Die dunklen Tage beim bisherigen Kampf ums Überleben der Menschen

Krisen mit hohen Sterberaten gehören zur fossil überlieferten und durch historische Quellen dokumentierten Kulturgeschichte des Menschen. Was Naturkatastrophen, Pandemien und vermutlich menschliches Fehlverhalten innerhalb von einer Million Jahre angerichtet haben, wird vor dem Hintergrund des heutigen Wissensstands aufgezeigt.
Vor ungefähr einer Million Jahren könnten laut einer Analyse von Transposons („springenden Genen“) nur zirka 18.500 fortpflanzungsfähige Erwachsene bzw. maximal 55.500 Individuen der Gattung Homo überlebt haben. Gemäß einer 2010 veröffentlichten Studie eines Teams um die Genetikerin Lynn Jorde von der Universität Salt Lake City nahm nach der Krise zwar die Anzahl der Menschen allmählich wieder zu, die genetische Vielfalt davor wurde aber nicht mehr erreicht. Was genau passierte, ist noch offen. Laut einer Pressemitteilung der Universität Heidelberg von 2016 gibt es nach Mario Trieloff vom Institut für Geowissenschaften schon länger Hinweise, dass vor etwa einer Million Jahren Gestein beim Einschlag eines größeren Geschosses schmolz und bis zu einige hundert Kilometer fortgeschleudert wurde.
In einer Studie von 2016 wiesen Forschende um Mario Trieloff und Winfried Schwarz von der Universität Heidelberg darauf hin, dass zahlreiche Tektite in Asien, Australien, Nord- und Zentralamerika etwa gleichaltrig sind. Tektite sind zentimetergroße Objekte von irdischem Material, das bei einem heftigen Aufprall schmilzt, in die Atmosphäre geschleudert wird und zu Boden fällt. Mittels absoluter Datierung wurde für die abgeschreckten Auswurfgläser ein durchschnittliches Alter von 790.000 Jahren ermittelt.Da sie über verschiedene Regionen der Erde verteilt sind, hatte das Impaktereignis weiträumige Auswirkung.
Durch chemische Analyse wurde deutlich, dass die Gesteinsgläser aus Kanada und Australien sich teilweise deutlich von den Hunderten aus Zentralamerika unterscheiden. Daher könnten zumindest zwei Einschläge ungefähr zeitgleich in verschiedenen Gegenden stattgefunden haben. In Anbetracht der Größe des Streufeldes der Tektite könnten die Geschosse mindestens ein Kilometer groß gewesen sein. Gleichaltrige Mikrotektite wurden zudem in der Antarktis und in Tiefseebohrkernen vor Madagaskar entdeckt. Daher könnte ein Teil der Gesteinsgläser höher als die Atmosphäre geschleudert worden sein. Es fiel bis zu 10.000 Kilometer von der Einschlagstelle entfernt zu Boden. Durch die Wucht von schätzungsweise einer Million Megatonnen TNT entstanden Erdbeben und Brände im Umkreis von Hunderten Kilometern. Der Staub in der Atmosphäre schwächte die Sonneneinstrahlung global ab und führte zu einer Abkühlung, bei der die Produktion von Biomasse deutlich abnahm. Falls ein Einschlag in einem Ozean stattfand, wären Hunderte Meter hohe Tsunamis entstanden.
Ein Team um den Seismologen Kerry Sieh vom Earth Observatory of Singapore hat eventuell 2019 einen vor etwa 790.000 Jahren entstandenen Impaktkrater vorgestellt. Er liegt im Süden von Laos auf dem Bolaven-Plateau unter der mächtigen Schicht eines Basalt-Feldes, das bei mehreren Vulkaneruptionen entstand. 14 Ausbrüche fanden vor, zwei etwa zeitgleich mit dem Impakt und 21 danach statt. Schwarz glänzende Tektite, die an verschiedenen Stellen der Erde gefunden wurden, passen zu den geochemischen Eigenschaften des Plateau-Gesteins. In der Nähe des mutmaßlichen Kraters entdeckte Quarzkörner zeigen durch Schockmetamorphose entstandene planare Deformationen. Mehr als zehn Kilometer vom Krater entfernte Blöcke aus Sand- und Tonstein könnten beim Einschlag zerbrochen sein. Holzkohle verweist auf großflächige Brände. Ob Menschen von dem Einschlag betroffen waren, wird noch diskutiert. Eine Gruppe von Homo erectus, von der Artefakte wie Handbeile bei den Tektiten gefunden wurden, könnte in der Gegend vom heutigen Guangxi in Südchina ansässig gewesen sein.
Laut der Forschergruppe um Winfried Schwarz und Mario Trieloff könnte bei dem Ereignis im asiatisch-australischen und im zentralamerikanischen Raum ungefähr zeitgleich auch der 1.200 Meter durchmessende Darwin-Krater in Tasmanien (Australien) durch einen kleineren Einschlag entstanden sein. Unter Fachpersonen wird schon lange diskutiert, wie die zirka 100 Einsenkungen auf etwa 400 Quadratkilometern und das in großer Menge gefundene Darwin-Glas zu Stande kamen.
