehung der Toten“, die Gott für würdig hält, an „jener Welt teilzuhaben“. Sie leben im Himmel nicht mehr als verheiratete Paare, sondern als Kinder Gottes gleich den Engeln (vgl. Lk 20,35). Gegenüber einem führenden Pharisäer erwähnt Jesus „die Auferstehung der Gerechten“, bei der die Liebe zu Armen, Verkrüppelten, Lahmen und Blinden vergolten werde (vgl. Lk 14,14). Im Ersten Brief des Johannes heißt es: „Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder und ihr wisst: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt“ (1 Joh 3,14f). Laut Apokalypse werden Übeltäter wie Mörder in einem „See von brennendem Schwefel den zweiten Tod erleiden“ (vgl. Offb 21,8).
Zum anderen wird „Hölle“ im Sinne einer ewigen Qual für für die Menschen mit schlechter und nicht bereuter Lebensweise verwendet. Bildhaft formuliert befinden sich jene, die andere verführt und Gottes Gebote übertreten haben, in dem „Ofen, in dem das Feuer brennt“. Laut Matthäus werden die Engel „beim Ende der Welt kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähne-knirschen sein“ (vgl. Mt 13,42.49f). Im Gleichnis von den Schafen und Böcken sagt Jesus jenen, die den Geringsten keine Liebe erwiesen haben: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ Sie werden „weggehen und die ewige Strafe erhalten“. Jesus begründet es ihnen: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan“ (vgl. Mt 25,41ff). Bei anderer Gelegenheit betonte er: „Es ist besser für dich, verstümmelt oder lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen und zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu werden“ (Mt 18,8).
Bei Markus beschreibt Jesus die Hölle als „nie erlöschendes Feuer“ für denjenigen, der „einen von diesen Kleinen, die an ihn glauben, zum Bösen verführt“. Für ihn wäre es besser, mit einem „Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen zu werden“. Es sei besser, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen, Füßen und Augen, die „zum Bösen verführt haben, in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer“ bzw. „in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (vgl. Mk 9,42f). Der Täufer Johannes lehrte, es werde einer kommen, der stärker als er sei. Er werde den Weizen in seine Scheune bringen, die Spreu aber werde er „in nie erlöschendem Feuer verbrennen“ (vgl. Lk 3,16f). Ausführlich werden die „Qualen der Hölle“ in frühchristlichen, nicht in die Bibel aufgenommenen Apokalypsen geschildert, etwa in der in Ägypten vermutlich in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts verfassten „Offenbarung des Petrus“, von der seit 1910 ein vollständiger Text in äthiopischer Handschrift bekannt ist.
Ob es die beiden Zustände gibt, bleibt offen. Fest steht: Der Aufenthalt im Himmel und in der Hölle sind zwei gegensätzliche Zustände von Verstorbenen ohne Berührungspunkt.
Die unüberwindbare Kluft verdeutlichte Jesus im Gleichnis von einem reichen Mann, der Tag für Tag herrlich und in Freuden lebt, und Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre ist und der vor der Tür des Reichen hungert. Der verstorbene Lazarus wird von den Engeln in Abrahams Schoß getragen, um getröstet zu werden; der Reiche dagegen ist nach seinem Begräbnis qualvollen Schmerzen in der Unterwelt ausgesetzt. Er erleidet große Qual in einem Feuer, da er zu irdischen Lebzeiten die Lehre von Mose und den Propheten kannte, aber nicht danach handelte. Dem hungernden Lazarus zu helfen, lehnte er bei klarem Verstand ab. Daher ist er Höllenqualen ohne Aussicht auf Veränderung ausgesetzt. Abraham sagt ausdrücklich, es läge ein tiefer, unüberwindbarer Abgrund zwischen dem Ort des Lazarus und dem „Ort der Qual“. Niemand könne ihn überwinden, selbst wenn er es wolle (vgl. Lk 16,19ff).
Andeutungen zur Existenz der Hölle enthält das Alte Testament. Judith sagt von Völkern, die das Volk Gottes bekämpfen: „Am Tag des Gerichts straft sie der allmächtige Herr, er schickt Feuer und Würmer in ihr Gebein; in Ewigkeit sollen sie heulen vor Schmerz“ (Jdt 16,17). Der Psalmist schreibt: „Hinabfahren müssen die Frevler zum Totenreich, alle Heiden, die Gott vergessen“ (Ps 9,18). Im Buch der Sprichwörter sagt Gott: „Wer mich findet, findet Leben und erlangt das Gefallen des Herrn. Doch wer mich verfehlt, der schadet sich selbst; alle, die mich hassen, lieben den Tod“ (Spr 8,35f). Im Buch der Weisheit heißt es, die dem Teufel Angehörenden werden den Tod erfahren (vgl. Weish 2,24). Das Buch Daniel enthält die Passage: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu“ (Dan 12,2).
Der schlimmste Übeltäter ist nicht in der Hölle, wenn er zu irdischer Lebenszeit sein Fehlverhalten bereut, die Betroffenen bzw. Angehörige um Verzeihen gebeten und, soweit möglich, wiedergutgemacht hat. Der neben Jesus gekreuzigte Verbrecher, der seine Taten bereute und Jesus bat, an ihn zu denken, wenn er in sein Reich komme, war Jesus zufolge noch am gleichen Tag mit ihm im Paradies. Er erwarb auf der Erde durch das qualvolle Sterben am Kreuz mit Zerschlagung der Beine den Aufenthalt im Himmel (vgl. Lk 23,40-43; Joh 19,32). Paulus, der mit Drohung und Mord gegen die Jünger und Anhänger der Lehre Jesu wütete, musste nach seiner außergewöhnlichen Auserwählung als Werkzeug Jesu viel leiden. Die Leiden zur Wiedergutmachung des Fehlverhaltens begannen direkt nach der Jesus-Vision. Der spätere Verkünder der Lehre Jesu stürzte zu Boden, war drei Tage blind, aß und trank nicht (vgl. Apg 9,1ff). Gott lässt einen Missbrauch seiner barmherzigen Gerechtigkeit aber nicht zu, indem die Beendigung des schlechten Redens und Handelns bewusst bis zum Sterben hinausgezögert wird. Niemand weiß, ob er/sie vor dem letzten Atemzug Gott noch um Verzeihen der schwerwiegenden Vergehen bitten kann.
Im Himmel leben nur Menschen, die den Dreieinen Gott, die Engel, Menschen und sich selbst in grenzenloser Fülle lieben. Als Hilfestellung äußerte Jesus, vor Gott wie ein Kind zu werden (vgl. Mt 18,3). Wer nach dem Sterben noch nicht wie ein Kind zu lieben vermag und danach verlangt, erwirbt es bei einem Läuterungsprozess mit intensivem Verlangen nach vollkommener Liebe. Bevor manche Verstorbenen als vollendete Menschen im Himmel weiterleben, haben sie eine Reinigung ihrer Seele zu vollziehen. Der Ausdruck „Seele“ bezeichnet den nicht sichtbaren und nicht greifbaren Bestandteil eines Menschen, der zu irdischer Lebzeit mit dem Körper interagiert und nach dem Sterben den dem Zerfall unterliegenden Körper überdauert. Etwas anderes ist die „Psyche“ der Psychologie.
In der Bibel wird die „zeitlich begrenzte“ Läuterung mancher Seelen nicht ausdrücklich erwähnt. Die Passage, für Gefallene zu beten und ein Sündopfer darzubringen, damit sie von ihren Sünden befreit werden, impliziert aber, dass sie noch leben und von ihren Sünden noch nicht befreit sind (vgl. 2 Makk 12,43ff). In einer Parabel wies Jesus an Hand des Nichtverzeihens darauf hin, dass jeder, der „seinem Bruder von Herzen nicht vergibt, von seinem himmlischen Vater so behandelt wird, als würde er bis zum Bezahlen der ganzen Schuld Peinigern übergeben“ (vgl. Mt 18,23ff). Demnach werden jene, die noch nicht rein vor Gott sind, weil sie ihr Fehlverhalten nicht bereut und möglich wiedergutgemacht haben, einer Reinigung ihrer Seele ausgesetzt. Dazu enthält die Bibel das Bild eines prüfenden und reinigenden Feuers, das „Fegefeuer“ genannt wird: „Das Werk eines jedenwird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch“ (1 Kor 3,13f).
Der zeitlich begrenzte Läuterungsprozess für jene, die zu irdischer Lebzeit das Liebesgebot zu wenig beachtet haben und so vor Gott treten, ergibt sich aus dem Wesen Gottes. Weil er Licht und Liebe ist, können nur Menschen mit reinem Herzen ihm ins Angesicht blicken. Personen, die Gott, sich selbst und den Mitmenschen zu wenig Liebe geschenkt haben und in den Himmel wollen, haben von sich aus das innige Verlangen nach Vollkommenheit. Im Himmel bei Gott leben nur Menschen mit einem reinen Herzen (vgl. 2 Kor 11,2; Offb 19,7f).
Die 20-jährige Belgierin Claire, die pötzlich bei einem Autounfall verstarb und zuvor bei den Schwestern von Mutter Teresa in Russland ein Praktikum absolvierte, dabei sich Kranken und Ausgegrenzten widmete, sich besonders um mongoloide Kinder kümmerte und im liebevollen und dankbaren Lächeln eines nackten und abgemagerten Mannes das Lächeln Jesu sah, sagte einmal zu ihrer Mutter: „Liebe, liebe, liebe! Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr man es später bereut, nicht geliebt zu haben.“ Oder mit den Worten von Roger Schutz, dem Gründer der Gemeinschaft von Taizé: „Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen lassen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen.“
Jesus lebte auf der Erde, um „die Werke des Teufels zu zerstören“ (vgl. 1 Joh 3,8). Er wurde ein auf die liebevolle Zuwendung von Menschen angewiesener Säugling, um die Neigung zum Morden und Zerstören durch eine Demutsgebärde Gottes zu blockieren. In der sichtbaren Person Jesu war der für Erdenbewohner sinnlich nicht wahrnehmbare Gott bei den Menschen.
Unzählige haben sich über das Liebesgebot hinweggesetzt. Manche redeten öffentlich von ihrer Bemühung um Frieden, rüsteten aber gleichzeitig zum Krieg. Andere zogen mit pubertärer Begeisterung aufs Schlachtfeld, um in die Anordnung von Krieg nicht eingebundene Unbekannte zu töten, selbst umgebracht zu werden und Eltern mit den Kindern aus der Heimat zu vertreiben. Derzeit sind 122 Millionen Menschen wegen Krieg und diversen Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht. Jedes fünfte Kind wächst heute bei steigender Anzahl schwerer Verbrechen in einer Konfiktregion auf. Jährlich sterben mehr als 200.000 Zivilpersonen durch Kampfhandlungen, die meisten im Krieg.
Eine Ausnahme zum Verbot des Tötens von Menschen gibt es bei zwischenmenschlichen und -staatlichen Differenzen in der Regel nicht. Ein auf Machterweiterung fixierter Herrscher, für den außerstaatliches Gebiet wertvoller als die dort lebenden Menschen ist und uneinsichtig seine menschenverachtende Einstellung mit militärischem Blutvergießen realisieren lässt, darf hinter Schloss und Riegel gebracht, aber nicht getötet werden.
Allein bei einem eindeutig erkennbaren Mordvorhaben darf die es beabsichtigende Person als allerletztes Mittel getötet werden, um den Mord zu verhindern. Eine Schusswaffe sollten nur Menschen von staatlichen Einrichtungen wie die Polizei zum Schutz des inneren Friedens und von legalen Unternehmen etwa zur Absicherung von Geldtransporten besitzen. Die dazu Eingesetzten müssen psychisch und mental gesund sein.
Das Fehlverhalten von Christen reicht bis zu den Aposteln zurück. So wird berichtet, dass ein Ehepaar sein Grundstück verkaufte und nicht den vollen Erlös den Aposteln zu Füßen legte. Sodann attackierte Petrus den Mann so heftig, dass er leblos zu Boden fiel. Der Leichnam wurde von jungen Männern hinausgetragen und begraben. Drei Stunden danach betrat die Gattin den Raum. Petrus fragte sie: „Weshalb seid ihr übereingekommen, den Geist des Herrn auf die Probe zu stellen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, stehen vor der Tür; auch dich wird man hinaustragen.“ Nun fiel auch die Frau zu Boden und starb. Die jungen Männer beerdigten den Leichnam neben dem ihres Mannes. In der Gemeinde verbreitete sich große Furcht (vgl. Apg 5,1ff).
Als Paulus erfuhr, dass ein Mann in „Unzucht“ mit der Frau seines Vaters lebt, urteilte er leiblich abwesend, aber geistig anwesend in Korinth: „Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben des Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“ (vgl. 1 Kor 5,1ff). Bei Vergehen wie Ablehnung Gottes und „sexuelle Verirrung“ glaubte Paulus, Gott würde die Betroffenen entehrenden Leidenschaften, verworfenem Denken ausliefern, so dass sie tun, was sich nicht gehört. Sie würden erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt, wer so handelt, verdient den Tod, verändern ihr Verhalten jedoch nicht und stimmen bereitwillig auch den anderen so Handelnden zu (vgl. Röm 1,18ff). Ein Zauberer und falscher Prophet, der einen Prokonsul vom Glauben abhalten wollte, wurde von Paulus attackiert: „Du elender und gerissener Betrüger, du Sohn des Teufels, du Feind aller Gerechtigkeit, willst du nicht endlich aufhören, die geraden Wege des Herrn zu durchkreuzen? Jetzt kommt die Hand über dich. Du wirst blind sein und eine Zeitlang die Sonne nicht mehr sehen.“ Sogleich erblindete der Mann (vgl. Apg 13,10f).
Über Mose, der einen Ägypter tötete, weil er einen Hebräer bei der Fronarbeit schlug (vgl. Ex 2,11f), gab Gott später das Gebot: „Du sollst nicht morden“ (Ex 20,13; Dtn 5,17). Die Vernunft verbietet ebenfalls das Töten von Menschen. Denn wer anderen seine Tötung nicht erlaubt, darf auch andere nicht töten. Beide haben das gleiche Lebensrecht. Fachpersonen der Ethik und Gesetzgebung, die das Töten von Menschen im Strafvollzug oder Krieg erlauben, verlangen von anderen ein Verhalten, das dem Tötungszwang unterliegende Tiere etwa beim Wettstreit um Nahrung, eine Fortpflanzungspartnerin oder die Gruppenleitung einsetzen. Für Menschen gilt das moralische Grundprinzip: „Das ureigenste aller Menschenrechte ist die Eigenverantwortung“ (Viktor E. Frankl).
Die Eigenverantwortung beeinhaltet, dass etwa der Missbrauch praktizierende Priester für das moralisch verwerfliche Handeln allein verantwortlich ist und nicht die Kirchensteuer Zahlenden, die damit nichts zu tun haben. Ist der Täter verstorben, darf kein anderer belangt werden. Das Gleiche gilt für Reparationszahlungen. Die Verantwortlichen von Kriegen haben die Folgen zu verantworten, nicht spätere Generationen, die beim Töten und Zerstören noch nicht gelebt haben. Niemand darf wegen einer Straftat seines Vaters im Gefängnis sitzen. Gott hat bei Kriegen von die Kritik der Zivilbevölkerung unterdrückenden Alleinherrschern und Diktatoren indirekt zu verantworten, wenn er die Bitten von Abertausenden oder Millionen um Beendigung nicht erhört. Bei solchen lebensbedrohlichen Situationen kann allein er helfen. Handelt er nicht, ist es nicht verwunderlich, dass zutiefst bittende Menschen von ihm ent-täuscht sind, sich distanzieren oder die Beziehung abbrechen.
Thomas Müntzer, 1513 zum Priester geweiht, kritisierte leidenschaftlich in Wort und Schrift die Unterdrückung durch die Obrigkeit. Nach der Niederlage der sich gegen ihre Feudalherren auflehnenden Bauern wurde Müntzer als Anführer 1525 gefangen genommen und hingerichtet. Der Vatikan-Henker Giovanni Battista, frommer Katholik und Familienvater, vollstreckte als „Meister der Gerechtigkeit“ 516 Exekutionen. Im Kirchenstaat wurden Menschen bis 1868 kraft päpstlichen Todesurteils mit Axt oder Guillotine hingerichtet. Wer heute noch am Töten von Menschen festhält, es rechtfertigt oder praktiziert, kann sich mit den Gleichgesinnten auf einer unbewohnten Insel fern menschlicher Zivilisation treffen, um sich gegenseitig im vollen Interesse des Bösen umzubringen.
Albert Einstein forderte 1931 vor dem Hintergrund der aufflammenden Kriegspropaganda nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, den Krieg möglich schnell zum Verschwinden zu bringen: „Bei diesem Gegenstand komme ich auf die schlimmste Ausgeburt des Herdenwesens zu reden: auf das mir verhasste Militär! Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie; wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg: Ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen! Ich denke immerhin so gut von der Menschheit, dass ich glaube, dieser Spuk wäre schon längst verschwunden, wenn der gesunde Sinn der Völker nicht von geschäftlichen und politischen Interessenten durch Schule und Presse systematisch korrumpiert würde.“
Eine Feststellung von Antoine de Saint-Exupéry, der als Pilot drei Flugzeugabstürze knapp überlebte und vom letzten Aufklärungsflug am 31. Juli 1944 nicht mehr zurückkehrte: „Der Krieg ist kein Abenteuer. Der Krieg ist eine Krankheit, wie Typhus.“ Das Wrack seines von einem deutschen Jagdflieger abgeschossenen Flugzeugs wurde 2005 als Mahnmal im Mittelmeer vor der Küste von Marseille gefunden.
Und ein Appell von Papst Franziskus (2021): „In jede Gegend der Menschheit, der wir angehören und die uns angehört, weil wir alle Brüder und Schwestern sind, wollen wir das Lied vom Leben bringen! Setzen wir uns dafür ein, dass die Todesschreie verstummen, genug der Kriege! Die Produktion und der Handel von Waffen mögen gestoppt werden, denn wir bedürfen des Brotes und nicht der Gewehre.“ Die Politiker aller Staaten rief der Papst auf, sich für ein Ende des Krieges einzusetzen: „Bitte lassen Sie die jungen Generationen die gesunde Luft des Friedens atmen, nicht die verschmutzte Luft des Krieges, der Wahnsinn ist!“

5. „Der Heilige Geist führt behutsam in die ganze Wahrheit
Auf die Vielfalt raffinierter Strategien lebensbedrohlicher Viren und Krebszellen wird in „Lebenswidrige Klugheit“ eingegangen. Dass „der Mörder von Anfang an“ (vgl. Joh 8,44) dabei beteiligt ist, liegt im Bereich des Möglichen. Auch bei den hoch pathogenen DNA-Viren wie HPV 16 und lebensbedrohlichen Bakterien und Pilzen kann eine dämonische Beteiligung vorliegen. Die augenfällige Genialität beim Entstehen und Walten kann laut Aussagen Jesu in den Evangelien dem Teufel zugesprochen werden. Zudem könnte er die Wirksamkeit kontrollieren und bisweilen bei einem absehbaren Verlust um die Aufrechterhaltung bemüht sein.
Eine bevorzugte Einflussebene könnten die genetischen Veränderungen sein. So ermöglichten 50 Mutationen die rasante Verbreitung der Sars-CoV-2-Variante Omikron. Ob dabei eine Einflussnahme des Bösen vorlag, ist nicht auszuschließen. Geheime Manipulationen der Lebenswelt sind seine Domäne. Bei Omikron war jeder zehnte bis zwanzigste Infizierte ein Superspreader, beim Ausgangstyp nur jeder tausendste. Bemerkenswerterweise erhielt die Subvariante BQ.1.1 die inoffizielle Bezeichnung „Höllenhund“ bzw. „Kerberus“. In antiken Mythen der Griechen waltet Kerberos, oft dargestellt als Hund mit mehreren Köpfen und umwunden von Schlangen, als Torhüter zum Hades, in den die Toten ohne Rückkehr gelangen.
Ähnlich trickreich wie Sars-CoV-2 verhält sich der Erreger der Grippe, das Influenza-A-Virus mit RNA-Genom. Beim Eindringen überlistet es die Wirtszelle, indem es an deren Rezeptoren für Stoffwechselmoleküle bindet. Die Zelle unterstützt das Zustandekommen der Grippe, weil sie die Viren einfängt und in Membranblächen ins Innere zum Ausbreiten transportiert. Als Eintrittspforte verwendet das Influenza-A-Virus zudem einen Proteinkomplex des Immunsystems, indem es an MHC-Klasse-II-Proteine auf der Oberfläche von Immun- und Atemwegszellen bindet, deren Funktion die Unterscheidung von Körpereigenem und Fremdem ist. Den Weg schlug vermutlich auch das H2N2-Influenza-Virus bei der Pandemie von 1957 ein.
Damit die infizierte Zelle die virale mRNA als körpereigen einstuft und für die Synthese viraler Proteine einsetzt, stiehlt das Influenza-A-Virus die RNA-Kappe der prä-mRNA der Wirtszelle, die sie zum Verwenden der mRNA als Bauplan für die Proteinsynthese benötigt. Zudem markiert die Kappe die Wirts-RNA als zelleigen. Bei dem Diebstahl bindet das Virus seine RNA-Polymerase FluPol an die RNA-Polymerase II der Wirtszelle, sobald bei der Herstellung ihrer RNA die Kappe vorliegt. Beim Zustandekommen einer engen Verbindung modifizieren die zwei Polymerasen ihre Struktur. Anschließend schneidet FluPol ein kleines Stück der vom Immunsystem tolerierten Wirts-RNA mit der Kappe ab und verlängert die entwendete RNA unter Einsatz der viralen RNA. Zuletzt bildet die Wirtszelle die vom Virus zu seiner Vermehrung benötigten Proteine. Pro Tag stellt die Wirtszelle bis zu 100.000 neue Viren her, die bei der Freisetzung die Zellmembran zerstören. Weitere Details des komplizierten Vorgangs finden sich in dieser Studie von 2026: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10189-0
Ihre hohe Anpassungsfähigkeit demonstrieren Influenza-Viren beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Tierarten und dem Menschen. Infiziert ein Wirt sich mit zwei verschiedenen Typen, kombinieren die Influenza-Viren die acht Segmente ihres Genoms neu, so dass eine neue Variante zu Stande kommt. Kreuzen Viren von Tieren sich mit denen von Menschen, können bisher beim Menschen nicht aufgetretene Influenza-Typen vorliegen. Wegen der hohen Mutationsrate bei der Virenvermehrung und der relativ langsamen Reaktionsfähigkeit der Immunabwehr wirken Medikamente oft weniger als erhofft und Impfstoffe müssen ständig angepasst werden.
Infektiöse DNA-Viren wie Adeno-, Herpes- und Humane Papillomviren attackierten schon den Neandertaler vor über 50.000 Jahren, was entsprechende Nachweise in Knochen belegen. Die hochpathogenen RNA-Viren wie Corona-, Ebola- und Influenzaviren sind deutlich jünger als die Menschheit. Da sie überwiegend eine einzelsträngige RNA besitzen, kann diese unmittelbar als mRNA oder nach enzymatischer Umschreibung verwendet werden. Retroviren wie HIV integrieren ihre mit Hilfe eines eigenen Enzyms in DNA umgewandelte RNA in das Erbgut des Menschen. Laut besten Schätzungen des Alters heutiger RNA-Viren an Hand von Genomsequenzen sind die RNA-Viren „vermutlich erst vor kurzer Zeit, nämlich vor nicht mehr als 50.000 Jahren“ entstanden: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC150674/
Von den über 200 Varianten des Humanen Papillomvirus (HPV) können die Typen HPV 16 und 18 Krebs in der Mund-, Rachen- und Anogenitalregion auslösen. Wird beim sexuellen Kontakt das hochgradig krebserregende HPV 16 auf einen Haut- oder Schleimhautbereich übertragen, können Tumoren der Genitalien, des Kehlkopfes und Gebärmutterhalses sowie bisweilen der Prostata auftreten. Sie machen global ungefähr fünf Prozent der Krebserkrankungen aus. Bei der Analyse von alten Genomen wurde HPV 16 im Erbgut vom vor etwa 5.300 Jahren verstorbenen alpinen Ötzi und einem vor ungefähr 45.000 Jahren in Ust-Ishim verstorbenen Sibirier entdeckt, was als Indiz angesehen wird, dass HPV 16 Vorfahren des heutigen Menschen schon vor mehreren Zehntausenden Jahren attackierte. Bei der Impfung gegen karzinogene HPV-Typen gehen die anvisierten Varianten größtenteils verloren, aber andere HPV-Typen treten verstärkt auf. Dies wurde 2023 in einer Studie mit über 3.000 finnischen Teenagern aufgezeigt.
Zumindest ein Teil der Viren könnte zunächst integraler Bestandteil der Lebenswelt für spezifische Aufgaben in ökologischen Prozessen gewesen sein. Sie beteiligten sich etwa beim Regulieren der Populationsgröße von Bakterien und einzelligen Eukaryoten. Dadurch leisteten sie einen Beitrag beim Stabilisieren des ökologischen Gleichgewichts. Wie komplexe technische Systeme ist auch eine überlebensfähige Biophäre auf Kontroll- und Wartungsmechanismen angewiesen. Viren halten die Ökosysteme am Laufen.
Zu infektiösen Krankheitserregern könnte ein Teil durch Faktoren wie Mutation, Entgleisung von Umwelteinflüssen und Sprünge vom Tier zum Menschen geworden sein. Die in der heutigen Lebenswelt nicht vorkommenden Virengene könnten von ausgestorbenen Lebensformen stammen, dämonische Erzeugnisse sein und/oder zum misslungenen Versuch gehören, einen lebenden Einzeller zu kreieren. Dass diese Gene für Proteine mit einer Funktion kodieren, ist nicht garantiert.
Spuren einer dämonischen Beteiligung könnten sich auch beim Pestbakterium finden, das bereits bei der frühesten bisher nachgewiesenen Infektion vor 5.500 Jahren in der Nähe des Baikalsees hochgradig tödlich war. Unter den Toten befanden sich viele Kinder und Jugendliche, die innerhalb kurzer Zeit beerdigt wurden. Murmeltiere könnten die Menschen infiziert haben, die den Erreger über Tröpfcheninfektionen weiterreichten. Der Ursprung der Pest könnte in Zentral- oder Nordostasien liegen.
Bei der Justinianischen Pest, die ab 541 von Ägypten ausgehend über 200 Jahre in Nordafrika, Vorderasien und Europa wütete, starb fast jeder Zweite. Ein in der nordjordanischen Stadt Jerash entdecktes Massengrab mit Pesttoten deutet an, dass der Friedhof für die Leichen zu klein war. Die spätmittelalterliche Pest dezimierte die europäische Bevölkerung um knapp die Hälfte. Eventuell gelangte der Erreger beim Kauf von Getreide aus der Region am Schwarzen Meer nach Europa. Eruptionen südeuropäischer Vulkane verdunkelten die Atmosphäre in Europa so stark, dass gravierende Ernteausfälle eintraten. Nach regionalen Ausbrüchen fand die vorläufig letzte Pestpandemie mit ungefähr 15 Millionen Toten bis ins 20. Jahrhundert vor allem in Asien statt. Ohne rechtzeitige Antibiotika-Einnahme verläuft die Pest fast immer tödlich. Durch Erwerb, Verlust und Variation von Erbsubstanz können bei der leichten Übertragbarkeit zuvor nicht bekannte und für die medizinische Therapie zu spät korrekt diagnostizierte Symptome und Antibiotikaresistenzen auftreten.
Für die Ansteckung und Aggressivität des Erregers der Beulen- und Lungenpest ist das Virulenzgen pla zuständig. Die von ihm kodierte Protease ermöglicht dem Bakterium, vom Immunsystem unbemerkt zu dem Lymphknoten zu gelangen und sich dann im Organismus auszubreiten. Das in jedem Pestbakterium mit etwa 200 Kopien vorliegende Gen verursachte bei den zwei ersten Pandemien die hohe Sterberate. Durch Verlust von Kopien nach ungefähr einem Jahrhundert dauerte die Infektion bis zum Tod wenige Tage länger und weniger Infizierte starben. Mit Hilfe der genetischen Veränderung existierte der Pesterreger länger, breitete sich auch zwischen den Pandemien noch aus und überlebte bei dezimierten Populationen von Ratten und Menschen.
Eine hohe Sterberate hat auch Lepra. Das Erbgut des bakteriellen Erregers veränderte sich jahrtausendelang bei der globalen Ausbreitung fast nicht. Heute erkranken jährlich noch ungefähr 200.000 Menschen in über 120 Ländern an „Aussatz“. Bei den Betroffenen können das Gesicht entstellt, die Hände verkrüppelt und/oder die Füße verstümmelt sein. Das Darmbakterium Parabacteroides goldsteinii fördert bei Mäusen und wahrscheinlich Menschen den kognitiven Verfall, indem es die zelluläre Kommunikation zwischen Darm und Gehirn stört. Dazu bildet es Fettsäuren, welche die Freisetzung von Entzündungsstoffen aus Zellen der Immunabwehr initiieren.