Vor zirka 430.000 Jahren könnte sich ein Airburst in der Gegend des Sør Rondane-Gebirges in der östlichen Antarktis ereignet haben. Die von Forschenden um Matthias van Ginneken von der Universität Kent 2021 vorgestellte Untersuchung von Kondensationskörnchen, die auf dem Walnumfjellet entdeckt wurden, legt die Vorstellung nahe, dass ein mindestens 100 Meter großer Asteroid bis in die untere Atmosphäre raste und dort explodierte. Durch die freigesetzte Energie entstand ein projektilartiger Strahl aus geschmolzenem und verdampftem Material, der mit bis zu zehn Kilometer pro Sekunde auf den Eisschild traf.
Sodann stieg eine kilometergroße Wolke mit Asteroidenmaterial, verdampftem Wasser und geschmolzenem Gestein bis zu 400 Kilometer in die Höhe. Sie kollabierte und es bildete sich in der dichteren Atmosphäre eine über Tausende Kilometer reichende Wolke mit Spherulen. Partikel des Airbursts wurden in einem 2.700 Kilometer entfernten Eisbohrkern gefunden. Die Druckwelle könnte sich daher weiträumig ausgebreitet haben. In einer Gegend mit Vegetation hätte die Hitze verheerende Brände entfacht. Ob Menschen von dem antarktischen Ereignis betroffen waren, ist unwahrscheinlich. Fände ein solcher Airburst in einer dicht besiedelten Region heute statt, könnten Millionen sterben und immense Schäden bis in mehrere hundert Kilometer Entfernung auftreten. Einer Presseerklärung zufolge könnte die Untersuchung der extraterrestrischen Kügelchen auf einen Einschlag hindeuten, der viel katastrophaler als die Tunguska- und Tscheljabinsk-Ereignisse über Russland in den Jahren 1908 und 2013 war.
Das Sauerstoffisotopenverhältnis in Sedimenten mit Meeresorganismen verweist vor etwa 123.000 bis 95.000 Jahren auf eine trockene Kaltzeit auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bevölkerung floh wegen des unzureichenden Nahrungsangebots ins südliche Afrika, wo es in Küstenregionen noch nahrhafte Pflanzen und Meeresfrüchte gab. Mit Speicherorganen wie Wurzeln, Zwiebeln und Knollen sowie proteinreichen Schnecken, Krebsen und Muscheln trotzte eine Restpopulation der Herausforderung. Insgesamt überstanden nur einige hundert Erwachsene den Kampf ums Überleben. Laut einem ARD-Beitrag von 2015 überlebten die Menschen kraft ihrer Fähigkeit zu komplexen geistigen Leistungen. Höhlenfunde belegen, dass sie Werkzeuge aus gehärtetem Stein herstellten.
Ein weiterer katastrophaler Einschnitt ereignete sich vor 74.000 Jahren durch die Eruption des Supervulkans Toba auf Sumatra, bei der bis zu 2.000 Megatonnen Schwefeldioxid und mehr als 2.500 Kubikkilometer Asche und Gesteinsmaterial bis in die Stratosphäre ausgestoßen wurden. Tsunamis zerstörten Küstengebiete. Der entstandene Aerosolschleier blockierte den Einfall des Sonnenlichts, so dass sich bei dem ohnehin kühlen Klima der Eiszeit ein weiterer Temperatursturz global ereignete. Schalen von Foraminiferen weisen auf fünf bis zehn Grad Celsius kälteres Meerwasser hin. Das globale Klima war vermutlich über Jahre bis zu 3,5 Grad Celsius kälter. Heftige Schneefälle verstärkten den Temperatursturz durch Reflexion des reduzierten Sonnenlichts.
Während der Kältephase war die Mehrzahl der Menschen unterernährt. Die gewaltige Menge an Schwefeldioxid in der Eruptionswolke schwächte die Ozonbildung ab, so dass besonders in tropischen Regionen die UV-Belastung extrem hoch war. Zu den Folgen zählten zunächst Augenentzündungen und Hautausschläge durch Sonnenbrand. Später nahmen auf Grund der erhöhten Mutationsrate und des geschwächten Immunsystems die Krebserkrankungen zu.
Über die genauen gesundheitlichen Schäden wird noch debattiert. Für manche Fachpersonen waren sie bei den Menschen im heutigen Südafrika und Indien ziemlich gering. Laut einem Vergleich mitochondrialer DNA überlebten von den gebärfähigen Frauen nur ungefähr 5.000. Einer anderen Studie zufolge könnten die heutigen Menschen von schätzungsweise 30.000 Personen abstammen, die in Afrika drei relativ warme und feuchte Rückzugsgebiete in der Nähe des Äquators fanden. Archäologische Funde signalisieren, dass die Nachfahren der drei Restpopulationen etwa 10.000 Jahre benötigten, um den gravierenden Bevölkerungsschwund auszugleichen.
Zirka tausend Jahre nach dem Toba-Ausbruch kollabierte eine Flanke des Vulkans Pico auf der Kapverden-Insel Fogo. Dabei entstand gemäß 2015 veröffentlichten Berechnungen eines Teams um Ricardo Ramalho von der Columbia University in New York ein bis zu 240 Meter hoher Mega-Tsunami, der maximal 770 Tonnen schwere Gesteinsbrocken mit der Größe von LKWs von der Küste in das 200 Meter hohe Hinterland der 55 Kilometer entfernten Insel Santiago verfrachtete. Schätzungsweise 167 Kubikkilometer Gestein stürzte so schnell ins Meer, dass der zu Stande gekommene Wellenberg eine mindestens 50 Kilometer entfernte Insel auslöschte und gewaltige Felsblöcke mit maximal acht Meter Durchmesser bis zu 600 Meter landeinwärts auf Santiago transportierte. Offen ist, welche Verwüstungen der Mega-Tsunami in der etwa 570 Kilometer entfernten Küstenregion Westafrikas anrichtete. Eine vage Vorstellung liefert der maximal 30 Meter hohe Tsunami vom 26. Dezember 2004, der durch Seebeben ausgelöst wurde und die Küsten des Indischen Ozeans bis teilweise ins Hinterland verwüstete. Mehrere Inseln der Andamanen und Nikobaren versanken im Meer. Vor Sumatra hoben sich Inseln bis zu zwei Meter, die thailändische Ferieninsel Phuket wurde um 27 Zentimeter verschoben, die Lage der Erdachse veränderte sich um sieben Zentimeter, die ökologischen Schäden waren gravierend. Ungefähr 220.000 Menschen starben, Millionen verloren ihre Unterkunft.
Zu den medial oft gezeigten Einschlagkratern zählt der etwa 1.200 Meter durchmessende und fast 200 Meter tiefe Barringer-Krater in Arizona. 1903 erkannte der Mineningenieur Daniel Barringer, dass der Krater durch einen Einschlag entstanden ist. Vor knapp 50.000 Jahren näherte sich ein ungefähr 60 Meter großer und eine Million Tonnen schwerer Eisenmeteorit. Etwa 14 Kilometer über dem Boden wurde er so stark abgebremst und erhitzt, dass er zerbrach. Fragmente setzten den Flug fort. Ein großes trennte sich von der Wolke und schlug mit 12 Kilometern pro Sekunde ein. Dabei wurde eine Energie von zirka 2,5 Millionen Tonnen TNT bzw. 190 Hiroshima-Atombomben freigesetzt. Eine verheerende Druckwelle und ein Beben machten bis in 20 Kilometer Entfernung alles dem Erdboden gleich.
Ob damals schon Menschen in Nordamerika lebten, ist ungewiss. 30.000 Jahre alte Ritzspuren an Tierknochen aus Uruguay, zirka 1.900 ungefähr 33.000 bis 31.000 Jahre alte Steinartefakte aus einer Hochland-Höhle in Zentralmexiko sowie mit der AMS-Radiokohlenstoff-Methode auf 38.900 bis 36.250 Jahre datierte Knochen zweier Mammuts mit Abschlägen, die nach der Schlachtung mit spitzen Werkzeugen bearbeitet wurden, und Brennstoffreste eines offenbar kontrollierten Feuers weisen auf die Anwesenheit von Menschen am Hartley-Fundort auf dem Colorado-Plateau in New Mexico hin, lange bevor die Menschen der Clovis-Kultur gegen Ende der 100.000 Jahre dauernden Eiszeit den nordamerikanischen Kontinent bewohnten.
In der chinesischen Provinz Heilongjiang am südöstlichen Rand des Xing’an-Gebirges in der Nähe der Stadt Yilan erzeugte ein 100 Meter großer Asteroid vor 50.000 Jahren einen Krater mit bis zu 150 Meter Tiefe und 1,85 Kilometer Durchmesser. Mineralogisch-petrographische und geochemische Untersuchungen eines über 400 Meter langen Bohrkerns aus dem Zentrum des Kraters belegten das Impaktereignis, bei dem Granitbrekzien durch zertrümmertes und zusammengebacktes Gestein, geschockte Quarze und Schmelzprodukte wie Glas bei extrem hohem Druck und Überhitze gebildet wurden.
Laut Studien von Richard B. Firestone et al. (2007), Ted E. Bunch et al. (2012), Andrew M. T. Moore et al. (2020) und Peter H. Schultz et al. (2021) könnten sich vor ungefähr 12.900 bis 12.000 Jahren einige Explosionen von Kometen oder deren Bruchstücken in verschiedenen Regionen der Erde ereignet haben. Relikte sind unter anderem Körnchen wie Mikrospherulen, spezielle Nanodiamanten wie das extrem seltene Mineral Lonsdaleit, das Eisensilizidmineral Suessit, das Glas Lechatelierit mit bei über 2.000 Grad Celsius gebildeten Fließtexturen, bis zu 50 Zentimeter große, verdrehte und gefaltete Silikatgläser sowie geschmolzene Quarz-, Chromferid- und Magnetitkörnchen, die bei mindestens 1.720 Grad Celsius entstanden und sich in Schmelzgläsern mit nur 0,02 bis 0,05 Prozent Wassergehalt befinden. In magnetischen Körnern wurde Iridium entdeckt, bei Fullerenen eine Überlagerung mit extraterrestrischem Helium. Aus den auf vier Kontinenten liegenden Hochtemperaturschmelzen, mineralogischen Untersuchungen und diversen Datierungen resultiert, dass zunächst Kometenkörper in Kanada in der Nähe vom heutigen Quebec, im syrischen Abu Hureyra etwa 120 Kilometer östlich von Aleppo am Euphrat-Ufer und anderen Einschlagorten explodierten sowie später Lufteinbrüche über der Atacama-Wüste nahe des Ortes Pico in Nordchile stattfanden. Sie führten durch die Extremhitze zu Mineralzersetzungen und beförderten Tausende identische Meteoritenkörner in Schmelzgläser.