In Anbetracht der genialen Wirkweise bakterieller Krankheitserreger könnte der Teufel zumindest bei einigen beteiligt sein, indem er harmlose Bakterien veränderte. Wer die hoch effizienten Mechnismen von Bakterien und Viren wie die erzwungene Fusion von Sars-CoV-2 und Wirtszelle, die molekulare Injektionsspritze des enterohämorrhagischen Bakteriums Escherichia coli zum Auslösen von EHEC durch Verabreichung von Gift, das Vorgehen des Tetanus-Erregers, der Schwerstkranke bei klarem Bewusstsein nach mehreren Wundstarrkrämpfen qualvoll sterben lässt, als Produkte eines strafenden Gottes ansieht, vertritt eine Position aus vorchristlicher Zeit, die mit den Worten und Taten Jesu nicht übereinstimmt.
Nicht auszuschließen ist die dämonische Beteiligung auch bei der tendenziellen Verschlechterung des menschlichen Genoms, wodurch immer mehr obligatorische und potenzielle Erkrankungen auftreten, und beim Entstehen cleverer Strategien von Parasiten. Der Malaria-Erreger mit über 600.000 globalen Todesfällen jährlich erhöht die Attraktivität des Körpergeruchs für Anophelesmücken, die Sporozoiten über den Speichel auf Menschen übertragen. Das Syphilis verursachende Bakterium steigert das Verlangen der Infizierten nach Sexualkontakten. Arbeiterinnen der Gelben Schattenameise und Orientalischen Wegameise töten ihre Mutter, wenn eine fremde Königin ohne eigene Kolonie sich behutsam dem Nest nähert, mehrmals vorsichtig den Bau umrundet, langsam den für den Staat typischen Geruch annimmt und nach dem akzeptierten Eindringen in den Bau die dortige Königin mit einer übel riechenden Flüssigkeit bis zu 15 Mal besprüht. Dabei flieht die Eindringlingin nach jedem Sprühstoß, während die Arbeiterinnen ihre Raserei verstärken. Haben sie die eigene Königin getötet und zerlegt, kehrt die parasitäre Königin zurück, legt ihre Eier und beginnt ihr Matriarchat, bei dem die Arbeiterinnen die Eier der fremden Königin ausbrüten und sich um deren Nachwuchs kümmern.
Lysosomen sind Zellorganellen, deren Enzyme bei der innerzellulären Verdauung, bei selbstauflösenden Prozessen und bei Entzündungsvorgängen eine wichtige Rolle spielen. Zur Entfaltung der Wirkung der Enzyme muss die Membran der Lysosomen zerstört sein. Sodann „verdauen“ sie Makromoleküle wie Proteine, andere Organellen und einzellige Lebewesen. Der unter anderem in unzureichend gegartem Fleisch lauernde Parasit Toxoplasma gondii heftet nach dem Eindringen in eine Zelle ein äußeres Protein an ein Protein der Mitochondrien der Zelle. Daraufhin spalten die Mitochondrien Bläschen ihrer äußeren Membran ab und bilden molekularen Abfall verarbeitende Strukturen, die abgekürzt SPOTs (Structures Positive for Outer Mitochondrial Membrane) genannt werden und die für die Fortpflanzung des Parasiten angesäuerten Lysosomen verschlingen. Andere Zellorganellen verschlingen sie selten. Die winzigen Neustrukturen helfen dem Eindringling eventuell bei der Vermehrung, da Toxoplasma von dem abgebauten Material vermutlich sich ernährt. Beeindruckend ist die Fähigkeit des Parasiten, die Mitochondrien zu manipulieren und sie zur Bildung einer völlig neuen Zellstruktur für sein Überleben zu nutzen: https://www.biorxiv.org/content/10.64898/2026.04.23.720395v1
Krankenheilungen durch okkulte Praktiken werden durch Beendigung des dämonischen Einflusses vorgetäuscht. Damit die im Bereich der Biotechnik Tätigen und Verantwortlichen nicht im Interesse des Bösen handeln, sollten sie auf die Herstellung pathogener Krankheitserreger verzichten und die vorhandenen beseitigen. Das Gleiche gilt für die Aggressivität steigernden und das klare Denken eintrübenden Wirkstoffe.
Die zukünfigen Herausforderungen durch nicht heilbare Krankheiten, parasitäre Attacken und hoch pathogene Viren und Bakterien sind ungewiss. Unter anderem könnte das Nipah-Virus eine Pandemie auslösen. Momentan sterben 60 bis 90 Prozent der mit dem Virus Infizierten in Südostasien. Mutationen könnten die Infektiosität erhöhen. Durch multiresistente Bakterien sterben heute mehr Menschen mit einem geschwächten Immunsystem als an AIDS oder Malaria. Die Strategien von zwei der gefährlichsten Krankenhauskeime werden nachfolgend kurz dargelegt. Sie verdeutlichen das geniale Vorgehen von Bakterien und Viren, von denen einige bei extremresistenten bakteriellen Infektionen medizinisch zum Einsatz kommen.
Pseudomonas aeruginosa, ein im feuchten Milieu weit verbreitetes Bakterium, das unter anderem Lebensmittel verdirbt und Lungenentzündungen mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent bei mechanisch beatmeten Patienten im Krankenhaus verursacht, ist gegen Antibiotika der letzten Wahl resistent. Es nutzt bei einer Infektion die Nährstoffe der Lungenschleimhaut, greift das Epithelgewebe darunter an, dringt mit voller Wucht in die Schleim bildenden Becherzellen ein, vermehrt sich, bringt die Becherzellen zum Platzen, besiedelt die undichten Stellen der Epithelbarriere und breitet sich danach im tieferen Gewebe aus: https://www.nature.com/articles/s41564-024-01718-6
Das Bakterium Klebsiella pneumoniae besitzt mehrere Virulenzfaktoren und kann im Krankenhaus Lungenentzündungen und Erkrankungn wie Harnwegsinfekte und Sepsis auslösen. Bei Angriffen von Viren bildet es neue Gene mit Hilfe des Enzyms reverse Transkriptase. Sein verteidigungsassoziiertes Reverse-Transkriptase-System nutzt einen Immunitätsmechanismus mit Neubildung von Genen über eine „Rollen-Kreis-Reverse-Transkription“ einer keine Proteine kodierenden RNA. Dabei stellt die reverse Transkription durch programmiertes Schablone-Springen auf der RNA verkettete, kodierende DNA-Wiederholungen her. Die anwesenden Viren initiieren dann die Bildung langer doppelsträngiger DNA, deren Transkription zu mRNA führt, die einen nicht endenden, offenen Lese-Rahmen ohne Stopp-Codon kodiert. Bei der Translation tritt ein deutlich erkennbarer Vermehrungsstillstand ein. Die Entdeckung des antiviralen Abwehrmechanismus hat die Fachpersonen völlig überrascht:
https://www.nature.com/articles/d41586-024-01477-8
https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2024.05.08.593200v1
Hier ist anzumerken, dass schätzungsweise 99 Prozent der Bakterien nicht pathogen sind. Der Mensch profitiert von den Nahverwandten des multiresistenten Krankenhauskeims Klebsiella pneumoniae, die als harmlose Magen-Darm-Bewohner den Milchzucker abbauen. Bei Gefäßpflanzen fixieren sie Stickstoff im Wurzelbereich. Vermutlich besitzen auch sie den antiviralen Abwehrmechanismus, um sich gegen Bakteriophagen (sich in Bakterien vermehrende Viren) zu verteidigen.
Bemerkenswerterweise ähneln Pathogenitätsmechanismen oft Symbiosemechanismen, mittels derer zwei Individuen unterschiedlicher Arten gemeinsam profitieren. Symbiotische Bakterien im Magen-Darm-Trakt des Menschen sorgen unter anderem für eine funktionierende Verdauung und ein effizientes Immunsystem. Geraten sie aus dem Gleichgewicht, kann das Risiko für Erkrankungen wie Magengeschwüre, Fettsucht, Multiple Sklerose, Allergien, Asthma und Krebs erhöht sein. Daher sind Immunitätsmechanismen und Symbiosen weitgehend lebensfreundlich. Die lebenswidrigen Mechanismen von Bakterien könnten zumindest teilweise raffinierte Pervertierungen und ausgeklügelte De-novo-Ausstattungen des Bösen sein.
Dabei ist es ihm wie bei Long- und Post-Covid von Sars-CoV-2 gelungen, Bakterien wie Borrelia burgdorferi, Coxiella burnetii und Streptococcus pyogenes so zu programmieren, dass im Anschluss an Borreliose, Q-Fieber und Scharlach bei einem Teil der zuvor Infizierten gravierende Langzeitfolgen vorliegen. Sie leiden unter gesundheitlichen Störungen wie Schwindel, Kopfschmerzen, blockierender Müdigkeit und Kreislaufbeschwerden bei nicht mehr nachgewiesener Anwesenheit des bakteriellen Erregers. Frauen sind häufiger als Männer von postinfektiösen Langzeitsymptomen betroffen.
Möglicherweise hat der Böse auch bei der Bildung lebensbedrohlicher Parasiten und Pilze wie Candida albicans und Candida auris, der bei fast allen Organen tödliche Erkrankungen auslösen kann und sich pandemieartig langsam verbreitet, Cryptococcus neoformans, der Hirnhautentzündungen auslösen kann, und Aspergillus fumigatus die Hand im Spiel. Hinzu kommen infektiöse Krebserkrankungen bei Tieren und Pflanzen wie der Beulenbrand beim Mais, der vom Pilz Ustilago maydis verursacht wird. Im Mais modifiziert er bei unterdrückter Immunreaktion den Stoffwechsel so, dass der Wirt das Pilzwachstum fördert. Dabei gelangt der Pilz vermutlich mittels abgesonderter Effektor-Proteine zu den anvisierten Stellen in Maiszellen.
Solange der Hefepilz Candida albicans in der runden Form im menschlichen Organismus vorliegt, ist er harmlos. Um längerfristig in der Mundschleimhaut unauffällig zu überleben, produziert er das Toxin Candidalysin in geringer Menge. Für die Infektion geht er in fadenförmige Hyphen über und greift bei höherer Konzentration des Toxins die Körperzellen an. Beim Festlegen der Hyphen-Form und so indirekt beim Toxin-Gehalt ist das Gen EED1 beteiligt. Er bestimmt, ob die Besiedlung der Mundschleimhaut vom Immunsystem toleriert oder der Pilz zum Krankheitserreger wird und dann das Immunsystem die Infektion anfälliger Personen nicht mehr verhindern kann. Demnach legt der Pilz situativ eine der zwei verschiedenen Verhaltensweisen durch exaktes Austarieren der Toxinmenge fest.
Der seit 2009 bekannte, zwischenmenschlich übertragbare Hefepilz Candida auris kann sich ohne Symptome auf der Haut ansiedeln und lebensbedrohliche Infektionen besonders in Krankenhäsern und Pflegeheimen verursachen, die teilweise tödlich verlaufen und wegen der zahlreichen Resistenzen schwer zu behandeln sind. Um lange auf der Haut vor äußeren Störfaktoren geschützt zu überleben, nistet der Pilz bevorzugt in Haarfollikeln und macht das Immunsystem zum Komplizen. Die Komplizenschaft gelingt ihm durch eine intensivere Produktion des Botenstoffs Interferon-γ, der spezielle Zellen im Haarfollikel anregt, die Aktivität von Genen zur Pilzbekämpfung zu drosseln. Zusätzlich werden von Interferon-γ Prozesse abgeschwächt, die durch den Immunbotenstoff Interleukin-17A zur Pilzabwehr gesteuert werden und mit der Hautbarriere und dem Austausch der Haarfollikelzellen in Beziehung stehen. In der Folge sammeln sich ältere, geschwächte Zellen als ideale Nische zur Pilzvermehrung an. Zum Verstärken der Immunsystemüberlistung und der Interferon-γ-Ausschüttung wird der Chitin-Gehalt der Zellwand erhöht: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adu6688
Der global verbreitete Schimmelpilz Aspergillus fumigatus kann hartnäckige Lungeninfektionen bei Menschen mit Mukoviszidose auslösen und zählt zu den Haupterregern infektiöser Erkrankungen immungeschwächter Personen. Betroffen können Lunge, Herz, Niere, Zentrales Nervensystem, Nasennebenhöhlen und Haut sein. Eine hohe Sterblichkeit hat die invasive Aspergillose. Die Behandlung gestaltet sich schwierig, da der hoch anpassungsfähige, variantenreiche Schimmelpilz zunehmend resistent gegen Antimykotika wird. Bei einem Genomvergleich von 252 Varianten betrug die Übereinstimmung nur 76,9 Prozent. Wie das Mikrobiom der Lunge sowie der Aminosäure-, Nukleotid- und Stickstoffstoffwechsel im Interesse des Erregers manipuliert werden, findet sich hier: https://www.nature.com/articles/s41467-023-39982-5
Infektiöse Pilze werden wie Bakterien resistent gegen Arzneistoffe, doch auf Grund des komplexeren Genoms langsamer. Der Hauptgrund für die Zunahme der Pilzresistenzen ist die Verwendung der gleichen Azol-Antimykotika in Landwirtschaft, Veterinär- und Humanmedizin. Untersuchungen von Bäckerhefen deuten an, dass aggressive Hefepilze der medikamentösen Behandlung mit den wenigen Antimykotika durch überschüssige Chromosomen entgehen könnten, so dass die Proteine teilweise in zu großer störender Menge vorliegen. Die Diagnostik und Therapie invasiver Pilzinfektionen sind oft schwierig und erfordern rasche fachübergreifende Entscheidungen.
Ob auch im Universum ein geheimes dämonisches Wirken vorliegt, ist offen. Das kosmologische Wissen über Bestandteile wie die Dunkle Energie und die Schwarzen Löcher ist noch defizitär. So könnte die Dunkle Energie einer Bewertung empirischer Daten elliptischer Galaxien von 2023 zufolge im Inneren der Schwarzen Löcher verborgen sein. Zudem expandiert das Weltall laut neueren präzisen Messungen deutlich schneller, als das Standardmodell vorgibt. Die Beschleunigung könnte sich aber abschwächen, so dass die Expansion in fernster Zukunft zum Stillstand kommt und dann das Weltall in sich zusammenstürzen wird.
Rätselhaft sind die kleinen roten Punkte auf Aufnahmen des James-Webb-Weltraumteleskops. Sie könnten die ältesten bekannten supermassereichen Schwarzen Löcher sein und Sterne mit turbulenter heißer Wasserstoffhülle vortäuschen, betreiben aber keine Kernfusion. Sie könnten auch „Schwarzes-Loch-Sterne“ wie MoM-BH*-1 mit sonnensystemgroßer dichter Wasserstoffhülle und einem inneren aktiven Schwarzen Loch sein. Fest steht: Was oder wer den Ereignishorizont überschreitet, unterliegt dem Sog des Unbekannten.
Gott kann jedes lebenswidrige Werk des Bösen auf der Erde beseitigen (vgl. Sach 3,2; Jud 9), besonders wenn genug Menschen ihn darum bitten. Der Teufel kann nur realisieren, was Gott zulässt (vgl. Ijob 1,12). Völlig ausgeschlossen ist, dass Satan und seine Dämonen Gott überlegen seien. Gott als ihrem Urheber sind sie stets unterlegen.
Durch seine Leiden nach der Gefangennahme und sein Sterben am Kreuz besiegte Jesus den Teufel. Sein Erlösungsopfer setzt das dämonische Handeln voraus. Jesus entmachtete den Bösen, der die Gewalt über den Tod innehatte (vgl. Hebr 2,14). Zuvor tat Jesus Gutes in Städten und Dörfern und heilte alle Kranken und alle, die „in der Gewalt des Teufels“ waren (vgl. Mt 4,24; 12,15; Apg 10,38). Jesus bändigte die „alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt“ (vgl. Offb. 12,9).
Jesus beauftragte die Apostel: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ Dabei gilt bis heute: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (vgl. Mt 10,6-8). Die Nachfolger der Apostel und Jünger folgen dem Auftrag Jesu, wenn sie uneigennützig zum Wohl der Notleidenden ohne finanzielle Zuwendung handeln und Gott bitten, an ihrer Seite zu sein. Die nicht gratis („dankend“) Handelnden ignorieren die Vorgabe Jesu und bringen dessen Verkündigung in Misskredit.
Die Geschichte des Christentums zeigt zahlreiche Abweichungen. Schon Paulus beachtete es nicht konsequent. Er gestand der frühchristlichen Gemeinde in Korinth: „Andere Gemeinden habe ich ausgeplündert und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können“ (2 Kor 11,8). Im Allgemeinen lebte er als Zeltmacher von der Arbeit seiner Hände (vgl. Apg 18,3; 1 Kor 4,12; 1 Thess 2,9) und arbeitete auch für den Unterhalt seiner Begleiter (vgl. Apg 20,33f). Das Engagement für Gott bringt Jesus zufolge Früchte, wenn auf ein Honorar verzichtet wird.
Jesus lebte es vor und versprach nach seiner Auferstehung allen, die an ihn glauben: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden“ (Mk 16,17f). Zeichen und Wunder wie diese dienen nicht dem Profit, sondern der Bekräftigung der Lehre Jesu.
Zudem erwähnte Jesus, dass manche „um des Himmelreiches willen“ auf die Ehe verzichten. Er fügte hinzu, nicht jeder könne es verstehen (vgl. Mt 19,12). Demnach soll eine zölibatäre Lebensweise aus eigenem Entschluss dazu dienen, für den pastoralen Dienst voll und ganz zur Verfügung zu stehen. Auch dies hat Jesus vorgelebt. Besonders liebte er den nichtverheirateten Apostel Johannes. Wer das Zölibat nicht versteht, sollte sich eines Urteils enthalten.
Im frühen Christentum heilte Jesus bei der Verkündigung seiner Liebesbotschaft durch Petrus in Lydda einen Mann, der seit acht Jahren lahm und bettlägerig war, und ließ den Leichnam einer Frau voll Nächstenliebe in Joppe durch ein Gebet in kniender Körperhaltung wieder leben. Petrus befahl: „Äneas, Jesus Christus heilt dich. Steh auf und richte dir dein Bett!“ und „Tabita, steh auf!“ Sofort stand Äneas auf. Tabita öffnete die Augen, sah Petrus an und erhob sich (vgl. Apg 9,31ff). Durch den Apostel Philippus fuhren in Samarien die unreinen Geister aus vielen Besessenen unter lautem Geschrei aus. Gelähmte und andere Kranke wurden geheilt, so dass große Freude herrschte (vgl. Apg 8,5ff).
Eine Viper, die Paulus auf Malta fest in die Hand biss, fügte ihm keinen Schaden zu. Einheimische meinten, die Hand würde anschwellen und Paulus würde tot umfallen. Stattdessen heilte Jesus durch Paulus den an Ruhr fiebrig erkrankten Vater eines gastfreundlichen Mannes und andere Kranke durch Auflegen von dessen Hände (vgl. Apg 28,1ff). Durch die Apostel wirkte Jesus viele Zeichen und Wunder. Alle herbeigebrachten Kranken und von Dämonen Geplagten wurden geheilt (vgl. Apg 5,12ff). Es belegt, dass Jesus jederzeit das lebenswidrige Agieren dämonischer Mächte durch das inständige Gebet menschlicher Werkzeuge außer Kraft setzen kann. Petrus achtete bei der Wiederbelebung Tabitas darauf, dass keine Schaulustigen anwesend waren. Denn bei Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen will Jesus keine spektakuläre Show präsentieren.
Wer die Aussagen Jesu in den Evangelien über den Bösen als zutreffend einstuft, kann seine Existenz nicht leugnen. Das Erdendasein kann als ein Dornenweg mit zermürbenden Herausforderungen erlebt werden, auf dem fast nur Durststrecken zu bewältigen sind. Die Zeiten mit unerträglichem Leid können die glücklichen vielfach übertreffen. Auch Jesus war tief erschüttert und weinte, als er auf die zukünftige Zerstörung Jerusalems blickte und in Betanien die zwei weinenden Schwestern seines vor vier Tagen verstorbenen Freundes Lazarus und andere Trauernde sah. Doch er ließ Lazarus das Grab lebend verlassen (Joh 11,17ff).
In Jesus war auch Gott Vater auf der Erde, da beide Personen eine Einheit sind. Den Jüngern prophezeite Jesus, sie würden versprengt werden und ihn allein lassen. Doch der Vater würde ihn nicht allein lassen: „Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Joh 16,32). Der Vater war in Jesus auf der Erde unter den Menschen, um seine Werke zu vollbringen (vgl. Joh 14,10f). Sie erkannten ihn aber nicht, kritisierten seine Worte, misshandelten ihn trotz des Guten, das er ihnen tat, verspotteten ihn, kreuzigten ihn und ließen ihn die bittere Qual des Sterbens erleben. Erst kurz vor Abschluss des Sterbens war Jesus allein, so dass er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34). Gott Vater und Jesus litten, da sie die Menschen mehr lieben als sich selbst. Niemand kann sagen, Gott habe ihm beim irdischen Aufenthalt mehr zugemutet als sich selbst.
Damit der himmlische Vater besser erkannt und ihm entsprechend verehrt werden kann, sollte er durch ein eigenes Hochfest von der Katholischen Kirche geehrt werden. Dass Gott als Vater angerufen und angebetet werden will, teilte er in vorchristlicher Zeit „seinem Knecht David“ mit (vgl. Ps 89,27). Dieses Anliegen ist liturgisch bedeutsamer, als des Täufers Johannes, einzelner Apostel, der Mutter Jesu oder der Weihe einer spätantiken Kirche in Rom zu gedenken. Der Festtag zur Vertiefung der persönlichen Beziehung zwischen Gott Vater und Mensch sollte das jahreszeitliche Feiern im Sommer oder Herbst bereichern.
Wie Gott Vater im Neuen Bund unter den Menschen auf der Erde weilte, so war Jesus im Alten Bund anwesend. Laut Paulus tranken alle Israeliten bei der Wanderung durch die Wüste „den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem lebenspendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus“ (vgl. 1 Kor 10,4). Jesus offenbarte dies Paulus: „Ich erkläre euch Brüder: Das Evangelium, das ich verkündet habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen“ (Gal 1,11f). Jesus bat außerdem den Jünger Hananias in einer Vision, zu Paulus nach Tarsus wegen seines Auftrags zu gehen: „Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen“ (Apg 9,15). Paulus verkündete das Evangelium nicht aus freiem Entschluss. Es lag ein Zwang auf ihm, der ihn gestehen ließ: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16).
Das Wirken Jesu in vorchristlicher Zeit wird auch im Ersten Petrusbrief erwähnt. Demnach haben die Propheten mit dem „Geist Christi“ nach dem Heil gesucht, geforscht und Zukünftiges geweissagt: „Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im voraus bezeugte“ (vgl. 1 Petr 1,10f). Jesus war im Alten Bund anwesend und seit Beendigung seines irdischen Aufenthaltes hilft er bei der Verkündigung seiner Botschaft.
In diesem Zusammenhang bedarf ein biblischer Widerspruch einer Klärung. Im Buch Exodus heißt es: „Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden“ (Ex 33,11). Im Buch Numeri sagt der Herr zum Kontakt mit Mose: „Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, von Angesicht zu Angesicht, nicht in Rätseln. Er darf die Gestalt des Herrn sehen.“ Gott kommt zu Bileam und redet mit ihm, der „Gottesworte hört, die Gedanken des Höchsten kennt, eine Vision des Allmächtigen sieht, daliegt mit entschleierten Augen“ (vgl. Num 12,8; 22,9ff; 23,4f.16; 24,4.16). Laut Aussage Jesu hat aber allein er den Vater gesehen: „Niemand hat Gott je gesehen.“ Oder: „Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen“ (Joh 1,18; 6,46). Oder auch: „Niemand hat Gott je geschaut“ (1 Joh 4,12). Kritikern sagt Jesus über den Vater: „Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt je gesehen“ (Joh 5,37). Daher ist zu fragen, mit wem Männer in vorchristlicher Zeit wie Aaron, Abihu, Abraham, Bileam, Gideon, Isaak, Jakob, Mose, Nadab, Salomo und die 70 Ältesten Israels Kontakt hatten.
Der Widerspruch lässt mindestens zwei Lösungsversuche zu. Einerseits könnte es sich bei den im Alten Bund geschilderten Gottesbegegnungen um mystische Erlebnisse handeln. Gott teilte sich auserwählten Personen über Visionen und Einsprechungen mit, ohne auf der Erde real anwesend zu sein. Wer aber später Jesus sah und mit ihm redete, hatte Kontakt mit einem materiell anwesenden Mann. Jede und jeder konnte Jesus leibhaftig sehen und berühren.
Andererseits könnte Jesus mit Männern des Alten Bundes geredet haben. Er beteiligte sich bei der Erschaffung der Welt als „das Wort“ und war, „noch ehe Abraham wurde“ (vgl. Joh 1,3; 8,58). Der Vater zeigt sich in ihm: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Jesus ist im Vater und der Vater in ihm: „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist“ (Joh 14,11). Hätte der Vater sich im Alten Bund gezeigt, wären die Aussagen Jesu über ihn nicht mehr notwendig gewesen. Jesus offenbarte authentisch den Vater und redete und handelte teilweise anders als in vorchristlicher Zeit, da der Wissensstand und soziokulturelle Kontext anders waren. Da Jesus als „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ auf der Erde weilte (vgl. Kol 1,15), wurde er in Kunstwerken bis ins Mittelalter dargestellt, wenn der Vater gemeint war. Der visuelle Zugang zum Vater wurde über Jesus ermöglicht.
Aus der Präsenz Jesu und des Vaters im Ersten Bund folgt, dass auch Gottes Geist anwesend war. Bereits als „Himmel und Erde“ entstanden, schwebte er „über dem Wasser“ (vgl. Gen 1,2). Der Psalmist erwähnt die erschaffende und erneuernde Kraft von Gottes Geist: „Sendest du deinen Geist aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde“ (Ps 104, 30). Der Geist Gottes erwählte Propheten zur Ankündigung des Messias, auf den der Geist des Herrn sich niederlassen werde (vgl. Jes 11,2). Gottes Geist versetzte 70 Älteste, Eldad und Medad „in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm“. Als ein Diener Mose bat, es zu beenden, erwiderte ihm Mose: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“ (vgl. Num 11,25ff).
Zur ständigen Einheit vom Vater und Jesus passt, dass beide in der Bibel als „Herr – Fels – Erlöser“ bezeichnet werden. Ein Lied des Mose enthält die Aussagen: „Ich will den Namen des Herrn verkünden; preist die Größe unseres Gottes! Er heißt: Der Fels“ (Dtn 32,3f). Der Psalmist jubelt: „Es lebt der Herr! Mein Fels sei gepriesen“ (Ps 18,47). David erkannte laut Jesus durch Erleuchtung des Geistes Gottes, dass der Messias sein Herr sei (vgl. Mt 22,41ff; Mk 12,35ff; Lk 20,41ff). Im Buch Jesaja wird empfohlen: „Verlasst euch stets auf den Herrn; denn der Herr ist ein ewiger Fels.“ Und: „So spricht der Herr, dein Erlöser“ (Jes 26,4; 44,24; 48,17). Eine anderes Zitat lautet: „Du, Herr, bist unser Vater, ‚Unser Erlöser von jeher‘ wirst du genannt (Jes 63,16). Der Psalmist schreibt: „Du hast mit starkem Arm dein Volk erlöst, die Kinder Jakobs und Josefs“ (Ps 77,16).
Jesus redet als „der Herr“ mit Marta aus Betanien (vgl. Lk 10,41). Seine Jünger sprechen ihn mit „Herr“ an (vgl. Joh 11,12), der Apostel Thomas den auferstandenen Jesus mit „Mein Herr und mein Gott!“ (vgl. Joh 20,28). Paulus bezeichnet Jesus als „unseren Herrn“ (vgl. Eph 1,17; Kol 1,3). Petrus wird unter den Apsteln als „Fels“ tituliert (vgl. Mt 16,18), um seine Standfestigkeit beim Verkünden der Botschaft Jesu in harter Bedrängnis anzudeuten. Allerdings meinte Paulus wie viele andere Christen, der Vater habe Jesus „auferweckt“ (1 Kor 6,14).
Aus der Gottheit Jesu folgt, dass er nach dem Sterben aus eigener Kraft das Grab lebend verließ. Er kündigte im Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium den Jüngern an, er „werde am dritten Tag auferstehen“ (vgl. etwa Mt 20,19). Im Gleichnis vom guten Hirten sagt Jesus über sein Leben: „Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“ (vgl. Joh 10,18). Lazarus dagegen wurde von Jesus auferweckt: „Aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken“ (vgl. Joh 11,11). Jesus ist aus eigener Kraft im Grab auferstanden. Er lebte nach dem Sterben weiter, auch wenn sein toter Körper bis zur Auferstehung im Grab lag. Wegen der Einheit der drei göttlichen Personen erfolgte die Auferstehung Jesu in göttlicher Gemeinschaft.
Jesus lehrte: „Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil“ (Mk 11,24). Oder: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun“ (Joh 14,12-14). Oder auch: „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten“ (Joh 15,7).
Laut Jesus kümmert der Vater im Himmel sich mehr um die Menschen als die Eltern um ihre Kinder (vgl. Mt 7,7ff). „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten“ (Mt 18,19). Und: „Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben.“ Und weiter: „Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist“ (Joh 16,23f).
Ähnliche Aussagen finden sich im Alten Testament. Der Psalmist behauptet: „Du erhörst die Gebete“ (Ps 65,3). Und: „Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr; er entreißt sie all ihren Ängsten“ (Ps 34,18). An anderer Stelle wird gesagt: „Das Flehen des Armen dringt durch die Wolken, es ruht nicht, bis es am Ziel ist. Es weicht nicht, bis Gott eingreift und Recht schafft als gerechter Richter“ (Sir 35,21f). Jahwe verspricht: „Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich finden – Spruch des Herrn“ (Jer 29,13f).