Ein Hinweis auf ein Einschlagereignis im heutigen Nordamerika ist auch die über mindestens 15 Carolina-Buchten sich erstreckende Schicht mit verbrannter Biomasse. Die elliptischen bis kreisförmigen Buchten befinden sich entlang der Atlantikküste von New York bis Florida. Das Firestone-Team vermutete, dass ein oder mehrere extraterrestrische Objekte mit geringer Dichte über dem nördlichen Gebiet Nordamerikas explodierten. Dadurch wurde der sich von Kanada nach Süden erstreckende Laurenditische Eisschild teilweise destabilisiert.
In einem 2017 publizierten Artikel und 2020 erschienenen Buch ergänzte der Chemiker und Hobby-Impaktforscher Antonio Zamora das Konzept durch geometrische Analysen mit Hilfe von Google Earth in Kombination mit LiDAR-Daten. Demnach handelt es sich bei den radial zur Region der Großen Seen ausgerichteten Carolina-Buchten um umgestaltete Überreste von schrägen, kegelförmigen Sekundärkratern, die auf einem Untergrund entstanden, der durch seismische Schockwellen der Einschläge von Gletschereisblöcken verflüssigt wurde. Bei dem Impaktereignis auf dem Laurenditischen Eisschild wurden die Eisblöcke strahlenförmig von der Einschlagstelle weggeschleudert.
Auf Grund der Mehrfacheinschläge in verschiedenen Regionen der Erde könnte bis zu zehn Prozent der globalen Vegetation mit den Tieren und Menschen innerhalb von Wochen oder gar Tagen vernichtet worden sein. Auslöser waren die heftigen Brände durch glühend auf die Erde gefallenes Gestein und die intensive thermische Strahlung, die schneller als der Schall rasenden Druckwellen und die Hurrikans übertreffenden Impakt-Winde. Der Rauch und Ruß des Feuerinfernos lösten vermutlich die trockene Kälteperiode der Jüngeren Dryas vor etwa 12.900 Jahren aus. Während der Abkühlungsphase fiel die durchschnittliche Jahrestemperatur regional bis zu zehn Grad Celsius. Indiz für eine hohe Sterberate sind die von Menschen der Clovis-Kultur an etwa 50 Fundorten entdeckten Werkzeuge. Sie befinden sich unterhalb der auf zirka 12.900 Jahre datierten, kohlenstoffreichen schwarzen Schicht, nicht innerhalb oder oberhalb davon. Bei den Tieren starben etwa das Mastodon und der Säbelzahntiger aus.
2021 legte Martin B. Sweatman von der University of Edinburgh in einem Review-Artikel dar, dass der überwältigende Konsens der Forschungsergebnisse von unabhängigen Gruppen nachvollziehbar aufzeigt, dass ein großes Einschlagereignis die dramatische Abkühlung der Jüngeren Dryas mit ausgedehnten Waldbränden, Aussterben von Megafauna und kulturellen Veränderungen auslöste. Beweiskräftig seien die auf mindestens vier Kontinenten, besonders in Nordamerika und Grönland, entdeckten chemischen Signale wie abgeschliffenes Material, Nanodiamanten und überschüssiges Platin.
Wie das Ereignis sich bei den Menschen in Südamerika auswirkte, teilte eine Forschergruppe um Paula Paz Sepúlveda von der Nationalen Universität von La Plata, Buenos Aires in einer 2022 erschienenen Studie mit. Zur Untersuchung der Besiedlungsgeschichte von Mittel- und Südamerika analysierte das Team erstmals die Y-Chromosom Q-Haplogruppe, die bei allen indianischen Abstammungslinien vorliegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Besiedlung von Südamerika vor 18.000 Jahren begonnen haben könnte. Die Umwelteinflüsse während der Jüngeren Dryas könnten bei der indianischen Bevölkerung zu einem erheblichen Verlust geführt haben.
Ungefähr zur geologisch gleichen Zeit endeten die vulkanischen Aktivitäten bei der jüngsten Ausbruchphase in der Eifel. Relikte sind die trichterförmigen Maare, von denen einige von einem See bedeckt sind. Die jüngsten Ausbrüche aktiver Vulkane begannen in der Westeifel vor zirka 700.000 und in der Osteifel vor etwa 500.000 Jahren. Dabei kam es im Westen zu ungefähr 240 Eruptionen. Im Osten entstanden etwa 100 Vulkane, von denen der Laacher-See-Vulkan von verschiedenen Fachpersonen akribisch inspiziert wurde.
Bei seinem vermutlich mehrwöchigen Ausbruch, den ein Team um den Dendrochronologen Frederick Reinig von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an Hand verkohlter Reste von Birken und Pappeln sowie Radiokarbon-Methoden in einer 2021 veröffentlichten Studie auf das Jahr 11.056 ± 9 v. Chr. datierte, wurden weite Teile Mittel- und Nordeuropas von der Katastrophe heimgesucht. Die Asche der sich über 20 Kilometer in die Höhe ausdehnenden Eruptionswolke erreichte im Norden Südschweden, im Nordosten Sankt Petersburg und im Süden das nördliche Italien. In unmittelbarer Vulkannähe und im östlich gelegenen Rheintal wurden bis zu 16 Meter mächtige Schichten aus Asche und Bims abgelagert. Dabei wurden die Lebewesen in und unter ihnen begraben. Das Projekt bestätigte die Untersuchungen von grönländischen Eisbohrkernen zum Kälteeinbruch in der Jüngeren Dryas. Die 1.300 Jahre dauernde Abkühlungsphase, bei der die Temperatur in Europa im Durchschnitt um bis zu fünf Grad Celsius sank, begann vor zirka 12.870 Jahren.
Die weitgehend zeitgleiche Mehrfachbildung von Kratern bei Impaktereignissen findet heute zunehmend Beachtung. In Europa befinden sich mehrere Streufelder aus geologisch jüngerer Zeit. Vom auf zirka 900 bis 600 v. Chr. datierten Chiemgau-Impakt wurden bislang über 200 Einsenkungen auf einer elliptischen Fläche von knapp 2.000 Quadratkilometern entdeckt, von denen der 1.300 Meter messende Eglsee-Krater die größte ist. Zu den Belegen des kosmisch zu Stande gekommenen Ereignisses zählt eine 500 mal 50 Meter große Granit-Platte aus Glas und Schmelzgestein auf der Hochfläche über der Donau bei Regensburg, die nur durch einen gewaltigen Airburst entstanden sein konnte. Ein weiteres Streufeld liegt am Niederrhein, im Saarland und in Tschechien. Neuerdings kommen Kraterstreufelder in Nordniedersachsen, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie bei Würzburg hinzu. Ob sie bei separaten Impakten oder einem Kometen-Airburst über Mitteleuropa, dessen Auswirkungen sich von Tschechien bis zum Pariser Becken erstrecken, gebildet wurden, ist noch offen. Zukünftige Datierungen werden weiteres Licht in die komplexe Thematik bringen.
In den zurückliegenden 10.000 Jahren könnte mindestens die Hälfte der Menschheit einem einschneidenden Ereignis ausgesetzt gewesen sein. Dabei schrumpfte die Populationsgröße teilweise auf einige tausend oder gar nur wenige hundert Personen. Dies ergab der genetische Vergleich von über 4.000 Individuen aus heutigen und früheren Bevölkerungsgruppen. Laut einer Untersuchung von Forschenden um den Populationsgenetiker Rémi Tournebize von der University of California in Berkeley von 2022 weist über die Hälfte der von ihnen zirka 460 global analysierten Populationen Hinweise auf einen Neuanfang in neuerer Zeit auf, der mit geografischer Isolation, anderer Ernährung oder kulturellen Praktiken wie Heirat innerhalb der eigenen sozialen Gruppe zusammenhängt.
Vor 9.000 bis 7.000 Jahren könnte die Mehrzahl der Steinzeit-Männer in Asien, Europa und Afrika verschwunden sein. In Anbetracht der geringen Variationsrate der Y-Chromosomen könnte die männliche Bevölkerung auf ein Zwanzigstel geschrumpft sein. Die Frauen waren davon nicht betroffen. Als mögliche Ursache des abrupten Bevölkerungsengpasses wird von Forschenden um den Mathematiker Alan J. Aw und den Soziologen Tian Chen Zeng von der Standford University in einer 2018 vorgestellten Studie favorisiert, dass die Männer sich bei ständigen Fehden und Kriegen der größtenteils patrilinearen Clans selbst umgebracht haben. Dadurch nahm die genetische Vielfalt beim Y-Chromosom ab und die Dominanz der Männer verstärkt. Bei einem Blick in die Geschichte und Gegenwart entsteht der Eindruck, dass das Verhaltensmuster von Männern der Jungsteinzeit bei zwischenmenschlichen und -staatlichen Konflikten fortbestand.
Über einen tierischen Zwischenwirt gelangte vor zirka 5.500 Jahren der bakterielle Erreger der Lungenpest zu Menschen in Zentralasien. Dadurch schrumpfte in Europa im vierten und dritten Jahrtausend v. Chr. die Bevölkerung auf etwa die Hälfte. Bei der vermutlich 1338 im Norden Kirgisistans ausgebrochenen Beulenpest starben Abermillionen bis ins 19. Jahrhundert. In Europa betrug die Sterberate fast 60 Prozent.