Die biblischen Zitate sind nicht im Konjunktiv und ohne Ausnahme formuliert. Demnach beendet Gott lebenswidrige Übel wie Pandemien und Kriege von Diktatoren, welche die Gutwilligen nicht beenden können, wenn die Bibel zutrifft und genug Menschen mit dem Glauben und Vertrauen eines Kindes Gott darum bitten. Der Dreieine Gott kann Zeichen und Wunder besonders in unheilvollen Bedrängnissen wirken (vgl. Dan 6,28; Apg 5,12). Den Gutwilligen steht er beim Beseitigen der Übel gern zur Seite. Ignoriert er es, braucht er sich nicht zu wundern, wenn immer mehr Menschen sich von ihm distanzieren.

6. Die von Gott erwählte Wegbegleiterin und Fürsprecherin
Im Mythos vom Garten Eden sagt der Herr zur Schlange nach der gelungenen Verführung des Menschen: „Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse“ (Gen 3,15). Demnach besteht eine feindschaftliche Beziehung zwischen dem Teufel mit Seinesgleichen und der Frau, deren Kind ihn „am Kopf trifft“. Die Frau ist die jungfräuliche Mutter Jesu, des Erlösers. Sie heißt Mirjam in Hebräisch, Marjam in Aramäisch, Mariam in Altgriechisch und Maria in Latein. Im Neuen Testament wird sie 21 Mal erwähnt. Als Schwangere rief sie beim Besuch der schwangeren Mutter des Täufers Johannes aus: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48). In vorchristlicher Zeit hieß die Schwester von Aaron und Mose, der Jahwe die gleiche Bedeutung wie ihren Brüdern bei der Befreiung Israels zuwies, Mirjam (vgl. Ex 15,20; Mi 6,4).
Als der Engel Gabriel der Jungfrau Maria aus Nazaret mitteilte, sie habe bei Gott Gnade gefunden und werde durch die Herabkunft des Heiligen Geistes und die Überschattung mit der Kraft des Höchsten einen Sohn empfangen, dem sie den Namen „Jesus“ geben soll, dachte sie über die Bedeutung der Mitteilung des Engels nach und willigte ein, obwohl sie nicht wusste, wie die Schwangerschaft ohne Mann zu Stande kommt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne“ (Lk 1,34)? Als Hirten den neugeborenen Jesus in der Krippe in Betlehem aufsuchten und der 12-jährige Jesus bei einer Wallfahrt in Jerusalem im Tempel zurückblieb, bewahrte Maria das Erlebte in ihrem Herzen und dachte ebenfalls darüber nach, was der tiefere Sinn sein könnte (vgl. Lk 1,29; 2,16.19.51). Demnach kennzeichen Unterordnung unter den Willen Gottes und Nachdenklichkeit die Mutter Jesu.
Der Lobpreis der „Größe des Herrn“ (Lk 1,46-55) legt eine mit den Psalmen und anderen biblischen Texten vertraute und demütige Betende nahe („Ich bin die Magd des Herrn“), die den überheblichen Stolz der Mächtigen kennt und Partei ergreift für die Armen und Vernachlässigten. Auch Jesus kannte die Aufgeblasenheit der Herrschenden, wandte sich den Kleinen zu und ordnete sich dem Willen seines Vaters unter. Er redete und tat beim irdischen Aufenthalt stets das, was er von seinem Vater hörte und bei ihm sah. Sein Reden und Handeln entsprach dem Auftrag seines Vaters (vgl. Joh 14,31), auch als sein Schweiß durch das Wissen von den bevorstehenden Leiden bei der Geißelung und Kreuzigung sich mit dem Blut geplatzter Blutgefäße vermischte (vgl. Lk 22,44). Vor der Gefangennahme flehte er kniefällig: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ (Lk 22,42). Aus Gehorsam gegenüber seinem Vater und um der Erfüllung des von Propheten angekündigten Leidens des Messias willen ließ er sich seinen Gegnern ausliefern. Auch in tiefster Bedrängnis folgte er dem Willen seines Vaters, zumal er zuvor gelehrt hatte zu beten, der Wille des Vaters möge auf der Erde wie im Himmel geschehen (vgl. Mt 6,10).
Da Jesus „die Gebote seines Vaters hielt, blieb er in seiner Liebe“ (vgl. Joh 15,10). Er respektierte den Willen des Vaters, leistete ihm keinen Widerstand und bat die Jünger, sich über seinen Heimgang zum Vater zu freuen. Dabei teilte er ihnen mit: „Denn der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28). Jesus ist Gott, Mensch und Mittler zwischen Gott und den Menschen (vgl. 1 Tim 2,3). Wer seine Lebensführung nach seinem Liebesgebot ausrichtet, bleibt in seiner Liebe und erfährt seine Freude (vgl. Joh 15,11), vor allem im Himmel.
Jesus teilte vieles nicht mit, da die Zeit dafür noch nicht reif war: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen“ (Joh 16,12f). Jesus versprach, den göttlichen Beistand zu senden, der von dem nimmt, was er vom Vater und ihm hört, um den Menschen das Kommende zu verkünden. Der Heilige Geist „enthüllt das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes“ und führt das von Jesus Gesagte durch Aktualisierungen in die ganze Wahrheit (vgl. Joh 16,7.13-15). Dabei bedient er sich besonders der Mutter Jesu. Sie steht in Übereinstimmung mit dem Willen des himmlischen Vaters der Kirche Jesu zur Seite, um zwischen ihrem Sohn und den Menschen zu vermitteln und sie an die wichtigsten Aussagen der Lehre Jesu zu erinnern, zumal die Zuverlässigkeit der Evangelien teilweise eingeschränkt ist.
Das Interesse früher Christen für die Mutter Jesu zeigt sich unter anderem im damals verfassten „Jakobusevangelium“, das Stationen ihrer Biografie schildert, die in den Evangelien nicht erwähnt werden.
Zur Empfängnis Mariens wird mitgeteilt, ihre wegen der Kinderlosigkeit sehr betrübten Eltern Anna und Joachim hätten einen Sohn oder eine Tochter innig von Gott erfleht. Es erinnert an die Eltern von Isaak, Simson, Samuel und dem Täufer Johannes (vgl. Gen 18,10ff; Ri 13,2ff; 1 Sam 1,1ff; Lk 1,7ff), die wegen der Kinderlosigkeit sozial ausgegrenzt waren. Ein Engel des Herrn teilte Anna mit, Gott habe ihre Bitte erhört, sie werde empfangen und gebären, ihr Same werde in aller Welt genannt werden. Anna reagierte: „So wahr mein Gott lebt, wenn ich dann gebären werde, ob männlich oder weiblich, will ich es dem Herrn, meinem Gott, als Gabe darbringen, und es soll ihm alle Tage seines Lebens nach Priesterart dienen.“ Joachim erfährt ebenfalls von einem Engel des Herrn Anna werde schwanger.
Nach der Geburt fragt Anna die Hebamme nach dem Geschlecht des Kindes und erfährt, es sei ein Mädchen. Sie frohlockt: „Erhoben ist meine Seele an diesem Tag.“ Anlässlich des ersten Geburtstages Mariens veranstaltet Joachim ein großes Fest und lässt sie von den anwesenden Priestern und Hohepriestern segnen. Sie beten: „Gott in der Höhe! Blick herab auf dieses Kind und verleih ihm letzten endgültigen, vollkommenen Segen, auf den kein anderer, der ihn überbieten könnte, folgt!“ Beim Stillen betet Anna: „Ich will singen dem Herrn, meinem Gott. Denn er hat mich gnädig heimgesucht und hat von mir genommen den Schimpf meiner Feinde. Geschenkt hat mir der Herr eine Frucht seiner Gerechtigkeit, einzig in der Art und zugleich vielgestaltig vor ihm. Wer wird es den Söhnen Rubens melden, dass Anna zu stillen hat? Höret, höret ihr zwölf Stämme Israels, dass Anna zu stillen hat!“ Ruben hieß der älteste Sohn von Jakob und Lea, weshalb er „Erstgeborener Israels“ genannt wurde (vgl. Gen 29,32).
Zum Einlösen des Versprechens wird die dreijährige Maria von den Eltern zum Tempel gebracht, wo der Priester sie küsst, segnet, in Obhut nimmt und ausruft: „Groß gemacht hat der Herr deinen Namen unter allen Geschlechtern. An dir wird am Ende der Tage der Herr sein Lösegeld den Kindern Israels offenbaren.“ Sodann darf Maria sich auf die dritte Stufe des Alters setzen. Als der Herr Anmut auf sie legt, beginnt sie zu tanzen. Das ganze Haus Israel liebt die in den Tempel aufgenommene Maria.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, bemerkte Jesus (Joh 20,29). Doch die Zweifel der Apostel und Jünger an sein Weiterleben nach dem Sterben am Kreuz endeten erst, als sie ihn mit den Wunden sahen, er vor ihren Augen ein Stück gebratenen Fisch aß und er zu ihnen sagte: „Friede sei mit euch!“ (vgl. Lk 24,36ff). Maria aus Magdala glaubte an seine Auferstehung, weil sie Jesus am dritten Tag nach der Grablegung vor dem Grab stehen sah, er sie fragte, warum sie weine und wen sie suche, und er sie mit ihrem Namen ansprach. Frauen bezeugten, dass sie Jesus die Füße umfassten. Im den ältesten Handschriften des Epilogs im Markusevangelium glauben die klagenden und weinenden Apostel nicht an die Auferstehung Jesu, als Maria aus Magdala und die Zwei, denen Jesus unterwegs erschien, es ihnen berichten. Daher erscheint Jesus später den Elf selbst bei Tisch und tadelt ihren Unglauben und ihre Verstocktheit. Offenbar verlangte der Glaube der genannten frühen Christen, Jesus ais Auferstandenen sehen, hören und berühren zu dürfen (vgl. Joh 20,20.25; Mt 28,9; Mk 16,9-14).
Heute genügen vielen Christen nicht die Bibellektüre, der Gottesdienst, der Empfang der Sakramente und das Hören von Predigten. Ihren Glauben verstärken Berichte glaubwürdiger Personen von mystischen Visionen und Einsprechungen. Der Heilige Geist als von Jesus gesandter Beistand und Geist der Wahrheit vom Vater nimmt seit der Aufnahme Jesu in den Himmel dessen unterweisende Stelle auf der Erde ein, gibt über menschliche Werkzeuge das Erhaltene weiter und leitet zu einem Leben in voller Wahrheit an (vgl. Joh 14,17; 15,26; 16,7.13f).
Abgeschlossen wurde die Verkündigung Jesu bei Paulus (vgl. 2 Tim 4,17). Er wurde Christ durch eine mystische Intervention Jesu. Der „Knecht Johannes“ wurde im ersten Jahrhundert auf der Insel Patmos beauftragt, das von einer lauten Stimme Gehörte und das Gesehene aufzuschreiben („was ist und was danach geschehen wird“) und an sieben Gemeinden in Kleinasien zu senden. In einer Vision sah er mitten unter sieben goldenen Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah, und fiel vor dessen Füßen wie tot nieder. Dabei ergriff ihn der Geist (vgl. Offb 1,9f.12f.17). Der mystische Text schließt das Neue Testament ab.
Ein Christ darf nicht die freie Entscheidung Gottes antasten, sich jederzeit einigen seiner Kinder auf der Erde selbst oder über andere himmliche Personen in einer für sie verständlichen Sprache mitzuteilen. Mystische Spiritualität ist keine professionelle Theologie. Wer dies erwartet, wird ähnlich enttäuscht wie jene, die von den Evangelienschreibern Protokolle vom irdischen Aufenthalt Jesu verlangen. Die einfache und zum Teil sprachlich ungenaue Formulierung mystische Mitteilungen kann bei den „Klugen und Weisen“ Verwunderung oder Ablehnung hervorrufen, für die „Kleinen“ ist es die Sprache des Himmels, die sie verstehen. Doch Vorsicht! Alltagserfahrung Übersteigendes kann auch durch Drogen oder andere Manipulationen neuronaler Prozesse zu Stande kommen. Menschen können eigene Gedanken als mystische Botschaften deklarieren. Zudem ist der Widersacher Gottes ein genialer Schauspieler, der himmlische Personen imitieren und die Menschen täuschen und belügen kann. Häufig erwählt Gott Kinder, Jugendliche und demütige Erwachsene ohne finanzielles Interesse.
Wie die Erscheinungen des auferstandenen Jesus mit verschiedenem Aussehen eine stärkende Funktion für den Glauben früher Christen hatten, so entfalten auch die Visionen seiner Mutter eine den christlichen Glauben unterstützende Funktion bis heute. Im Jahr 40 erschien sie, umgeben von Licht und Engeln, dem Apostel Jakobus in Spanien, um ihm Mut beim Verkünden der Botschaft Jesu zuzusprechen und ihm zu versichern, dass sein Wirken viele Früchte tragen werde. Die Stätte der Vision in der Nähe von Saragossa wurde zum ersten christlichen Wallfahrtsort Spaniens mit der Basilika „Unsere liebe Frau von Pilar“, wo Menschen in verschiedenen Nöten durch die Fürbitte Mariens Hilfe von Gott erfuhren.
Dass Maria von Gott beauftragt ist, Machenschaften des Bösen zu beseitigen, zeigen etwa die Visionen von 1830 zu Paris. In der Nacht zum 19. Juli wurde Katharina Labouré, Novizin bei den Barmherzigen Schwestern in der Rue du Bac Nr. 140, von einem Engel mit dem Aussehen eines vier- oder fünfjährigen Kindes geweckt und bei Helligkeit in die Kapelle geführt. Dort hörte sie von oben das sanfte Rascheln eines Seidenkleides und sah die Heilige Jungfrau zu sich kommen. Sie erteilte Katharina auf einem Sessel sitzend Ratschläge und schilderte ihr die gefährliche Situation mit baldigem Blutvergießen in Frankreich. Dabei hatte sie Tränen in den Augen. Wenige Tage danach begann in Paris ein Aufstand, bei dem unter anderem der König vom Thron gestürzt, Priester misshandelt und verfolgt, Kirchen ausgeraubt und zerstört wurden. Die Barmherzigen Schwestern blieben verschont.
Am 27. November sieht Katharina Maria mit rosafarbenem Kleid auf einer Halbkugel mit den Füßen auf dem Kopf einer Schlange stehen. In den Händen hat sie eine Erdkugel und an den Fingern trägt sie Ringe mit überallhin ausstrahlenden Edelsteinen. Auf einem sie umgebenden ovalen Rahmen liest Katharina in goldenen Buchstaben: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“ Maria bittet Katharina, eine Medaille mit dieser Aufschrift anfertigen zu lassen, und verspricht: „Alle Menschen, welche die Medaille tragen, werden große Gnaden erlangen. Jene mit Vertrauen werden Gnaden in Überfülle zuteil.“ Sodann sieht Katharina die zweite Seite der Medaille: ein großes M, das von einem Kreuz überragt wird, das Herz Jesu mit Dornenkrone und das Herz Mariens mit einem in ihm steckenden Schwert. Es verweist auf Simeon, der bei der Weihe des Säuglings Jesus im Tempel zu Jerusalem seiner Mutter prophezeite, ein „Schwert werde ihr durch die Seele dringen“ (vgl. Lk 2,35). Es bewahrheitete sich. Maria litt physisch, psychisch und mental beim Anblick ihres leidenden und sterbenden Sohnes unaussprechliche Schmerzen.
Die Vision der auf dem Kopf einer Schlange stehenden Maria erinnert an die Verfluchung des Verführers der Menschen durch Gott in der Erzählung vom Garten Eden und die Feindschaft zwischen dem Verführer nebst seinen Nachkommen und der Frau nebst ihren Nachkommen, die ihn „am Kopf treffen“ (vgl. Gen 3,14f). Die „ohne Sünde empfangene Maria“ bezieht sich auf den Fall des Menschen im Garten Eden, von dessen Auswirkungen Maria verschont blieb. Die übrigen Menschen verloren laut Text die intime Nähe zu Gott, die Frauen erleiden viel Mühsal, gebären die Kinder unter Schmerzen und „verlangen“ nach ihrem Mann (vgl. Gen 3,16). Maria ist davon befreit, sie ist laut Anrede des Engels Gabriel die von Gott „Begnadete“ (vgl. Lk 1,28.30).
Da Gott Maria als Mutter für die Menschwerdung seines göttlichen Sohnes erwählte, schenkte er ihr im Unterschied zu allen anderen Menschen eine Seele ohne die Neigung zur Sünde. Die von Gott bei ihrer Empfängnis erhaltene Seelenreinheit hat Maria zeitlebens bewahrt, da sie stets nach dem Willen Gottes redete und handelte. Die Katholische Kirche bezeichnet dies die „Unbefleckte Empfängnis Mariens“ und spricht von der „Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ oder kurz von der „Ohne Sünde Empfangenen“. Papst Pius IX. verkündete offiziell am 8. Dezember 1854: „Maria, die Mutter Jesu Christi, ist unbefleckt und makellos, die einzige ohne Erbsünde empfangene Jungfrau.“
Nach einigen Widerständen wurde die von Maria erbetene Medaille angefertigt und verteilt. Durch Kontakt mit der Medaille wurden an Cholera Erkrankte und Sterbende gesund, Kritiker der Religion offen für Gott. Innerhalb von zehn Jahren waren 100 Millionen Exemplare der Medaille in Kupfer, Silber oder Gold in Frankreich und anderen Ländern verbreitet.
Maria bestätigte die Korrektheit des Dogmas ihrer „unbefleckten Empfängnis“ dem Mädchen Bernadette Soubirous aus Lourdes. Am 25. März 1858 teilte sie ihm in der Mundart der Region als Hinweis auf die Echtheit ihrer Visionen mit: „Què soy era Immaculada Councepciou“ („Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“). Als Bernadette zum Pfarrer geführt wurde, um den geheimnisvollen Satz zu wiederholen, den sie noch nie gehört hatte und nicht verstand, war er zutiefst erschüttert, erklärte ihr die Bedeutung und glaubte an die Echtheit der Visionen.
Den Kindern Jacinta (7), Francisco (8) und Lucia (10) zeigte Maria sich am 13. Mai 1917 in Fatima in Portugal beim Hüten der Schafe. Sie bat die Drei, in den folgenden Monaten bis Oktober jeweils am 13. zur gleichen Stunde an die gleiche Stelle am Abhang der Cova da Iria zu kommen. Laut Lucia stand sie in Weiß gekleidet über einer Steineiche und verbreitete ein noch helleres Licht als die stärksten Sonnenstrahlen. Als sie die Hände öffnete, drang ein so starkes Licht in die Seele der Kinder, dass sie sich im Lichte Gottes erkannten, viel klarer als sie sich im besten Spiegel sehen konnten. Voll Ehrfurcht fielen sie auf die Knie und beteten in Liebe den Dreieinen Gott an.
Gefragt, woher sie komme, antwortete die Dame: „Ich bin vom Himmel.“ Um anzudeuten, sie erscheine im Auftrag Gottes, stand sie auf einer Wolke – sichtbares Zeichen für den anwesenden Gott Vater bei der Verklärung Jesu auf einem Berg (vgl. Lk 9,34f) und für die Anwesenheit Gottes im „Haus des Herrn“ mit der Bundeslade (vgl. 1 Kön 8,9ff). Demnach sendet Gott Maria zu den Menschen, um ihnen in den Nöten beizustehen. Bei den Visionen spricht sie die Sprache der menschlichen Werkzeuge.
Gemäß Erinnerung Lucias von 1941 zeigte die „Dame über der Steineiche“ am 13. Juli einen Augenblick die Hölle „als ein Feuermeer mit widerlichen Teufeln und vor Schmerz und Verzweiflung schreienden Seelen“, um den Kindern optisch zu veranschaulichen, weshalb sie beten und Opfer bringen sollten. Da Maria ihre Brüder und Schwestern mehr als die beste irdische Mutter liebt, möchte sie die Menschen vor der Hölle bewahren. Damit die Kinder beim Anblick der Hölle nicht starben, versprach Maria ihnen zuvor den Himmel. Danach teilte sie ihnen eine wichtige Botschaft mit. Die Vision der Hölle und die folgende Botschaft sind die zwei ersten Teile des dreiteiligen Anliegens Mariens. Sinngemäß lautet die Botschaft:
Um die Menschen vor der Hölle zu bewahren, wünscht Maria im Auftrag Gottes die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen. Wird ihre Bitte erfüllt, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg nähert sich seinem Ende. Wenn Gott weiter beleidigt wird, beginnt unter Papst Pius XI. ein noch schlimmerer Krieg. Eine durch ein unbekanntes Licht erhellte Nacht ist das große Zeichen Gottes, dass die Menschen wegen ihrer Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Papstes bestraft werden. Um es zu verhindern, bittet sie um die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen im Monat. Bei Erfüllung der Bitte wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Ansonsten wird es Irrlehren über die Erde verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden, und der Papst hat viel zu leiden. Verschiedene Nationen werden vernichtet werden. Am Ende wird ihr Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Papst wird ihr Russland weihen, das sich bekehren wird. Den Menschen wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.
Die drei Kinder konnten weder lesen noch schreiben und meinten, „Rússia“ sei der Name einer Frau, für die sie beten sollen. Hier historische Fakten zur damaligen Situation in Russland mit Bezug zur Botschaft: Februarevolutuion in Russland, Abdankung des Zaren und Erschießung seiner Famile ein Jahr danach, Lenins Rückkehr aus dem Exil, Petersburger Juli-Aufstand, Flucht Lenins nach Finnland, Oktoberrevolution; Papst war Benedikt XV. Der Erste Weltkrieg endete am 11. November 1918. Auf Benedikt XV. folgte Pius XI. von 1922 bis 10. Februar 1939. Beim „Russischen Bürgerkrieg“ starben ungefähr acht bis 13 Millionen und danach bei den „Säuberungen“ unter Stalin nochmals Millionen Menschen.
Zum „großen Zeichen“ liegen zwei nächtliche Ereignisse vor: Zunächst erhellte laut Wetterstationen am 25. Januar 1938 ein Nordlicht den Nachthimmel wie einen tiefroten und violetten Glutherd bis nach Griechenland. Am 12./13. März 1938 ließ Hitler Österreich besetzen und verkündete anschließend Österreichs Anschluss ans Deutsche Reich, was nach geltendem Völkerrecht eine Kriegshandlung war.
Laut Wetterstationen erhellte am 25. Januar 1938 ein Nordlicht den Nachthimmel wie einen tiefroten und violetten Glutherd bis nach Griechenland. Am 12./13. März 1938 ließ Hitler Österreich besetzen und verkündete danach den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich, was nach geltendem Völkerrecht eine Kriegshandlung war.
Am 23. August 1939 schrieb Der Völkische Beobachter: „Am Dienstag morgen (22.8.) wurde von 2.45 Uhr an auf der Sternwarte Sonneberg am nordwestlichen und nördlichen Himmel ein sehr großes Nordlicht beobachtet.“ Albert Speer, Hitlers Architekt und späterer Rüstungsminister, berichtete dazu in seinen Erinnerungen (Ffm 1969): „Etwa Anfang August 1939 fuhren wir, ein unbeschwerter Kreis, mit Hitler zum Teehaus auf den Kehlstein. (…) Während wir die fünfzig Meter emporfuhren, meinte Hitler unvermittelt, wie in ein Selbstgespräch vertieft: ‚Vielleicht ereignet sich bald etwas ganz Großes. Selbst wenn ich Göring hinschicken müsste… Notfalls würde ich aber auch selbst fahren. Ich setze alles auf diese Karte.’ Bei dieser Andeutung blieb es.“
Speer schreibt weiter: „Knapp drei Wochen später hörten wir, dass der deutsche Außenminister in Moskau verhandelte. Während des Abendessens wurde Hitler ein Zettel gereicht. Er überflog ihn, starrte hochrot werdend einen Augenblick vor sich hin, schlug auf den Tisch, dass die Gläser klirrten, und rief mit überkippender Stimme: ‚Ich hab` sie! Ich hab` sie!“
Der Zettel war ein Telegramm Stalins an den Reichskanzler Hitler zum Nichtangriffspakt mit Russland. Speer dazu: „Das war die überraschendste, erregendste Wendung, die ich mir vorstellen konnte, ein Telegramm, das die beiden Namen Stalin und Hitler freundschaftlich auf einem Stück Papier vereinte.“ Nach der Pressekonkonferenz berichtete Goebbels mit fiebrig glänzenden Augen, die Sensation sei nicht zu überbieten gewesen. Ein englischer Pressevertreter habe resigniert gemeint, als draußen gleichzeitig die Kirchenglocken läuteten: „Das ist das Grabgeläut des britischen Empires.“ Speer zufolge machte diese Bemerkung den weitaus stärksten Eindruck auf den euphorischen Hitler dieses Abends: „Nun glaubte er, dass er hoch genug stehe, dass ihm das Schicksal nun nichts mehr anhaben könne.“
Es folgt die Reaktion Hitlers auf das Zeichen am Himmel, die Speer von Hitlers Adjutant von Below, zuständig für die Luftwaffe, erfuhr: „In der Nacht standen wir mit Hitler auf der Terrasse des Berghofes und bestaunten ein seltsames Naturschauspiel. Ein überaus starkes Polarlicht überflutete den gegenüberliegenden, sagenumwobenen Untersberg für eine lange Stunde mit rotem Licht, während der Himmel darüber in den verschiedensten Regenbogenfarben spielte. Der Schlussakt der Götterdämmerung hätte nicht effektvoller inszeniert werden können. Gesichter und Hände eines jeden von uns waren unnatürlich rot gefärbt. Das Schauspiel rief eine eigentümlich nachdenkliche Stimmung hervor. Unvermittelt sagte Hitler, zu einem seiner militärischen Adjutanten gewandt: ‚Das sieht nach viel Blut aus. Dieses Mal wird es nicht ohne Gewalt abgehen.’“
Weitere zur Prophetie von Fatima passende Geschehnisse: Am 1. September 1939 (ein Herz-Jesu-Freitag) war der Überfall auf Polen und am 22. Juni 1941 (Herz-Jesu-Fest) auf Russland. Portugal blieb vom Zweiten Weltkrieg verschont. Bei der Nationalwallfahrt am 13. Mai 1931 weihte Kardinal Cerejevia von Lissabon mit allen Bischöfen Portugals das Land dem Unbefleckten Herzen Mariens. Er bezeugte am 29. Juni 1956 im portugiesischen Rundfunk: „Man kann nicht daran zweifeln, dass es die Fürbitte des Unbefleckten Herzens Unserer Lieben Frau von Fatima war, dass es der Vorsehung des Herrn gefallen hat, uns vor dem Krieg zu bewahren, für den die Invasionstruppen entlang der französisch-spanischen Grenze bereitstanden.“ Er fügte hinzu, in zwei Dokumenten Lucias sei die wunderbare Beschirmung versprochen worden.
Die erste Weltweihe vollzog Papst Pius XII. am 31. Oktober 1942 bei einer Rundfunkansprache an die Portugiesen. Feierliche wiederholte er sie am 8. Dezember 1942 im Peterdom ohne die globale Beteiligung der Bischöfe, worum Lucia ihn 1940 in einem Schreiben bat. Am 4. November 1942 endete die zweite Schlacht von El Alamein in Ägypten mit dem Sieg der Alliierten. Dazu eine Bemerkung von Winston Churchill: „Man könnte fast sagen, dass wir vor Alamein nie einen Sieg und nach Alamein nie eine Niederlage hatten.“ Der Anfang vom Ende des Dritten Reichs war die Kapitulation der 6. Armee der Wehrmacht beim Kampf um Stalingrad am 2. Februar 1943 (Fest der Darstellung Jesu im Tempel). Der Afrikafeldzug endete mit der Kapitulation der Heeresgruppe Afrika am 13. Mai 1943 (Jahrestag der ersten Vision Mariens in Fatima). 130.000 deutsche und 120.000 italienische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft.
Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Italien und den Alliierten Großbritanien und USA wurde am 8. September 1943 (Fest der Geburt Mariens) bekanntgegeben. Ab dem 15. August 1944 (Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel) landeten die Alliierten in Südfrankreich, um Hitlers Truppen zu vertreiben. Die bedingungslose Kapitulation durch Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen der Nazi-Wehrmacht und damit das Kriegsende in Europa erfolgte am 8. Mai 1945. Großstädte lagen in Schutt und Asche; 60 Millionen Menschen waren gestorben, unzählige obdachlos, auf der Flucht oder in Gefangenschaft. Es ist der Gedenktag der Visionen des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano im fünften Jahrhundert. Michael wurde nach der Schlacht auf dem Lechfeld von 955 zum Schutzpatron des Ostfrankenreichs und später von Deutschland erklärt. Japan kapitulierte am 15. August 1945 (Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel).