Ein Ausblick: Alan Harris vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin teilte beim Asteroidentag 2020 mit, die Wahrscheinlichkeit, dass ein 100 Meter messender Asteroid in den nächsten 100 Jahren auf der Erde einschlägt, betrage ungefähr ein Prozent. Laut Aussage der Planetenwissenschaftlerin Naomi Murdoch von der Université Fédérale Toulouse in einer ARTE-Dokumentation von 2022 kollidiert ein 50 Meter großer Asteroid, der ein Tunguska-Ereignis mit der Wucht von tausend Hiroshima-Atombomben auslösen kann, alle paar hundert Jahre, ein 100 Meter messender Asteroid alle paar tausend Jahre und ein Asteroid mit einem Kilometer Durchmesser alle 500.000 Jahre mit der Erde. Bereits die Explosion des 16 Meter großen Asteroiden, der bei Tscheljabinsk im südlichen Ural etwa 30 Kilometer über der Erde auseinanderbrach, setzte mehr Energie als 30 Hiroshima-Atombomben frei. Die Hitze war bis zu 60 Kilometer weit zu spüren. Durch die von der Druckwelle entstandenen Glassplitter wurden mehr als tausend Personen verletzt. In Anbetracht dessen sollten die von den Fachpersonen empfohlenen Schutzmaßnahmen zügig verwirklicht werden.
Der Vulkanologe Bill McGuire vom UCL Hazard Centre am University College London geht davon aus, dass ein Mega-Tsunami wie beim Flankenkollaps des Vulkans Pico auf Fogo vor 73.000 Jahren ungefähr einmal alle 10.000 Jahre stattfindet. So ereignete sich vor zirka 1,5 Millionen Jahren ein massiver Hangrutsch bei der Insel Molokai, bei dem der 40 Kilometer lange und 1,5 Kilometer breite Teil im Norden der Insel abbrach. Von einer riesigen Flutwelle wurden Gesteinsbrocken auf dem Meeresboden mit zirka 250 km/h bis zu 320 Kilometer weit von der Insel wegtransportiert. Der Mega-Tsunami vom Bergsturz Alika 2 lagerte Trümmer von Gestein und Muschelschalen auf benachbarten Inseln in teilweise über 300 Meter Höhe ab. Auf der Insel Lanai finden sich Korallen bis zu 325 Meter über dem Meeresspiegel. Die Insel Maui könnte zweigeteilt wurden sein.
Vor etwa 120.000 Jahren donnerte bei einem Flankensturz auf der Kanaren-Insel El Hierro der Nordwestteil des 1,5 Kilometer hohen Vulkans in den Atlantik. Die damals ausgelösten Flutwellen verfrachteten schwere Gesteinsbrocken auf die Bahamas bis zu 20 Meter über den Meeresspiegel. Zukünftig könnte die knapp 500 Milliarden Tonnen schwere und eingerissene Steilflanke der 14 Kilometer langen Vulkankette Cumbre Vieja im Westen von La Palma ins Meer stürzen und im Nahbereich einen 600 bis 900 Meter hohen Wellenberg bilden, der mit über 700 km/h zuerst die anderen Kanaren-Inseln, nach einer Stunde als ungefähr 100 Meter hoher Tsunami die Küste Marokkos und nach acht bis zwölf Stunden als zehn bis 20 Meter hoher Brecher die Ostküste der USA erreichen würde. In New York könnten Zehntausende Opfer zu beklagen sein. Vergleichbares könnte passieren, wenn die zum Meer ausgerichtete Flanke vom 3.718 Meter hohen Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa wegrutschen würde. Es gab solche Ereignisse bereits in der Vergangenheit. Aus dem Vulkan entweicht eine größere Gasmenge, die auf aufsteigendes Magma hinweisen könnte, und seit 2004 gab es mehr Beben auf der Insel als in den Jahren davor.
Unter dem Yellowstone Nationalpark mit bizarren Felsformationen, dampfenden Geysiren und blubbernden Schlammlöchern befindet sich ein Supervulkan, der in den zurückliegenden 20 Millionen Jahren mindestens 140 Mal mit verschiedener Stärke ausbrach. Bei den starken Eruptionen vor zirka 2,1, 1,3 Millionen und 630.000 Jahren spuckte er 1.000, 280 und 2.500 Kubikkilometer flüssiges Gestein aus. Das Vulkanmaterial vom Ausbruch vor 8,7 Millionen Jahren bedeckt heute eine Landfläche von über 23.000 Quadratkilometern.
Gemäß Analysen von Bohrkernen fanden vor 630.000 Jahren zwei Ausbrüche statt, deren Asche weite Teile Nordamerikas bedeckte. Die zwei vulkanischen Winter mit 170-jährigem Abstand dauerten jeweils mindestens 80 Jahre. Bei den Eruptionen wurde bis zu 2.500 Mal mehr heiße Asche ausgestoßen als 1980 beim Ausbruch des Mount St. Helens. Sie flog mit Überschallgeschwindigkeit in die Atmosphäre. Sich aneinander reibende Körnchen luden sich elektrostatisch auf, so dass Blitze die Aschewolke zerrissen. Hätte ein Mensch die Partikel eingeatmet, wären die Blutgefäße der Lunge zerfetzt worden.