Gegen alle Widerstände der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei unternahm Papst Johannes Paul II. am 2. Juni 1979 eine neuntägige Pilgerreise in seine Heimat. Zu Beginn in Warschau betete er am Vorabend von Pfingsten „aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts“ um die Herabkunft des Heiligen Geistes: „Sende aus deinen Geist! Sende aus deinen Geist! Und erneuere das Angesicht der Erde! Dieser Erde!“
Für das Wort „Erde“ verwendete er den Ausdruck „ziemia“, das im Polnischen auch „Boden“ und „Land“ und im übertragenen Sinn „Nation“ bedeutet. Mieczyslaw Rakowski, 1988/89 im realsozialistischen Polen vorletzter Ministerpräsident, sah dem Abschluss-Gottesdienst des Papstes in Krakau vom Hotelzimmer hinter einer Gardine zu und gestand später: „Ich begriff plötzlich, wie sehr diese Millionen Hunger nach einer neuen Sprache hatten. Bis dahin gab es ja nur Parteijargon. Die Parolen kannten sie auswendig. Die waren oft ohne Bezug zum Alltag der Menschen. Und plötzlich erscheint da einer, der eine völlig andere Sprache gebraucht, ohne leere Parolen. Was er sagt, bedeutet Hoffnung auf ein besseres Leben.“
Am 25. März 1984 weihte Papst Johannes Paul II. mit katholischen Bischöfen die Menschheit unter sinngemäßer Nennung Russlands dem Unbefleckten Herzen Mariens, worum sie am 13. Juli 1917 in Fatima bat: „In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.“ Vor der aus Fatima nach Rom gebrachten Statue kniete er und vertraute die Welt dem mütterlichen Herzens Mariens an. Das Weihegebet endet: „Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen wandle! In deinem Unbeflekten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“
Am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, gedenkt die Katholische Kirche der Verkündigung der Empfängnis Jesu durch den Engel Gabriel. Er teilte Maria mit, sie werde durch den Heiligen Geist schwanger, das Kind sei der Sohn Gottes und seine Herrschaft werde kein Ende haben. Im Kreml feierte der slowakische Bischof Paul Hnilica am 25. März 1984 im Geheimen einen Gottesdienst mit einer Tablettendose als Kelch und in einer Prawda versteckten Messtext-Kopien. Das Transitvisum stellte ihm die sowjetische Botschaft in Indien aus. Beim Gottesdienst vollzog er in Einheit mit dem Papst vor Ort die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Nach den beiden Weihen traten bedeutsame Ereignisse ein.
Zuerst brach am 13. Mai 1984 (Jahrestag der ersten Vision in Fatima und des Attentats auf Papst Johannes Paul II. von 1981) ein 5-tägiges Feuer im Militärlager von Seweromorsk bei Murmansk aus, bei dem Hunderte Raketen detonierten. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Friedensgebet beim Weiheakt und der Detonation der Raketen in Folge fehlerhaften Verhaltens von Menschen bestand, weiß kein Mensch. Auffallend ist die zeitliche Nähe der zwei Ereignisse. So auch bei einem weiter zurückliegenden Geschehen:
Während der in Ost und West aufgeheizten Ära von Ministerpräsident Nikita Chruschtschow rief João Pereira Venâncio, für Fatima zuständiger Bischof von Leiria, die Bischöfe der Katholischen Kirche in einem von Papst Johannes XXIII. ermächtigten Schreiben zu einem Gebetstag im Geist der Botschaft von Fatima am 13. Oktober 1960 auf. Zur Bekräftigung seines Anliegens besuchte der Bischof in Deutschland den Eucharistischen Weltkongress in München, die Gnaden-Kapelle in Altötting, die Fatima-Kapelle in Wiebelskirchen und die Kirche „Maria Königin“ in Saarbrücken. Am Gebetstag waren in Fatima Tausende Pilger bei regnerisch-stürmischem Wetter unterwegs und verbrachten die Nacht im Gebet. Elf Tage danach ereignete sich die Neledin-Katastrophe beim Start der ersten, neu entwickelten Interkontinentalrakete R-16 in Baikonur, bei der mindestens 126 Personen starben. Von Mitrofan Nedelin, dem Verantwortlichen, lagen nach der Explosion nur noch Teile seiner Uniform und seines Ordens „Held der Sowjetunion“ vor.
Zum Attentat bemerkte der Papst ein halbes Jahr danach: „Eine Hand hat die Kugel gefeuert, eine andere hat sie gelenkt.“ Zum Dank für sein Überleben ließ er eine der Kugeln, von denen eine die Aorta nur wenige Millimeter verfehlte und eine andere die Wirbelsäule nicht durchschlug, in die Krone zwischen den Edelsteinen der Original-Statue Mariens in Fatima einfügen und unternahm er am 13. Mai 1982 eine Wallfahrt nach Fatima. Maria bestätigte es am gleichen Tag in Medjugorje, worauf noch eingegangen wird: „Seine Feinde wollten ihn töten, aber ich habe ihn beschützt.“ Der Attentäter Ali Agca fragte den Papst, als er ihn am 27. Dezember 1983 im Gefängnis von Rebibbia besuchte: „Warum sind Sie nicht tot? Ich weiß, dass ich genau gezielt habe.“ Und: „Ich weiß, dass die Kugel verheerend und tödlich war.“ Als der Papst ihm verzieh, fragte Ali: „Was ist das, was man Fatima nennt?“ Er war überzeugt, dass nur ein Wunder den Papst gerettet hat.
Am 10. März 1985 starb der schwer erkrankte Konstantin Tschernenko, Generalsekretär der KPdSU. Einen Tag danach wurde Michail Gorbatschow zum Nachfolger gewählt und leitete sein Reformwerk ein. Dabei endete die seit seiner Kindheit bestehende Stalin-Euphorie, als er die Jahrzehnte lang abgearbeiteten Erschießungs-Kommandos sah, auf denen die Namen von 100 oder sogar 200 Menschen aufgelistetet waren. Seine Erschütterung betraf die menschlichen Abgründe und die Partei. Er kommentierte es: „Das Wichtigste ist das menschliche Leben. Und es wird sich zeigen, wie wir es genutzt haben und wie es uns benutzt hat.“
Beim Abkommen beider Großmächte über den Verzicht und Abbau atomarer Mittelstreckenraketen in Washington am 8. Dezember 1987 sprach Gorbatschow von einer „neuen Ära der Vernunft“. Um als Sportlerin die geografische Verbundenheit der Staaten der NATO und des Warschauer Paktes zu demonstrieren, schwamm die US-Amerikanerin Lynne Cox vier Monate zuvor im 4 Grad kalten Wasser von der zu Alaska gehörenden Insel Little Diomede zur 4,35 Kilometer entfernten Insel Big Diomede der Sowjetunion, wo sie als Heldin gefeiert wurde. Gorbatschow und Reagan beglückwünschten sie später in Washington. Bei der Umsetzung des Abkommens wurden knapp 2.700 Raketen bis Mai 1991 demontiert. Die Katholische Kirche feiert am 8. Dezember, neun Monate vor dem Fest der Geburt Mariens, die „Unbefleckte Empfängnis Mariens“.
Am 13. Oktober 1989, Jahrestag der letzten Vision in Fatima, wurde nach 72-jähriger Unterbrechung ein Gottesdienst in der ehemaligen „Mariä-Entschlafen-Kathedrale“ im Kreml gefeiert. Gorbatschow besuchte mit seiner ohne Schleier rot gekleideten Gattin Raissa den Papst am 1. Dezember 1989. Nach der eineinhalbstündigen Unterredung fragte der Papst den Gast, ob er Raissa begrüßen dürfe. Mit Einwilligung Gorbatschows ging er beherzt auf die regungslos an der Tür des Arbeitszimmers Stehende zu und strich ihr, was er sonst bei keiner Präsidentengattin tat, sanft über die Wange. Die Drei spürten eine Zuneigung, die ihre swlawische Herkunft begünstigte.
Danach hatten der Papst und der Präsident einen intensiven Briefwechsel mit einem Gefühl der Sympathie und des gegenseitigen Verständnisses. In einem von der italienischen Zeitung La Stampa am 3. März 1992 veröffentlichten Artikel bezeugte Gorbatschow: „Heute können wir sagen: Was im Osten Europas in den letzten Jahren geschehen ist, wäre ohne diesen Papst unmöglich gewesen, ohne die große Rolle, die er auch im politischen Bereich in der Weltszene gespielt hat.“ Die zwei Männer arbeiteten zusammen bei der „Anstrengung, einen Beitrag zu leisten zur Schaffung einer neuen Weltzivilisation“. Um den Respekt der UdSSR gegenüber dem Papst zum Ausdruck zu bringen, nahm Gennadij Gerassimov als sowjetischer Botschafter in Portugal und ehemaliger Kreml-Sprecher am 13. Mai 1991 am Gottesdienst des Papstes in Fatima teil und brachte in einem Interview die Überzeugung zum Ausdruck, zwischen den Prophezeiungen in Fatima und der Perestroika bestünde eine Verbindung.
Eine Zäsur war der Putsch in St. Petersburg und Moskau zum Sturze Gorbatschows. Er ereignete sich am 19. August 1991. An diesem Tag fand 1917 die vierte Vision Mariens in Fatima statt, weil die Kinder am 13. August entführt und eingekerkert wurden. Der Putsch endete am 22. August, dem Gedenktag „Maria Königin“. Als am 13. Oktober 1991 Erzbischof Kondrusiewicz aus Moskau in Fatima mit dem dortigen Bischof um den Segen und Schutz Mariens für Russland bat, wurde das religiöse Geschehen per Satellit nach Moskau übertragen und als Live-Sendung in den meisten Republiken der UdSSR ausgestrahlt. Erneut war es im Fernsehen am 7. November 1991 zu sehen. Die Feier auf dem Roten Platz in Moskau zum Jahrestag der Oktoberrevolution fiel aus. Am 8. Dezember 1991 gaben die drei Präsidenten der GUS in Minsk die Erklärung ab, die Kommunistische Partei werde ab dem heutigen Tag verboten und die UdSSR sei offiziell aufgehoben.
Lucia äußerte 1992 über Gorbatschow: „Dieser Mann in Russland war unwissend ein Instrument Gottes im Rahmen dieser Bekehrung.“ Der Papst bemerkte 1992 zu einem Zeitungsartikel Gorbatschows, den er vor der Veröffentlichung in Russisch erhielt: „Es ist wahr, zwischen uns gab es einen instinktiven Kontakt, als wenn wir uns schon seit Jahren gekannt hätten. Ich weiß auch warum: Unsere Begegnung war von der Vorsehung vorbereitet“. Und: „Ich glaube, er ist ein Mann von Prinzipien, geistig sehr reich. Ein charismatischer Mensch, der ohne Zweifel einen entscheidenden Einfluss auf die Ereignisse im Osten Europas hatte. Er erklärt sich nicht als Gläubiger, aber mit mir – daran erinnere ich mich – sprach er über die Bedeutung des Gebetes, der inneren Dimension des Menschen.“ Er fügte hinzu: „Es gab nicht nur eine kommunistische Krise, es gab auch eine Perestroika. Und Perestroika heißt auch ‚Bekehrung’.“ Die koreanischen Bischöfe wies der Papst 1990 bei der Synode darauf hin, das Wunder der Befreiung Polens vom Kommunismus sei nicht ihm zu verdanken, sondern das Werk Mariens, wie sie es in Fatima und Medjugorje bezeuge.
1993 betete am 27. Januar Arpad Goncz, Staatspräsident von Ungarn, in der Kapelle in Fatima, bedankte sich für die religiöse Freiheit nach 40-jähriger Unterdrückung und sagte, er sei von einer Verbindung zwischen Fatima und dem Untergang des Kommunismus in den Ländern Osteuropas überzeugt. Der beim friedlichen Arbeiteraufstand in Danzig beteiligte und spätere polnische Staatspräsident Lech Walesa betete am 13. Mai in der Kapelle in Fatima einen Teil des Rosenkranzes für den Frieden vor. Ein halbes Jahr vorher unternahm Corazon Aquino als erste Auslandsreise nach der Übergabe der Regierung auf den Philippinen eine Wallfahrt nach Fatima, um sich für das Überleben der Attentats- und Putschversuche zu bedanken. Als Zeichen des Dankes für die Befreiung Osteuropas wurde ein Stück der Berliner Mauer dem Wallfahrtsort gespendet und am 13. August 1994 aufgestellt. Seither wird jedes Jahr in der Nacht zum 13. August in Fatima der Rosenkranz gebetet, um an den Fall der Mauer zu erinnern und für die wiedererlangte Freiheit zu danken.
Der dritte Teil des Anliegens Mariens, das so genannte „Geheimnis von Fatima“, wurde 1944 von Lucia verfasst und 2000 mit einem Kommentar von Kardinal Joseph Ratzinger veröffentlicht. Er bemerkte: „Keine großen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen.“ In dem Bericht Lucias würden in einer schwer deutbaren Bildersprache ein steiler Berg, auf den Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen hinaufsteigen, ein großes Kreuz aus rohen Stämmen auf dem Gipfel und eine halb zerstörte große Stadt genannt. Ein weiß gekleideter Bischof sei halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, durch die Stadt gegangen und habe für die Leichen gebetet, denen er auf dem Weg begegnete, bevor er den Gipfel erreichte. Das Weitere mit den Worten Lucias: „Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großes Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.“
Joseph Ratzinger zufolge beschreibt die Vision den Weg der Kirche in einer Zeit der Gewalt, Zerstörung und Verfolgung. Sie zeige das 20. Jahrhundert als ein Jahrhundert der Leiden, der Märtyrer, der Weltkriege und vieler lokaler Kriege. Zu beachten sei: „Der Sinn der Schauung ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen. Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren.“ Er erinnerte sich an ein persönliches Gespräch mit Schwester Lucia, bei dem sie ihm gesagt habe, es werde ihr immer mehr deutlich, es sei das Ziel der Erscheinungen gewesen, sich mehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben – alles andere sei nur Hinführung dazu.
Offenbar zeigen die Bilder nicht nur Leiden im 20. Jahrhundert. Das Blut getöteter Menschen tränkt die Erde bis heute. Offen ist unter anderem, ob verschiedene Nationen vernichtet werden, der Triumpf des Unbefleckten Herzens Mariens eintreffen und eine Zeit des Friedens geschenkt wird. Dafür wird täglich in Fatima in der am 13. Oktober 2007 dem Dreieinen Gott geweihten Wallfahrtsbasilika mit bis zu 9.000 Sitzplätzen gebetet.
Am 13. Juni 1917 bat Lucia die Dame, die Drei in den Himmel mitzunehmen. Sie entgegnete, Jacinta und Francisco werde sie bald holen. Lucia werde aber noch einige Zeit auf der Erde bleiben, da Jesus sich ihrer bedienen will, damit die Menschen sie kennen und lieben lernen. Denen, die ihr Unbeflecktes Herz verehren, versprach sie das Heil. Gott werde sie lieben wie Blumen, die sie vor seinen Thron bringt. Fancisco starb 1919, Jacinta 1920, Lucia wurde Ordensschwester und starb am 13. Februar 2005 im Alter von 97 Jahren.
Gott hatte einen verschiedenen Plan mit den drei Kindern, was sich bei ihrer mystischen Vorbereitung von 1915/16 widerspiegelte. Damals sahen die Kinder dreimal einen Engel, der sich als „der Engel des Friedens“ bezeichnete und den sie strahlender als einen Kristall im Sonnenlicht beschrieben. Er versprach ihnen den Schutz Portugals und bat sie, die furchtbaren Beleidigungen Gottes durch Gebete und Opfer wieder gutzumachen. Bei seiner dritten Begegnung ließ er eine Hostie, aus der Blut in einen Kelch tropfte, in der Luft schweben, kniete sich nieder, betete den Dreieinen Gott in tiefer Ehrfurcht an und bat ihn, die Beleidigungen zu verzeihen und die Einsicht der Betroffenen zu erhellen. Danach erhob er sich, ließ Francisco und Jacinta den Inhalt des Kelches trinken und reichte Lucia die Hostie.
Die Kinder spürten eine Kraft des Übernatürlichen, die sie umhüllte, und wiederholten kniend das Gebet des Engels. 25 Jahre später charakterisierte Lucia ihre Reaktionen auf den Empfang der Kommunion: „Die Kraft der Gegenwart Gottes war so intensiv, dass sie uns fast gänzlich fesselte und vernichtete. Sie schien uns längere Zeit selbst des Gebrauches unserer körperlichen Sinne zu berauben. In diesen Tagen erledigten wir unsere Arteiten gleichsam getragen von demselben übernatürlichen Wesen, das uns dazu bewegte. Der Friede und das Glück, das wir fühlten, waren sehr groß, aber rein innerlich, und richteten die Seele völlig auf Gott. Auch die körperliche Entkräftung, die uns niederwarf, war sehr groß.“
Abermillionen Menschen aus den meisten Ländern der Erde haben den Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina mit einem vom Papst beauftragten Visitator besucht, an dem vier weibliche und zwei männliche Personen bezeugen, Maria würde sich ihnen seit 24. Juni 1981 mit individuell verschiedener Häufigkeit im ekstatischen Zustand zeigen und mit ihnen in der Landessprache sprechen. Bei einem innigen Anliegen bete sie in ihrer Muttersprache. Über 600 im Pfarrbüro aufbewahrte Berichte dokumentieren spontane Heilungen durch die Fürbitte Mariens, darunter Krebserkrankungen und fortgeschrittene Multiple Sklerose. Oft trat die vollständige und bestehende Genesung beim Gebet für andere ein. Am täglichen Gottesdienst nahmen von 1986 bis 2024 über eine Million Priester teil.
Kein mystisches Ereignis wurde mit größerer Sorgfalt, von mehr und kompetenteren Fachpersonen der Psychologie und Medizin mit zuverlässigeren Methoden untersucht als die Visionen in Medjugorje. Genannt seien die drei Testreihen eines Teams französischer Ärzte aus Montpellier unter Leitung von Henri Joyeux, bei denen unter anderem 1984 festgestellt wurde, dass während der Ekstase die auditiven und visuellen Umgebungsreize nicht bis zur Großhirnrinde weitergeleitet wurden, laute Geräusche von 90 Dezibel keine Reaktion hervorriefen, der Lidschlagreflex bei Blendung ausblieb und die Bewegungen der Augäpfel zu Beginn und am Ende der Ekstase innerhalb einer fünftel Sekunde gleichzeitig bei zwei Jugendlichen aufhörten und wieder einsetzten, sowie die spätere Studie mit Andreas Resch vom Institut für Grenzwissenschaften in Innsbruck, zwei Medizinern des Instituts für veränderte Bewusstseinszustände in Mailand, zwölf weiteren Ärzten und zwei Psychologen. Ivan Dugandzic von der Theologischen Fakultät der Universität Zagreb resümierte beim Abendgottesdienst mit 252 Priestern am 24. Juni 2006: „Nach gründlichen und wiederholten medizinischen Untersuchungen des körperlichen und seelischen Zustandes der sechs Jugendlichen kann heute niemand mehr ihre körperliche und seelische Integrität bezweifeln und die Ehrlichkeit ihrer Worte.“
Pfarrer zu Beginn der Visionen war der Franziskaner Jozo Zovko. Er kannte die Kinder nicht und war zunächst sehr skeptisch. Er dachte, es wäre eine Manipulation jugoslawischer Kommunisten, da er auf ihre Initiative versetzt wurde. Der Wendepunkt in der Einstellung trat nach wenigen Tagen ein. Beim Verlassen der Kirche hörte er aus Richtung der Marienstatue: „Geh hinaus und beschütze die Kinder!“ Draußen liefen die Kinder ihm entgegen und riefen: „Bitte versteck uns, die Polizei will uns festnehmen!“ Pater Jozo nahm sie in sein Zimmer und verließ das Pfarramt. Da näherte sich ein Polizist mit Schlagstock und fragte, ob er die Kinder gesehen habe. Durch sein „Ja, sie sind vorbeigelaufen“ bewahrte er sie vor dem Zugriff der Miliz, die ihnen das öffentliche Auftreten verbieten wollte. Danach fanden die Visionen in der Kirche statt.
Als Pater Jozo an der Echtheit der Visionen festhielt, wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der zuständige Bischof von Mostar gestand ihm nach mehrstündigem Gespräch mit der Geheimpolizei: „Ich kann nicht für Medjugorje ins Gefängnis gehen.“ Zwölf Priester vom Vatikan besuchten den Bischof und teilten ihm mit, er werde versetzt, wenn er die Vorgänge in Medjugorje begleiten würde. Sein Nachfolger lehnte die Visionen ab und verbot den Franziskanern, das Sakrament der Beichte in Medjugorje zu spenden.
Ein Indiz für die Echtheit der Visionen ist der Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Zu Beginn der Visionen herrschte Frieden. Am dritten Tag bat Maria die Menschen, sich mit Gott zu versöhnen. Weinend vor einem Kreuz stehend sagte sie wiederholt: „Friede, Friede, Friede und nur Friede!“ Zweimal flehte sie: „Zwischen Gott und Mensch soll wieder Friede herrschen. Der Friede soll unter den Menschen sein!“ Exakt zehn Jahre danach begann am 26. Juni 1991 der Slowenienkrieg, nachdem tags zuvor Kroatien und Slowenien sich unabhängig erklärt hatten. Es folgte der Jugoslawienkrieg. Nun wurde erkannt, dass Maria als Ausweg die Friedensbotschaft ihres Sohnes angeboten hatte. Angesichts der drohenden Gefahr weihten die Bischöfe Sloweniens ihr Land und die Diözesen Maria mit der Bitte um ihren Schutz. Daraufhin verlief der 10-Tage-Krieg in Slowenien relativ unblutig, und die Jugoslawische Volksarmee verließ das Land am 7. Juli 1991.
Beim Golfkrieg erklärte Maria: „Wenn Krieg kommt, geschieht es, da der Krieg schon in den Herzen ist. Der innere Krieg kommt dann nur nach außen. Wenn ihr aber Frieden im Herzen habt, hört auch der äußere Krieg auf.“ Maria will der Menschheit den Frieden vermitteln, den Gott schenkt. Daher hat sie sich in Medjugorje als die „Königin des Friedens“ vorgestellt.
Das Befinden vor und bei den Visionen charakterisierte Mirjana: „Bei ihrem Kommen spüre ich eine so starke Emotion, dass ich weiß, der Augenblick ist gekommen. Dann verschwindet alles um mich herum, ich sehe nur das Blau und sie. Dieses Blau ist so schön und wirkt duftend. Ich fühle eine gewaltige Wonne in mir. Ich glaube, sie ist das Gefühl des Himmels.“ Für ihre zwei Töchter würde Mirjana jedes Opfer bringen. Bei den Visionen kann sie sich nicht mehr an sie erinnern: „Da möchte ich nur, dass ich mit Maria bin, dass sie mich anschaut, und dass ich sie anschaue. Ich glaube, es ist das Paradies. Denn die Liebe, die ich bei ihrem Anblick spüre, kann nur vom Paradies sein.“
Jakov beschrieb seinen Zustand: „Wenn man bei ihr ist, ist man nicht mehr in dieser Welt; es ist, als wäre man in einer anderen Dimension, als wäre man im Himmel. Ich tauche ein in einen Frieden, in eine Freude.“ Und: „Jetzt zum Beispiel habe ich viele Fragen, die ich ihr gerne stellen würde. Aber wenn sie da ist, sind die Fragen überflüssig. Dann verstehe ich viele Dinge dadurch, dass ich auf sie schaue. Beim Blick in ihre Augen erhalte ich Antworten auf alle Fragen, die ich ihr stellen wollte.“
Öfter umarmte und küsste Maria die Seherinnen und Seher. Mirjana äußerte dazu: „Das waren Augenblicke, als ob man nicht auf der Erde gewesen wäre.“ Zum Klang der Stimme Mariens sagte sie: „Ich kann­ ihn nicht beschreiben, da ich einen solchen Klang noch nirgendwo vernahm. Es ist eine Stimme voller Liebe, Fürsorge, Sehnsucht und Mütterlichkeit. Es ist so, als ob die Stimme einen umarmen würde und man sich geliebt fühlt. Das ist etwas Außerordentliches, das Liebe, Sicherheit und Geborgenheit schenkt.“ Noch nie habe Maria laut gesprochen. Sie sage alles mit viel Liebe und Wohlwollen. Ihr Charakter sei sanft und zugleich entschlossen. Ausgeprägt sei ihre Sensibilität. Werde ihr etwas Schmerzhaftes berichtet, zeige es sich auch auf ihrem Antlitz und im Ton ihrer Stimme.
Jakov und Vicka sahen kurz die drei Möglichkeiten nach dem Sterben der Menschen. Mirjana begegnete dem Teufel als einer misslungenen Kopie Mariens und erkannte ihn sofoert, da seine Augen keine Wärme und Liebe ausstrahlten. Jakov teilte zum Erlebten mit: „Den Himmel habe ich als einen unendlichen Raum gesehen, in einem unbeschreiblichen Licht, das ich auf der Erde so nie erlebt habe. Wir haben viele Menschen gesehen, aber das Wichtigste, das ich an diesem Ort erlebt habe, war dieser unbeschreibliche Friede, die große Freude und Liebe, der Friede auf den Gesichtern der Menschen und den sie mir vermittelt haben.“ Er fügte hinzu, ein Leben im Paradies sei schon zu irdischer Lebenszeit mit dem Herzen möglich: „Wenn wir Gott an erster Stelle haben, wenn wir mit ihm leben, dann leben wir schon hier im Paradies.“
Jakovs Mutter starb kurz nach der ersten Vision. Dass er als 10-jähriger Junge ein Waisenkind war, empfand er höchst schmerzhaft. Maria tröstete ihn: „Deine Mama ist bei mir.“ Als Pilger ihn fragten, wie die direkte Aufnahme seiner Mutter in den Himmel zu erklären sei, erwiderte er, sie habe die Gebote Gottes und die Worte Jesu in den Evangelien beachtet. Seine Cousine Vicka ergänzte, Jakovs Mutter habe nichts Außergewöhnliches getan. Sie sei eine sehr einfache Frau gewesen, hätte aber ihr ganzes Herz und ihre ganze Liebe in das gelegt, was sie getan habe. Jeder könnte sich so verhalten, um sofort im Himmel zu sein. Ein Hindernis sei das komplizierte Denken: „Die Leute komplizieren manches viel zu sehr. Man glaubt, man müsse große und schwere Dinge tun. Nein! Es ist das Herz, das zählt: Gott schaut auf das Herz.“
Ivanka sah bei der letzten täglichen Vision auch zwei Engel und durfte auf Wunsch mit ihrer zuvor verstorbenen Mutter kurz sprechen. Dabei umarmte und küsste die Mutter ihre Tochter. Ivanka beschrieb sie, die im Alter von zirka 40 Jahren die Erde verließ: „Das war meine Mama, aber viel schöner. Sie war ganz jugendlich; und von den Leiden, die sie hatte, war nichts mehr zu sehen.“ Ivan hatte wenige Stunden nach dem Sterben von Papst Johannes Paul II. eine zirka 45 Sekunden dauernde Vision in New Hampshire (USA). Dabei sah er den Papst zur Linken Mariens. Er hatte ein deutlich jüngeres Aussehen, trug ein langes weißes Gewand mit einem goldenen Umhang und wurde von Maria innig umarmt. Beide lächelten voller Freude. Maria teilte Ivan mit: „Liebes Kind! Schau, mein Sohn, er ist bei mir.“ Die über tausend Anwesenden sahen Ivan glücklich und dankbar, den Papst gesehen zu haben, den er zuvor nicht traf. Die Visionen von Menschen im Himmel bekunden, dass sie nach dem irdischen Aufenthalt sofort im Himmel waren. Sie „ruhten nicht in Frieden“. Mariens Anrede „liebes Kind“ erinnert an Jesus, der die Jünger gelegentlich „meine Kinder“ nannte (etwa Joh 13,33).
Mirjana sah nicht den Himmel, erahnt bei den Visionen aber seine unermessliche Schönheit und beglückende Faszination: „In diesem Augenblick denken wir Seher an niemanden, nur an Maria und an Gott. Denn in mir ist dann eine solche Anmut, eine Schönheit, ein Friede, dass ich fliegen möchte. Es ist so schön, dass ich glaube im Himmel zu sein. Es erfasst mich eine solche Anmut, dass ich nichts anderes spüre.“ Oder auch: „Ich habe das Paradies erlebt und ich kann bestätigen, dass es auf der Erde nichts gibt (kein Gebirge, keine tropische Insel, nicht die sieben Weltwunder), das mit dem verglichen werden kann, was jene erwartet, die das Licht anstelle der Dunkelheit wählen!“
Beim Blick in den jährlichen Liturgischen Kalender entsteht der Eindruck, dass insbesondere Päpste, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Angehörige des Adels im Himmel sind. Im Unterschied dazu sah Vicka im Himmel vor allem Hausfrauen. Es ist skandalös, dass ein Seligsprechungsverfahren bis zu 250.000 Euro kostet. Zudem kann das Denken und Wollen eines Verstorbenen nicht authentisch beurteilt werden. Allein Gott kennt es in der Gesamtheit und entscheidet über die Aufnahme in den Himmel. Das verlangte Wunder vollbringt Gott. Die Heilungen und Dämonenaustreibungen bei der Verkündigung der Apostel ließ der Herr geschehen (vgl. Mk 16,20). Menschen können Gott darum bitten. Er kann ihnen auch die Vollmacht und Kraft geben, in seinem Auftrag Leiden zu heilen und Dämonen auszutreiben. Dabei wirkt Gott in ihnen und deutet seine Hilfe an, um den Glauben zu stärken.
Zu Beginn der Pandemie sagte Maria am 25. März 2020, Satan wolle das Leben der Menschen und die Erde zerstören. Offen ist, ob er es selbst oder mit Hilfe menschlicher Werkzeuge realisieren will. Einen Tag nach dem Einfall russischen Militärs in der Ukraine teilte sie am 25. Februar 2022 mit: „Liebe Kinder! Ich bin bei euch und beten wir gemeinsam. Meine lieben Kinder, helft mir mit dem Gebet, damit Satan nicht vorherrscht. Seine Macht des Todes, des Hasses und der Angst hat die Erde heimgesucht. Darum, meine lieben Kinder, kehrt zu Gott und dem Gebet zurück, zum Fasten und zur Entsagung für all jene, die niedergetreten, arm sind, und keine Stimme haben in dieser Welt ohne Gott. Meine lieben Kinder, wenn ihr nicht zu Gott und zu seinen Geboten zurückkehrt, habt ihr keine Zukunft. Deshalb hat er mich zu euch gesandt, um euch zu führen. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“
Papst Franziskus weihte mit katholischen Bischöfen am 25. März 2022 die Menschheit mit erstmals namentlicher Nennung Russlands und der Ukraine durch einen Papst dem Unbefleckten Herz Mariens. Am gleichen Tag beschrieb Maria die Situation der Menschheit: „Liebe Kinder! Ich höre euer Flehen und eure Gebete für den Frieden. Satan kämpft seit Jahren für Krieg. Deshalb hat Gott mich unter euch gesandt, um euch auf dem Weg der Heiligkeit zu führen, denn die Menschheit steht am Scheideweg. Ich rufe euch auf, zu Gott und den Geboten Gottes zurückzukehren, damit es euch wohl ergehe auf Erden und dass ihr aus dieser Krise herausgeht, in die ihr hineingegangen seid, weil ihr nicht auf Gott hört, der euch liebt und euch retten will und euch in ein neues Leben führen möchte. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!"
Vier Monate nach Kriegsbeginn bedankte sie sich am 25. Juni 2022 für die Gebete und Opfer, betonte die Wichtigkeit menschlicher Werkzeuge bei der vom Heiligen Geist gelenkten Realisation ihres heilsamen Plans und versprach ihre Nähe in den Tagen dämonischer Bemühung: „Liebe Kinder! Ich freue mich mit euch und danke euch für jedes Opfer und Gebet, das ihr in meinen Anliegen dargebracht habt. Meine lieben Kinder, vergesst nicht, dass ihr wichtig seid in meinem Plan des Heils der Menschheit. Kehrt zu Gott zurück und betet, damit der Heilige Geist in euch und durch euch wirke. Meine lieben Kinder, ich bin mit euch auch in diesen Tagen, in denen Satan sich um Krieg und Hass bemüht. Die Spaltung ist stark und das Böse wirkt im Menschen wie nie zuvor. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“
Nach dem brutalen Überfall von Hamas-Kriegern mit 1.200 Getöteten, über 5.000 Verletzten und zirka 250 Geiseln im völlig überraschten Israel, der Heimat Jesu und Mariens vor zwei Jahrtausenden,, gestand sie am 25. Oktober 2023: „Liebe Kinder! Die Winde des Bösen, des Hasses und des Unfriedens wehen über die Erde, um die Leben zu zerstören. Deshalb hat mich der Allerhöchste zu euch gesandt, um euch auf den Weg des Friedens und der Einheit mit Gott und den Menschen zu führen. Ihr, meine lieben Kinder, seid meine ausgestreckten Hände: Betet, fastet und bringt Opfer dar für den Frieden – den Schatz, nach dem sich jedes Herz sehnt. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“
Maria spricht in den Botschaften die Menschen „Liebe Kinder“ an, da sie die Mutter Jesu ist, der durch die Menschwerdung zum Bruder der Menschen wurde. Beim Sterben sagte er auf seine Mutter und den Jünger blickend, den er liebte und der als einziger Apostel anwesend war: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Und zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26f). Da Jesus die Menschen wie den Jünger liebt, wurde Johannes stellvertretend für alle Menschen zum Kind seiner Mutter. Jede und jeder kann gegebenenfalls aber die private Beziehung zu Maria selbst festlegen, etwa auch als Schwester, Weggefährtin oder Fürsprecherin bei Gott. Wie der Polarstern ganzjährig nach Norden zeigt und um ihn sich scheinbar der ganze Sternenhimmel dreht, da er genau in der Verlängerung der Erdachse steht, so möchte Maria jede und jeden dafür Offenen einfühlsam und sicher zu ihrem Sohn in die himmlische Herrlichkeit führen.
Die täglichen Visionen von Mirjana endeten an Weihnachten 1982. Dabei teilte Maria ihr das letzte von zehn sich auf die Zukunft beziehenden Geheimnissen mit. Zehn Tage vor dem Eintreffen des ersten Geheimnisses wird Mirjana dem Franziskanerpater Petar Ljubicic mitteilen, was geschehen wird. Beide werden dann sieben Tage fasten und beten. Drei Tag vor dem Eintreffen des Ereignisses darf der Franziskaner den Inhalt öffentlich preisgeben. Auf die gleiche Weise werden die übrigen Geheimnisse kundgetan. Am Geburtstag am 18. März wird Mirjana eine jährliche Vision bis zu ihrem Heimgang haben. Das Datum habe einen Bezug zu den Geschehnissen der Geheimnisse. Außerdem hat sie einige zusätzliche Visionen.
Pater Petar, 1946 geboren, war zu Beginn der Ereignisse Kaplan im 33 Kilometer entfernten Tihaljina, unterstützte ab September 1984 über zehn Jahre den Pfarrer von Medjugorje, wirkte anschließend in der Schweiz und im Bistum Fulda und kehrte 2014 nach Vitina in der Nähe von Medjugorje zurück. Als er von seiner Einbindung in den Plan Mariens durch Mirjana erfuhr, hielt er es für einen Scherz. Maria sagte über ihn: „Sein Herz ist völlig offen für Gott.“
Auch die drei anderen Frauen und zwei Männer aus Medjugorje erhalten von Maria zehn Geheimnisse. Laut vager Andeutung wird Gott beim Eintreffen der Geheimnisse bekunden, dass er „noch der Herr dieser Welt“ ist. Die ersten zwei Geheimnisse werden eine große Warnung und einen Bezug zur Ortschaft beinhalten. Beim dritten Geheimnis wird auf dem Hügel Podbrdo mit den meisten öffentlichen Visionen ein sichtbares und unzerstörbares Zeichen gegeben. Die göttliche Herkunft wird jedem und jeder einleuchten. Die anderen Geheimnisse werden anregen, Gott den ersten Platz einzuräumen, um ihm jederzeit froh und mit gutem Gewissen begegnen zu können. Der ständigen Verbundenheit mit Gott etwa durch das Herzensgebet kommt eine große Bedeutung zu. Das Zukünftige hängt stark davon ab, wie viele auf der Erde den Lebensweg mit Gott gehen.
Dass Jesus zu irdischer Lebzeit oder Maria bei einer Vision mit der lateinischen Sprache der Römer gebetet haben, ist nicht bekannt. Paulus fragte, weshalb ein Unkundiger zum Dankgebet „Amen“ sagen soll, wenn er das Gehörte nicht versteht. Zum Dankgebet im Zungenreden bemerkte er, es „mag noch so gut sein, aber der andere wird nicht auferbaut“ (vgl. 1 Kor 14,16f). Der Pfarrer von Ars gestand: „Das ist Glaube, wenn man mit Gott spricht, wie man mit einem Menschen sprechen würde.“ Daher sollte beim Gottesdienst wie bei den frühen Christen die Landessprache verwendet werden, die alle Anwesenden verstehen und mitbeten können.
Am 1. Januar 2024 bat Maria um ein dreistündiges Gebet auf dem Podbrdo. Am Ende des Gebets gab sie voller Freude die Botschaft: „Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid und für mein Anliegen gebetet habt. Ihr werdet es nicht bereuen, weder ihr noch euere Kinder und die Kinder eurer Kinder.“ Eine herausragende Bedeutung wird in Medjugorje dem „Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens“ beigemessen. Häufig hat Maria mit den Fünf darüber gesprochen. Ivanka bemerkte zu der Zeit danach: „Der Himmel auf Erden!“ Jesus werde sich in seinem glorreichen Reich der Liebe und des Friedens offenbaren.
Bei der rationalen Auseinandersetzung mit Aussagen von Menschen mit mystischen Erlebnissen bleiben Irritationen nicht aus, etwa: Liebt Gott jedes Geschöpf, was in der Botschaft vom 25. Mai 2023 gesagt wird? Doch infizierte Zecken und Mücken übertragen lebensgefährliche Krankheiten, Wanderheuschrecken vernichten Ernten armer Länder und Giftschlangen verletzen jährlich Millionen Menschen, von denen mindestens 274.000, eventuell bis zu 513.000 sterben. Hinzu kommen mindestens 825.000 Fälle schwerer körperlicher Behinderungen auf Grund von Schlangenvergiftungen. Das Gift eines Bisses des australischen Inlandtaipans genügt, damit bis zu 250 Menschen sterben. Durch einen Biss der Sydney-Trichterwebspinne kann ein Kind innerhalb weniger Minuten sterben. Die Botschaft vom 25. März 1997 enthält die Aussage: „Bittet Jesus, dass er eure Wunden heilt, die ihr, liebe Kinder, in eurem Leben durch eure Sünden und die eurer Eltern bekommen habt.“ Haften Kinder für das Fehlverhalten ihrer Eltern? Soll der Sohn oder die Tochter ins Gefängnis gesteckt werden, wenn der Vater jemanden umgebracht hat und es erst nach seinem Tod festgestellt wird? Sind die Kirchensteuerzahlenden für den Missbrauch verstorbener Kleriker verantwortlich?
Die Sprache der Mystik ist nicht die Sprache der Wissenschft. Die Botschaften der Mystik mit einem himmlischen Ursprung sind religiöse Orientierungshilfen. So erhielt Mirjana am 18.03.2023 den wegweisenden Tipp: „Betet, meine Kinder, dass ihr gemeinsam mit meinem Sohn all euren Brüdern und Schwestern nur den Frieden, die Freude und die Liebe bringen könnt.“
Ein weiteres mystisches Ereignis: Laut Zeugnis von vier Mädchen aus Garabadal in Spanien hatten sie von 1961 bis 1965 über 2.000 Begegnungen mit Maria. Am 1. Januar 1965 teilte sie Conchita mit, Gott werde zum gegebenen Zeitpunkt allen Menschen den Zustand ihrer Seele durch ein Ereignis in der Atmosphäre zeigen. Alle würden es sehen sowie körperlich und seelisch wie ein Feuer spüren. Niemand werde durch das Ereignis sterben. Es sei aber möglich, wegen starker innerer Erregung zu sterben. Diese Seelenschau soll bewirken, die Gutwilligen und Wahrheitsliebenden näher zu Gott zu bringen und die anderen zur Umkehr zu motivieren. Weiter sagte Conchita, Gott werde innerhalb eines Jahres nach der warnenden Seelenschau an einem Donnerstagabend in Garabandal ein Wunder wirken, das deutlich größer und überzeugender als das Sonnenwunder von Fatima sein und zirka eine Viertelstunde dauern werde. Bei den Kiefern oberhalb des Dorfes entstünde etwas Nichtmaterielles, das einer Rauchsäule ähnlich sei, gesehen und fotografiert, aber nicht berührt werden könne. Die in Garabandal anwesenden Kranken würden geheilt.
Einer Einsprechung Jesu an Conchita von 1963 zufolge würden sich die Herzen vieler Menschen durch das Wunder für die Liebe Gottes öffnen. Falls die Menschheit nach der Warnung und dem Wunder Gott weiter beleidigen werde, geschähe etwas, dessen Anblick bei den Kindern gellende Angstschreie auslöste. Sie nannten es ein schreckliches Strafgericht.
Der junge Theologe und Jesuit Luis Andréu bezeugte, er habe am 8. August 1961 abends Maria bei den Kiefern und zuvor das Wunder gesehen. Danach war er so glücklich, dass er morgens gegen vier Uhr bei der Heimfahrt auf dem Beifahrersitz des Autos vor Freude starb.
Zum Eintreffen und Verlauf mystisch angekündigter Ereignisse ist anzumerken, dass allein Gott entscheidet, die Daten kennt und jede Ankündigung durch Liebe, Gebet und Fasten (etwa Verzicht auf Süßigkeiten, Krimi, Unterhaltung und/oder alkoholische Getränke) modifizieren, verschieben oder aussetzen kann. Wer es vermag, kann mittwochs und freitags bei beliebig viel Brot und Wasser fasten. Christliches Fasten ist ein persönlicher Verzicht ohne finstere Miene, den nur der das Verborgene kennende Gott wissen soll (vgl. Mt 6,16-18). Die Praxis ist indivuduell verschieden. Die heilkundige Nonne Hildegard von Bingen wies im 12. Jahrhundert darauf hin: „Ein Mensch, der seinen Körper durch zu viel Fasten unterdrückt, in dem steigt Überdruss auf. Zu dieser Verdrossenheit gesellen sich mehr Fehler, als wenn er seinem Körper die rechte Nahrung gegönnt hätte.“ Maria wies in Medjugorje darauf hin, dass durch Gebet und Fasten Kriege verhindert oder beendet und Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden können.
Von den Vorhersagen in Garanbandal haben drei sich gemäß Ankündigung nicht erfüllt. Laut Conchita teilte die Jungfrau mit, Pater Pio werde das Wunder sehen und der blinde Amerikaner Joey Lomangino aus Lindenhurst, Long Island, der Garabandal mit Zustimmung des nach seinem Heimgang heilig gesprochenen Paters Pio besuchte, werde beim Wunder wieder sehen. Doch Joey starb 2014 und Pater Pio 1968. Anschließend äußerte Conchita, beim Wunder werde Pater Pio in Garabandal sein, sie wisse aber nicht auf welche Weise. Als Papst Johannes XXIII. starb, bemerkte Conchita, es gäbe nur noch drei Päpste. Das Pontifikat eines weiteren Papstes sei nur von sehr kurzer Dauer. Danach komme das „Ende der Zeit“. Eingetroffen ist die Aufhebung des bischöflichen Besuchsverbotes für ortsfremde Priester in Garabandal.
Während der Untergang Sodoms nicht aufzuhalten war, weil sich keine zehn Gerechten in der Stadt fanden (vgl. Gen 18/19), blieb Ninive vor der Zerstörung bewahrt. Gott sah die Umkehr der Bewohner einschließlich des Königs durch Fasten und Unterlassen böser Taten, nachdem Jona öffentlich ausgerufen hatte: „Noch 40 Tage, und Ninive ist zerstört!“ Dies missfiel Jona ganz und gar. Er wurde zornig wegen der Barmherzigkeit Gottes und wollte sterben. Gott aber hielt an seinem Mitleid fest (vgl. Jona 3/4). Er hatte keinen Gefallen an der Zerstörung der am Tigris gelegenen Hauptstadt des assyrischen Reiches mit mehr als 120.000 Menschen. Wie er sich bei den ausstehenden Ankündigungen von Garabandal verhalten wird, entscheidet er.
Die Erde gehört Gott (vgl. Ex 19,5) und die Menschen sind seine irdischen Abbilder. Er wird nicht zulassen, dass ein atomares Inferno, eine verheerende Pandemie, eine planetare Kollision wie bei der Mondentstehung, ein vagabundierendes Schwarzes Loch oder die kosmische Strahlung einer nahen Supernova die Menschheit vernichtet und der Teufel triumphiert. Eine Supernova innerhalb von 20 Parsec, was einem Abstand von ungefähr 65 Lichtjahren entspricht, wäre für die Menschheit nach heutigem Wissensstand tödlich. Wenn das Fehlverhalten zu vieler Menschen Gott zutiefst verletzt, wird er die Menschheit zunächst warnen. Wer dann eventuell beim Anblick des glorreichen Kreuzes Jesu am Himmel sein Fehlverhalten nicht bereut und Gott weiter beleidigen will, wird entsetzt sein und schwer leiden. Die sich um das Gute bemüht haben, werden gestärkt werden und vor Glück strahlen.
Das globale Arsenal an hyperschallschnellen Raketen mit über 9.600 einsetzbaren Atomsprengköpfen, Marschflugkörpern und Drohnen, Bio- und Chemie-Waffen und superelektromagnetische Impulswellen erzeugenden Waffen hat das Potenzial, die Infrastruktur zu zerstören und die Menschheit auszulöschen. Die Verwendung weitgehend autonomer Waffen beim Zerstören und Töten hat einen videospielähnlichen Effekt auf Kosten der persönlichen Verantwortung. Die heutige Kriegsmaschinerie verweist auf die von Jesus prophezeite große Not, „wie es noch nie eine gegeben hat, seit Gott die Welt erschuf, und wie es auch keine mehr geben wird“ (vgl. Mk 13,19). Bei ihrem Einsatz zum Auslöschen der Lebenswelt wird Gott eingreifen:
Vom 3. Juli 1876 bis 3. September 1877 hatten drei 8-jährige Mädchen aus der saarländischen Ortschaft Marpingen mystische Erlebnisse, bei denen sie Jesus als Kind auf dem Arm seiner Mutter und eine weiße taubenähnliche Gestalt herabschweben sahen. Eine laute Stimme von oben sagte wiederholt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen gefunden habe.“ Die gesehene Dame stellte sich den Mädchen vor: „Ich bin die Unbefleckt Empfangene“. Es ist sprachlich korrekter als die Aussage: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.
Seither ereignen sich zahlreiche Gebetserhörungen und seelische und körperliche Heilungen vor allem durch das von Jesus und Maria gesegnete Wasser einer Quelle, die oberhalb der von der schönen Dame gewünschten Kapelle im Härtelwald entspringt, was zahlreiche Dankestafeln belegen. Maria versprach, in „einer schwer bedrängten Zeit“ wieder nach Marpingen zu kommen. Der Ortspfarrer war von der Wirklichkeit und dem göttlichen Ursprung der Erscheinungen voll überzeugt. Das Verbot der preußischen Regierung, den Ort der Visionen im Härtelwald aufzusuchen, bestand bis 1917. Weitere Informationen hier
Die mystischen Erlebnisse dreier Frauen vom 17. Mai bis 17. Oktober 1999 könnten die Erfüllung des Versprechens gewesen sein. Laut Aussage der zwei Frauen mit Visionen sahen sie Jesus als Kind und Erwachsener, eine auf die Anwesenden Blüten in Weiß, Rosa, Rötlich und Zartrot herabregnende Taube, Maria und andere Heilige, Erzengel und Engel. Mit der Stimme von Marion habe Jesus am 6. September gesagt, es werde keinen Dritten Weltkrieg, keinen Holocaust geben. Er habe hinzugefügt: „Ihr habt zwei sehr schlimme Kriege erlebt. Ich habe dies zugelassen, um zu zeigen, was geschieht, wenn ihr euch selbst überlasst. Nicht ich wollte diese Kriege. Heute ist die Wissenschaft in der Lage, Waffen zu bauen, die ohne weiteres die ganze schöne Erde zerstören. Doch ich lasse dies nicht zu, da ich so viele betende Herzen vorfinde und offene Menschen. Ich lasse es nicht zu. Habt keine Angst! Ich komme als König der Barmherzigkeit und der Liebe, nicht als harter Richter.“ Er betonte, die Liebe sei das Beurteilungskriterium des göttlichen Gerichts: „Mein Gericht besteht darin, dass ihr seht, dass ihr die Liebe zu wenig geliebt habt.“ Christine zufolge versicherte auch Maria am 8. September, dass es keinen Dritten Weltkrieg geben werde, da Gott seine Kinder zu sehr liebt. Es fänden aber zur „Heimholung der Seele“ dienende Ereignisse statt. Wer glaubt, vertraut und Gott liebt, brauche sich davor nicht zu fürchten.
Gefragt, wer sie sei, antwortete die Dame am 20. Juni: „Ich bin die Mutter des Herrn, die vor Gottes Thron steht, kniet, kniet und Fürsprache einlegt für alle meine Kinder in der ganzen Welt.“ Kraft des Heiligen Geistes von Jesus gesandt, möchte sie möglich allen Menschen beistehen. Beim nochmaligen Einsegnen der Quelle erinnerte sie daran, dass die Quelle schon vor mehr als 100 Jahren von Gott geschenkt wurde, um die Kranken zu heilen, Sie bat, dieses Wasser mit viel Ehrfurcht, Liebe und vor allem Vertrauen zu trinken, verbunden mit Gebet: „Habt Vertrauen auf mich und meinen Sohn, denn wir werden euch helfen. Ich habe gesagt, ich will Kranke heilen, seelisch und körperlich, und das werde ich auch halten, denn was ich verspreche, halte ich.“ Maria betonte: Wer lebt, wie Jesus es gelehrt hat, braucht sich vor dem Sterben nicht zu fürchten. Er/sie wird quasi durch einen Vorhang in die Glückseligkeit des Himmels hinübergehen. Jede und jeder entscheidet selbst beim irdischen Aufenthalt, ob er/sie danach immer im Himmel oder in der Hölle sein wird.
Am 5. September wünschte sie, dass „hier an diesem Orte“ ein Heiligtum zur Ehre des Dreieinen Gottes entstehen soll. Mehrmals sagte sie, der Triumph ihres Unbefleckten Herzens in Deutschland werde in Marpingen beginnen. Der Friede in den einzelnen Ländern und dann auf der Erde werde mit dem Triumph ihres Unbefleckten Herzens einziehen. Jesus fügte am 6. September hinzu, er möchte, dass beim Triumph des Unbefleckten Herzens seiner Mutter in der Welt gleichzeitig sich sein Triumph in der Heiligen Eucharistie vollziehe. Seine Gegenwart in der Heiligen Kommunion strahle und möchte in die Seelen der Menschen eindringen, um sie zu erleuchten und in der Kälte der Welt mit der Liebe Gottes zu erfüllen. Im Tabernakel warte er jeden Augenblick auf den Besuch der Menschen.
Beim Empfang der Heiligen Eucharistie wünsche er reine Herzen, die sich nach ihm sehnen, vor Liebe glühen und ihn in der Gestalt der kleinen Hostie in Ehrfurcht und mit reinem Herzen empfangen. Im Sakrament der Beichte, Frucht seines qualvollen Leidens und Sterbens und größtes Geschenk seiner unendlichen Barmherzigkeit, würden die Seelen weißer als der Schnee. Wie Gott jedes Fehlverhalten vergibt, so soll auch der Mensch alle Kränkungen verzeihen. „Beichtet wieder eure Sünde. Die Barmherzigkeit ist so unendlich groß. Es gibt keine Sünde, die keine Vergebung finden kann. Kommt zu mir mit eurem Vertrauen. Kommt zu mir mit eurem kindlichen Vertrauen. Nehmt die Barmherzigkeit an, die aus der Liebe meines Herzen zu euch kommt. Lasst meine Worte heute nicht umsonst gewesen sein. Es ist mein Aufruf an Deutschland, es ist mein Aufruf für die ganze Welt“, sagte Jesus, der König des Weltalls.
Zweimal betonte die Dame, es sei alles im göttlichen Plan und sie werde alles lenken: „Habt keine Angst, meine Kinder! Ich bin immer bei euch und ich liebe euch von ganzem Herzen. Ich werde alles lenken.“ Sie versprach, Gott werde die Welt erneuern. Es werde eine Zeit anbrechen, die viel schöner als alles je zuvor sein werde, voll Vertrauen auf Gott. Der Allmächtige werde in der Welt siegen. Das Böse gäbe es dann eine Zeitlang nicht mehr. Nur Gott wisse, wann es eintreffen werde.
Eindringlich bat sie, das Töten menschlicher Embryonen und Föten zu beenden, da es ein Eingriff in den Schöpferakt Gottes sei. Über Judith teilte sie mit: „Dieses Töten schreit zum Himmel. Es ist etwas, was Gott sehr viel Schmerzen bereitet, was das Herz Gottes mit vielen Wunden übersät. Das Herz Jesu blutet. Es blutet aus Schmerz über dieses Tun, das ihr Menschen da vornehmt.“ Sie ergänzte: „Die Kinder sind zwar bei uns im Himmel, aber die Menschen, die das tun, sind in Gefahr auf ewig verloren zu gehen“. Und: „Ich weiß nicht, wie lange die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Gottes noch warten, bevor das Strafgericht auf euch herabrieselt. Gott kann dieses Tun nicht anders als bestrafen, wenn ihr nicht aufhört, diese Sünde vor Gott zu tun.“
Demnach ist das Eintreffen des Strafgerichtes vom Verhalten der Menschen abhängig. Durch Beendigung des Tötens sowie Liebe und Gebet zu Jesus und zu ihr kann es abgewendet werden. Ihre abschließenden Worte waren: „Mein Sohn Jesus und auch ich, wir lieben euch sehr. Vergesst es bitte nie in all eurem Leid. Immer daran denken: Wir lieben euch. Wir lieben euch sehr.“
Der damals zuständige Trierer Bischof Reinhard Marx ließ per Dekret am 13. Dezember 2005 verkünden: „Es steht nicht fest, dass den Ereignissen in Marpingen aus den Jahren 1876 und 1999 ein übernatürlicher Charakter zukommt. Es bestehen schwerwiegende Gründe, die es nicht erlauben, sie als übernatürliches Geschehen anzuerkennen.“ Eventuell würden einige Bischöfe das zeitweilige Verweilen Jesu bei den Aposteln nach seinem Sterben, die Zungen wie von Feuer an Pfingsten, die Schau der Herrlichkeit Gottes und Jesu zu seiner Rechten von Stephanus, die Einsprechung eines Engels bei Philippus, das mystische Geschehen bei der Bekehrung des Christenverfolgers Paulus, die Jesus-Vision des Jüngers Hananias in Damaskus und/oder die nächtliche Befreiung des im Gefängnis mit zwei Ketten gefesselten und von zwei Soldaten bewachten Petrus durch einen Engel ähnlich einstufen, wenn die Ereignisse heute stattfänden. Sie sollten sich fragen, ob Paulus ohne Einsprechung oder Vision Mysien durchwandert hätte und nach Troas gekommen wäre, in Makedonien das Evangelium verkündet hätte, in Korinth 18 Monate das Wort Gottes gelehrt hätte sowie in Rom wie in Jerusalem Zeugnis abgelegt hätte. Wie würden sie reagieren, wenn ihnen jemand mitteilt, ein Bekannter in Christus sei bis in den dritten Himmel bzw. ins Paradies entrückt worden und habe dort unsagbare Worte gehört, die ein Mensch nicht aussprechen darf (vgl. 2 Kor 12,2-4)?
Ästhetisch störend wirkt in Marpingen die Statue der Grotte. Marion sah eine wunderschöne junge Dame mit an den einzelnen Tagen zum Teil verschiedenem Aussehen. Sie hatte dunkle Haare, auf dem Haupt ein Sternendiadem, blaue Augen, trug ein schlichtes weißes Kleid mit Sternen, ein weißes Kleid mit durchschimmerndem Blau oder ein strahlend weißes Gewand als himmlische Königin, einen zart blauen Schleier oder einen weißen und darüber einen nach hinten reichenden, längeren blauen Schleier. Vor ihrer Brust strahlte ein Kreuz. In der Hand, von der Strahlen in alle Richtungen ausgingen, hielt sie einen leuchtenden Rosenkranz.
Beim Rosenkranz handelt es sich um einen Perlen-Kranz, mit dessen Hilfe heilsgeschichtlich wichtige Situationen Jesu und Mariens als meditatives Gebet betrachtet werden. Das Wort verweist auf die Zeit mittelalterlicher Minne, in der der einzelne Ritter seiner „Dame“ oder „Seiner Lieben Frau“ ein Liebesgedicht oder einen Blumenkranz darbrachte. Diese Liebesgabe wurde „Rosarium“ genannt. Der Rosenkranz sollte dementsprechend gebetet und durch Betrachtungen umrahmt werden. Nur so schenkt er ein von Freude und Zuversicht erfülltes Herz. Kraft des Rosenkranzgebetes von Bruderschaften in Rom könnte 1571 die zahlenmäßig unterlegene christliche Koalition in der Meerenge von Lepanto gesiegt haben; durch die von einem Franziskaner gegründete Gemeinschaft von einer halben Million Rosenkranzbetenden könnte 1955 in Österreich die Besatzung durch russische Truppen friedlich geendet haben. Die Fürbitte Mariens kann den Willen des „Herrn des Himmels und der Erde“ beeinflussen.
Der Autor kann die mystischen Ereignisse nicht erklären. Er vermutet, dass die drei Frauen in Marpingen beim von der Dame gewünschten Segen von mehreren anwesenden Priestern und Ordensgeistlichen auf Grund ihrer religiösen Einstellung umgefallen wären, wenn sie die Äußerungen erfunden und das Verhalten inszeniert hätten. Der Pfarrer, mit dem sie in Kontakt standen und der mit 103 Jahren 2022 verstarb, kann bezüglich seiner religiösen Position und Praxis - salopp gesagt - als „Verkörperung des Katechismus anno 1960“ charakterisiert werden. Er hätte sich ein öffentliches Täuschungsmanöver mit dem kleinen und erwachsenen Jesus, einer Taube als Heiligem Geist, Maria, Engeln und Heiligen nie erlaubt.
Ein Video zur eigenen Meinungsbildung: https://www.youtube.com/watch?v=ZtqjNgRDOQc
Die Jungfrau Maria hat bei mystischen Visionen das Aussehen einer Person, die dem persönlichen Ideal vollkommener weiblicher Schönheit der Sehenden entspricht. In ihrem Blick und Verhalten spiegelt sich ihre menschliche Vollendung im Himmel. Ihr faszinierender Liebreiz inspirierte Dichter, Komponisten und Künstler. Wer sein Herz ihrer Liebe öffnet, gelangt mit Hilfe des Heiligen Geistes - bildlich ausgedrückt - in einen vom göttlichen Licht überfluteten Garten, in dem nach Plan des Vaters die schönsten Blumen mit lieblichem Duft erblühen.