Die obere Kammer in fünf bis 15 Kilometer Tiefe ist mit etwa 10.000 Kubikkilometer Magma gefüllt. Die Kammer darunter kann ungefähr 45.000 Kubikkilometer Magma aufnehmen. Sie werden vermutlich von einem heißen Aufstrom aus dem Übergangsbereich zum Erdkern in 2.900 Kilometer Tiefe gespeist. Dadurch baut sich im Laufe der Zeit immer mehr Druck auf. Meistens sammelt das schwammartige Magma sich vor allem innerhalb von Jahrzehnten oder Jahrhunderten vor einem Ausbruch an. Dabei nimmt die Häufigkeit der in der Region relativ oft vorkommenden Erdbeben zu.
Falls der Supervulkan wie bei den drei letzten Ausbrüchen einen Zyklus von 600.000 bis 700.000 Jahren aufweist, würde die nächste Eruption in geologisch naher Zukunft stattfinden. Radaraufnahmen des europäischen Erdbeobachtungssatelliten ERS-2 zeigten seit etwa 1995 ein Heben und Senken des Bodens und ein Aufsteigen des Kraterrands. Bei einem Ausbruch würde der Ascheregen mehrere US-Bundesstaaten verwüsten. Die bis zu 700 Grad Celsius heißen Glutlawinen würden die Lebewesen schätzungsweise auf der Fläche von Thüringen vernichten. Eine atomblitzartige Wolke würde sich in alle Richtungen bis zu 1.500 Kilometer weit ausbreiten. Im Umkreis von 500 Kilometern läge eine über ein Meter hohe Schicht mit Asche. Ein gräulicher Staubregen würde das 1.000 Kilometer entfernte Los Angeles bis zu 30 Zentimeter hoch bedecken und die Westküste der USA erreichen. Die Stromversorgung wäre wegen Transformatorkurzschlüssen zusammengebrochen. Der Luftverkehr über Nordamerika käme zum Erliegen. Autos, Busse und Züge stünden nicht mehr zur Verfügung.
Das globale Klima würde abrupt um mindestens fünf Grad Celsius fallen. Milliarden Tonnen Schwefeldioxid gelangten in die Atmosphäre und verbänden sich mit Sauerstoffatomen zu Schwefeltrioxid, das bei Luftfeuchtigkeit winzige Schwefelsäuretröpfchen bildet. Eine graue Wolke aus Schwefelsäure-Aerosolen, Staub und Asche würde das Licht und die Wärme der Sonne abschirmen. Die Pflanzen würden sterben, die Landwirtschaft käme zum Erliegen. Es entstünde durch die Vulkangase in der oberen Atmosphäre ein riesiges Ozonloch. Ein Sterben wäre unausweichlich. Europa hätte ein sibirisches Klima mit tagsüber einer Helligkeit wie bei klaren Vollmondnächten.
Im Vergleich zu einer Supervulkaneruption sind Ausbrüche von Vulkanen wie Vesuv, Ätna, Fujiyama oder Mount St. Helens kleine Lagerfeuer. Der Vesuv stieß 79 v. Chr. etwa 100.000 Kubikmeter Magma aus. Sollte beim 3.300 Meter hohen Ätna die riesige Südost-Flanke, die jährlich wenige Zentimeter abwärts rutscht, zukünftig ins Mittelmeer stürzen, entstünde eine zerstörerische Flutwelle. Bei der Explosion des Mount St. Helens wurden 425 Meter vom Gipfel weggesprengt und eine zirka 62 Quadratkilometer große Fläche mit Trümmermasse gefüllt. Der pyroklastische Strom raste mit bis zu 1.080 Stundenkilometern in die Täler und überwand eine 360 Meter hohe Wand. Der bis zum Columbia-River fließende Schlamm ließ maximal 180 Meter mächtige Ablagerungen zurück. Bei einer zweiten Eruption entstanden 36 Krater durch Dampfexplosionen. Die bis zu 260 Meter hohe Flutwelle vom Spirit Lake riss die Vegetation größtenteils mit sich. In nur neun Stunden wurde eine Energie von ungefähr 20.000 Hiroschima-Atombomben freigesetzt.
Dass in den nächsten 100 Jahren eine Vulkaneruption mit der Stärke 7 stattfindet, wird von Michael Cassidy, Vulkanologe an der University of Birmingham (UK), und Lara Mani vom Centre for the Study of Existential Risk der University of Cambridge (UK) mit eins zu sechs angegeben. Der Angabe von 2022 liegt eine Analyse von polaren Eisbohrkernen zu Grunde. Demnach zeigen die Sulfatspitzen freigesetzter Gase von global bedeutsamen Ausbrüchen im grönländischen Eis 1.113 und in der Antarktis 737 Signaturen von Eruptionen, die 60.000 bis 9.000 Jahre zurückliegen. Davon wiesen 97 Signaturen auf einen Ausbruch mit vermutlich klimatischen Auswirkungen hin. Die beiden folgerten, dass Eruptionen mit der Stärke 7 etwa alle 625 Jahre und Supereruptionen mit der Stärke 8 ungefähr alle 14.300 Jahre auftreten.