Neun verbale Annäherungen: Der indigene Mexikaner Juan Diego sah Maria 1531 auf dem Berg Tepeyacals eine „dunkelhäutige liebe Frau“, die der entrechteten und unterdrückten Bevölkerung nach der Eroberung der Spanier ihre Nähe bekundete. Durch ein Rosen-Wunder wurde der zunächst kritisch eingestellte Bischof von der Echtheit der Vision überzeugt und ließ eine Kapelle zur Ehre Mariens errichten. In der heutigen Basilika in Guadalupe, einem Vorort von Mexko City, befindet sich ein Bild der dunkelhäutigen Maria. Es entstand auf dem Umhang Diegos, als er im Winter blühende Rosen vor dem skeptischen Bischof ausbreitete. Auf dem Stoff war plötzlich das liebevolle Antlitz Mariens zu sehen. Papst Johannes Paul II. vertraute Süd- und Nordamerika ihrem Schutz an und legte den 12. Dezember, den Tag des Rosen-Wunders, als Gedenktag für die Katholische Kirche fest. Heute besuchen über zehn Millionen Pilgerinnen und Pilger jährlich den Wallfahrtsort.
Bernadette aus Lourdes beschrieb Maria: „Die Frau ist schöner denn alles! Sie ist jung wie eine Fünfzehnjährige und von unsäglicher Anmut. Ihre Blicke rufen Entzücken hervor und ihr Lächeln ist von Güte ohnegleichen und von mütterlicher Zärtlichkeit. Ihr Kleid ist von blendender Helle. Ein weißer Schleier, weiß wie Milch, bedeckt ihr Haupt bis zum Stirnansatz. Das Haar der Frau ist durch den Schleier bedeckt. Die Füße sehen unbekleidet unter dem langen Kleid hervor, und auf jedem Fuß liegt eine blühende gelbe Rose. An einem Arm hängt ein langer Rosenkranz mit Perlen von leuchtendem Weiß, einer funkelnden gelben Kette und einem Kruzifix von gleicher Farbe wie die Kette. Der ganze Schmuck erstrahlt in hellem Licht und ist gleichzeitig wunderbar weich: Glanz einer anderen Welt, der die Frauengestalt in ein Glorienkleid hüllt, das strahlt, ohne auch nur im Geringsten zu glitzern. Ein blauer Gürtel umfasst die Hüften der Frau, seine Enden gehen ohne einen Knopf ineinander über, er reicht bis zur Knie. In keinem irdischen Farbton findet sich das Blau des Gürtels, die Farbe oder die Art des wunderbaren Stoffes des Gewands der Frau wieder. Damit verglichen sieht alles Blaue und Weiße abgestanden und jedes Gewebe, auch der leuchtendste Satin, grob aus. Es ist etwas anderes, viel schöner. Selbst das Blau des Himmels ist nicht so blau wie der Farbton des Gürtels, der um und vor der Gestalt der wunderschönen Frau schwebt. Die Perlen des Rosenkranzes sind durchsichtiger und kostbarer als alle Edelsteine. Das Gold der Kette, an der das Kruzifix hängt, ähnelt nicht dem Gold, das die Menschen bewundern. Es ist ganz anders, viel, viel schöner!“
Während der instabilen inneren Lage Frankreichs bat Maria vier Mädchen aus L’Île-Bouchard vom 8. bis 14. Dezember 1947 um ihr Gebet für das friedliche und baldige Ende des Konflikts mit ungewissem Ausgang. Jacqueline berichtete dem Pfarrer: Ich sah eine schöne Dame mit weißem Kleid, dessen Ärmel wellenförmig waren, und blauem Gürtel. Sie trug einen weißen Schleier, der leicht bestickt war und auf der Stirn lag. An ihrem rechten Arm hing ein Rosenkranz mit weißen Perlen, der an einer goldenen Kette befestigt war und an dessen Ende sich ein schönes goldenes Kruzifix befand. Die Haare der Dame waren blond, gelockt und fielen auf beiden Seiten herab. Lichtstrahlen in Rot, Rosa, Orange, Gelb, Grün und Blau umgaben ihr Antlitz. Ihre Füße standen auf einem rechteckigen Stein. Davor bildeten fünf leuchtende Rosen in Rosa eine halbkreisförmige Girlande mit zwei grünen Blättern an deren Enden.
Laut Tagebuch und Äußerungen Conchitas hatte die von ihr erstmals am 2. Juli 1961 gesehene etwa 18-Jährige ein brünettes Gesicht, schwarze Augen und Augenbrauen, eine feine Nase, sehr hübsche, leicht geschwungene Lippen und zarte Hände. Auf den langen, dunkelkastanienbraunen, gewellten und in der Mitte gescheitelten Haaren befand sich hinten ein von den Ohren ausgehendes Diadem mit zwölf goldenen Sternen. Sie trug ein weißes Kleid und einen lichtblauen Mantel. Die Füße waren nicht zu sehen. Am Gelenk der rechten Hand hing ein kastanienbraunes Skapulier vom Berg Karmel. Nicht beschreiben lässt sich der sehr schöne Klang ihrer Stimme. Auf dem linken Arm saß der erst einige Monate alte Jesus mit kastanienfarbigen Augen, ein wenig langem, gelocktem, blondem Haar, einem Kronreif sowie weit geöffneten und nach unten gerichteten Armen. Bekleidet war das Kind mit einem Kleid, das einer blassblauen Tunika ähnelte. Keine irdische Frau gleicht der Jungfrau. Der Pfarrer von Medjugorje, der Franziskaner Jozo Zovko, bat Mirjana am dritten Tag der Visionen, die Schönheit der Dame zu beschreiben. Sie hielt in der Autobiografie „My Heart Will Triumph“ (1986) fest: Ihre Schönheit ist anders, als wenn Menschen von Schönheit sprechen und dabei oft die Augen, die Haare oder ein anderes auszeichnendes Merkmal hervorheben. Bei ihr ist jedes Merkmal schön, und alles ist harmonisch. Sie trägt einen weißen Schleier, der ihr ovales Gesicht umrahmt. Die Hautfarbe ähnelt dem sonnengebräunten Teint der meisten Mittelmeervölker. Zusammen mit ihrem schwarzen, ein wenig zurückgebundenen Haar erinnert sie an eine Person im Nahen Osten. Ihre zierliche Nase ist perfekt auf ihre mandelförmigen Augen abgestimmt. Die leichte Röte auf ihren Wangen entspricht der Farbe ihrer kleinen Lippen, die voll und zart aussehen. Sie zu sehen bewirkt ein Gefühl, das am besten mit „mütterlich“ wiedergegeben werden kann. Ihr Gesichtsausdruck zeigt Eigenschaften wie Zärtlichkeit, Mitgefühl, Fürsorge und Geduld. Aus ihren blauen Augen strömt eine Liebe, bei der ich das Gefühl hatte, umarmt zu werden. Mein einziger Wunsch dabei war, immer bei ihr zu bleiben und mitgenommen zu werden.
Jakov, der bei der ersten Vision am 24. Juni 1981, dem Fest des Täufers Johannes, zehn Jahre alt war, zwei Jahre später seine Mutter und ein Jahr danach seinen Vater verlor, erinnerte sich am 12. April 2022 in einem Vortrag in Medjugorje an das damals Erlebte auf dem Podbrdo und teilte zu der von ihm gesehenen Dame mit: Ich sah eine Frau, die mit ihrer Hand ein Zeichen gab, nach oben zu ihr zu kommen. Ich hatte große Angst und wollte weglaufen. Doch es war in mir auch der Wunsch, hinzugehen und sie kennenzulernen. Sodann begann eine neue Phase in meinem Leben. Ich sah die schönste Frau mit den schönsten Augen und einer großen Liebe in den Augen. Mein Herz begann, diese große Liebe zu spüren und zu fühlen: Das ist meine Mutter! Ich fühlte mich von ihr beschützt. Ihre Schönheit kann mit Worten nicht beschrieben werden. Nie wird jemand ein Bild oder eine Statue mit ihrer tatsächlichen Schönheit anfertigen können. Ihre Schönheit ist die Liebe, die bei ihr erlebt wird.
Ivan aus Medjugorje wird bei Interviews oft nach dem Aussehen der Erscheinung gefragt. Er bemerkte dazu: „Wenn ihr wissen würdet, wie schön Maria ist und wie sehr euch die heilige Jungfrau liebt, würdet ihr vor Freude weinen.“ Vor jeder Vision sieht er zuerst ein Licht, und dann steht sie vor ihm auf einer Wolke. Ivan weiter: „Ich verliere den Horizont um mich herum, ich sehe nichts, ich fühle nichts, weder Zeit noch Raum. Sobald sie kommt, verschwindet alles andere um mich herum.“ Schwer ist es für ihn, nach jeder Begegnung die Augen wieder auf die materielle Welt zu richten. Denn ihre Anwesenheit bedeutet für ihn, das Licht des Paradieses erlebt zu haben.
Ivanka gestand im Juli 1981 einem sie besuchenden Priester: „Mein lieber Pfarrer, wenn Sie sie sehen würden, dann würden Sie am liebsten gleich in die Ewigkeit übersiedeln, um sie ewig anschauen zu können. Das ist eine solche Schönheit, dass man das mit einfachen Worten überhaupt nicht beschreiben kann.“
Nach 20-jähriger Prüfung stufte die Katholische Kirche die am 28. November 1981 begonnenen Visionen Mariens von drei Mädchen in Kibeho im südlichen Ruanda als authentisch ein. Gefragt nach dem Aussehen der Dame, teilte Nathalie mit: Sie war von Licht umstrahlt. Keine Statue zeigt sie, wie sie ist. Wer sie anblickt, sieht eine alle Schönheit übersteigende Schönheit. Sie sah wie eine 20 bis 30 Jahre alte Frau aus, verhielt sich sehr jung und sprach perfekt meine Muttersprache. Ihre Hautfarbe war weder schwarz noch weiß. Die Augen ähnelten einer dunkelhäutigen Frau. Sie trug sehr schöne Gewänder wie eine junge Braut.
In Ruanda brach im Oktober 1990 ein Bürgerkrieg aus, bei dem zirka 800.000 Menschen bei einem grausamen Genozid starben. Kibeho war besonders betroffen. 1994 töteten Kalaschnikow-Fanatiker unbewaffnete Bewohner. Auf dem Platz vor der Kirche lagen ungefähr 11.000 Leichen und Sterbende übereinander. Um auch die Schutzsuchenden in der Kirche zu töten, wurden Wände mit Granaten und Maschinengewehrsalven durchlöchert. Bei einem Feuer in der Kirche verbrannten Menschen bei lebendigem Leib oder wurden erschossen. Unter den mehr als 25.000 Getöteten in Kibeho waren auch die Seherin Claire und ihr Mann. Sie attackierte ihre Schulkameradinnen Alphonsine und Nathalie zunächst heftig, hatte dann jedoch selbst Visionen von Maria.
Durch eine bildhafte Prophezeiung wollte Maria den Völkermord verhindern. Bei der Vision am 15. August 1982 weinte sie. Eigentlich erwarteten die Anwesenden wegen des Hochfestes eine freudvolle Vision. Doch Maria zeigte sich mit Tränen in den Augen. Die Seherinnen sahen einander umbringende Menschen, brennende Hütten, sehr dunkle, tiefe Gruben und Schädel von Menschen, die teilweise in zwei Hälften gespalten waren. 1983 erblickten die Mädchen einen strömenden Fluss aus Blut. Maria teilte mit, sie leide, da die Herzen der Menschen sich immer mehr verhärten. Es gäbe zu wenig Liebe unter ihnen. Sie leide wegen der Untreue gegenüber den Geboten Gottes und wegen der Heuchelei.
Offensichtlich trafen die prophetischen Bilder in Ruanda ein. In der Gegend von Kibeho starben ungefähr 90.000 Menschen auf grausamste Weise. Doch niemand nahm die beängstigenden Bilder ernst, auch nicht die Seherinnen.
Um das Weiterleben der Verstorbenen bildhaft anzudeuten, sah Alphonsine Menschen an verschiedenen Orten. Sie berichtete: „Maria nahm mich mit auf eine Reise zu einem Ort, wo die Menschen traurig waren. Es war nicht schön. Sie sagte, wer nicht nach dem Willen Gottes lebt, endet hier. Dann kamen wir an einen anderen Ort. Er war ruhig, aber ebenso traurig. Er war vergleichsweise besser als der erste Ort. Wir erreichten noch einen weiteren Ort, der wunderbar war. Ich hörte Klänge, Musik, sanfte Stimmen. Ich konnte aber keinen sehen.“ Maria gewährte einen Blick auf die Hölle, das Fegefeuer und den Himmel, ohne die drei Ausdrücke zu verwenden.
In Kibeho stellte Maria sich als „die Mutter des Wortes“ vor. Im Johannesevangelium wird ihr Sohn Jesus „das Wort“ genannt (vgl. Joh 1,1). Indizien für den übernatürlichen Charakter der Visionen in Kibeho, bei denen Ärzte, Psychologen und Theologen anwesend und mit Untersuchungen beauftragt waren, sind etwa das völlige Ausblenden von Umgebungsreizen und eine Zunahme des Körpergewichts während den Visionen, so dass zwei erwachsene Männer ein Mädchen nicht mehr hochheben konnten. Die Seherinnen reagierten bei den Visionen nicht auf eine brennende Kerze unter der Hand oder auf Blitzlicht. Sie hörten nichts und richteten den Blick über eine Stunde lang auf die hell leuchtende Sonne, ohne dass die Netzhaut einen Schaden davontrug. Nathalie fastete auf Wunsch Mariens zwei Wochen ohne Essen und Trinken. Sie las stattdessen in der Bibel und empfing die Eucharistie. Nur am achten Tag trank sie wegen der schmerzenden Kehle etwas Weihwasser. Gewöhnlich sind bereits sechs Tage ohne Flüssigkeitszufuhr in Ruanda tödlich. Nathalie blieb laut Feststellung anwesender Ärzte aber bei bester Gesundheit.
Es erinnert an die Verkündigung der Apostel, die Jesus „bekräftigte durch Zeichen, die er geschehen ließ“ (vgl. Mk. 16,20). Der Lehre Jesu glaubten viele erst, wenn sie die Zeichen sahen, die er tat. Vor der Heilung des im Sterben liegenden Sohnes eines königlichen Beamten aus Kafarnaum sagte Jesus: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.“ Als Juden ihn steinigen wollten, weil er gesagt hatte, er sei Gottes Sohn, bat Jesus sie, wenigstens seinen guten Werken zu glauben, die er im Auftrag seines Vaters vor ihren Augen getan hatte. Die im Namen seines Vaters vollbrachten Werke legten Zeugnis für ihn ab  (vgl. Joh 2,23; 4,48; 10,25.31ff). Wer Jesus nicht glauben konnte, er sei im Vater und der Vater sei in ihm, wurde von ihm gebeten, wenigstens auf Grund seiner Werke zu glauben (vgl. Joh 14,11).
Die Zeichen und Wunder bei den Visionen Mariens sind Hilfen des Heiligen Geistes, ihren Worten zu glauben und ihre Bitten zu erfüllen. Sie erinnert an das von Jesus Mitgeteilte und aktualisiert es, damit es als ganze Wahrheit aufleuchtet. Jesus versprach seinen Jüngern, dass nach seinem irdischen Aufenthalt der vom Vater in seinem Namen gesandte Heilige Geist sie alles lehren und sie an alles erinnern werde, was er ihnen gesagt hat (vgl. Joh 14,26; 16,13). In besonderer Weise wirkt im Auftrag Jesu der göttliche Beistand durch Maria.
Im Gleichnis von 100 Schafen weist Jesus darauf hin, dass der himmlische Vater sich über die Rückkehr eines Einzelnen, der sich verirrt hat, mehr freut als über 99, die sich nicht verirrt haben (vgl. Mt 18,12ff). Auch Maria möchte, dass alle Menschen eine innige Beziehung zu Gott aufbauen oder die bestehende vertiefen. Leiden sollen Gott übergeben werden. Jesus, der „Urheber des Heils“, wurde durch Leiden vollendet (vgl. Hebr 2,10). Maria war zugegen und litt ihm psychisch und mental, was ihr der gerechte und fromme Simeon, auf dem der Heilige Geist ruhte, bei der Weihe Jesu prophezeite: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35). Sie ertrug ihr Leid, da sie „bei Gott Gnade gefunden hat“ und dem Engel Gabriel bei der Ankündigung der Empfängnis eines Sohnes, der „heilig und Sohn Gottes“ genannt wird, ihr Ja zum heilsgeschichtlichen Vorhaben gab: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (vgl. Lk 1,30.35.38).
Paulus, der „durch den Willen Gottes Apostel Jesu Christi“ und von Jesus selbst zum Theologen berufen wurde und der seine mündlichen und schriftlichen Belehrungen als „Evangelium“ ansah (vgl. Röm 16,25; Kol 1,1), gestand der christlichen Gemeinde in Kolossä: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24). Später fügten viele Christen zum Wohl der Menschheit sich selbst Leid zu, um am Leiden Jesu teilzuhaben oder ihm ähnlich zu werden, was er aber nicht will. Bis heute erleiden Mütter einen ähnlichen Schmerz wie Maria unter dem Kreuz Jesu, wenn sie vor der Leiche ihres im Krieg, bei einem Verbrechen, bei einer Naturkatastrophe getöteten oder an einer unheilbaren Krankheit verstorbenen Kindes stehen. Würde Gott sich dabei gleichgültig verhalten, wäre er kaltherzig. Ein mit-fühlender und die Menschen liebender Gott ordnet den ihm übergebenen Leiden eine die Leiden Jesu bei der Erlösung ergänzende Funktion zu.
Dass der allmächtige Gott schwerwiegendes Leid ohne Intervention zulässt, ist für viele Menschen nicht oder kaum zu verstehen, zumal er das Opfer Abrahams kurz vor der Tötung von dessen Sohn Isaak verhinderte. Durch seine Untätigkeit bei in schwerer Bedrängnis um Hilfe flehenden Menschen verliert die Allmacht Gottes an Glaubwürdigkeit. Nicht jede und jeder hat bei einem niederschmetternden Leiden die Einsicht und Kraft, es wie Paulus Gott zu übergeben, um das an den Leiden Jesu Fehlende zu ergänzen. Nicht selbst herbeigeführtes physisches, psychisches und/oder mentales Leid kann zur Rebellion gegen Gott und zum Verlust des Glaubens führen, was andere nicht immer verstehen und nur Gott beurteilen darf.
Jesus betete vor seiner Gefangennahme: „Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir!“ Er fügte hinzu: „Aber nicht, was ich will, sondern was du willst, soll geschehen“ (Mk 14,36). Der Vater ließ untätig seinen einzigen Sohn Menschen zum Misshandeln und Kreuzigen ausliefern, die ihr Dasein Gott verdanken.
Maria ist die von Gott erwählte Vermittlerin zwischen ihm und den Menschen. Jede und jeden möchte sie auf dem Weg zu Gott begleiten. In jeder Notlage kann sie helfen, wenn sie darum gebeten wird und es mit dem Plan Gottes übereinstimmt. Ihr Wirken stößt an eine Grenze, wenn Gott etwas anderes vorhat. Zudem würde eine Hilfe Mariens in jeder Situation zu einem christlichen Glaubenszwang führen, den Gott nicht will.
Maria darf als jungfräuliche Mutter Jesu und im Himmel vollendeter Mensch geliebt und verehrt, aber nicht angebetet werden. Jede und jeder darf Gott über sie mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben (vgl. Dtn 6,5; Mt 22,37). Die ihr geschenkte Liebe gibt sie Jesus, damit er den Menschen eine Zeit gewährt, die das Bisherige an Liebe, Frieden, Schönheit und Gottvertauen bei weitem übertrifft.
Der in Fatima angekündigte „Triumph ihres Unbefleckten Herzens“ wird eine Steigerung ihrer Seligpreisung durch die schwangere Mutter des Täufers Johannes sein. Erfüllt vom Heiligen Geist erkannte Elisabet, dass Maria „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“, und dass Maria sie als schwangere Mutter des Erlösers besuchte. Denn zuvor hüpfte der Fötus vor Freude in ihrem Leib, als sie den Gruß Mariens hörte. Daraufhin pries Maria als die für die Menschwerdung des Sohnes Gottes erwählte „Magd“ die Größe des Herrn und jubelte voll Herzensfreude über das „Große, was der Mächtige an ihr getan hat“. Durch die Herabkunft des Heiligen Geistes und die Überschattung mit der Kraft des Höchsten war sie von innigster Freude erfüllt (vgl. Lk 1,35ff).
Bei ihrem „Triumph“ wird Maria von den Menschen verehrt und geliebt werden. Sie will keine „Parthenokratie“ mit staatlicher und kirchlicher Gewalt, sondern von den Herzen der Menschen aufgenommen werden. Maria ist das Ideal einer weiblichen Person, was im Hohenlied anklingt. Es beschreibt die tiefen Sehnsüchte eines Geliebten und einer Geliebten. Die Vorfreude auf das Zusammentreffen inspiriert sie zu Liebesbekundungen.
Der Geliebte frohlockt: „Eine Lilie unter Disteln ist meine Freundin unter den Mädchen. (…) Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht. (…) Alles an dir ist schön, meine Freundin. Kein Makel haftet an dir. (…) Einzig ist meine Taube, die Makellose, die einzige ihrer Mutter, die Erwählte ihrer Gebärerin. Erblicken sie Mädchen, sie preisen sie; Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie. Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, prächtig wie Himmelsbilder? (…) Wie schön bist du und wie reizend, du Liebe voller Wonnen!“ (Hld 2,2.13b; 4,7; 6,9f; 7,7).
Die Geliebte erwidert: „Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. Süßer als Wein ist deine Liebe. (…) Mein Geliebter ruht wie ein Beutel mit Myrrhe an meiner Brust. (…) Der Geliebte ist mein, und ich bin sein; er weidet in den Lilien. (…)  Ich fand ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich geboren hat. (…) Nordwind, erwache! Südwind, herbei! Durchweht meinen Garten, lasst strömen die Balsamdüfte! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse von den köstlichen Früchten (Hld 1,2.13; 2,16; 3,4; 4,16).

7. Eine eindringliche Bestürmung des Allerhöchsten im Himmel
Jesus brachte auf Erden Gebete und Bitten „mit lautem Schreien und unter Tränen“ vor seinen Vater (vgl. Hebr 5,7). Seine irdische Mission war insofern begrenzt, da er nur das sagte und tat, was der Vater ihm aufgetragen hatte oder was er von ihm hörte. Besonders bei wichtigen Ereignissen wie der Taufe im Jordan, der Wahl der zwölf Apostel, der Verklärung auf einem Berg, vor dem Messias-Bekenntnis des Petrus und der Gefangennahme betete Jesus eindringlich zu seinem Vater.
Der Autor trägt nun auch „mit lautem Schreien und unter Tränen“ eine Bitte dem die souveräne Alleinherrschaft über die Welt innehabenden Vater vor. Denn das zum Himmel schreiende Töten von Menschen endet offensichtlich nur mit göttlicher Hilfe. Die Gutwilligen haben es bisher nicht vermocht. Doch laut Bibel kann der Allerhöchste für Menschen Unmögliches machen und Wunder vollbringen (vgl. Ps 97,5; Dan 6,27f; Mk 10,27; Lk 1,51). Es zeigte sich in den Naturwundern und Totenerweckungen Jesu. Von daher die Bitte: „Herr, vernimm das Gebet und handle! Mein Gott, auch um deiner selbst willen zögere nicht!“ (vgl. Dan 9,19).
Vater, es gelingt mir nicht, dich „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft zu lieben“ (vgl. Dtn 6,5), was Jesus das erste Gebot nannte (vgl. Mk 12,30). Deine Gedanken, Pläne, Entscheidungen und Wege sind hoch erhaben, unerforschlich und unergründlich (vgl. Jes 55,8f; Röm 11,33). Du willst von Menschen geliebt werden, die oft keine Hilfe erhalten, wenn sie in tiefster Verzweiflung zu dir rufen. „Wir haben dich gesucht, Gott, in jeder Ruine, in jedem Granattrichter, in jeder Nacht. Wir haben dich gerufen. Gott! Wir haben nach dir gebrüllt, geweint, geflucht! Wo warst du da, lieber Gott?“, gesteht der Kriegsheimkehrer Beckmann in Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert.
Sind die Aussagen Jesu in den Evangelien nicht korrekt? Er hinterließ das Versprechen: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird“ (Joh 14,12f). Wo sind die Belege für die Gültigkeit des Zitats? Bist du noch an der Verherrlichung in Jesus durch bittende Christen interessiert? Wann wirst du deine verunsichernde Untätigkeit beenden?
Wegen deiner bisherigen Passivität bei zutiefst bittenden Menschen in zermürbenden Nöten, dem allgegenwärtigen Blutvergießen in der Lebenswelt und dem immer lebenswidriger werdenden Aufenthalt auf der Erde mangelt mir die echte Liebe zu dir. Angesichts der wenigen heutigen Erhörungen im Vergleich zu der Fülle in den Evangelien fehlt die Bestätigung einer grundlegenden Komponente des christlichen Glaubens weitgehend. Ich verstehe jene, die behaupten, dass du nicht existierst oder dass du dich nicht wie ein liebender Gott verhälst.
Niemand hat mich vorher gefragt, ob, wann und wo ich leben will, und ob ich so sein will, wie ich bin. Warum müssen die Menschen andere Lebewesen konsumieren? Werden sie jemals einsehen, dass die Bodenschätze, Nutzflächen, Wiesen, Wälder und Quellen der „dir gehörenden Erde mit allem, was sie erfüllt“ (vgl. Ps 24,1), für alle und nicht zur Befriedigung der Habgier und zum Profit Einzelner oder Weniger da sind, und dass der Sinn des Lebens nicht in der Anhäufung von Vermögen besteht, so dass die 3.208 superreichen Milliardäre mit 18,3 Billiarden Dollar Vermögen (2025) seit 2020 um mehr als 80 Prozent reicher geworden sind bzw. die zwölf Reichsten mehr Geld als die ärmste Hälfte der Menschheit besitzen, ohne deren Arbeit sie das finanzielle Privileg nicht hätten (Oxfam-Bericht, Januar 2026)? Die Spitzengehälter und die Löhne gehen ständig weiter auseinander. Doch alle auf der Erde lebenden Menschen haben Anspruch auf ein erträgliches Dasein. Weshalb sollen die Menschen die defizitäre Situation der Erde verbessern, die spätestens bei der weiteren Entwicklung der Sonne zum Roten Riesen unbewohnbar sein wird?
Angesichts des gewaltigen Ausmaßes des heutigen Sterbens von Menschen in bewaffneten Konflikten, bei denen ungefähr 70 Staaten in Kriege mit knapp 900 Milizarmeen verwickelt sind und die von den Friedliebenden bisher nicht verhindert oder beendet werden konnten, rufe ich: „Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Biete deine gewaltige Macht auf und komm uns zu Hilfe! Herr, wende dich uns doch endlich zu und zeig deine erhabene Macht!“ (Ps 44,24; 80,3; 90,13.16).
Offenbar besteht der einzige Weg zum Beendigen des Tötens von Menschen darian, dass alle die Folgen ihres lebenswidrigen Redens und Handelns klar und deutlich erkennen und sich darüber im Klaren sind, dass der irdische Aufenthalt nach dem Sterben in deinem Licht moralisch beurteilt wird. Sende den von dir ausgehenden Heiligen Geist, der „in die volle Wahrheit führt“. Befreie dein irdisches Werk von der Macht des Bösen.
Wie du weißt, herrscht seit 7. Oktober 2023 ein umfangreiches Leiden und Sterben in der Region deines ersten heilsgeschichtlichen Bundes. Barbarische Hamas-Krieger überfielen am Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz wehrlose Menschen in Israel. Frauen wurden entblößt, vergewaltigt, gefoltert und ermordet, Leichen bespuckt und geschändet. Hunderte wurden als Geißeln entführt. Daraufhin erklärte die israelische Regierung den Kriegszustand und es folgte ein brutales Töten und Zerstören in dem dicht besiedelten Gazastreifen. Die Gebäude und Infrastruktur wurden zu 70 Prozent zerstört, Tausende Minderjährige getötet und über 20.000 verwaist. Nur du kennst alle Getöteten, Schwerverletzten und Verhungerten.
Wer Zerstörungen, Leiden und Sterben verursacht, soll bedenken: „Ich sah einen Frevler, bereit zu Gewalttat; er reckte sich hoch wie eine grünende Zeder. Wieder ging ich vorüber, und er war nicht mehr da; ich suchte ihn, doch er war nicht zu finden. Denn Zukunft hat der Mann des Friedens“ (Ps 37,35f.37b).
Den Blick darauf gerichtet, frage ich dich, Vater: Wie lange schaust du dem menschenverachtenden Treiben und grausamen Sterben noch zu? Gilt dein Versprechen noch? „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe“ (Ps 137,5f). Außerdem: „Ihr sollt euch ohne Ende freuen und jubeln über das, was ich erschaffe. Denn ich mache aus Jerusalem Jubel und aus seinen Einwohnern Freude. Ich will über Jerusalem jubeln und mich freuen über mein Volk. Nie mehr hört man dort lautes Weinen und lautes Klagen“ (Jes 65,18f). Und: „Der Herr ist ein Gott des Rechtes; wohl denen, die auf ihn warten“ (Jes 30,18).
Für den Hoffnungsschimmer vom 13. Oktober 2025 danke ich dir: Die letzten 20 noch lebenden Geißeln in Hamas-Gewalt waren frei. Ein Zu-Fall: Genau 108 Jahre davor fand in Fatima die letzte Marien-Vision statt. Die Original-Marienstatue von Fatima wurde am 11. und 12. Oktober 2025 auf noch von Papst Franziskus geäußerten Wunsch hin nach Rom gebracht. Vor ihr vertraute Papst Leo XIV. am 12. Oktober 2025 am Ende des Gottesdienstes auf dem Petersplatz die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens an. Wörtlich sagte er unter anderem: „Selige Jungfrau, Mutter Christi, unsere Hoffnung, deine fürsorgliche Gegenwart begleitet und tröstet uns in diesem Jahr der Gnade.“ (…) „Deinem Unbefleckten Herzen vertrauen wir die ganze Welt und die gesamte Menschheit an, besonders deine Kinder, die unter der Geißel des Krieges leiden.“ Doch warum trifft der Papst als Nachfolger des Apostels Petrus und Oberhaupt des Staates Vatikanstadt sich nicht persönlich mit den Verantwortlichen der Kriege?
Es bedarf jetzt auf Basis der Gleichberechtigung des politischen Willens für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern. Der Wiederaufbau im Gazastreifen dürfte über 50 Milliarden Dollar benötigen, nachdem zuvor vor allem von Isreal und den USA über 30 Milliarden Dollar in 738 Tage Kriegsführung zu Lasten ökologischer Projekte, sozialer Reformen und von Menschenleben investiert wurden. Wann beendet die Menschheit dieses vernunftwidrige Handeln?
Ein weiteres aggressives Blutvergießen findet in der Ukraine statt. Dort hungern, dürsten, leiden und sterben Menschen wegen des auf Expansion ausgerichteten Denkens des macht- und ruhmsüchtigen Präsidenten von Russland, unterwürfigen Sympathisanten und teilweise Soldaten mit Spaß am Zerstören, Misshandeln und Töten. Beim Rechtfertigungsversuch nach dem im Februar 2022 begonnenen Krieg zitierte der Präsident bei einem Propaganda-Konzert zum Jahrestag der Annexion der Krim im Moskauer Olympia-Stadion den Satz Jesu: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13).
Dies hat der medienwirksam am Oster- und Weihnachtsgottesdienst in Moskau teilnehmende Herrscher vor Jesus zu verantworten. Es erinnert an das aus dem Kontext gerissene Bibelzitat des Teufels bei der Versuchung Jesu in der Wüste nach 40-tägigem Fasten. Um von Jesus den Beweis zu erhalten, dass er der Sohn Gottes ist, bittet er ihn, sich von oben auf dem Tempel in Jerusalem hinabzustürzen (vgl. Mt 4,5f). Dabei zitiert der schriftgewandte Verführer: „Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“ (vgl. Ps 91,11f). Jesus ergänzte die Aussage, die Jünger seien seine Freunde, wenn sie tun, was er ihnen auftrage. Sein Auftrag bestünde darin: „Liebt einander!“ (vgl. Joh 15,14.17).
Der Präsident und das mit ihm befreundete Oberhaupt der Orthodoxen Kirche Russlands sollten wissen, dass Jesus das Töten von Menschen nicht erlaubte. Sein irdischer Aufenthalt war, wie von den Propheten angekündigt, durchdrungen vom Frieden. Jesaja nannte ihn „Fürst des Friedens“ (vgl. Jes 9,5). Sacharja prophezeite einen gerechten und demütig auf einem Fohlen reitenden Friedenskönig, der „den Kriegsbogen vernichten und den Völkern den Frieden verkünden wird“ (vgl. Sach 9,9f). Bei der Geburt Jesu verkündeten Engel den Hirten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (vgl. Lk 2,13f). Jesus pries diejenigen selig, die auf Gewalt verzichten und die Frieden stiften (vgl. Mt 5,5.9). Zur bevorstehenden Zerstörung Jerusalems äußerte er unter Tränen: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt!“ (Lk 19,42). Nach der Auferstehung grüßte er die Jünger: „Friede sei mit euch!“ (vgl. Joh 20,19.21). Jesus möchte friedvolle Menschen, die Abbilder des „Gottes des Friedens“ sind (vgl. Eph 2,15f; Hebr 13,3.20).
Um das Bibel-Zitat des russischen Präsidenten ins rechte Licht zu rücken: Der Lehre Jesu entsprechend handelten 1875 die Franziskanerin Henrika Fassbender und ihre Mitschwestern, als ihr Dampfschiff vor der Küste Englands unterging und sie auf einen Platz im Rettungsboot zu Gunsten von Familien verzichteten und starben, oder 1941 der Franziskaner Maximilian Kolbe, der sich in Auschwitz stellvertretend für einen Familienvater in den Hungerbunker sperren ließ und starb. Auch wer einen Menschen, der andere töten will, davon abhält und von ihm erschossen wird, gibt sein Leben für seine Freunde hin.
Laut Rechtfertigungsversuch des Moskauer Patriarchen verletzt der Krieg in der Ukraine nicht das göttliche Tötungsverbot, sondern richtet sich gegen ein Abstraktum, nämlich das Böse. Im November 2025 erläuterte er, wie unter der aktuellen Bedingung das sechste Gebot „Du sollst nicht töten“ aufzufassen sei. Seinem Standpunkt zufolge stellt das russische Militär sich dem Bösen in der Ukraine entgegen und verstößt damit nicht gegen das Gebot der Unantastbarkeit menschlichen Lebens. Hier wird wie bei vielen anderen Kriegen in der Vergangenheit das Töten von Menschen als Kampf gegen das Böse bezeichnet.
Der russische Präsident wandte sich nach dem Weihnachtsgottesdienst in der Nacht zum 7. Januar 2026 mit Glückwünschen an die Teilnehmenden und zog in seiner Ansprache einen Vergleich zwischen Jesus und dem russischen Militär. Demnach erfüllten beide ihren Auftrag „wie im Auftrag Gottes“, nämlich „das Vaterland und sein Volk zu retten“. Wörtlich sagte er: „Die Krieger Russlands erfüllen, als ob sie im Auftrag des Herrn handelten, immer genau diese Mission. Sie schützen das Vaterland und das Mutterland und sie retten sein Volk.“
Wie die Mission des „wie im Auftrag Gottes“ handelnden russischen Militärs sich bei den Betroffenen auswirkt, sah Erzbischof Visvaldas Kulbokas, Apostolischer Nuntius in der Ukraine, zehn Tage nach dem Festgottedienst vor Ort. Er berichtete: Während die Temperaturen nachts auf bis zu minus 20 Grad sinken, kämpfe die Bevölkerung der Ukraine nach massiven russischen Luftangriffen ums nackte Überleben. Neben der klirrenden Kälte drohe eine Lebensmittelkrise, die bereits Erinnerungen an die Hungernot der 1930er Jahre wachrufe. Gegenüber vatikanischen Medien sagte Kulbokas. „In Städten wie Lwiw oder Charkiw haben die Menschen oft nur für drei Stunden am Tag Strom. Das bedeutet, dass die Bäcker kein Brot backen können.“ Die Kombination aus Kälte und Nahrungsmittelmangel erinnere ihn an den Holodomor, die von Stalin herbeigeführte Hungernot. Neben der materiellen Not sorge er sich vor allem um die psychische Gesundheit der Ukrainer. Im Gespräch mit Bischöfen aus den besonders hart umkämpften Regionen Charkiw, Saporischschja und Odessa sei deutlich geworden, wie tief die Traumata säßen. Kulbokas nannte einen Helfer aus Sumy, der erst bei Reisen ins Ausland merkte, wie der Krieg sich auf ihn ausgewirkt habe: Jedes Geräusch klang wie ein Bombeneinschlag oder eine herannahende Drohne. Der Nuntius stellte heraus: „Heute ist die gesamte ukrainische Bevölkerung verwundet und schwer traumatisiert.“
Die sich über das Lebensrecht anderer Menschen hinwegsetzen, haben darüber Rechenschaft abzulegen. Jesus lehrte: „Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird“ (Mt 10,26; Lk 12,2). „Das Werk eines jeden wird offenbar werden.“ Jeder „stirbt ein einziges Mal, worauf dann das Gericht folgt“. „Also wird jeder von uns vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen“ (vgl. 1 Kor 3,13; Hebr 9,27; Röm 14,12). Beim gerechten Gericht, das der Vater auf Jesus übertragen hat (vgl. Joh 5,22ff), zählen nicht die äußerlichen Frömmigkeitsbekundungen, sondern die tatsächliche Beachtung der zwei Liebesgebote, an denen „das ganze Gesetz samt den Propheten hängt“ (vgl. Mt 22,37-40). Es sollen Gott und die Menschen geliebt werden, Die Liebe zu Gott beinhaltet, seine Gebote zu halten. „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben“ (vgl. 1 Joh 4,20f; 5,3). Wer seine Lebensführung danach ausrichtet, lebt Jesus zufolge nach dem Sterben ohne Gericht bei Gott ewig weiter.
Als ein Mann Jesus fragte, was er Gutes tun soll, um das ewige Leben zu gewinnen, erinnerte Jesus ihn zuerst an das Gebot „Du sollst nicht töten!“ (Mt 19,16-18). Diese Formulierung ist falsch, da ein Mensch, der keine Lebewesen wie Pflanzen isst sowie pathogene Bakterien, zubeißungsbereite Schlangen mit tödlichem Gift-Cocktail oder lebensbedrohliche Erreger übertragende Insekten nicht tötet, vorzeitig sterben würde. Auch Jesus aß Brot, Fische, Fleisch von Lämmern und trank Wein. Gott verbot das Töten von Menschen, das Morden. Das sechste Gebot lautet daher: „Du sollst nicht morden!“
Dass Herrschende das religiöse Empfinden von Bürgerinnen und Bürger für eigene Interessen nutzen, zeigt sich bis heute. Ein zweites Beispiel: Beim Eid der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump am 20. Januar 2025 lagen zwei Bibeln vor: eine von Abraham Lincoln und eine von seiner Mutter. Laut Usus ist die rechte Hand zum Schwur zu erheben und die linke Hand auf die Bibel und die Verfassung zu legen. Bereits der erste Präsident George Washington legte 1789 die Hand auf eine Bibel. Doch Trump berührte keine Bibel und inszeniert sich als von Gott Erwählter: „Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder großartig zu machen.“ Er versprach, die USA in ein neues und besseres Zeitalter zu führen. In der ersten Rede sagte er, das „Goldene Zeitalter" werde für die USA beginnen.
Dazu bemerkte der Philosoph Karl R. Popper: „Immer wenn der Mensch den Himmel auf der Erde verwirklichen wollte, hat er stets die Hölle verwirklicht.“ Und der Dichter Friedrich Hölderlin schreibt im Hyperion: „Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.“ Der erfahrene und angesehene Psychoanalytiker und Narzissmus-Experte Otto Kernberg hielt im Oktober 2025 in Köln vor großem Publikum mit Bezug auf amtierende Präsidenten den Vortrag „Problematische Persönlichkeiten als Herrscher der Welt - psychologische Überlegung zu Ursachen und Prävention“. Für Interessierte fünf Web-Beiträge:
https://www.ksta.de/kultur-medien/analytiker-otto-kernberg-97-in-koeln-was-trump-und-hitler-verbindet-1139786
https://chrismon.de/artikel/57583/psychoanalytiker-otto-kernberg-ueber-narzissmus-von-trump
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/psychiater-otto-kernberg-trump-und-putin-sind-boesartige-narzissten
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/otto-kernberg-ueber-boesartige-narzissten-es-haette-auch-andere-trumps-geben-koennen-a-41ce39c6-8659-44db-888d-83e683fa3140
https://www.nzz.ch/feuilleton/otto-kernberg-narzissten-wie-trump-und-die-verfuehrung-der-massen-ld.1909826
Vor der Wahl versprach Donald Trump, als Präsident den Krieg in der Ukraine innerhalb eines Tages zu beenden. Nach der Wahl nahm die Brutalität des Krieges zu. Mehr Drohnen und Raketen schlugen in der Ukraine ein, töteten Kinder und andere Zivilisten und ruinierten Teile der Infrastruktur, so dass die Menschen wegen ausgefallener Stromversorgung an Frosttagen im Winter sich dem Kältetod widersetzen mussten. Offenbar hatte, mit dem Humor Jesu ausgedrückt, der Fuchs in Russland den Donnersohn durchschaut. Der bisweilen mit der Bibel in der Hand öffentlich auftretende US-Präsident schloss ein Abkommen zur Förderung von 57 ukrainischen Rohstoffen ab und erlaubte den EU-Staaten, Waffen für die Ukraine zum Profit von US-Rüstungskonzernen zu kaufen. Mit Kostenbeteiligung der Steuerpflichtigen in Dänemark, Holland und Norwegen wurden Ende August 2025 Raketen und dazugehörige Ausrüstung im Wert von 825 Millionen Dollar dem Militär der Ukraine zur Verfügung gestellt. Zudem kauften europäische NATO-Partner in den USA Flugabwehrsysteme und Waffen für 8,5 Milliarden Dollar zur Unterstützung der ukrainischen Verteidiger.
Bei der Trauerfeier für den ermordeten Aktivisten Charlie Kirk rief seine Gattin zur Versöhnung auf und sagte an den Mörder gerichtet: „Dieser junge Mann, ich vergebe ihm.“ Ihre Begründung: „Das ist es, was Christus getan hat und was Charlie tun würde.“ Trump gestand, er stimme da mit Charlie nicht überein, sprach von „Hass“ und bezeichnete den Mörder als ein „radikalisiertes, kaltblütiges Monster“. Später äußerte er sich menschenverachtend über die in den USA lebenden Somalier und verwendete dabei den Ausdruck „Müll“. Wegen drohender Razzien, Verhaftungen und Abschiebungen entschieden die Bischöfe von Baton Rouge (Louisiana), Columbus (Ohio) und San Bernardino (Kalifornien) schweren Herzens, die Einwanderer vom Sonntagsgottesdienst zu befreien. Reiche Ausländer können für den Aufenthalt in den USA seit Dezember 2025 nach Überprüfung sich die „Gold Card“ mit dem Konterfei des Präsidenten für eine Million Dollar kaufen. Und die Visa-Gebühr für qualifizierte ausländische Arbeitskräfte wurde von einigen Tausend auf 100.000 Dollar erhöht. Der Präsident kündigte größere und schnellere Schlachtschiffe an und erwähnte ein nationales Interesse an Grönland. Als Kontrast, was ein deutscher Diakon zur gleichen Zeit in der Ukraine erlebte: https://www.domradio.de/artikel/bonner-muenstergemeinde-haelt-engen-kontakt-zu-den-menschen-cherson
Danach bot Trump 60 Staats- und Regierungschefs für eine Milliarde Dollar einen ständigen Sitz in seinem im Januar 2026 in Genf ins Leben gerufenen „Friedensrat“ unter seinem Vorsitz an. In seiner ersten Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress frohlockte er am 24. Februar: „Unsere Nation ist zurück - größer, besser, wohlhabender und stärker als je zuvor. Dies ist das Goldene Zeitalter Amerikas.“ Etwas später teilte der US-Präsident mit, er glaube, dass er die Ehre haben werde, Kuba in irgendeiner Form zu übernehmen. Er könne alles mit dem Land machen. Nachdem knapp acht Wochen zuvor der Präsident Venezuelas bei einer US-Militäroperation entführt und in ein New Yorker Gefängnis gebracht war, äußerte Trump ironisch: „Wir haben von unserem neuen Freund, Venezuela, gerade mehr als 80 Millionen Barrel Öl erhalten.“ Vier Tage später begann die militärische Großoffensive der USA und Israels gegen den Iran, der mit Vergeltungsschlägen und Blockade der von Handelsschiffen stark frequentierten Straße von Hormus reagierte. In der Folge stiegen Energiepreise und Düngemittel wurden knapper.
Zum Krieg im Iran bemerkte Trump in der Rede an die Nation vom 1. April, der Krieg sei eigentlich gewonnen, in zwei bis drei Wochen werde er zu Ende gehen. Das Atomprogramm sei seit letztem Jahr beerdigt, aber man werde es weiter begraben. Einen Regimewechsel habe man nie gewollt, aber er sei passiert, indem man die entscheidenden Vertreter des alten Regimes umgebracht habe. Er drohte, Iran in die Steinzeit zu bomben und die gesamte Energieversorgung zu zerstören. Den Rest der Welt forderte er auf: „Geht zur Straße von Hormus und nehmt sie euch.“ Amerika brauche sie nicht, weil es mehr Öl als Saudi-Arabien und Russland zusammen habe und auch noch das aus Venezuela. Offensichtlich sieht der US-Präsident die Erde als eine Goldgrube für Starke und Reiche an. Um seinen Personenkult zu fördern, ließ er Straßen, Gebäude und geografische Regionen mit seinem Namen umbenennen und Ausweisdokumente mit einem Foto seines Gesichts verschönern.
Wie passt das Reden und Handeln des US-Präsidenten zum Eröffnungsgebet bei seiner Amtseinführung, das der katholische Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Dolan, vortrug? Seine Bitte an Gott: „Schenke unserem Anführer Weisheit, denn er ist dein Diener, sich seiner eigenen Schwäche und der Kürze seines Lebens bewusst. Wenn die Weisheit, die von dir kommt, nicht mit ihm ist, wird er keine Achtung finden.“
Herr, lass die „Großen“ auf der Erde erkennen, dass du ihre Herzen siehst und die Dauer ihres irdischen Aufenthaltes vor dir „wie ein Nichts ist“ (vgl. Ps 39,6)! Allein du „thronst für ewig“ und „stellst deinen Thron zum Gericht auf“ (vgl. Ps 9,8). Beende die von Jesus angekündigte „Nacht, in der niemand mehr wirken kann“, er deine Werke nicht mehr vollbringen kann, obwohl er „das Licht der Welt“ ist (vgl. Joh 9,4)! Ich bitte dich: „Erhebe dich, Herr, damit nicht der Mensch triumphiert, damit die Völker gerichtet werden vor deinem Angesicht“ (Ps 9,20)!
Der Präsident von Russland lässt mit patriarchaler Billigung Tausende Zivilisten töten, Frauen und Männer sexualisierter Gewalt aussetzen, Tausende Kinder gegen den Willen ihrer Eltern nach Russland verschleppen, Naturlandschaften ruinieren, Dörfer und Städte wie Butscha, Irpin, Cherson und Charkiw in Minen- und Trümmerfelder verwandeln, Hunderte Kirchen beschädigen oder zerstören, darunter die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Sophienkathedrale aus dem 11. Jahrhundert und das Höhlenkloster in Kiew, Wiege des ostslawischen orthodoxen Christentums, teilweise beschädigen, und das global größte Radioteleskop UTR-2 von Charkiw mit 2.000 Antennen ruinieren und behauptet, der Westen wolle Russland zerstören. Zirka ein Viertel der ukrainischen Landfläche ist mit Minen verseucht. Allein in der ostukrainischen Ortschaft Kamjanka lauern Hunderttausende unterirdische Minen. Bewohner verloren durch Minen ein Bein oder einen Arm beim Anbau von Salat und Gemüse. 2025 war die Ukraine das global am meisten verminte Land. Mehr als 1.200 Zivilisten wurden durch Streumunition verletzt oder getötet. Russische Invasoren entsorgten ungeeignetes Kriegsmaterial aus früherer Zeit in der Ukraine.
Der Patriarch schaute tatenlos zu und rechtfertigte den Angriffskrieg in der Weihnachtspredigt 2024, Russland wolle sich äußerer Angriffe erwehren. Stattdessen will der russische Präsident fremdes Territorium unter Blutvergießen seinem Herrschaftsgebiet hinzufügen. Dazu werden Arbeitslose aus armen Ländern mit Versprechen eines lukrativen Jobs nach Russland gelockt und in der Ukraine als Soldaten eingesetzt. Niemand weiß, wie viele Kindergärten, Museen, Theater, Kirchen, Kranken- und Wohnhäuser, Seniorenunterkünfte, Strom-, Gas- und Wärmeleitungen, Fahrzeuge, Straßen, Parks, Felder, Wiesen und Wälder zerstört und mit welchem Ausmaß die landwirtschaftlichen Nutzflächen und das Grundwasser verseucht wurden. Dörfer und Städte wie Marinka bei Donezk wurden einschließlich der Kirche durch Phosphorbomben dem Erdboden gleichgemacht. Doch die Terrorattacke im Juni 2024 auf zwei orthodoxe Kirchen, eine Synagoge und ungefähr 20 Menschen in der russischen Teilrepublik Dagestan verurteilten der Moskauer Erzbischof und der Patriarch.
Am 21. August 2025 wurde die Firma Flextronics bei Pausching in Transkarpatien bei einem Rekatenangriff vollständig zerstört, wodurch 2.600 Arbeitsplätze plötzlich wegfielen und viele Familien ohne Einkommen dastanden. Als zwei Monate später eine russische Drohne einen Kindergarten in Charkiw traf, appellierte die Ordensschwester Oleksia Pohranychna über die italienische Nachrichtenagentur SIR an die gutwilligen Mächtigen: „Wir schreien: Lasst den Krieg so schnell wie möglich enden! Zum Glück sind die Kinder noch in den unterirdischen Schutzraum gelangt, aber die Explosionen waren extrem laut… Die Kindheit ist jene Lebensphase, in der Kinder rennen, spielen, tanzen, ohne Angst nach draußen gehen sollten … Stattdessen leben sie mit der Angst im Inneren. Die ständige Bedrohung hat tiefe Spuren in der Psyche der Jüngsten hinterlassen. Wenn sie das Geräusch von Drohnen hören, erschrecken sie. Abends fürchten sie, durch den Ton von Luftalarmen geweckt zu werden. Oft fragen mich die Kinder: Hast du die Explosion gehört? Hast du Angst gehabt? Ich antworte mit Ja, und dann schauen sie mich an und sagen: ‚Ich hatte auch Angst.‘“
Kein vernünftiger Mensch lässt ein Land in ein Trümmerfeld verwandeln, um es sich danach anzueignen. Zum Überleben flohen Millionen Frauen, Kinder und ältere Menschen aus ihrer Heimat. Drei Jahre nach Kriegsbeginn hatte fast die Hälfte der Bevölkerung die Ukraine verlassen. Mindestens 4.000 Bildungseinrichtungen waren zerstört. Sorge um ihre Männer, Söhne und Väter sowie Trauer und Verzweiflung sind in den Gesichtern abzulesen. Kam ein Teil der aus der Heimat Vertriebenen nach Beschlagnahme durch russische Soldaten in ihr schwer beschädigtes Haus zurück, waren das Brauchbare verschwunden und die Zimmerböden häufig mit Fäkalien übersät. Unser Vater, allein du weißt, wie viele zu dir in bitterster Bedrängnis und Ausweglosigkeit riefen: „Hör mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweig nicht zu meinen Tränen!“ (Ps 39,13).
Das vom russischen Präsidenten genannte „Zurückholen“ der souveränen und unabhängigen Ukraine mit militärischer Gewalt ist quasi eine Kopie von Hitlers „Heimholen“ des Sudetenlands ins Nazi-Regime. Der Präsident meint zudem, der Tod russischer Soldaten, für deren Sterben er verantwortlich ist, könne durch einen hohen Geldbetrag an ihre Familien und durch Hilfe von Mitarbeitern „wiedergutgemacht“ werden. Die Gutheißung des Angriffskrieges von Seiten des Patriarchen erinnert an die Worte des Paulus beim Abschied in Ephesus. Er ermahnte die Ältesten der Christengemeinde: „Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. Und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen“ (Apg 20,29f).
Die derzeitige Symbiose von Präsidentschaft und Moskauer Patriarchat zeigte sich augenfällig am 1. März 2024 bei der 20-minütigen Beerdigung des 47-jährigen Alexej Navalny, der unter anderem die Korruption in Russland und den Angriffskrieg kritisierte, einen Tötungsversuch mit Gift überlebte und danach in einem sibirischen Straflager unter menschenunwürdigen Bedingungen und nicht geklärten Umständen starb. Wer verbot wohl den Trauergottesdienst und die am dritten und neunten Tag nach dem Sterben von der Russisch-Orthodoxen Kirche gebotenen kirchlichen Trauergebete? Den Priester, der die 40 Tage nach dem Sterben übliche Gedenkfeier vornahm, suspendierte der Patriarch drei Jahre vom prieserlichen Dienst. Navalny verwendete bei seinen Mitteilungen auch biblische Passagen und Aspekte christlicher Moral. Als der Sarg die Kirche zu Ehren der Marien-Ikone „Lindere meine Tränen“ erreichte, riefen Tausende: „Alexej lebt weiter…“
Die das Töten und Zerstören Anordnenden der Regierung und des Militärs in Russland haben vor Gott zu verantworten, dass Sakralbauten in der Ukraine zerstört und 700 beschädigt wurden. Das Gleiche gilt für jene, welche die Fatima-Statue Mariens im katholischen Priesterseminar Sacred Heart von Vorzel zertrümmerten und den goldenen Kelch raubten, den Papst Johannes Paul II. in der Ukraine 2001 beim Gottesdienst verwendete. Fast vollständig zerstört wurde Mariupol, namentlich „die Stadt Mariens“. Völlig zerstörte eine russische Rakete die den heiligen Märtyrern Cyprian und Justina geweihte Kirche in Antonivka bei Cherson.
Gesetzgebende, welche die Einstufung von den Krieg Kritisierenden etwa als „Hochverräter“ oder „ausländische Agenten“ ermöglichten und Vertreter der richterlichen Gewalt, die den alleinerziehenden Vater eines Mädchens, das als 13-Jährige eine Zeichnung gegen den Krieg im Unterricht anfertigte, auf der zwei russische Raketen in Richtung einer Mutter und eines Kindes in der Ukraine fliegen, zunächst zu einer Geldstrafe und dann zu einer knapp zweijährigen Unterbringung in einer Strafkolonie mit fünfmaliger Isolationshaft verurteilten und das Mädchen dadurch von seinem Vater trennten, haben ihr Handeln vor Jesus zu beurteilen. Auszüge aus einem Brief von Mascha an ihren Vater: „Bitte, gib einfach nicht auf. Glaube, hoffe und liebe. Eines Tages werden wir uns an den Tisch setzen und uns an alles erinnern. Ich liebe dich, ich hoffe, ich weiß, dass du nicht aufgeben wirst, du bist stark, wir sind stark, wir können und ich werde für dich und für uns beten, Papa. (…) Wenn wir uns endlich treffen, gebe ich dir ein großes schönes Geschenk. Papa, ich möchte nicht über meine Gesundheit und Stimmung schreiben, ich möchte dich nicht verärgern, aber ich habe die bittere Wahrheit besser verstanden als die süße Lüge. Wenn wir uns treffen, erzähle ich dir alles. Hier ist ein Antikriegszeichen, ich werde dir diesen Anhänger als dem mutigsten Mann der Welt geben! Ich liebe dich, du bist ein Held. Mein Held.“
Wer als Christ das Töten von unbekannten Menschen in einem anderen Land einen „Heiligen Krieg“ oder „Krieg im Namen Gottes“ nennt, verhält sich wie jemand, der den Teufel für heilig erklärt. Und wer als Oberhaupt einer christlichen Kirche lehrt, den aus eigenem Entschluss einen Angriffskrieg realisierenden Soldaten würden im Falle des Sterbens alle Sünden vergeben, missbraucht das durch blutiges Leiden von Jesus erwirkte Geschenk göttlicher Barmherzigkeit zur Rechtfertigung babarischen Vorgehens. Jesus hat als Bruder der Menschen Anteil an den körperlichen, psychischen und mentalen Leiden der Misshandelten, Verwundeten, Getöteten und ihrer Angehörigen. Mittlerweile sind Dutzende Hinrichtungen von gefangenen ukrainischen Soldaten durch die russische Armee dokumentiert. Jesus wird jenen, durch deren Anordnung oder Spaß am Töten Menschen umgebracht wurden, die jeweils Getöteten bei der moralischen Selbstbeurteilung im Lichte Gottes zeigen, wenn sie ihr Fehlverhalten zur irdischen Lebzeit nicht bereut und möglich wiedergutgemacht haben.
Während der Moskauer Patriarch beim „Weltkonzil des Russischen Volkes“ Ende März 2024 in einer Grundsatzerklärung die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine ausschloss, den Einmarsch als eine neue Etappe des nationalen Befreiungskampfes des russischen Volkes gegen das „verbrecherische Kiewer Regime und den dahinter stehenden kollektiven Westen“ darstellte sowie die „Verteidigung des einheitlichen geistigen Raums der Heiligen Rus“ als einen aus spiritueller und moralischer Sicht „heiligen Krieg“ zur Verteidigung Russlands vor dem Ansturm des Globalismus und dem Sieg des dem Satanismus verfallenen Westens bezeichnete, zeigte der Papst eine Woche danach bei der Generalaudienz das Neue Testament und den Rosenkranz eines gefallenen Soldaten aus der Ukraine. Spürbar ergriffen sagte Franziskus: „Der Name dieses Jungen war Oleksandr - Alexander, 23 Jahre alt. Alexander las das Neue Testament und die Psalmen, und er hatte im Buch der Psalmen den Psalm 129 unterstrichen: 'Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr; Herr, höre meine Stimme'. Und dieser 23-jährige Junge starb im Krieg. Er hat ein Leben hinter sich gelassen. Und dies ist sein Rosenkranz und sein Neues Testament, das er las und betete.“ Und weiter: „Ich möchte, dass wir alle in dieser Zeit schweigen und an diesen jungen Mann und so viele andere wie ihn denken, die in diesem Wahnsinn des Krieges gestorben sind. Krieg ist immer zerstörerisch. Lasst uns an sie denken und für sie beten!“ Zwei Jahre zuvor wies der Papst den Patriarchen bei einem Videogespräch darauf hin, dass von einem „heiligen“ oder „gerechten“ Krieg aus katholischer Sicht nicht gesprochen werden könne. Es habe sich ein christliches Bewusstsein für die Bedeutung des Friedens entwickelt.