Ein Weckruf sollte der nur elf Stunden dauernde Tonga-Ausbruch im Südpazifik sein. Als der Vulkan im Januar 2022 aktiv wurde, war die Kommunikation von Tonga mit der Außenwelt wegen durchtrennter Unterseekabel unterbrochen, beeinträchtigte die sich über Hunderte von Kilometern ausbreitende Asche die Landwirtschaft und löste die Schockwelle Tsunamis an japanischen und nord- und südamerikanischen Küsten aus. Zehn bis 100 Mal gewaltiger war der Tambora-Ausbruch mit der Stärke 7 im Jahr 1815 in Indonesien. Die freigesetzte Energie entsprach der von über sechs Millionen Hiroshima-Atombomben. Nach dem Ausbruch maß der zuvor zirka 4.200 Meter hohe Tambora nur noch 2.850 Meter.
Auf dem Archipel starben schätzungsweise 100.000 Menschen durch giftige Gase, Tsunamis, schweres Gestein, Asche und Folgeereignisse. Die klimatischen Folgen waren über Jahre zu spüren. Die Temperatur fiel global durchschnittlich um etwa ein Grad Celsius. 1816 war das „Jahr ohne Sommer“ in Europa. Die Ernteausfälle in Teilen Europas und im Osten der USA führten zu Hungersnöten. Es kam zu Aufständen und Epidemien. In China starben Tausende Menschen in verheerenden Hochwassern. In Indien blieb der Regen bringende Monsun aus, sodass die meisten Felder verdorrten. Etliche verließen ihre Heimat.
In Deutschland erstreckt sich ein Band von Vulkanen von der Lausitz über Hessen bis in die Eifel, wo von den 340 bis 350 Vulkanen einige als aktiv eingestuft werden. Die Gefahr einer Eruption in der Eifel wird allgemein aber zu wenig beachtet. Doch Experten wie der Geologe Martin Koziol vom Maarmuseum Manderscheid, der Geophysiker Birger-Gottfried Lühr vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam und der Vulkanologe und Autor des Buches „Vulkane der Eifel“ (2009) Hans-Ulrich Schmincke betonen, dass immer noch Gasblasen in Maaren entweichen, was auf aufsteigendes Magma hindeuten könnte, der Untergrund in der Eifel sich derzeit mehr als in anderen Regionen Nordwesteuropas hebt und dehnt, an vielen Stellen Wasser mit Kohlensäure als Hinweis auf Hitze im Untergrund an die Erdoberfläche tritt sowie die beiden Kaltwasser-Geysire Wallender Born im Westen und der Andernacher Geysir im Osten durch den Gasdruck in zirka 30 Kilometer tiefen und bis zu 400 Grad Celsius heißen Kammern von Zeit zu Zeit ausbrechen.
Um die Menschen in der betroffenen Großregion zu sensibilisieren, ließ der Privatsender RTL unter wissenschaftlicher Beratung des Geologen und Vulkanologen Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen für über neun Millionen Euro den Katastrophenfilm „Vulkan“ für die Ausstrahlung im Oktober 2012 produzieren. Wer einen optisch-olfaktorischen Reiz in der Natur als Indiz für möglicherweise wieder aufsteigendes Magma erleben will, kann ihn in den am Ostrand des Laacher Sees aufsteigenden Kohlen- und Schwefeldioxid-Blasen finden.
Es ist aber offen, was anhaltende Aktivitäten im Untergrund wie niederfrequente Tiefenbeben, Bodenhebungen in Kombination mit strahlenförmiger Dehnung und Entgasungsphänomene über die Zukunft der Eifel aussagen. Um mehr Licht in die komplizierte Thematik zu bringen, wird das Gebiet mit wissenschaftlichen Verfahren wie Bodenmessstationen und Satelliten im Auge behalten. 2022 begann ein Überwachungsprojekt, bei dem unter Einsatz von 350 Geofonen in zwei Landkreisen die bis in den unteren Erdmantel reichende Dynamik festgehalten wird, um die möglichen Risiken genauer zu erfassen. Was keineswegs verdrängt werden sollte:
Unweit des eventuell jüngsten Maars der Eifel bei der Stadt Ulmen, für das Datierungen von durchschnittlich ungefähr 11.000 bzw. 8.750 Jahren vorliegen, befindet sich der Fliegerhorst Büchel, auf dessen Gelände vermutlich bis zu 20 US-Atombomben deponiert sind.
Nach Michael Cassidy und Lara Mani sind ungefähr 1.300 Vulkane in den zurückliegenden 10.000 Jahren irgendwann einmal ausgebrochen. Deshalb fragen sie: „Wird die Menschheit aus dem Beinahe-Unfall in Tonga lernen, oder wird nach der Pandemie eine Eruption großen Ausmaßes das nächste Ereignis sein, das die Welt unvorbereitet trifft?“
Das abschließende Wort zum Reflektieren soll ein Zitat des langjährig den Eifelvulkanismus untersuchenden Experten Hans-Ulrich Schmincke sein. Er bemerkte zur potenziellen Gefahr von Eruptionen: „Es ist zusammengenommen nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrscheinlich, dass die Eifel auch in Zukunft Schauplatz vulkanischer Ereignisse sein wird.“ Er fügte hinzu: „Wie bald, kann niemand vorhersagen. Es kann nur wenige Jahre dauern, aber auch Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende.“

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