Kein Kind sollte dies erleben! (Foto: pexels-berke-arakli)

Vater, wie du weißt, werden in Russland die in der Ukraine sterbenden Menschen offiziell oft nicht als Menschen bezeichnet, sondern als Nazis oder Feinde, die eliminiert werden müssen. An Stelle der Aneignung von fremdem Territorium wird vom Kampf gegen das Böse gesprochen. Lass die Bürgerinnen und Bürger in Russland die Intention dieser Ausdrucksweisen erkennen, und dass ein ehemaliger Präsident, der an Weihnachten ukrainische Politiker als „Schweine ohne Glauben“ titulierte, nicht die Sprache Jesu in den Evangelien verwendete. Als es am 28. Februar 2025 in Washington zum öffentlichen Eklat vor laufender Kamera zwischen den Präsidenten der Ukraine und der USA kam, hielt er auf Telegram fest: „Das undankbare Schwein bekam eine kräftige Ohrfeige von den Besitzern des Schweinestalls. Das ist nützlich.“
Lass sie auch die Mitteilung des Patriarchen zum Präsidenten reflektieren: „Er ist orthodox - nicht um sich beliebt zu machen, nicht um gewählt zu werden, sondern ein echter Orthodoxer, der die heiligen christlichen Sakramente empfängt und ein kirchliches Leben lebt. Nicht immer waren die Zaren so orthodox wie jetzt unser Präsident.“ Das Kirchenoberhaupt charakterisierte mit dieser religiösen Aussage den Herrschenden von Russland, der beim Besuch des Walaam-Klosters im Ladogasee am 1. August 2025 die Serienproduktion der atomar bestückbaren Hyperschallrakete Oreschnik verkündete.
Jesus betonte, die Menschen nicht nach dem äußeren Schein, sondern den Taten zu urteilen: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16.25). Er warnte vor Heuchlern, die wie weiß angestrichene Gräber schön aussehen und innen voll Knochen, Schmutz, Verwesung und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz sind (vgl. Mt 23,27f). Der russische Schriftsteller Michail Bulgakow porträtierte den Teufel als einen gut gekleideten Herrn, der Sympathie und gute Manieren im Umgang mit sich fordert, im sozialen Verhalten aber Kriege und Revolutionen beginnt, Menschen ermordet und ihre Seele verwüsten will.
Hier vier Früchte der Präsidentschaft, die der Patriarch als „Wunder Gottes“ einstufte und deren Angriffskrieg gegen die Menschen in der Ukraine er als „metaphysischen Kampf“ im Namen des Rechts guthieß, „sich auf der Seite des Lichts zu positionieren, auf Seiten der Wahrheit Gottes, auf Seiten dessen, was uns das Licht Christi, sein Wort, sein Evangelium offenbaren“ – christliche Religion als Mittel zur Gewaltverschärfung:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-schulanfang-101.html
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-cherson-interview-103.html
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/gefluechtete-trauma-ukraine-krieg-russland-100.html
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-krieg-bachmut-103.html
Ende Oktober 2023 nahmen die Spitzenkräfte der Orthodoxen Kirche und anderer Religionen in Russland den Dank des Präsidenten für die Unterstützung in der "militärischen Spezialoperation" entgegen. Vater, lass die Menschen erkennen, dass du als der alleinige Gott das Töten von Menschen durch Mose und Jesus verboten hast. Ich frage dich wie der Schreibkundige von Psalm 10: „Warum bleibst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not?“ Sitzt du erhaben auf deinem himmlischen Thron (vgl. Mt 23,22), ohne auf die Not der um deine Hilfe Flehenden zu reagieren? Erwartest du, dass die Bitten und Gebete dir „mit lautem Schreien und unter Tränen“ wie von Jesus vorgetragen werden, um erhört und von der Angst befreit zu werden (vgl. Hebr 5,7)? Ich bitte dich inständig: Steh den Bürgerinnen und Bürgern der Ukraine und allen anderen Notleidenden und um deine Hilfe Bittenden in den Situationen tiefster Bedrängnis hilfreich zur Seite und erleuchte jene mit deinem Licht, die sich über dein Verbot der Tötung von Menschen hinwegsetzen. Lass sie erkennen, dass sie dich als den Urheber und Garant des Lebens tief verletzen.
In den Blick auf die Ukraine sollten Aspekte wie die verbreitete Korruption, die rechtsradikalen und oligarchen Aktivitäten sowie der Umgang mit kritischen Medien, Oppositionellen und Minderheiten wie Russen, Polen und Ungarn einbezogen werden. Von der Regierung wurde der russischen Bevölkerung der Alltag zunehmend erschwert, da die russische Sprache und Literatur zurückgedrängt wurden. Ukrainisch ist seit 2022 per Gesetz als alleinige Sprache in öffentlichen Einrichtungen vorgeschrieben. Doch zirka 40 Prozent der in der Ukraine lebenden Personen haben Russisch als Muttersprache; in manchen Gebieten im Osten sprechen bis zu 90 Prozent Russisch. Mit der Aufforderung, dass die Mönche das Höhlenkloster in Kiew – Ursprungsort der christlichen Religion in der Region und religiöses Zentrum der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche – verlassen sollen, tat die ukrainische Regierung genau das, was ihr von russischer Seite schon länger vorgeworfen wird: die Einschränkung der religiösen Freiheit orthodoxer Christen. Die meisten Insassen sind fromme Mönche, die Gottesdienste feiern, aber keine Politik betreiben und keine Konfrontation erleben wollen.
Vater, lass die Verantwortlichen in der Ukraine klar erkennen, dass die religiöse und sprachliche Vielfalt die Kultur eines Staates bereichert. In der Schweiz werden vier offizielle Sprachen gesprochen, ohne dass das friedliche Miteinander beeinträchtigt ist. Kein Mensch ist ein Franzose oder eine Russin, weil er Französisch oder sie Russisch spricht. Nach dem Angriffskrieg stiegen viele zuvor Russisch Sprechende freiwillig auf Ukrainisch um.
Bereits seit 2014 tobt im Osten der Ukraine ein Krieg der Zerstörung und Menschenverachtung. Eine Studentin aus Perevalsk schilderte 2019 die Erlebnisse ihrer Familie: „Es gab Tage ohne Lebensmittel in den Geschäften. Wenn nachts Flugzeuge am Himmel auftauchten, flohen wir in den Keller, um am Leben zu bleiben. Manchmal blieben wir dort mehrere Tage ohne Essen, Wasser und Elektrizität. Zu Hause hatten wir 113 Tage kein Licht. Als meine Eltern kein Geld mehr hatten, dachten wir, sterben zu müssen, da wir nichts zum Essen hatten. In der äußerst lebensbedrohlichen Lage hat uns humanitäre Hilfe aus Russland geholfen.“
Die Staatsoberhäupter westlicher Länder verhielten sich unhöflich bei der Winter-Olympiade in China. Es war eine Gelegenheit, einen klärenden Dialog mit Andersdenkenden einschließlich des Herrschers von Russland zu führen. Stattdessen haben sie durch ihre Boykott-Haltung den einladenden Präsidenten von China beleidigt. Wenige Monate danach baten sie ihn um seine Vermittlung beim Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Im März 2023 hielt der chinesische Präsident sich drei Tage in Moskau auf und lud den russischen Präsidenten zu einem Besuch nach Peking ein, was dieser sieben Monate danach realisierte. Kiew besuchte der chinesische Präsident noch nicht. Er telefonierte lediglich mit dem ukrainischen Präsidenten und versprach, sein Land werde sich für faire Friedensverhandlungen einsetzen.
Anstatt das beiderseitige Blutvergießen mit Zehntausenden von getöteten Soldaten und Zivilisten, mehr als 100.000 Verwundeten wie Amputierten, Millionen Traumatisierten und Abertausenden zerstörten Gebäuden zu intensivieren und zu verlängern, sollte eine Lösung durch Verhandlung unter Beteiligung der Ukraine und von Russland gefunden werden, die von der EU und UNO, China, Indien und den USA abgesichert wird. Dies wäre für alle Erdbewohner ein weitaus besserer Weg, als bei eskalierender Gewalt von russischer Seite darüber nachzudenken, mit Nuklearwaffen ein globales Inferno anzurichten. Durch den Abwurf der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki 1945 und die radioaktive Strahlung danach starben etwa 200.000 Menschen. Herrschende, die bei der Konfliktlösung den gewaltfreien Diskurs ablehnen, sind inkompetent und sollten durch dialogbereite ersetzt werden.
Wer meint, ihm gehöre ein Teil der Erde mit den Bodenschätzen, ist verblendet. Skandalös ist der Verkauf etwa von Erdgas, Erdöl, Kohle, Diamanten und Gold zum finanziellen Absichern einer Gott missfallenden Herrschaft durch Zuwendungen an Sympathisanten sowie zur Entwicklung und Produktion von Kriegswaffen. Profiteure und Dealmaker, die zu den Angesehenen und Erfolgreichen zählen wollen, sollten bedenken: „Was die Menschen für großartig halten, das ist vor Gott ein Gräuel“ (Lk 16,15). Naturlandschaften wie die Urwälder am Amazonas, Kongo und in Papua-Neuguinea oder die Wälder Sibiriens und anderer Regionen sind erforderliche Klimagestalter, Sauerstoffspender und Lebensräume für Pflanzen, Tiere, Pilze und Menschen und keine Geldquelle für wenige.
Jeder Zehnte hat heute nicht genug zu essen, obwohl alle satt werden könnten. Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind vor allem durch Auswirkungen von Unterernährung. Zur Beseitigung des globalen Hungers genügen drei Prozent der G7-Militärausgaben. Derzeit fehlt 2,8 Milliarden Menschen das Geld für eine gesunde Ernährung. Statt den Notleidenden zu helfen und jedem Kind eine schulische Bildung und jedem Jugendlichen eine berufliche Ausbildung anzubieten, wurden 2025 global 2.900 Milliarden US-Dollar in die Rüstung investiert. Allein mit den 100 Milliarden Dollar für Atomwaffen könnten die 345 Millionen unter schwerstem Hunger leidenden Menschen knapp zwei Jahre lang ernährt werden.
Nach jedem Krieg werden immense Beträge für den Wiederaufbau zerstörter Krankenhäuser, Seniorenheime, Kindergärten, Schulen, Kirchen, Wohnhäuser, Straßen, Strom- und Schienennetzen sowie die Renaturierung der verseuchten Gebiete benötigt. Die ökologischen Schäden durch abgebrannte Wälder und minenverseuchte Böden und Gewässer betrugen allein in der Ukraine nach drei Jahren Krieg über 70 Milliarden Euro. Die Bewältigung der Klimakrise und die Bemühung um allgemeinen Wohlstand werden durch die Militärausgaben um Jahrzehnte zurückgeworfen.
Hätten die Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg mit über 60 Millionen Toten aufs Militär verzichtet, was Albert Einstein 1931 vehement forderte, und den Militär-Etat zum Verbessern der Infrastruktur im eigenen Staat und armer Länder verwendet, wären unter anderem keine fremden Soldaten in der Ukraine, die Bevölkerung bräuchte sich nicht zu verteidigen und der heutige Exodus aus armen Ländern würde nicht stattfinden. Die Staatsschulden Deutschlands von über 30.000 Euro pro Person wären wohl geringer.
Außer den Kriegen verletzt dich das Töten von Embryonen und Föten. Zu bedenken ist, dass zwischen einem 89 Tage alten Embryo und einem 90 Tage alten Fötus ein sprachlicher, aber kein genetischer und anatomischer Unterschied besteht. Entsprechendes gilt für den Fötus vor und den Säugling nach der Geburt. Die Individalentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem der Embryo nach erfolgreicher Passage durch den Eileiter sich etwa eine Woche nach der Befruchtung in die Gebärmutter einnistet, der Herzmuskel zwischen dem siebten und achten Tag sich zu bewegen beginnt und acht Tage danach der Herzschlag einsetzt. Dabei werden die Herzmuskelzellen plötzlich, unabhängig voneinander und gleichzeitig aktiv. Ein spezieller mRNA-Translationsschaltkreis priorisiert die Bildung des Herzens in einem sehr frühen embryonalen Stadium.
https://www.thenakedscientists.com/articles/interviews/first-heartbeat
https://nachrichten.idw-online.de/2023/03/30/wie-ein-herz-entsteht
https://www.nature.com/articles/s41586-023-06561-z
Das globale Töten von Embryonen und Föten sollte schnellstmöglich beendet werden – durch Einsicht der Betroffenen, nicht durch gesetzlichen Zwang. Es sind lebende Abbilder Gottes in pränataler menschlicher Gestalt. Gott schenkte ihnen bei der Empfängnis zum Lebendigsein eine unsterbliche Seele. Wer einen Embryo oder Fötus tötet oder töten lässt, verletzt das sensible Herz Gottes. Die gestorbenen Embryonen und Föten schmücken als engelähnliche Kinder das Paradies des sie liebenden Vaters.
Die Katholische Kirche hielt bis ins 16./17. Jahrhundert mehrheitlich an der Vorstellung der sukzessiven Beseelung fest. Fehlendes Sachwissen zur Befruchtung und pränatalen Entwicklung und Einflüsse anderer Religionen führten sie auf die falsche Fährte. Heute sollte das Fest der nach der Geburt Jesu unschuldig getöteten Knaben bis zum Alter von zwei Jahren, derer am 28. Dezember gedacht wird, durch Fakten abgesichert werden. Tatsache ist, dass bis heute Kinder getötet und physisch, psychisch und mental misshandelt werden, verhungern und verdursten, bei Kriegen unbeteiligt sterben, zu Schwerstarbeiten gezwungen und Opfer von Drogen- und Menschenhandel werden, auf der Straße vagabundieren und in ihrem Elend sich für Geld anbieten. Auch zum Überleben ihrer Familie müssen Kinder sich prostituieren.
Ob Josef mit dem Säugling Jesus und seiner Mutter auf Geheiß eines Engels bis zum Tod von Herodes und späteren Aufenthalt in Nazaret nach Ägypten floh – die mehrjährige Flucht zu Fuß und vermutlich mit Esel und Kahn über den Nil könnte von Alexandria am Mittelmeer über das Nildelta mit den Verästelungen nach Alt-Kairo und zur Mitte Ägyptens mit den heutigen Klöstern und Pilgerstätten geführt haben – und ob nach der Geburt Jesu die Knaben laut Mt 2,16ff getötet wurden, ist wegen eines noch fehlenden historischen Belegs offen. Möglicherweise schilderte der Evangelist den Knabenmord, um die um ihre getöteten Kinder weinende Rahel (vgl. Jer 31,15) als prophetische Ankündigung sich erfüllen zu lassen. Der Aufenthalt in Ägypten könnte sich an den von Mose anlehnen, um anzudeuten, dass Jesus als neugeborener König vom regierenden verfolgt wurde und über Ägypten als Retter wiederkehrte. Im Matthäusevangelium findet sich eine Vorliebe für die Erfüllung von alttestamentlichen Weissagungen im Leben Jesu.
Das römische Recht erlaubte dem Vater als Familienoberhaupt bis ins vierte Jahrhundert, Babys auszusetzen und zu töten. Zuhälterinnen und Zuhälter nahmen ausgesetzte Mädchen und erzogen sie zu Prostituierten. Kinder wurden gezüchtigt, verkauft, verpfändet und Fremden für Dienstleistungen überlassen. Barbarische Gräuel besonders an Mädchen durchziehen die Kulturgeschichte. Unzählige weibliche Embryonen und Föten starben durch äußeren Eingriff, da ihr Geschlecht den Eltern oder Herrschenden nicht zusagte. Die Geschwister Alexei, Anastasia, Marija, Tatjana und Olga wurden 1918 nachts in einem Keller in Jekaterinburg erschossen, da sie die Kinder des letzten Zaren waren. Nach dem späteren Fund der vergrabenen Leichenteile sprach die Russisch-Orthodoxe Kirche sie und ihre Eltern im Jahr 2000 heilig.
Falls die männlichen Kleinkinder nach der Geburt Jesu ermordet wurden, waren sie durch ihr gewaltsames Sterben die ersten Blutzeugen für Jesus als Messias, ohne ihn zu kennen. Und Stephanus war nicht der erste christliche Märtyrer, wie die Platzierung im liturgischen Kalender am 26. Dezember es nahelegt. Zudem passen sein Streitgespräch mit Kritikern, das Knirschen mit ihren Zähnen, ihr lautes Geschrei und Losstürmen auf ihn sowie seine Steinigung nicht zur Freude über die Geburt Jesu an Weihnachten. Es wirkt so, als würde jemand bei einer Geburtstagsfeier einem Anwesenden mitteilen, sein Bruder sei ermordet worden. Als Festtag des Stephanus eignet ein Tag in der Pfingstwoche, da er mit Hilfe des Heiligen Geistes von keinem Kritiker widerlegt werden konnte (vgl. Apg 6,8ff). Eine Frucht seines gewaltsamen Sterbens könnte die wegweisende Jesus-Vision des Christenverfolgers Paulus gewesen sein, der als junger Mann bei der Ermordung des Stephanus anwesend war.
Jesus liebt besonders die Kinder, von denen Tausende beim Krieg im Gazastreifen, in der Ukraine und in anderen Ländern gewaltsam starben und manche wegen Long Covid kränker als Krebspatienten sind. Als Eltern Kinder zu Jesus zum Segen und Gebet brachten und die Jünger es verhindern wollten, wurde er unwillig und bat die Kinder zu ihm zu kommen. Er gestand: „Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ Jesus nahm die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Dabei wies er darauf hin: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen“ (vgl. Mt 19,13ff; Mk 10,13ff; Lk 18,15ff). Doch die „reißenden Wölfe“ haben beim Manipulieren in ihrem Interesse bei Erwachsenen mit kindlicher Seele oft ein leichtes Spiel.
Gilt dein Versprechen noch heute? Soll das Streben nach Machterweiterung bestehen bleiben und das Recht des Stärkeren beim Machtmissbrauch weiter das Maß aller Dinge sein? Warum schaust du nur zu, wenn den Machthabern, die ständig auf der Suche nach Anerkennung sind, die Lüge über die Lippen kommt, das Unrecht sich ins Gewand des Rechts hüllt und Kriegsverbrecher sich ihrer Greueltaten rühmen? Wie lange noch soll knapp die Hälfte des globalen Vermögens im Besitz von einem Prozent der Menschheit bleiben und das Sterben der Armen, die kein Geld für Lebensmittel und/oder eine medizinische Therapie haben, fortbestehen?
Jesus lehrte seine Jünger, du seist in ihm und er sei in dir. Du würdest in ihm deine Werke vollbrigen. Wer an ihn glaube, würde seine Werke auch vollbringen. Sogar größere Werke als er könnten die an ihn Glaubenden vollbringen. Nach dem Weggang zu dir werde er alles tun, worum sie ihn in seinem Namen bitten, damit du in ihm verherrlicht wirst (vgl. Joh 14,7ff). Ist die Aussage Jesu zum Wohl der Menschen und zu deiner Ehre korrekt wiedergegeben und zutreffend? Wenn ja: Wo sind die Belege? Hilfst du beim Beenden von Kriegen, wenn Abertausende auf der Erde Jesus jeden Sonntag beim Gottesdienst darum bitten? Wann stürzt du jene, die in ihrer Verblendung an nichts anderes denken, als fremdes Gebiet zu zerstören und andere umzubringen?
Wie du weißt, war Papst Franziskus am 8. Dezember 2022 über die „Vernichtungsaktion“ auf ukainischem Boden beim Gebet vor der Mariensäule nahe der Spanischen Treppe sichtlich so stark ergriffen, dass er nicht mehr weiter sprechen konnte und öffentlich weinte wie Jesus, als er vorab an die Zerstörung Jerusalems dachte. Der Papst gestand: „Unbefleckte Jungfrau, ich hätte dir heute den Dank des ukrainischen Volkes überbringen wollen für den Frieden, um den wir den Herrn schon so lange bitten. Stattdessen muss ich dir noch einmal das Bittgesuch überbringen der Kinder, der alten Menschen, der Väter und Mütter, der jungen Menschen aus diesem gequälten Land, das so viel leidet.“ Spürst du in der unerträglichen Situation kein Mit-Leid mit deinen Söhnen und Töchtern in der Ukraine?
Oder soll eine Anküdigung im Buch Jesaja eintreffen? „Verheert wird die Erde, verheert, geplündert wird sie, geplündert. Ja, der Herr hat es gesagt.“ Denn: „Die Erde ist entweiht durch ihre Bewohner; sie haben die Weisungen übertreten.“ Die Folge: „Darum schwinden die Bewohner der Erde dahin, nur wenige Menschen werden übriggelassen“ (Jes 24,3.5.6).
Zu den Ermordeten wird im Buch Jesaja gesagt, der Herr werde den Ort, wo er ist, verlassen, um die Erdenbewohner für ihre Schuld zu bestraften. Die Erde werde das Blut, das sie trank, wieder aufdecken und die Ermordeten nicht mehr in sich verbergen. „Deine Toten werden leben, die Leichen stehen wieder auf; wer in der Erde liegt, wird erwachen und jubeln. Denn der Tau, den du sendest, ist ein Tau des Lichts; die Erde gibt die Toten heraus“ (Jes 26,19.21). Demnach leben die Ermordeten weiter mit einem immateriellen Leib, der dem verherrlichten Leib Jesu nachgebildet ist und nicht mehr stirbt. Menschen können den eigenen und den materiellen Leib anderer zerstören („töten“), aber nicht die unsterbliche Seele (vgl. Mt 10,28a).
In der Nacht zum 14. Juli 2023 wurde bei einem russischen Raketenangriff eine der größten Kirchen in der Ukraine stark beschädigt: die Verklärungskathedrale im historischen Zentrum von Odessa, deren Bau von Katharina der Großen 1795 in Auftrag gegeben wurde. Die Kathedrale mit 9.000 Sitzplätzen wurde nach der Machtübernahme der Kommunisten von 1919 geplündert, Stalin ließ sie 1936 niederreißen, der jetzige Moskauer Patriarch weihte sie 2010 ein, nachdem sie detailgetreu wieder aufgebaut war.
Nach der Beschädigung des sakralen Gebäudes gestand Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk von Odessa-Simferopol: Dieser schreckliche Krieg ist ein diabolischer Krieg, dieser Hass ohne Grund. Diese totale Zerstörung, diese Ruinen und diese Lügen, totale Lügen. Das ist eine diabolische Sache. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir viel beten sollten, weil wir Gottes Hilfe brauchen.“ Er gestand: „Der Friede sei mit euch! Das sind die Worte, die Christus gesagt hat: Friede sei mit euch! Jedes Mal, wenn ich die Heilige Messe feiere, sage ich: der Friede sei mit euch! Aber das habe ich früher immer automatisch gesagt. Heute sage ich das ganz anders. Mit Gefühl, mit Verständnis dafür, was das bedeutet: Friede sei mit euch!“
Als der Bischof im Mai 2024 in Deutschland weilte und um Unterstützung bat, berichtete er über die Situation in Cherson: „Ich war vor kurzem noch da. Da möchte man einfach nur noch weinen. Eine sehr schwierige Situation, viele Häuser wurden zerstört, nicht nur militärische Einrichtungen werden zum Ziel, sondern auch zivile Infrastruktur: Krankenhäuser, Wohnblöcke, Schulen. Das macht die Situation sehr schwierig. Das ist ein echter Völkermord. (…) Ich bitte meine Priester nur immer um eine Sache: Verliert kein Wort über die Politik, kein Wort über die Lage. Betet und Predigt über Gott. Auf diese Weise können wir bei den Leuten bleiben, das ist das Wichtigste für uns.“ Er stellte klar: „Wir haben in der Ukraine nur eine Wahl: Kämpfen oder zu Sklaven werden. Die ‚Weiße Flagge‘ ist für uns keine Option.“

Folgen Sie bitte der Einladung des Mädchens! (Foto: pexels-tim-mossholder)

Vater, deine Pläne kenne ich nicht. Doch ich will mich bemühen, dir zu vertrauen. Als die zwei Vorsteher der Heimatstadt Judits dich auf die Probe stellen wollten, belehrte die gottergebene Seherin sie: „Versucht nicht, die Entscheidungen des Herrn, unseres Gottes, zu erzwingen; denn Gott ist nicht wie ein Mensch, dem man drohen kann, und wie ein Menschenkind, das man beeindrucken kann. Darum wollen wir die Rettung von ihm erwarten und ihn um Hilfe anrufen. Er wird unser Flehen erhören, wenn es seinem Willen entspricht“ (Jdt 8,16f). Als es Judit gelang, die Bedrohung der Israeliten „mit dem Reiz ihrer Schönheit“ zu bannen, stimmte sie ein Lob- und Dankeslied für Gott mit der Aussage an: „Der Herr ist ein Gott, der den Kriegen ein Ende setzt“ (Jdt 16,2). Vater, ist Judits Glaube korrekt? Wann sagst du zu den Kriegen um der Gerechtigkeit willen: „Es reicht!“ (vgl. Jes 26,9)?
Wer zerstört und gegen den sich noch niemand empört hat, sollte bedenken: „Wenn du alles zerstört hast, wirst du selbst zerstört“ (Jes 33,1). Jesus erinnerte die auf Besitz und Expansion Fixierten daran: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.“ Oder auch: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Mt 16,26f; Lk 9,25).
Vater, es ist nun die Zeit deines notwendigen Handelns. Sieh auf das Unheil, das deine Werke entstellt und zerstört! Sieh auch auf die Früchte, die durch die Fülle der dir aufgeopferten Leiden gereift sind! Mit der Mutter Jesu, die vor deinem Thron kniet, dich um deine Hilfe anfleht und den Notleidenden so nahe wie Jesus unter dem Kreuz ist, bitte ich dich, dein passives Zusehen um der Glaubwürdigkeit der Versprechen Jesu in den Evangelien willen zu beenden. Sende das „aufstrahlende Licht aus der Höhe“ (vgl. Lk 1,78) und hilf beim friedlichen Beseitigen der Übel, die deinem Willen nicht entsprechen! Allein du „regierst als König und Herrscher über die Völker“ und kümmerst dich um deine Kinder auf der Erde wie ein Hirt um seine Schafe (vgl. Ps 22,29; 24,8.10; 47,3.8; 93,1; 95,3; 96,10; 97,1; 99,1; Ez 34,11ff).
Die Kriege mit physisch, psychisch und mental Verletzten, Misshandelten, Verschleppten, Gefolterten und Getöteten werden enden, wenn die dafür Verantwortlichen und die das Töten von Menschen Rechtfertigenden und aus eigenem Entschluss Praktizierenden den Zustand ihrer Seele in deinem Licht klar und deutlich erkennen. Lass sie einsehen, dass ihre Vorhaben, Reden und Handlungen mit dem Liebesgebot von dir und Jesus sowie mit der Unantastbarkeit des von dir erhaltenen Lebens nicht übereinstimmen! Kriege und andere Formen der Gewalt verursachen Traumata, deren epigenetische Veränderungen Mütter über Generationen auf zukünftige Nachkommen übertragen. Die Menschen brauchen Friedensstifter und keine Gewaltstifter.
Doch tief in der menschlichen Psyche sind destruktive Neigungen wie Hass, Rache, Jähzorn, Habgier, Neid, Stolz, Dominanz, Streitsucht und Lüge verankert. Hilf beim Kontrollieren solcher Antriebe und verstärke Tugenden wie Liebe, Güte, Verzeihen, Friedfertigkeit, Selbstbeherrschung, Sorge um die Schwachen und Notleidenden, Streben nach Gerechtigkeit und Wahrheit! Sende den dafür offenen Herzen den von Jesus versprochenen Geist der Wahrheit, der Liebe und des Friedens. Gewähre einen Abglanz himmlischen Lichts, damit die persönliche Beziehung zu dir, deinem göttlichen Sohn Jesus und zum Heiligen Geist als dem personalen Liebesband zwischen dir und Jesus überdacht und gegebenenfalls neu gestaltet wird! Nur mit dir, Jesus und dem Heiligen Geist, dem einen Gott in drei Personen, wird die Erde zu einem lebensfreundlichen, gewaltfreien und friedlichen Planeten mit geschwisterlich sich liebenden Menschen. Verwirkliche jetzt kraft deiner Allmacht „den neuen Himmel und die neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (vgl. 2 Petr 3,13)!

Heilige Maria, Königin der Liebe und des Friedens, bitte deinen Sohn Jesus, der Vater im Himmel möge das Gebet erhören. Denn die Gutwilligen konnten das globale Morden von auf der Erde lebenden Abbildern Gottes bisher nicht beenden.

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